Test: Vertu Constellation Quest

Die Nokia-Tochter Vertu ist seit vielen Jahren der wohl bekannteste Hersteller besonders exklusiver und teurer Design-Handys. Die Geräte werden in der Manufaktur von Hand gebaut, edle Materialien und Perfektion bis ins Detail sind typisch für Vertu. Das Betriebssystem dieser Pretiosen, die im günstigsten Fall 3000 Euro kosten, häufig aber auch das Zehnfache, stammt von Nokia, es wird jedoch mit einer feineren Optik und neu komponierten Tönen so aufgehübscht, dass es auf den ersten Blick nicht als Symbian identifizierbar ist.

Da gibt's kein Vertun: Die luxuriösesten Handys baut Vertu (Foto Hersteller)

Nun wagt Vertu den Schritt in Richtung Smartphones und präsentiert als erstes Modell das Constellation Quest mit Mini-Tastatur. Schon sein Aussehen deutet es an, und ein Blick in die Menüs bestätigt: Es handelt sich bei diesem mindestens 5500 Euro teuren Schmuckstück um ein Nokia E72 in hochwertigem Gehäuse.

Man kann nun vortrefflich über das alte Symbian-Betriebssystem lästern, wenn man es mit dem iOS von Apple oder Android vergleicht. Symbian mit seiner umständlichen und verqueren Bedienung, mit seinem Ballast und seiner Unübersichtlichkeit hat Nokia in eine tiefe Krise gestürzt, aber darum geht es hier ja nicht. Nur eine Bemerkung: Wer sich dieses Schwergewicht (165 bis 185 Gramm, je nach Materialien) mit der Perspektive leistet, von technischem Firlefanz verschont zu bleiben und einen besonders einfachen Zugriff auf Internet und E-Mail zu haben, um sich in aller Ruhe seinen Geschäften an der Börse und den Ausfahrten im Rolls-Royce-Phantom widmen zu können, liegt falsch. Es ist kein gutes Smartphone, sondern es schleppt alle typischen Nokia-Probleme mit, und an erster Stelle: den schlechten Web-Browser, das verquere E-Mail-System und die geradezu lächerliche Bildschirmauflösung von 320 × 240 Pixel. Wir nehmen aber wohlmeinend an, dass der Besitzer eines Constellation Quest im Internet surfen und sich seine elektronische Post ausdrucken lässt. Insofern geht diese Kritik gewiss in die falsche Richtung.

Also gilt der Blick der Verarbeitung und dem Design: Es strahlt die Kühle des Geldes, nicht mondäne Zurückhaltung aus. Jede Stelle zeigt, dass man sich ein Vertu leisten kann. Seine Kleider verhüllen nicht, sie stellen offen zur Schau. Wer es massiv und opulent mag und glaubt, damit endlich zu den Reichen und Schönen dieser Welt zu gehören, wird begeistert sein. Das Constellation Quest will Opulenz zeigen, es versinkt im Luxus und ist alles andere als sozialverträglich.

Die Verarbeitungsqualität überzeugt, darauf darf man sich bei Vertu wie immer verlassen, und man könnte seitenweise darüber schreiben, wie aufwendig jedes einzelne noch so kleine Detail gestaltet ist. Einige Minuspunkte fallen aber trotzdem ins Auge: Die oberen Menütasten sind zu schwergängig; besonders die vier Schnellzugriffe fürs Hauptmenü, den Kalender, die E-Mail und die Kontakte lassen sich kaum präzise auslösen. Der Tastenhub ist viel zu gering, und in Verbindung mit der bisweilen trägen Reaktion auf Eingaben entsteht ein ungutes Gefühl.

Im direkten Vergleich mit dem Nokia E72 hat man aber einiges verbessert. Der Schacht für die Sim- und Speicherkarte ist von der Seite ins Innere unter den Akku-Deckel verlegt worden, was mehr Schutz verspricht. Die Speicherkarte bietet üppige 32 Gigabyte, zusätzlich gibt es ein internes Acht-Gigabyte-Laufwerk. Bei den Menüs wurden abermals etliche Verschönerungen vorgenommen. Allerdings sind diese im Unterschied zu anderen Vertu-Modellen nicht durchgängig. So sieht man an allen Ecken und Enden die bekannten Nokia-Menüs, -Symbole und -Farben, was beim Vorführen im Private Member Club für gewisse Irritationen sorgen dürfte. Auch die Fünf-Megapixel-Kamera kann nicht überzeugen. Zu den Pluspunkten wiederum zählen die Vertu-Dienste wie die Concierge, die einem rund um die Uhr zu Verfügung steht, wenn man beispielsweise von jetzt auf gleich einen Privatjet braucht, sowie die zahlreichen Angebote für Reisende. Wenn sich der Chauffeur verfahren hat, kann man das Constellation Quest als Navigationssystem einsetzen, hier bewährt sich Nokias „Karten“. Alles in allem haben wir uns vom ersten Vertu-Smartphone deutlich mehr versprochen. Es kommt eben nicht nur auf die feine Hardware an. (F.A.Z. vom 21.12.10)

Staubsauger-Roboter: Showdown an der Blumenvase

Den geschulten Blick der Hausfrau ersetzen sie durch Fleiß und Technik: Zwei Staubsauger-Roboter für die tägliche Reinigung. Bei Preisen von weniger als 500 Euro ist diese Putzhilfe so überzeugend, dass man nicht mehr darauf verzichten möchte.

Roomba stürzt nach vorn, schön freigespielt hat er sich, dribbelt dann aber taktisch etwas unreif um den Sessel herum, vertrödelt wertvolle Sekunden, und da kommt auch schon Navibot quasi aus dem Nichts unter dem Sofa hervorgeschossen, kämpft sich durch die Mitte, aber der Teppich, er ist unglaublich schwer bespielbar, und nun Strafraumkante Blumenvase, leichte Berührung, o, je.

