Staubsauger-Roboter: Showdown an der Blumenvase

Den geschulten Blick der Hausfrau ersetzen sie durch Fleiß und Technik: Zwei Staubsauger-Roboter für die tägliche Reinigung. Bei Preisen von weniger als 500 Euro ist diese Putzhilfe so überzeugend, dass man nicht mehr darauf verzichten möchte.

Roomba stürzt nach vorn, schön freigespielt hat er sich, dribbelt dann aber taktisch etwas unreif um den Sessel herum, vertrödelt wertvolle Sekunden, und da kommt auch schon Navibot quasi aus dem Nichts unter dem Sofa hervorgeschossen, kämpft sich durch die Mitte, aber der Teppich, er ist unglaublich schwer bespielbar, und nun Strafraumkante Blumenvase, leichte Berührung, o, je.

Ja, das ist wieder mal ein Duell auf Augenhöhe im Wohnzimmer. Nein, es geht nicht um Fußball, sondern um zwei Staubsaugroboter, deren souveräner Einsatz für die Sauberkeit nicht weniger spektakulär anzusehen ist. Allein wie pfiffig sich der Navibot verhält, wenn der frontale erste Anlauf auf den schweren Teppich scheitert. Er dreht sich flink um seine eigene Achse und probiert es schräg in einem Winkel von 45 Grad noch einmal. Oder wie sich der Roomba der Kellertreppe nähert – und die für ihn tödliche Gefahr unmittelbar erkennt. Er stoppt aufgrund der sich dabei einstellenden Schräglage sofort; vorsichtig schleicht er dann an der Kante entlang.

Roomba 581: Der flinke Kehrer aus Amerika

Staubsaugerroboter sind keine neue Erfindung. Zentnerschwere Studien mitsamt eingebauter Kamera gab es schon vor 30 Jahren. Im Laufe der Zeit wurden die Geräte kleiner und klüger, und 2001 brachte Electrolux für 1600 Euro seinen Trilobite auf den Markt, den Urahn aller heutigen Modelle. Was damals ein schönes und teures Spielzeug für einkommensstarke Singles war, ist mittlerweile so ausgereift und günstig, dass man getrost zugreifen kann. Wir haben den Navibot von Samsung und den Roomba 581 des amerikanischen Herstellers iRobot mehrere Wochen lang ausprobiert, und ein Ergebnis steht schon jetzt fest: Wer zu Hause jeden Tag staubsaugt, sei es aus hygienischen Gründen oder weil Vierbeiner überall ihre Haare hinterlassen, spart mit einem solchen Staubsaugroboter viel Zeit und Mühe, denn der Apparat übernimmt die tägliche Grundreinigung ordentlich und zuverlässig, gegebenenfalls sogar zeitgesteuert, wenn man außer Haus ist.

Preise von weniger als 500 Euro

Der gewohnte Staubsauger wird damit aber nicht überflüssig. Das Saugen auf Treppenstufen, unter tiefhängenden Heizungsradiatoren und in schwer zugänglichen Ecken muss man weiterhin manuell erledigen. Doch bei Preisen von weniger als 500 Euro ist diese Putzhilfe so überzeugend, dass man nicht mehr darauf verzichten möchte. So wundert kaum, dass sich diese Reinigungsflundern vor allem über „Mundpropaganda“ verkaufen: Wer einen gesehen und vom Besitzer nur Lob gehört hat, will sich auch von dieser Handarbeit befreien.

Alle Modelle arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip: Die kleinen Maschinen sind etwa so groß wie eine Torte, aber drei bis fünf Kilogramm schwer. Sie beziehen ihre Energie aus einem Akku, der im Reinigungseinsatz ein bis zwei Stunden durchhält und an einer Ladestation befüllt wird. Zwei kräftige Räder in der Mitte sorgen für den Vortrieb, ein kleines Stützrädchen, das auf einer um 360 Grad drehbaren Kugel gelagert ist, stabilisiert während der Fahrt – und erlaubt Drehungen auf der Stelle. Ein oder zwei rotierende Seitenbürsten, die etwa sechs Zentimeter über die Vorderkante herausragen, führen dem Apparat den Staub zu, auch aus jenen Ecken, in die er selbst nicht hineinfahren kann.

