Test: HiFi und Navi im Lexus LS 600h

11 bis 12 Liter Super im täglichen Verbrauch: Das ist ein respektabler Wert für diese Oberklasse-Limousine, die ein Leergewicht von fast 2,4 Tonnen mitbringt und mit ihrem Achtzylindermotor in nur 6,9 Sekunden den Standardspurt auf 100 km/h zurücklegt. Das Geheimnis ist der Hybridantrieb des Lexus LS 600h, der vor allem in der Stadt, beim Anfahren oder langsamen Dahingleiten den Verbrauch drastisch reduziert. Aber auch in Sachen Kommunikation und Unterhaltung weiß der teure Lexus – Basispreis 109 400 Euro – mit insgesamt 327 kW (445 PS) durch einige Extras zu überzeugen.

Das Konzertgebäude: Lexus LS 600h (Fotos: Hersteller)

Das wohl spektakulärste davon ist die Ambience-Ausstattung für 16 250 Euro. Sie bietet nicht nur eine feinere Lederausstattung, sondern den hinten Sitzenden voll elektrifizierte Sessel (mit Massagefunktion) sowie einen DVD- und Fernsehbildschirm, der motorbetrieben aus dem Dachhimmel ausfährt. Drahtlose Kopfhörer gehören ebenfalls dazu. Doch auch Fahrer und Beifahrer müssen auf gute Unterhaltung nicht verzichten. Serienmäßig bringt der Lexus LS 600h eine High-End-Audioanlage der amerikanischen Spezialisten von Mark Levinson mit: 19 Lautsprecher spielen mit bis zu 450 Watt auf, Surround-Sound und sechsfach-DVD-Wechsler inklusive.

Hier sitzt der Dirigent: Taktstock und einiges mehr

Dieses mobile Hörstudio hat es uns im zweiwöchigen Fahrbetrieb angetan: Bei jeder Musikrichtung war der Auftritt souverän, die Anlage ist nicht auf schnell ermüdende Effekte aus, sondern bietet einen sehr präzisen und ausgewogenen Klang. Gezupfte Kontrabässe oder satt getretene Bass Drums kommen geradezu mühelos aus den Lautsprechern, bei Stimmen oder Soloinstrumenten steht jedes musikalische Detail mit anstreckender Frische und Lebendigkeit im Raum. Eine feine Leistung, man sollte den Lexus Probe hören.

Als Zuspieler für die Musik kommt neben der CD oder der mit MP3-Titeln bestückten DVD auch die Festplatte des Navi-Systems zum Einsatz. Von ihren 40 Gigabyte bleiben zehn für eigene Stücke übrig. Audio-CDs lassen sich also „rippen“, sie werden automatisch in das platzsparende WMA-Format eingedampft (128 KBit/s) und bei Bedarf mit Titelinformationen aus der im Lexus hinterlegten Gracenote-Musikdatenbank versehen. Die private Bibliothek lässt sich mit geradezu unendlich vielen Möglichkeiten sortieren, man kann Wiedergabelisten anlegen und sich den Bestand beispielsweise nach Genre oder Interpret anzeigen lassen.

Wer all diese angenehmen Verwaltungsaufgaben rund um die Musik lieber am iPod oder iPhone erledigt, kommt ebenfalls zum Zug. Die Apple-Produkte docken mit einem USB-Kabel an, ihre Musikbibliothek ist sodann mitsamt Alben und Wiedergabelisten über den berührungsempfindlichen Bildschirm zugänglich. Noch mehr Annehmlichkeiten gefällig? Wer ein iPhone oder ein anderes Smartphone mit dem Bluetooth-Profil A2DP hat, überträgt Titel und Alben drahtlos an die HiFi-Abteilung des Lexus, muss aber auf die komfortable Steuerung mit dem Touchscreen verzichten.

In Sachen Telefonie und Navigation bietet der Lexus gute Mittelklasse-Leistungen, das gesamte Paket gehört zur Serienausstattung und wird weitgehend mit dem Touchscreen bedient, der bei Bedarf übrigens auch den Energiefluss der Hybridanlage schön visualisiert. Klar beschriftete Tasten rings um das LED-beleuchtete Display führen in die Hauptmenüs. Bei der Routenführung durch ganz Europa überzeugt der Kopilot mit flink zu erledigender Zieleingabe und flotter Streckenberechnung. Die Ausstattung ist ordentlich wie bei anderen Toyota-Anlagen. Das Navi bietet bei Bedarf drei verschiedene Routen an, zwei schnelle und eine kurze, und mit Beginn der Fahrt lassen sich sämtliche Inhalte individuell konfigurieren. So stehen etwa eine zwei- oder dreidimensionale Kartendarstellung parat, wahlweise um Zusatzinfos oder Abbiegelisten ergänzt, und in Kreuzungsnähe baut sich automatisch ein Schemadiagramm des Straßenverlaufs auf.

Eine TMC-Funktion hilft beim Erkennen und Umfahren von Stauungen. Nur könnte die Beschreibung der einzelnen Verkehrshindernisse etwas detailreicher ausfallen, und es fehlen Hinweise auf das gerade geltende Tempolimit. Weitere Kritik: Zwar ist eine Sprachbedienung vorhanden, aber sie versteht nur wenige Kommandos, geschweige denn die gesprochene Eingabe von Straße und Ort. Das präzisere TMC-Pro ist für den Lexus nicht zu haben, und wer bei „Oberklasse“ an Gimmicks wie einen Internetzugang, E-Mail oder gar ein Head-up-Display denkt, liegt hier falsch. Der Fokus der Japaner liegt also ganz klar auf der Musikanlage und der Unterhaltung für die Fond-Passagiere. Vermutlich, weil man sich in diesem Premiumfahrzeug ohnehin am besten chauffieren lässt. (F.A.Z. vom 16.11.10)

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