Ja, das ist wieder mal ein Duell auf Augenhöhe im Wohnzimmer. Nein, es geht nicht um Fußball, sondern um zwei Staubsaugroboter, deren souveräner Einsatz für die Sauberkeit nicht weniger spektakulär anzusehen ist. Allein wie pfiffig sich der Navibot verhält, wenn der frontale erste Anlauf auf den schweren Teppich scheitert. Er dreht sich flink um seine eigene Achse und probiert es schräg in einem Winkel von 45 Grad noch einmal. Oder wie sich der Roomba der Kellertreppe nähert – und die für ihn tödliche Gefahr unmittelbar erkennt. Er stoppt aufgrund der sich dabei einstellenden Schräglage sofort; vorsichtig schleicht er dann an der Kante entlang.

Roomba 581: Der flinke Kehrer aus Amerika

Staubsaugerroboter sind keine neue Erfindung. Zentnerschwere Studien mitsamt eingebauter Kamera gab es schon vor 30 Jahren. Im Laufe der Zeit wurden die Geräte kleiner und klüger, und 2001 brachte Electrolux für 1600 Euro seinen Trilobite auf den Markt, den Urahn aller heutigen Modelle. Was damals ein schönes und teures Spielzeug für einkommensstarke Singles war, ist mittlerweile so ausgereift und günstig, dass man getrost zugreifen kann. Wir haben den Navibot von Samsung und den Roomba 581 des amerikanischen Herstellers iRobot mehrere Wochen lang ausprobiert, und ein Ergebnis steht schon jetzt fest: Wer zu Hause jeden Tag staubsaugt, sei es aus hygienischen Gründen oder weil Vierbeiner überall ihre Haare hinterlassen, spart mit einem solchen Staubsaugroboter viel Zeit und Mühe, denn der Apparat übernimmt die tägliche Grundreinigung ordentlich und zuverlässig, gegebenenfalls sogar zeitgesteuert, wenn man außer Haus ist.

Preise von weniger als 500 Euro

Der gewohnte Staubsauger wird damit aber nicht überflüssig. Das Saugen auf Treppenstufen, unter tiefhängenden Heizungsradiatoren und in schwer zugänglichen Ecken muss man weiterhin manuell erledigen. Doch bei Preisen von weniger als 500 Euro ist diese Putzhilfe so überzeugend, dass man nicht mehr darauf verzichten möchte. So wundert kaum, dass sich diese Reinigungsflundern vor allem über „Mundpropaganda“ verkaufen: Wer einen gesehen und vom Besitzer nur Lob gehört hat, will sich auch von dieser Handarbeit befreien.

Alle Modelle arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip: Die kleinen Maschinen sind etwa so groß wie eine Torte, aber drei bis fünf Kilogramm schwer. Sie beziehen ihre Energie aus einem Akku, der im Reinigungseinsatz ein bis zwei Stunden durchhält und an einer Ladestation befüllt wird. Zwei kräftige Räder in der Mitte sorgen für den Vortrieb, ein kleines Stützrädchen, das auf einer um 360 Grad drehbaren Kugel gelagert ist, stabilisiert während der Fahrt – und erlaubt Drehungen auf der Stelle. Ein oder zwei rotierende Seitenbürsten, die etwa sechs Zentimeter über die Vorderkante herausragen, führen dem Apparat den Staub zu, auch aus jenen Ecken, in die er selbst nicht hineinfahren kann.

Rotierende Walzenbürsten hinten erfassen den Schmutz und befördern ihn ins Innere, wo sämtlicher Unrat in einem Kunststoffbehälter landet. Wie beim großen Staubsauger gibt es einen wechselbaren Luftfilter. Einen Staubbeutel hat keines der Modelle, das Volumen der Behälter ist mit knapp einem Liter recht klein. Auch die Saugleistung des Motors hält mit der eines „richtigen“ Handstaubsaugers nicht mit, sie liegt unter 50 Watt. Und wo wir bei den Nachteilen dieser Putzhelfer sind: Ihre Säuberung von Haaren und Fusseln, die alle paar Wochen fällig ist, erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl.

Möglichst jedes Stäubchen finden und aufsammeln

Der interessanteste technische Aspekt ist freilich, wie sich ein solcher Roboter in der Wohnung zurechtfindet, wie er dafür sorgt, dass er möglichst jedes Stäubchen findet und aufsammelt. Da ihm der geschulte Blick von Hausfrau oder -mann fehlt, muss er das durch Fleiß und Technik ersetzen. Im einfachsten Fall arbeitet ein Roboter nur mit einem Kollisionssensor. Stößt er auf ein Hindernis, ändert er die Richtung. Die modernen Geräte sind indes mit Sensoren bestückt. Sie nutzen Ultraschall oder Infrarotlicht, um durch Reflexionen die Entfernung zu einem Gegenstand zu ermitteln.

Die beiden von uns erprobten Modelle verwenden zunächst einen Kollisionssensor an der mit Gummi überzogenen Vorderfront. Zum Kontakt mit einem Hindernis kommt es bei dem Samsung Navibot allerdings nur sehr selten. Infrarotsensoren erfassen die Umgebung, nur sehr schmale Hindernisse wie etwa Stuhlbeine werden gelegentlich nicht erkannt. Der Navibot ist zudem das erste Gerät, das sich an einer kameragestützten Ortung im Raum versucht. Eine Optik an der Oberseite filmt die Decke und die Ecken des Raums und speichert diese Daten zur Berechnung einer optimalen Route der Reinigung. Es darf also bei seinen Fahrten im Dienste der Sauberkeit nicht stockdunkel sein.