Rotierende Walzenbürsten hinten erfassen den Schmutz und befördern ihn ins Innere, wo sämtlicher Unrat in einem Kunststoffbehälter landet. Wie beim großen Staubsauger gibt es einen wechselbaren Luftfilter. Einen Staubbeutel hat keines der Modelle, das Volumen der Behälter ist mit knapp einem Liter recht klein. Auch die Saugleistung des Motors hält mit der eines „richtigen“ Handstaubsaugers nicht mit, sie liegt unter 50 Watt. Und wo wir bei den Nachteilen dieser Putzhelfer sind: Ihre Säuberung von Haaren und Fusseln, die alle paar Wochen fällig ist, erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl.

Möglichst jedes Stäubchen finden und aufsammeln

Der interessanteste technische Aspekt ist freilich, wie sich ein solcher Roboter in der Wohnung zurechtfindet, wie er dafür sorgt, dass er möglichst jedes Stäubchen findet und aufsammelt. Da ihm der geschulte Blick von Hausfrau oder -mann fehlt, muss er das durch Fleiß und Technik ersetzen. Im einfachsten Fall arbeitet ein Roboter nur mit einem Kollisionssensor. Stößt er auf ein Hindernis, ändert er die Richtung. Die modernen Geräte sind indes mit Sensoren bestückt. Sie nutzen Ultraschall oder Infrarotlicht, um durch Reflexionen die Entfernung zu einem Gegenstand zu ermitteln.

Die beiden von uns erprobten Modelle verwenden zunächst einen Kollisionssensor an der mit Gummi überzogenen Vorderfront. Zum Kontakt mit einem Hindernis kommt es bei dem Samsung Navibot allerdings nur sehr selten. Infrarotsensoren erfassen die Umgebung, nur sehr schmale Hindernisse wie etwa Stuhlbeine werden gelegentlich nicht erkannt. Der Navibot ist zudem das erste Gerät, das sich an einer kameragestützten Ortung im Raum versucht. Eine Optik an der Oberseite filmt die Decke und die Ecken des Raums und speichert diese Daten zur Berechnung einer optimalen Route der Reinigung. Es darf also bei seinen Fahrten im Dienste der Sauberkeit nicht stockdunkel sein.

Samsung Navibot: Mit dem Fleiß der zwei Bürsten stürmt er voran (Fotos Spehr)

Der Koreaner versucht, in exakt parallelen Bahnen durch den Raum zu fahren, jede Stelle wird nur einmal gereinigt. Auch die Höhensensoren an der Unterseite arbeiten mit Infrarot, sie verhindern, dass sich der Roboter in einen Abgrund stürzt. Insgesamt fährt der Navibot sehr vorsichtig, aber diese Besonnenheit führt auch zu ungereinigten Stellen vor Hindernissen, und vor allem: Er kennt keine „Wandverfolgung“, fährt also nur in seltensten Fällen parallel und dicht an den Kanten entlang. Im Wohnzimmer sparte der Samsung zudem einige Ecken gleich aus, da traute er sich wohl nicht hinein. Wenn es um die Grundreinigung geht, ist das Gebotene indes überzeugend.

