Test: iDrive im 5er-BMW 2010

Als BMW vor zwei Jahren das modernisierte 7er-Modell vorstellte, zog auch ein rundum verbessertes iDrive-System für Kommunikation, Routenführung und Unterhaltung in die bayrische Oberklasse ein. Mit dem jetzt neuen 5er-BMW, der seit Januar im Handel ist, gibt es für die Freunde der Marke eine verflixt gute Nachricht: Auch in der oberen Mittelklasse lässt sich jetzt aus dem Vollen schöpfen – vorausgesetzt, man hat eine Flatrate für die Ausstattung mit Sonderzubehör, denn die Liste der Möglichkeiten und Optionen ist geradezu erschlagend.

Das ganze Internet: BMW macht's vor (Foto Spehr)

Was uns im zweiwöchigen Fahrbetrieb am besten gefiel, war das Head-up-Display (1390 Euro). Es projiziert Informationen in die Frontscheibe: ein virtuelles Bild wird mit der realen Sicht nach draußen überlagert. Um die Inhalte zu erfassen, muss man nicht den Blick von der Fahrbahn abwenden, sondern sieht diese unaufdringlich und dezent mit der gewohnten Fokussierung des Auges auf Fernsicht. Ein Navigationspfeil erscheint etwa so, als schwebte er durchsichtig über der Straße. Der immense Vorteil des Head-up-Displays ist also die minimale Ablenkung vom Verkehrsgeschehen, und die mehrfarbige Darstellung mitsamt raffinierter Piktogramme für die Navigation, Fahrspurassistenten, die Spurverlassens-Warnung und die Einstellungen der aktiven Geschwindigkeitsregelung ist ein klarer Pluspunkt. Ferner werden Geschwindigkeitsbeschränkungen mit einer Kamera erfasst und ebenfalls eingeblendet. Diese Tempolimit-Erkennung (320 Euro) funktioniert zwar, wie bei allen Herstellern, nicht immer einwandfrei, ist aber eine große Hilfe für den Vielfahrer.

Das neue iDrive im 5er-BMW ist wie beim großen Bruder eine Abkehr vom zentralistischen System der Einknopf-Bedienung mit strenger Menüstruktur und bietet nun einen Pluralismus der Bedienmöglichkeiten und unterschiedlicher Wege zum Ziel. Die neue Offenheit zeigt sich in vielerlei Hinsicht: Der deutlich verkleinerte Controller ist umgeben von einzelnen Tasten, die unmittelbar in die Funktionsbereiche CD, Radio, Navigation und Telefon führen. Mit weiteren Tasten geht man einen Schritt zurück, springt direkt ins Hauptmenü oder ruft zugehörige Optionen auf.

Controller: Der schnelle Weg in die Menüs (Foto Spehr)

Die wichtigsten Einstellungen für Klima und Belüftung werden wieder ganz konventionell mit Schaltern in der Mittelkonsole vorgenommen, und die Bewegungsrichtungen des Controllers wurden reduziert. Weiterhin lassen sich acht Favoritentasten frei programmieren, etwa mit dem Lieblingssender des Radios, der Büroanschrift für die Navigation oder einer Telefonnummer. Dazu kommt eine nahezu perfekte Sprachbedienung, die sich in allen Situationen und Programm-Modulen als rettender Helfer bewährt, wenn man mal nicht weiterweiß. Sie versteht so gut wie alles, auch Straße und Ort bei der Zieleingabe der Navigation, und nervt im Unterschied zu anderen Systemen nicht mit geschwätziger Schulmeisterei. Für 410 Euro ein sehr empfehlenswertes Extra.

Das Leben mit dem von uns erprobten „Professional“-System (3800 Euro, mit Handyvorbereitung) spielt sich auf mehreren Ebenen ab: Die Flüssigkristallanzeige in der Mittelkonsole hat die atemraubende Diagonale von 26 Zentimeter und löst mit 1280×480 Pixel auf, das ist spektakulär, insbesondere wenn auf dem Navi-Bildschirm in dreidimensionaler Darstellung sogar Höhenprofile oder fotorealistische Abbildungen von Sehenswürdigkeiten erscheinen. Die Anzeige auf dem Bildschirm lässt sich teilen, um beispielsweise neben der aktiven Routenführung zusätzlich Details des laufenden Unterhaltungsprogramms abzulesen. Das Manövrieren auf dem Bildschirm mit dem Controller ist einfacher geworden, man bewegt quasi einzelne Menü-Arbeitsflächen in der Horizontalen. Das zweite Anzeigefeld sind die Hauptinstrumente im Cockpit rund um Tachometer und Drehzahlmesser, die auf einem Black-Panel-Display mit homogener schwarzer Fläche erscheinen. Welche Details dann sichtbar sind, etwa Daten des Bordcomputers, kann man in gewissen Grenzen selbst programmieren.