Samsung Navibot: Mit dem Fleiß der zwei Bürsten stürmt er voran (Fotos Spehr)

Der Koreaner versucht, in exakt parallelen Bahnen durch den Raum zu fahren, jede Stelle wird nur einmal gereinigt. Auch die Höhensensoren an der Unterseite arbeiten mit Infrarot, sie verhindern, dass sich der Roboter in einen Abgrund stürzt. Insgesamt fährt der Navibot sehr vorsichtig, aber diese Besonnenheit führt auch zu ungereinigten Stellen vor Hindernissen, und vor allem: Er kennt keine „Wandverfolgung“, fährt also nur in seltensten Fällen parallel und dicht an den Kanten entlang. Im Wohnzimmer sparte der Samsung zudem einige Ecken gleich aus, da traute er sich wohl nicht hinein. Wenn es um die Grundreinigung geht, ist das Gebotene indes überzeugend.

Roomba sieht nach High-Tech aus

Der zweite Kandidat Roomba 581 sieht weniger nach High-Tech aus, auch fehlt ihm die linke Seitenbürste und die kameragestützte Navigation. Der Hersteller iRobot spricht von einer adaptiven Orientierung im Raum, und das Funktionsprinzip der Routenführung bleibt unklar. Das Gerät taste 67 Mal je Sekunde die Umgebung ab und wähle automatisch ein optimales Reinigungsprogramm. Also keine systematische Erfassung der Räume, sondern eine Art „künstliche Intelligenz“. Wer dem Roomba bei der Arbeit zusieht, entdeckt keine Systematik. Deutlich schneller als der Navibot zieht er seine Bahnen, und er geht vor allem viel resoluter vor. Er tappst mit höherer Geschwindigkeit gegen Stuhlbeine und andere Gegenstände, sehr leichte, unbefestigte Teppiche werden schon mal verschoben, und mit viel Kraft wuchtet er sich auf den Langflor. Der iRobot hangelte sich nahezu perfekt an der Wand entlang und wagte sich in besagte Ecken vor, die der Samsung ausgelassen hatte. Stoffschürzen am Sofa schiebt er beiseite, um auch darunter für Ordnung zu sorgen. Die Reinigungsleistung des Amerikaners ist deutlich höher, obwohl ihm ein Seitenbürstchen fehlt. Beide Gehilfen erkennen übrigens stärker verschmutzte Stellen und reinigen dann intensiver.

Und damit sind wir bei den Grenzen der Technik: Die Räume müssen halbwegs Roboter-kompatibel sein. Ein chaotisches Arbeitszimmer mit aufwendig verkabelter PC- und HiFi-Anlage, mit Manuskripten, Büchern und sonstigen Utensilien auf dem Fußboden ist für den Einsatz der elektronischen Putzhilfen denkbar ungeeignet. Der Navibot verheddert sich schnell in Kabeln aller Art, der iRobot kommt etwas besser mit ihnen zurecht, schiebt aber doch manche Dinge an die Seite. Teppichfransen werden von beiden Apparaten gern ausgerissen, Roomba naschte sogar von dem auf einem flachen Teller liegenden Hundefutter. Beide Geräte klettern über bis zu ein Zentimeter hohe Türschwellen. Kinderspielzeug, das auf dem Boden liegt, kann ebenso eine Herausforderung sein wie die zum Boden reichende Zugschnur des Vorhangs. Und das Mitziehen eines Stromkabels der Lampe kann zu unliebsamen Ergebnissen führen. Vor mancher Unbill kann man sich schützen, indem man Teile des Raums mit „virtuellen Wänden“ vor dem Befahren schützt. Diese mitgelieferten, handgroßen Abstandshalter arbeiten mit Batterien und Infrarot, sie lassen sich auch als Türwächter programmieren, die den Weg von einem Raum zum nächsten erst freigeben, wenn der erste vollständig gereinigt wurde.

Eine Akkuladung für etwa zwei bis vier Räume

Beide Roboter saugen mit einer Akkuladung etwa zwei bis vier Räume, je nach Größe, Verschmutzung und Komplexität der Architektur, wofür sie eine Stunde und länger benötigen. Ist der Kraftspender leer, fahren sie automatisch zur Ladestation zurück, was allerdings nicht immer gelingt. Nur der Navibot legt nach dem Ladevorgang gegebenenfalls eine zweite Schicht automatisch ein, wenn die erste Betankung nicht zur vollständigen Reinigung ausreichte. Die Apparate arbeiten etwas leiser als ein gewöhnlicher Handstaubsauger, sind aber länger in Betrieb. So liegt es nahe, die Roboter tagsüber arbeiten zu lassen, wenn man ohnehin außer Haus ist. Wenn sie sich irgendwo verhaken oder festfahren, schalten sie nach einigen Minuten automatisch ab. Navibot und Roomba bringen deshalb eine Zeitsteuerung mit, die sich flexibel programmieren lässt. Die Bedienung des Samsung mit seinem größeren Display ist dabei etwas einfacher als die des iRobot, dem zudem ein Ein/Aus-Schalter fehlt, wenn er längere Zeit nicht benutzt werden soll.

Trotz der hier aufgezählten Probleme und Einschränkungen: Im praktischen Einsatz über mehrere Wochen hinweg haben wir beide Kandidaten zu schätzen gelernt. Der Roomba, der in Deutschland von der Klein & More AG in Hamburg vertrieben wird, ist in mehreren Varianten erhältlich. Die Amerikaner sind mit ihren Geräten seit sieben Jahren auf dem Markt und haben fünf Millionen Heimroboter verkauft. Der kleine Roomba 520 ist bei Amazon schon für 285 Euro zu haben. Samsungs erster Stausaug-Roboter macht ebenfalls eine gute Figur. Kostete dieser Helfer anfangs 700 Euro, ist er mittlerweile für 380 Euro zu haben.

