Test: Olympus DS 5000 Diktiergerät (2008)

Einige Kleinode liegen auf dem Schreibtisch. Sie haben rund 600 Euro gekostet, und nun werden sie nach monatelangem Einsatz inspiziert. Dem teuren Handy sieht man den täglichen Gebrauch überdeutlich an: Kratzer auf der Display-Abdeckung, Staub hinter der Anzeige, und die Ecken sind angestoßen. Eine Taste wackelt leicht. Und nun das Kontrastprogramm: Das nicht weniger intensiv eingesetzte Diktiergerät sieht aus wie neu. Keine Kratzspuren, kein Staub, nichts. Und mit seiner exzellenten Verarbeitungsqualität begeistert es wie am ersten Tag. Wie kann es sein, dass ein solches Gerät der Oberklasse, dessen mechanischer Schiebeschalter jeden Tag einige tausend Mal strapaziert wird, so günstig ist, fragen wir uns.

Profi-Gerät: Olympus DS 5000 (Foto: Hersteller)

Das Olympus DS 5000 richtet sich an den Vieldiktierer, meist ein Arzt oder Anwalt. So wundert kaum, dass diese Pretiose höchsten Ansprüchen gerecht werden muss, wenn man berücksichtigt, dass sie an jedem Arbeitstag stundenlang in der Hand gehalten wird. Es ist das erste Olympus-Gerät mit DSS Pro, also mit verbesserter Akustik und Echtzeitverschlüsselung der Diktate, und der schärfste Konkurrent des Philips-Spitzengeräts DPM 9600 mit DSS Pro, das schon länger auf dem Markt ist und das wir hier noch einmal vergleichend hinzuziehen, weil sie die besten Diktiergeräte sind, die man derzeit kaufen kann.

Hinsichtlich Anmutung, Ergonomie, Verarbeitung und Bedienung gibt es kaum Kompromisse. Es sind keine Plastikspielzeuge aus der Ex- und Hopp-Welt der Elektronikmärkte, sondern hochwertige Arbeitsinstrumente für den Dauereinsatz. Das große, beleuchtete Display zeigt im Klartext alle Aktionen und Menüs unmissverständlich an, Olympus mit deutlich mehr Details. Beim DS 5000 lassen sich drei Tasten unterhalb der Anzeige (am PC mit der beiliegenden Software) programmieren, und zwar abhängig vom Menü-Status. Ein weiterer Pluspunkt ist der Schiebeschalter des DS 5000: ein Meisterstück der Feinmechanik. Er arbeitet im Unterschied zur Konkurrenz geräuschlos und fährt absolut leichtgängig und geschmeidig auf seine vier Positionen. Beim Philips hingegen ist deutlich mehr Widerstand zu spüren (was als taktile Rückmeldung sinnvoll sein kann). Beide Produkte visualisieren den Stand des Schalters auf ihrem Display, so dass der ungeübte Nutzer eine optische Rückmeldung bekommt.

Olympus und Philips spielen souverän alle Vorzüge der digitalen Diktiertechnik aus: Die stark eingedampften Sprachdateien lassen sich flink auf den PC kopieren, beim neuen Olympus superschnell dank USB High-Speed. Man kann mit Index-Markierungen arbeiten, sieht den Diktatfluss auf einem Laufband, es gibt eine sprachgesteuerte Aufzeichnung (mit variablem Auslösepegel) und nicht zuletzt eine regelbare Mikrofonempfindlichkeit (beim Philips in drei, beim Olympus in zwei Stufen mit besserer Nebengeräuschunterdrückung).

Beide Geräte sind im täglichen Umgang phantastisch, sie unterscheiden sich aber in Details. Während bei Philips alle Aufnahmen im Stammverzeichnis der Speicherkarte landen, bietet Olympus bis zu sieben Ordner (sie lassen sich gegebenenfalls ausblenden), um schon vor der Aufnahme thematisch oder nach Autor zu sortieren. Und man kann einen oder mehrere Ordner (am PC) so programmieren, dass alles, was darin landet, gleich verschlüsselt wird. Bei Philips wiederum muss man öfter ins Menü gehen, und die Dateiverschlüsselung lässt sich nicht fallweise, sondern nur für alle Diktate ein- oder ausschalten. Pluspunkte des DPM 9600 zeigen sich beim Vor- und Zurückspulen durch die Aufnahmen – hier ist es schneller und präziser als das DS 5000 – und beim Umgang mit Indexmarkierungen, die optisch auf dem virtuellen Laufband angezeigt werden.

Beide Diktiergeräte nutzen Secure-Digital-Medien, schon eine kleine 1-Gigabyte-Karte bietet Platz für mehr als 80 Stunden Aufnahme in höchster Qualität. Olympus spendiert seinem DS 5000 eine zweite Micro-SD-Karte, die mit chirurgischem Werkzeug aus dem Batteriefach herausgepfriemelt werden kann: Da Speicherplatz weder knapp noch teuer ist, sehen wir hier keinen Gewinn (es sei denn, dass es irgendwann Erweiterungen für den SD-Schacht geben würde) und den Nachteil, dass beim Andocken an Windows gleich zwei störende „Was soll ich nun mit dem Laufwerk anfangen?“-Meldungen aufploppen. Auch irritiert, dass man hier zwischen verschiedenen USB-Klassen umschalten muss.

Im Dauereinsatz hat das Olympus die längere Akkulaufzeit, die wir auf rund 25 Stunden schätzen (beim Philips etwa 10). Die Modellvariante DS-5000 iD (für 50 Euro Aufpreis) bietet zusätzlich einen Fingerabdruckscanner auf der Rückseite, der neben einer (optionalen) Pin-Code-Eingabe das Gerät bei Diebstahl schützt. Er speichert bis zu 10 Fingerabdrücke und funktioniert selten beim ersten Anlauf. Für das Diktieren im Auto ist er hinderlich, wir würden darauf verzichten.

Zum Lieferumfang gehört jeweils eine Docking-Station, in die das Gerät ohne Fummelei hineingesetzt und geladen wird, mit ihr erfolgt auch der Datentransport zum PC (wahlweise zusätzlich über Mini-USB). Was dann mit den Diktaten geschieht, ist eine Sache des digitalen Workflows in Kanzlei oder Praxis, der mittlerweile zu einer Wissenschaft für sich geworden ist. Um es in Kürze anzudeuten: Die Sprachdateien lassen sich automatisch anhand von Benutzerkennungen, die am Diktiergerät eingestellt wurden, per E-Mail oder FTP verschicken: beispielsweise an die Sekretärin im Haus oder ein externes Schreibbüro. Ganze Befehlsketten und Regeln sind programmierbar, auch in Abhängigkeit vom Diktierer und seinem Kürzel. Das alles macht die Philips-Software schnell, schlicht und schnörkellos. Olympus will deutlich mehr bieten, vor allem für Großunternehmen mit Hunderten von Nutzern. Aber das sehr ambitionierte „Dictation Module“ in der Version 5 ist derzeit noch nicht ausgereift, obwohl es schon verkauft wird. Wir werden darauf später zurückkommen.

Sowohl das Philips wie auch das Olympus sind für die Spracherkennung mit Dragon Naturally Speaking bestens geeignet. Wir empfehlen dann allerdings nicht die Software der beiden Hersteller, sondern „4 Voice Local“ (www.4voice.de, F.A.Z. vom 16. Oktober 2008), das eine flinke Umsetzung der Diktate mit „Drag & Drop“ erlaubt und übrigens auch die perfekte Einbindung der Handmikrofone beider Hersteller in Dragon. (F.A.Z. vom 19.08.08)