Test: PCM im Porsche Panamera 2010

Da stellt sich gleich das typische Wohlfühlgefühl ein. Es stimmt einfach alles: Haptik, Anmutung, Verarbeitungsqualität und die Technik im Detail. Zwei Wochen im Panamera waren porsche. Die viersitzige Schräghecklimousine hatte PCM an Bord, das „Porsche Communication Management“ mit großem (18 Zentimeter) Farbdisplay, Radio, CD- und DVD-Laufwerk sowie Navigation. Mit dieser Basisausstattung für 3100 Euro ist man schon bestens bedient. Man nimmt Platz in der Oberklasse – und kommt sofort klar. Was auf den ersten Blick etwas erschlagend wirkt, nämlich die zahlreichen Tasten rund um den Wählhebel des Schaltgetriebes, zeigt bei genauem Hinsehen eine feine Logik als Folge einer Grundsatzentscheidung: eigene Tasten für wichtige Dinge, mit einem Handgriff schnell erreicht, keine Controllerbasierte Kommunikationstechnik, kein Overkill an Funktionen, sondern geradlinige Technik für jene, die an erster Stelle fahren und nicht spielen wollen.

Ein ganzer Kerl: Porsche Panamera (Fotos Hersteller)

PCM im Panamera ist seinen Geschwistern im 911er und im Boxster sehr ähnlich. Markantester Unterschied ist das zusätzliche runde, farbige Display rechts vom Drehzahlmesser, das unabhängig von der Hauptanzeige die Inhalte anderer Module zeigt und mit den Lenkradtasten bedient wird. Es löst höher auf als bei den Geschwistern und zeigt zur Navigation gar eine Minikarte. Die Steuerungseinheit für PCM liegt gut erreichbar in der Armaturentafel, klar beschriftete Tasten führen in die Hauptmenüs. Die Bedienung des Ganzen ist einfach, haptisch ist das ein Genuss. Mit dem rechten Drehsteller fährt man durch die Menüs, eine Zurücktaste führt einen Schritt retour. Dazu wird die Menüstruktur stets auf dem Bildschirm angezeigt, für wichtige Funktionen wie „Naviansage wiederholen“ oder „Landkartendarstellung einblenden“ gibt es eigene Tasten.

Radioempfänger und HiFi-Abteilung überzeugen, wir hatten das Bose-Surroundsystem (1350 Euro) mit 14 Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 585 Watt im Testwagen. Als Zuspieler neben CDs und DVDs kann auch ein iPhone dienen mit Hilfe der „universellen Audioschnittstelle“ für 330 Euro. Im Ablagefach der vorderen Mittelarmlehne sind dann zwei Anschlüsse vorhanden: Mit USB kann man Speichersticks und diverse MP-Spieler andocken, aber auch die Apple-Geräte mit dem proprietären Stecker.

Ein iPhone 4 wurde sofort von PCM erkannt. Am Bildschirm lässt sich durch sämtliche Alben blättern, die Wiedergabelisten stehen parat, und es gibt sogar eine Volltextsuche. Kurioses Detail: Die Abteilung „Podcast“ des iPhone 4 wird nicht angezeigt, man muss die entsprechenden Sendungen manuell suchen. Das iPhone wird zudem über den USB-Adapter geladen. Wer einen anderen MP3-Spieler einsetzen will, nimmt die Aux-Schnittstelle mit Klinkenbuchse oder die moderne drahtlose Musikübertragung mit dem Bluetoothprofil A2DP. Das Handy oder Smartphone bleibt in der Jackentasche, nur fehlt natürlich die Musikauswahl über PCM, sie muss am Gerät erfolgen. Und um die Vielfalt auf die Spitze zu treiben: Wir koppelten das iPhone mit Bluetooth an die Telefonabteilung von PCM an – und vermochten gleichzeitig mit A2DP unsere Musik hören.

In diesem Sinne ist der Porsche Panamera für alle Anforderungen bestens gerüstet, und wer noch besseren Klang sucht, sollte beim Händler das High-End-Soundsystem von Burmester zur Probe hören, das für 4800 Euro in der Aufpreisliste steht. Der Panamera ist das erste Fahrzeug, das sich ab Werk mit einer Anlage der berühmten Berliner Manufaktur schmückt. Kleine Kritik: Mit dem Einschalten der Zündung aktiviert PCM automatisch das Radio, auch wenn es beim Verlassen des Fahrzeugs ausgeschaltet wurde. Und mit A2DP muss man einige Sekunden warten, bis das Bluetooth-Gerät von PCM erkannt ist.

Das feine Fahren: Innenansicht des Panamera

Telefoniert wird im Panamera wahlweise mit dem internen Telefonmodul von PCM (dazu steckt man seine Sim-Karte in die Anlage) oder mit Bluetooth – im Testbetrieb reibungslos mit Übernahme des Telefonbuchs und der Ruflisten. Wer das professionelle Sim-Access-Profil nutzen will, benötigt das „Telefonmodul mit Bedienhörer“ für 1250 Euro, das einfachere Bluetoothprofil „Handsfree“ wird von der „Handyvorbereitung“ (650 Euro) abgedeckt.

Auch in Sachen Navigation muss man im Panamera keine Kompromisse eingehen. Klare Ansagen und eine ordentliche Landkartendarstellung werden geboten, Fahrspurassistenten gehören im Unterschied zu älteren PCM-Anlagen nun ebenfalls dazu. Hochwertige Verkehrsinformationen à la TMC Pro oder den Einsatz von Floating-Car-Data zur Stau-Erfassung hat Porsche nicht im Angebot. Neu aber: Hinweise auf das geltende Tempolimit, die sich im Zweitdisplay permanent einblenden lassen. Eine praktische Sache – allerdings kommen die Geschwindigkeitsinformationen aus dem Kartenmaterial der Navi-DVD und sind alles andere als aktuell. Eine kameragestützte Auswertung der realen Verkehrszeichen gibt es bei Porsche derzeit noch nicht, von einem Internetzugang und anderen Oberklassediensten wie bei BMW und Audi gar nicht zu reden. Aber das ist für einen Porsche-Fahrer möglicherweise ja ohnehin überflüssiger Schnickschnack. (F.A.Z. vom 28.09.10)