Test: Device Control Center von Philips

Dumm gelaufen: Wer sich eines der teuren Handmikrofone für Diktate am PC kauft, stellt bei den beiden Marktführern Philips und Olympus fest, dass er zwar feinste Hardware erworben hat, aber zusammen mit der Spracherkennung Dragon Naturally Speaking genau das nicht funktioniert, was für den Vieldiktierer selbstverständlich ist: das Nutzen des Schiebeschalters für Aufnahmestopp und -pause. Warum ist das wichtig? Weil man damit arbeiten kann wie mit einem Diktiergerät. Nach oben geschoben startet die Aufnahme, nach unten hält sie an, und mit zwei weiteren Positionen lassen sich der schnelle Rücklauf sowie die Wiedergabe starten. Also eine perfekte Einhandbedienung, die bald in Fleisch und Blut übergeht. Nur mit dem Spracherkenner klappt das alles nicht, und wer auch immer die Schuld hat: Dragon-Hersteller Nuance oder die beiden Hardware-Lieferanten, es ist zum Verzweifeln.

Wir haben darüber schon öfter geklagt, und nun hat uns jemand erhört. Philips bietet seit kurzem für seine Speech Mike-Reihe unentgeltlich eine Windows-Software, die grundlegend Abhilfe schafft. Sie heißt „Speech Control“ und installiert sich kurioserweise als „Device Control Center“ am PC. Für das Laden der 300-Megabyte-Datei sollte ein schneller DSL-Anschluss vorhanden sein (www.philips.com/dictation). Nach dem Installieren wird das Programm im Autostart-Modus stets geladen, der Windows-PC fährt deshalb etwas langsamer hoch. Der Vorteil indes: Nach dem Start von Dragon ist das Diktiermikrofon sofort einsatzbereit.

Im Hauptmenü der Steuerungszentrale kann man nun das Speech Mike individuell konfigurieren, und zwar für verschiedene Anwendungen, nicht nur für Dragon Naturally Speaking. Es lässt sich das Verhalten des Schiebeschalters einstellen, aber auch die Belegung der Tasten am Gerät programmieren. Dabei gibt es verschiedene Befehlsarten: Tastenkombinationen, Mausaktionen, Text oder – im Fall Dragon – etwa ein Dutzend Kommandos für die Spracherkennung. Dass nicht das gesamte Befehlsrepertoire von Naturally Speaking aufrufbar ist, sei als kleine Kritik angemerkt. Aber schon mit der Voreinstellung des Herstellers kommt man prima zurecht: Eine Taste ruft etwa direkt den Korrekturmodus auf, wenn ein Wort oder eine Phrase falsch erkannt wurde. Und mit einer weiteren sendet man „Nimm 2“ und wählt damit den zweitbesten Treffer. Kurzum: Diese Software erlaubt ein nahezu optimales Zusammenspiel mit Dragon, man spart viele Kommandos und komplizierte Aktionen, ein großes Lob an die Entwickler.

Bei uns zeigte sich zudem im täglichen Einsatz ein weiterer Pluspunkt, nämlich die Entdeckung des Trackballs auf dem Speech Mike. Bislang hatten wir die Rollkugel stets vernachlässigt. Aber nun offenbarte sie beim Diktieren ins Dragon Pad ihre Vorzüge: Ohne zur Maus greifen zu müssen, lässt sich flink im Text manövrieren oder der Cursor verschieben, das klappt mit einer Hand bestens. Für konzentriertes Arbeiten reichen Bildschirm und Speech Mike vollkommen aus, ein Pluspunkt etwa für die Ärzte, die an einem PC-Terminal stehen.

Alles in allem arbeitet die Kombination aus Dragon Naturally Speaking und Philips Speech Mike wunderbar zusammen. Auf Dauer wird es sich kein Hardware-Hersteller leisten können, Produkte für Spracherkennung und -verarbeitung ohne Dragon-Anbindung auf den Markt zu bringen. Wer ein Olympus-Handmikro einsetzt, muss sich indes nicht grämen, sondern nur etwas Geld in die Hand nehmen. Die Software „Local“ von 4 Voice (www.4voice.de, F.A.Z. vom 16. Oktober 2007) leistet Ähnliches (und einiges mehr), kostet zwar ebenso viel wie ein gutes Handmikrofon, kann von uns aber nach wie vor empfohlen werden.

Test: SpeechMike Air von Philips

Beim digitalen Diktieren hat man die Qual der Wahl des passenden Eingabegeräts. Bewährt haben sich das Headset mit einem kleinen Mikrofonsteg, das kabelgebundene Handmikrofon und für den mobilen Einsatz das Diktiergerät. Jede Art hat ihre Vor- und Nachteile. Was zum eigenen Diktierstil passt, muss jeder selbst herausfinden. Beim Headset und beim Handmikrofon arbeitet man direkt am PC, sieht sofort das Diktierte auf dem Bildschirm und hat den Kontext im Blick. Andere Vieldiktierer arbeiten so konzentriert, dass die Anzeige nur stört. Sie nehmen deshalb ein Diktiergerät und übertragen später zum Computer. Philips bringt nun sein erstes schnurloses Handmikrofon auf den Markt, das Speechmike Air. Es vereint die Vorteile eines Diktiergeräts – man kann im Raum umhergehen und ist nicht an den Arbeitsplatz gefesselt – mit den Vorzügen des Direktdiktats in den Rechner: Beim Einsatz einer Spracherkennung ist alles sofort transkribiert, man muss nicht auf die Umsetzung warten.

Die Referenz: SpeechMike Air von Philips, hier mit Tastensteuerung (Foto: Hersteller)

Ein solches Schnurlosgerät kann jedoch auch Nachteile mitbringen: Wie sieht es bei der drahtlosen Übertragung mit der Akustik aus? Herkömmliche Bluetooth-Protokolle beschneiden das Frequenzspektrum und scheiden aus, wenn es um höchste Qualität geht. Und was passiert, wenn sich der in Gedanken vertiefte Professor versehentlich aus der Reichweite des Funkmoduls herausbewegt? Diktiert er dann ins Nichts?