Den Internetzugang mitsamt Browser halten wir nicht für eine Weltsensation. Während sich Audi für den Gang ins Netz auf eine Google-Suche fokussiert, sind bei BMW ganze WWW-Seiten wie am PC abrufbar, allerdings nur im stehenden Fahrzeug und nach mühseliger Adresseingabe mit dem Controller (Audi hält dazu ein Touchpad mit Handschrifterkennung bereit). Dank eingebauter Sim-Karte von T-Mobile konnten wir in der Frankfurter Innenstadt mit Edge-Tempo surfen, UMTS fehlt bislang. Ehrlich gesagt: Der Browser ist eine nette Zugabe, aber wir haben ihn nie gebraucht. Deutlich sinnvoller im geschäftlichen Einsatz ist der Abruf von E-Mail, RSS-Nachrichten oder Wetterberichten im Fahrzeug. Diese Angebote von BMW Online und Connected Drive gibt es schon länger, sie lassen sich auch während der Fahrt nutzen.

Dass die Navigation höchsten Ansprüchen genügt und sämtliche Eingaben flink von der Hand gehen, versteht sich von selbst. Man kann mit den Online-Paketen die Zieleingabe im Internet vornehmen und ins Fahrzeug übertragen oder Ziele von einem USB-Stick laden. Es gibt nun eine Suche nach Tankstellen entlang der Route und wie gehabt die besonders präzisen Verkehrsinformationen von TMC Pro. Letztere waren während unserer zweiwöchigen Fahrten wieder einmal den kostenlosen TMC-Nachrichten der Rundfunkanstalten deutlich überlegen, vor allem bei der Meldung der Aufhebung von Verkehrsstörungen. Die Ansagen sind erfreulich knapp und präzise, die Zurückhaltung des Kopiloten ist ein klarer Vorzug gegenüber dem penetranten Geplapper, dem man vor allem in asiatischen Fahrzeugen ausgesetzt ist. Wir ließen uns meist nur mit den Piktogrammen im Head-up-Display führen: Unseres Erachtens ist die Reduzierung auf das Wesentliche dienlicher als der Fotorealismus auf dem großen Display.

Die Navi-Abteilung hält das Kartenmaterial auf einer 80-Gigabyte-Festplatte vor, 12 Gigabyte bleiben davon frei für eigene Musikaufnahmen. Man kann also mehr als 100 CDs im Auto „rippen“, wobei BMW keine Angaben zum komprimierenden Datenformat macht. Die Titel werden von der Gracenote-Datenbank automatisch bezogen, und anschließend findet man eine Musikverwaltung à la iPod auf dem Bildschirm vor, wo sich nach Interpreten, Alben oder Titeln suchen lässt. Dass sich auch MP3-Dateien vom USB-Stick importieren lassen, ist ein schöner Luxus. Als Sahnehäubchen darf das Bluetooth-Protokoll A2DP gelten, es sorgt für die drahtlose Musikübertragung vom Handy in die HiFi-Anlage des 5er-BMW – und funktionierte im Zusammenspiel mit einem iPhone 4 prima.

Hat sich BMW in allen Abteilungen und Details größte Mühe gegeben und den neuen 5er mit einer Fülle von Finessen ausgestattet, gilt das leider nicht für die mobile Telefonie und Handy-Anbindung. Bietet Audi eine perfekte Anbindung von Business-Telefonen mit dem Sim-Access-Profil und separatem Funkmodul, muss man bei BMW wie gehabt auf den letzten Feinschliff verzichten und die schlichten Freisprech-Profile nehmen oder den „Snap in“-Adapter SAP für die Mittelkonsole wählen, eine mechanische Halterung, die wiederum nur für sehr wenige Telefone verfügbar ist. Indes bietet der neue 5er ein Extra, das unseres Wissens einzigartig ist: In Verbindung mit Connected Drive lassen sich einige Funktionen des Fahrzeugs mit einem iPhone fernsteuern. Die App „My BMW Remote“ erlaubt beispielsweise die Einschaltung der Standheizung oder die Betätigung von Verriegelung, Lichthupe oder Hupe sowie die Ortung des geparkten Wagens. Unglaublich cool, und schon arbeiten die Bayern an einer Automatik, die selbsttätig das Einparken per Fernbedienung erlaubt. (F.A.Z. vom 19.10.10)

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