Test: Philips Diktiergerät DPM 9600 (2007)

Vor fast drei Jahren haben wir hier das bislang beste digitale Diktiergerät vorgestellt, das Olympus DS 4000. Hier stimmte einfach alles: Anmutung, Wertigkeit, Bedienung und Zubehör. Jetzt gibt es bei den Profi-Apparaten die nächste Generation. Unser neues Referenzgerät kommt diesmal von Mitbewerber Philips Speech Processing. Die Nummer eins im Gesamtmarkt des digitalen Diktierens und Nummer zwei bei den Handgeräten präsentiert das Digital Pocket Memo (DPM) 9600 für rund 595 Euro. Von der Optik her orientiert es sich an dem Olympus: Solide Metalleinfassung, ein großes Monochromdisplay und ein präzise arbeitender Schiebeschalter, der im täglichen Einsatz ein haptisches Vergnügen bietet. Aber dann sieht man schnell erste Unterschiede: Beim Philips liegen alle Bedienelemente vorn und an der rechten Seite, beim Olympus Lautstärke und Einschalter hinten.

Diktiertechnik für den Profi: Philips DPM 9600 (Foto: Hersteller)

Dann die inneren Werte: Das DPM 9600 ist das erste und einzige Gerät, das den neuen Aufzeichnungsstandard DSS Pro beherrscht. DSS ist eine Art MP3 für Sprache. Die Aufzeichnungen werden stark eingedampft, damit sie sich flink als E-Mail verschicken lassen, etwa an ein Schreibbüro. Trotzdem klingt DSS sehr ordentlich. Beim neuen DSS Pro – zum Jahresende auch bei Olympus – reicht der aufgenommene Frequenzbereich jetzt bis 8 statt bis 6 Kilohertz. Das Ergebnis ist hörbar besserer Klang, und nicht nur das: Musste man bislang bei der Spracherkennung via Dragon Naturally Speaking ein etwas schlechteres Ergebnis in Kauf nehmen, wenn das Diktat nicht von einem Headset oder Diktiermikrophon, sondern vom Handgerät kam, ist diese Einschränkung nun Vergangenheit. Nach unseren Versuchen erreicht DSS Pro die Güte eines Headsets, die Umsetzung von Dragon ist identisch. Man kann sich also bei der Spracherkennung ein eigenes Benutzerprofil fürs Diktiergerät sparen, dessen Erstellung sehr aufwendig war.

Der zweite Vorteil von DSS Pro ist die bei Bedarf wählbare Verschlüsselung aller Sprachdateien, und zwar in Echtzeit während des Diktats. Kommt das DPM 9600 in falsche Hände, sind die Sprachdateien geschützt. Auch das Gerät selbst lässt sich mit einer Pin sichern. Nachteil der neuen Pro-Version: Die Dateien sind etwa doppelt so groß. In Zeiten von DSL und UMTS kann man damit leben.

Weitere Vorzüge des Philips sind schnell aufgezählt: Als Speichermedium kommt die weitverbreitete Secure-Digital-Karte zum Einsatz, auf 2 Gigabyte (für 25 Euro, mitgeliefert wird ein 128-Megabyte-Medium) passen dann 240 Stunden in bester Qualität, der Akku lässt sich mit einem Mini-USB-Kabel via Netz oder Notebook laden, und man muss dafür nicht (wie bei Olympus) die Docking-Station mitnehmen. Zudem hält der Kraftspender ausgesprochen lange, nämlich bis zu 18 Stunden. Bei einem Grundig Digta 415 etwa ist er schon nach vier Stunden leer.

Hinsichtlich Bedienung und Ausstattung steht das DPM 9600 ebenfalls auf dem Siegertreppchen. Nicht nur, dass der Schiebeschalter einen sehr robusten Eindruck hinterlässt. Seine aktuelle Position (es gibt vier Stufen) ist zudem auf dem Display eingeblendet, während man beim Olympus dafür einen Blick auf die Rückseite werfen muss. Das Philips ist zudem in verschiedenen Varianten lieferbar. Das 9600 hat die internationale Schiebeschalter-Belegung wie bei Olympus, die sonst identische Schwester 9620 lässt sich auf die Modi „Grundig“ und den älteren Philips-Standard programmieren. So behält man also stets seine gewohnte Bedienung bei, wichtig für Vieldiktierer. Alle Details sind an Bord: Man kann mit Index-Markierungen arbeiten, sieht den Diktatfluss auf einem Laufband, es gibt eine sprachgesteuerte Aufzeichnung (mit variablem Auslösepegel), eine regelbare Mikrophonempfindlichkeit und eine Rauschunterdrückung, um den Frequenzbereich der menschlichen Stimme besonders gut hervorzuheben. Die beiden Tasten unterhalb der Anzeige arbeiten als Softkeys, wechseln also ihre Bedeutung je nach Menü. Besonders praktisch sind die detaillierte Dateiinformation und die ausgeklügelte Diktat-Verwaltung mit Stichworten.

Die mitgelieferte Software Speech Exec Pro ist mit ihren vielen Möglichkeiten geradezu erschlagend. Sie ist das Arbeitswerkzeug am Schreibplatz oder dient dazu, Diktate mit nur einem Knopfdruck an die Spracherkennung zu übergeben. Das klappt auch bei Aufzeichnungen im DSS-Pro-Format prima. Sprachdateien lassen sich automatisch anhand von Benutzerkennungen, die am Diktiergerät eingestellt wurden, per E-Mail oder FTP verschicken. Ganze Befehlsketten und Regeln sind programmierbar, auch in Abhängigkeit vom Diktierer und von seinem Kürzel. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, gibt es neben der mitgelieferten Docking-Station eine weitere mit LAN-Anbindung für 300 Euro extra. Das bedeutet dann beispielsweise im Krankenhauseinsatz, dass diese eine Station die unterschiedlichen Diktiergeräte der Ärzte aufnimmt und identifiziert und ganz ohne PC-Unterstützung über das Netz an die richtigen Schreibkräfte schickt. Natürlich lässt sich ein Barcode-Leser an das DPM 9600 anstecken, so dass mit Diktatbeginn gleich die Patienten- oder Klientennummer erfasst ist.

Alles in allem ist das DPM 9600 ein phantastisches Gerät für den Profi, der jeden Tag diktiert. Man kann sofort mit seiner ersten Aufzeichnung loslegen, und wenn man sich länger mit Apparat und Software beschäftigt, entdeckt man die vielen Möglichkeiten für einen effizienten Arbeitsablauf in Kanzlei oder Arztpraxis. (F.A.Z. vom 27.02.07)