So waren wir auf das Speechmike Air sehr gespannt. Es ist in verschiedenen Varianten erhältlich, etwa mit einer reinen Tastensteuerung oder in der von uns ausprobierten Version mit internationaler Schiebeschalter-Belegung. Das Paket besteht aus mehreren Komponenten: An den PC wird eine Docking-Station mit einem USB-Kabel angeschlossen, sie dient zum Laden des Handgeräts und nimmt weiterhin einen Bluetooth-Empfänger namens Airbridge auf. Dieser lässt sich herausnehmen, so dass man beispielsweise für den mobilen Einsatz mit dem Notebook allein das streichholzschachtelgroße Airbridge und das Mikrofon braucht. Alle Komponenten sind hochwertig verarbeitet und wirken robust.

Das Speechmike Air liegt mit 16,5 × 4,5 × 2,5 Zentimeter und 130 Gramm Gewicht sehr gut in der Hand. Die Rückseite mit ihrer geschwungenen Form lässt genug Platz für Zeige- und Mittelfinger, der Daumen landet automatisch an der richtigen Stelle über dem Schiebeschalter. Dessen Mechanik ist ordentlich, er reagiert präzise und satt. Noch besser gefällt der Trackball mit seiner schmutzabweisenden Beschichtung und einer phantastischen Haptik. Die Rollkugel in Verbindung mit den neben ihr liegenden Tasten ist ein vollwertiger Maus-Ersatz. Ein schönes Extra, denn während des Diktats kann man schnell ein paar Windows-Befehle geben, ohne das Gerät in der Hand zu wechseln. Zwei Standardakkus versorgen das Air stundenlang mit Strom, der Hersteller gibt rund einen Arbeitstag Betriebszeit an. Die Inbetriebnahme des Speechmike ist einfach und schnell erledigt. Das bewährte „Device Control Center“ (DCC) fungiert als Treiber und Anlaufstelle für die Konfiguration. Wer das Air ohne Spracherkennung einsetzt, findet mit der aufpreispflichtigen Software „Speech Exec Pro Dictate“ alles für einen reibungslosen Workflow vom Diktat über die Weiterbearbeitung im Schreibpool bis hin zum E-Mail-Versand der transkribierten Dokumente.

Wir haben das Ganze mit der Spracherkennung Dragon Naturally Speaking ausprobiert. Hier ist „Speech Exec Pro Dictate“ im Einzelplatzbetrieb zwar bei manchen Gelegenheiten nützlich, aber nicht unbedingt erforderlich. Allein mit dem DCC kann man jedoch sehr glücklich werden. Was andere Hersteller jahrelang vergeblich versucht haben, ist hier perfekt umgesetzt. Das Speechmike Air arbeitet aus dem Stand heraus einwandfrei mit dem Drachen zusammen. Das heißt unter anderem: Der Schiebeschalter regelt Aufnahme und -pause, eine rote Leuchtdiode signalisiert den Aufnahmebetrieb, man kann im Diktat zurückspulen, und die zahlreichen Funktionstasten des Speechmike sind ab Werk mit sinnvollen und naheliegenden Dragon-Kommandos belegt. Mit der oberen rechten Funktionstaste lässt sich etwa sofort das Korrekturmenü aufrufen.

Wer noch mehr Raffinesse sucht, kann im DCC alle Tasten nach eigenem Gusto umprogrammieren. Das funktioniert mit üblichen Windows-Tastenkombinationen einwandfrei. Etliche Dragon-Kommandos stehen ebenfalls zur Auswahl, leider nicht alle. Wir hätten uns zum Beispiel gewünscht, die Tasten so belegen zu können, dass das markierte Wort wahlweise groß oder klein geschrieben wird, denn Fehler in der Groß- und Kleinschreibung kommen bei Dragon Naturally Speaking mit am häufigsten vor. Das ist indes keine Schludrigkeit von Philips, sondern dem eingeschränkten Repertoire der Dragon-Schnittstelle geschuldet. Von unseren Extrawünschen abgesehen, waren wir jedoch begeistert über die nahtlose drahtlose Integration von Hard- und Software. Da merkt man mal wieder: Philips ist in diesem Bereich der Innovationsführer.

Die Liebe zum raffinierten Detail zeigt sich auch bei der Akustik. Das Air verwendet zwar Bluetooth mit einer Reichweite von mehr als zehn Meter. Aber die Programmierer haben ein eigenes abhörsicheres Blauzahn-Profil mit Verschlüsselung entwickelt, das eine erstklassige Audioqualität bietet. Im praktischen Einsatz mit Dragon Naturally Speaking lag die Erkennungsgenauigkeit über der des kabelgebundenen alten Speechmike (vorsichtige Naturen legen eine neue „Diktierquelle“ für das Air an. So kann man sein altes Sprachprofil am einfachsten mit der neuen Hardware nutzen). Und schließlich die Funkreichweite: Philips macht es pfiffig, das Handgerät warnt mit einem dezenten Vibrieren. Nicht etwa, wenn man den Radius des Airbridge-Empfängers verlassen hat – dann wäre es zu spät -, sondern vorher, so dass kein Wort verlorengeht. Wer die Umstandskrämerei kennt, mit der andere Hersteller dieses Problem angegangen sind, kann angesichts der verblüffenden Philips-Lösung nur staunen.

Alles in allem meinen wir nach mehrwöchiger Erprobung, dass es derzeit kein besseres schnurloses Handmikrofon für den professionellen Einsatz gibt. Die 475 Euro sind gut angelegt, das Speechmike macht Spaß und die Arbeit spürbar leichter. Diktieren mit Kabelanschluss kommt einem schon bald als Technik von gestern vor. Für uns bleiben neben dem erwähnten nur zwei weitere Wünsche: Wenn die Docking Station zusätzlich als Ladeschale für die Philips-Diktiergeräte dienen könnte, würde man Platz auf dem Schreibtisch und ein zweites Netzteil sparen. Und schließlich haben es die Ingenieure mit den Kontrolllämpchen zu gut gemeint: Da leuchtet und blinkt es, selbst dann, wenn alles funktioniert. Das lenkt ab, vor allem wenn beim Arzt oder Anwalt ein sehr persönliches oder vertrauliches Gespräch geführt wird.

Test: Dragon NaturallySpeaking 11

Dreimal schneller als Tippen: Dragon NaturallySpeaking 11 (Foto: Hersteller)
Dreimal schneller als Tippen: Dragon NaturallySpeaking 11 (Foto: Hersteller)

Nach ungefähr zwei Stunden stellen sich die ersten Aha-Effekte ein, und dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dass man sich nicht nur oberflächlich mit dieser Software beschäftigen muss und eine gewisse Übung benötigt – das ist der größte Nachteil der Spracherkennung am Computer. Wir haben es in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt: Wer mit der Technik allein herumexperimentiert, ungeduldig ist und elementare Regeln missachtet, gibt nach kurzer Zeit auf. Wer jedoch Spracherkennung bei einem erfahrenen Benutzer im praktischen Einsatz sieht, will sie haben, die Faszination ist groß.

Spracherkennung wird von Jahr zu Jahr besser, derzeit hat sie ihren Durchbruch auf den modernen Smartphones. Mit dem offenen Betriebssystem Android in der aktuellen Variante 2.2 und mit dem iPhone von Apple kann man SMS und andere Nachrichten diktieren, die passenden „Apps“ vorausgesetzt. Die beste und zuverlässigste Lösung mit hoher Erkennungsrate ist „Dragon Dictation“ für das iPhone. Das Mini-Programm steht gratis parat, der Hersteller Nuance will damit für seine PC-Spracherkennung Dragon Naturally Speaking werben. Dass dies gelingt, zeigt die Plazierung der App als eine der meistgeladenen in Apples Online-Geschäft.

Nun bringt Nuance seine Windows-Software in der Version 11 auf den Markt und zeigt, was sich in den vergangenen zwei Jahren getan hat: Das vielfach verbesserte Programm ist der Maßstab, es gibt keine andere Software mit vergleichbarer Leistungsfähigkeit, man mag diese Monopolstellung bedauern. Wir haben den neuen Drachen zunächst an seiner Erkennungsleistung gemessen: Wie viel Prozent der Worte werden richtig erkannt? Das hört sich trivial an, ist es aber nicht. Berücksichtigt man, dass eine Spracherkennung nur jene Begriffe fehlerfrei umsetzen kann, die in ihrem Vokabular gespeichert sind, hängt die Beurteilung von den Texten und Inhalten ab. Eine prägnante Zusammenfassung der Art „98 Prozent Genauigkeit“ ist also unsinnig. Ein Arzt, Anwalt oder Gutachter, der für seine Diktate ein begrenztes Fachvokabular verwendet und dies sinnvollerweise gleich mit Dragon dazukauft, erreicht spielend 99 Prozent und mehr. Ein Nutzer mit einem reichhaltigen Vokabular, sagen wir ein Schriftsteller oder Journalist, wird eher bei 97 Prozent liegen. Er wird vermutlich eigene Ad-hoc-Begriffe (wie diesen hier) verwenden und vielleicht nur einmal und dann nie wieder. Kein Wörterbuch kann da mithalten.

Wie gut die Erkennungsleistung von Dragon 11 im Vergleich mit der Vorgängerversion 10 ist, haben wir mit unseren eigenen Diktaten ermittelt, das ist eine subjektive Komponente im Test. Aber wir suchten reproduzierbare Ergebnisse. Deshalb wurde aus Hunderten von Diktiergerät-Aufzeichnungen im DSS-Pro-Format eine Auswahl erstellt. Neben kurzen, knappen E-Mails auch längere mit privatem Inhalt, Nachrichtenmeldungen, ein Protokoll einer Testfahrt im Auto und spaßeshalber ein wissenschaftlicher Aufsatz aus der DDR-Geschichtsschreibung in einer aus heutiger Sicht merkwürdigen Sprache. Ein und dieselbe Diktat-Datei ließen wir der Reihe nach erkennen, und zwar mit der alten und der neuen Version, so wie sie der Nutzer nach der Installation vorfindet (also ohne benutzerspezifische Anpassungen). Die Ergebnisse: Die Fehlerrate ist in etwa halbiert, die Genauigkeit liegt – je nach Text – bei bis zu 99 Prozent, ein vorzügliches Ergebnis. Es fußt auf zwei Verbesserungen: Zum einen ist das Vokabular mehr als doppelt so groß. Rund 300 000 Einträge zählt das „Bestmatch IV“ der aktuellen Version, 135 000 waren es bei „Bastmatch III“ in Dragon 10. Zum anderen wurde die Abtastrate des Mikrofons von 11 auf 22 Kilohertz ebenfalls verdoppelt, und so verschwinden viele Probleme mit undeutlich gesprochenen Wortendungen quasi von allein.

Schon wegen des größeren Vokabulars empfiehlt es sich nicht, ein altes Dragon-Profil für die neue Version zu aktualisieren. Man fange von vorn an. Bei uns arbeitete das neue 11er-Profil besser als das zwei Jahre lang gepflegte und persönlich angepasste 10er-Profil. Gegebenenfalls exportiere man seine Wortliste und importiere sie in die neue Version. Das gilt aber nur für Anwender, die ein eigenes opulentes Fachvokabular aufgebaut haben. Die typischen Schwierigkeiten sind übrigens in beiden Versionen gleich: Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Abkürzungen, Produkt- und Eigennamen bereiten noch immer Kopfzerbrechen. Mit ein bisschen Erfahrung kennt man im Laufe der Zeit die Stolpersteine und wird dann beispielsweise „ist vom Feinsten“ dahingehend diktieren, dass man dem „Feinsten“ das Kommando „groß“ voranstellt.

Die neue Version erfüllt zudem viele alte Wünsche, an erster Stelle der Import von DSS-Pro-Dateien professioneller Diktiergeräte: das ist für Ärzte und Anwälte ein Schritt nach vorn. Um Handmikrofone der Hersteller Philips und Olympus perfekt einzubinden, benötigt man wie gehabt Zusatzsoftware, hier hat vor allem Philips mit seinem „Device Control Center“ gute Arbeit geleistet, es funktioniert auch mit Dragon 11 prima.

Die „Verarbeitungsanzeige“ während der laufenden Erkennung wurde durch ein kleines, sich drehendes Nuance-Symbol ersetzt, man wird also weniger abgelenkt. Deutlich einfacher gerät nun die Verwaltung unterschiedlicher Benutzerprofile, und bei der Korrektur sind ebenfalls zahlreiche Verbesserungen zu beobachten. Richtiges Korrigieren bleibt entscheidend für die Lernfähigkeit von Dragon – und hier wird leider der Einsteiger mit der zwar erweiterten, aber noch immer dürren Online-Hilfe nicht besonders weit kommen. Wer den Drachen perfekt beherrschen will, muss einem Profi über die Schulter gucken.

Jenseits der Erkennung gesprochener Texte hat Dragon Naturally Speaking auch bei der PC-Bedienung zugelegt: „Durchsuche Wikipedia nach Frankfurter Allgemeine Zeitung“ versteht die Software auf Anhieb, aber auch „Durchsuche Facebook nach Max Müller“. Für uns der wichtigste neue Befehl: „Programme auflisten“ zeigt alle geöffneten Windows-Fenster. Wir probierten das Programm mit einem Core-2-Duo-Prozessor T5250 (1,5 Gigahertz) unter Windows 7 sowie einem T6300 (1,8 Gigahertz) unter Windows XP – das geht gerade noch ordentlich, etwas mehr Rechenleistung kann nicht schaden. Endlich werden mit Version 11 auch Mehrkern-Prozessoren optimal angesprochen.

Die amerikanische Software ist in mehreren Varianten erhältlich: Die teuren juristischen und medizinischen Versionen sollte man ebenso wie Professional (830 Euro) nur im Fachhandel nach entsprechender Beratung kaufen. Die von uns geprüfte Premium-Variante für 200 Euro ist das Paket der Wahl für die meisten Käufer. Sie unterstützt mehrere Audioquellen an einem Benutzerprofil, ferner das Diktat in so gut wie alle Anwendungsprogramme, auch in Microsoft Word, Excel und Outlook sowie in Open Office Writer. Mit Googlemail funktioniert es nach Angaben des Herstellers ebenfalls, bei uns aber nicht zufriedenstellend. Skeptisch sind wir bei der Einsteigerversion „Home“ für 100 Euro mit stark reduziertem Funktionsumfang. Auch „Premium Mobile“, die für 300 Euro ein billiges Diktiergerät mitbringt, würden wir nicht nehmen.

Mit Dragon Naturally Speaking 11 erfasst der Vielschreiber seine Texte dreimal schneller als mit der Tastatur. Die Ausrede, Spracherkennung sei noch unausgereift, gilt nicht mehr. Die größte Hürde ist das Diktieren selbst, also die im Textverarbeitungszeitalter verlernte Fähigkeit, im Kopf klar zu formulieren.

Test: MacBook Air 2010

Man kann sich dem neuen Macbook Air der zweiten Generation auf verschiedenen Wegen nähern. Da ist bei diesem Mini-Notebook zunächst die typische Begeisterung, wie sie sich bei vielen Apple-Produkten einstellt. Der Air ist kein gewöhnlicher Notebook, kein simples Arbeitsgerät und kein technisches Produkt, das man im Labor mit anderen vergleichen könnte. Er ist eine Versuchung. Er kann einen blenden und betören. Er ruft Entzücken hervor, er ist ja so klein und leicht. Er hat trotzdem eine gute Tastatur in Normalgröße und ein hervorragendes (wenngleich spiegelndes) Display im Breitbildformat. Im Reisegepäck fällt er kaum auf, und das Design mit klaren Linien ohne Schnörkel ist atemraubend. Da gibt es eben nicht das übliche Durcheinander von Tasten und Anschlüssen, sondern lediglich die glatte Silberhaut des robusten Aluminiumgehäuses. Das Macbook Air ist ein Traum von Notebook, ein Objekt der Begierde, das man einfach haben muss.

Zwei kleine Air ganz groß: Die neuen Modelle sind in jeder Hinsicht tragbar, und der Bildschirm überzeugt mit hoher Auflösung (Foto: Hersteller)

Die Neuauflage kommt in zwei Varianten, wahlweise mit 11- oder 13-Zoll-Display. Nur 30 × 19,2 Zentimeter Grundfläche beansprucht das von uns erprobte kleine Modell, es ist 0,3 bis 1,7 Zentimeter dünn und wiegt gerade mal ein Kilogramm. Also ein Macbook, das quasi nur etwas breiter als ein iPad ist. Beim 13-Zöller bekommt man 300 Gramm mehr bei Maßen von 32,5 × 22,7 Zentimeter und identischer Stärke. Beide Geräte sind leichter als das erste Macbook Air (1,4 Kilo) und in Sachen Konnektivität alles andere als üppig bestückt: Zweimal USB und der Mini-Display-Port für den Anschluss eines externen Monitors sind alles. Zugegeben, man kann einen Kopfhörer anschließen, es gibt Stereolautsprecher sowie ein kleines Mikro. Aber nur der große Air kommt mit einem Laufwerk für SD-Karten. Ferner fehlen Firewire, Ethernet-Lan und ein optisches Laufwerk. Wireless Lan, Bluetooth und eine Webcam sind hingegen eingebaut – eine sparsame Ausstattung unter dem Primat des Designs. Den Akku kann der Anwender nicht wechseln, und der Arbeitsspeicher der Basisversionen (2 Gigabyte) lässt sich maximal nur bis 4 Gigabyte aufstocken. Wie gehabt lässt sich der Bildschirm nur begrenzt nach hinten klappen, und es fehlt die für Apple typische Hintergrundbeleuchtung der Tastatur.

An dieser Stelle könnte man also ein erstes Fazit ziehen: Wer sich für die überarbeiteten Leichtgewichte von Apple entscheidet, bekommt in erster Linie schöne Technik für einen scheinbar hohen Preis: 1000 Euro kostet der 11-Zöller, mindestens 1300 Euro der größere. Schon hören wir die Polemik, dass man für so viel Geld doch zwei oder drei Windows-Netbooks mit mehr Schnittstellen und Funktionen bekomme, dass Apple wieder mal unverschämt teuer sei, und überhaupt. Bevor man sich auf dieses Lamento einlässt, sollte man indes einen Blick auf die inneren Werte richten. Zunächst das Display. Schon der 11-Zöller bietet mit 1366 × 768 Pixel fast die Auflösung des 13-Zoll-Macbook Pro mit seiner konventionellen Bauform. Also viel Inhalt auf kleiner Fläche. Und beim 13-Zoll-Air erreicht die Bildschirmauflösung genau die 1440 × 900 Pixel des 15-Zoll-Macbook Pro, der 1750 Euro kostet. Aus dieser Perspektive können die neuen Air-Modelle ihren großen Geschwistern die Show stehlen, und das gilt sogar für die Arbeitsgeschwindigkeit. Die Prozessorleistung allein macht es bekanntlich nicht. Die neuen Flachmänner kommen mit gemütlichen Core-2- Duo-Prozessoren bis 2,13 Gigahertz und hauen einen nicht vom Hocker.

Der Kniff von Apple besteht vielmehr darin, für die aktuellen Air-Modelle nur Flash-Speicher einzusetzen, in der kleinsten Variante mit mickrigen 64 Gigabyte, maximal 256. Flash-Speicher sind deutlich schneller als herkömmliche Festplatten. So wundert kaum, dass im Labortest der amerikanischen Fachzeitschrift „Macworld“ der 13-Zoll-Air mit 1,86 Gigahertz ein Macbook Pro mit 2,4 Gigahertz in den Schatten stellte. Bei prozessorintensiven Anwendungen gilt dieser Befund nicht, aber in der Gesamtschau und bei der „gefühlten Leistung“ wirkt der Air verflixt schnell. Wir spielten auf unser Testgerät das ganz neue Office 2011 von Microsoft auf, ließen Word, Excel und Outlook gleichzeitig laufen – und hatten zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass da irgendetwas zu langsam wäre. Schon der 11-Zöller ist alles andere als ein Spielzeug, bewährte sich bei uns tagelang als ernstzunehmendes Arbeitsgerät – und kann im Übrigen natürlich mehr als ein nur auf passiven Konsum ausgerichtetes iPad.

Zudem bringt der Flash-Speicher zwei überaus angenehme Nebeneffekte mit. Erstens ist der Rechner bereits 10 bis 15 Sekunden nach dem Einschalten betriebsbereit, und wer ihn aus dem Ruhezustand weckt, kann mit dem Aufklappen des Displays schon loslegen. Zweitens arbeiten Flash-Laufwerke lautlos. Bei dem von uns erprobten 11-Zoll-Modell hörten wir selbst in absolut ruhiger Umgebung stundenlang nichts, während ein Macbook Pro zwar sehr leise, aber durchaus vernehmlich zur Sache geht. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, ließen wir den Air mit der Schnittsoftware iMovie einen Film im Format HD 1080p exportieren – und starteten gleichzeitig alle verfügbaren Programme. So war der Kleine wirklich gut ausgelastet, und wir hörten tatsächlich das erste Mal den Lüfter – oder besser gesagt den Luftstrom, der zwischen Tastatur und Display nach außen gedrückt wird. Aber selbst bei dieser extremen Prozedur war der neue Air leiser als der Pro.

Rüstet man wegen Geräuscharmut und Tempogewinn die herkömmlichen Pro-Modelle mit Flash-Laufwerken aus, liegen die Einstandspreise bei 1465 (13 Zoll) und 2020 Euro (15 Zoll). So gesehen ist also der 13-Zoll-Air für 1300 Euro ein höchst attraktives Angebot. Er bietet nur geringfügig weniger Leistung als der 15-Zöller, aber die gleiche Display-Auflösung. Er arbeitet fast immer lautlos und wiegt nur die Hälfte des großen Modells (das aber wiederum mehr Schnittstellen und ein optisches Laufwerk mitbringt). Auch ist die Akkuleistung etwas geringer, man darf mit fünf bis sieben Stunden Einsatzzeit abseits der Steckdose rechnen. Nur sollte man eins bedenken: Die höhere Auflösung auf kleiner Fläche ist nicht jedermanns Sache. Im Dauereinsatz fanden wir die Darstellung bei manchen Programmen zu filigran und mussten häufig den Bildschirm-Zoom bemühen. Unser Tipp also: das Gerät der Wahl zunächst im Apple Store während des laufenden Betriebs ausprobieren – oder gleich noch einen Zweitmonitor für den stationären Einsatz dazukaufen. (F.A.Z. vom 9.11.10)