Roomba sieht nach High-Tech aus

Der zweite Kandidat Roomba 581 sieht weniger nach High-Tech aus, auch fehlt ihm die linke Seitenbürste und die kameragestützte Navigation. Der Hersteller iRobot spricht von einer adaptiven Orientierung im Raum, und das Funktionsprinzip der Routenführung bleibt unklar. Das Gerät taste 67 Mal je Sekunde die Umgebung ab und wähle automatisch ein optimales Reinigungsprogramm. Also keine systematische Erfassung der Räume, sondern eine Art „künstliche Intelligenz“. Wer dem Roomba bei der Arbeit zusieht, entdeckt keine Systematik. Deutlich schneller als der Navibot zieht er seine Bahnen, und er geht vor allem viel resoluter vor. Er tappst mit höherer Geschwindigkeit gegen Stuhlbeine und andere Gegenstände, sehr leichte, unbefestigte Teppiche werden schon mal verschoben, und mit viel Kraft wuchtet er sich auf den Langflor. Der iRobot hangelte sich nahezu perfekt an der Wand entlang und wagte sich in besagte Ecken vor, die der Samsung ausgelassen hatte. Stoffschürzen am Sofa schiebt er beiseite, um auch darunter für Ordnung zu sorgen. Die Reinigungsleistung des Amerikaners ist deutlich höher, obwohl ihm ein Seitenbürstchen fehlt. Beide Gehilfen erkennen übrigens stärker verschmutzte Stellen und reinigen dann intensiver.

Und damit sind wir bei den Grenzen der Technik: Die Räume müssen halbwegs Roboter-kompatibel sein. Ein chaotisches Arbeitszimmer mit aufwendig verkabelter PC- und HiFi-Anlage, mit Manuskripten, Büchern und sonstigen Utensilien auf dem Fußboden ist für den Einsatz der elektronischen Putzhilfen denkbar ungeeignet. Der Navibot verheddert sich schnell in Kabeln aller Art, der iRobot kommt etwas besser mit ihnen zurecht, schiebt aber doch manche Dinge an die Seite. Teppichfransen werden von beiden Apparaten gern ausgerissen, Roomba naschte sogar von dem auf einem flachen Teller liegenden Hundefutter. Beide Geräte klettern über bis zu ein Zentimeter hohe Türschwellen. Kinderspielzeug, das auf dem Boden liegt, kann ebenso eine Herausforderung sein wie die zum Boden reichende Zugschnur des Vorhangs. Und das Mitziehen eines Stromkabels der Lampe kann zu unliebsamen Ergebnissen führen. Vor mancher Unbill kann man sich schützen, indem man Teile des Raums mit „virtuellen Wänden“ vor dem Befahren schützt. Diese mitgelieferten, handgroßen Abstandshalter arbeiten mit Batterien und Infrarot, sie lassen sich auch als Türwächter programmieren, die den Weg von einem Raum zum nächsten erst freigeben, wenn der erste vollständig gereinigt wurde.

Eine Akkuladung für etwa zwei bis vier Räume

Beide Roboter saugen mit einer Akkuladung etwa zwei bis vier Räume, je nach Größe, Verschmutzung und Komplexität der Architektur, wofür sie eine Stunde und länger benötigen. Ist der Kraftspender leer, fahren sie automatisch zur Ladestation zurück, was allerdings nicht immer gelingt. Nur der Navibot legt nach dem Ladevorgang gegebenenfalls eine zweite Schicht automatisch ein, wenn die erste Betankung nicht zur vollständigen Reinigung ausreichte. Die Apparate arbeiten etwas leiser als ein gewöhnlicher Handstaubsauger, sind aber länger in Betrieb. So liegt es nahe, die Roboter tagsüber arbeiten zu lassen, wenn man ohnehin außer Haus ist. Wenn sie sich irgendwo verhaken oder festfahren, schalten sie nach einigen Minuten automatisch ab. Navibot und Roomba bringen deshalb eine Zeitsteuerung mit, die sich flexibel programmieren lässt. Die Bedienung des Samsung mit seinem größeren Display ist dabei etwas einfacher als die des iRobot, dem zudem ein Ein/Aus-Schalter fehlt, wenn er längere Zeit nicht benutzt werden soll.

Trotz der hier aufgezählten Probleme und Einschränkungen: Im praktischen Einsatz über mehrere Wochen hinweg haben wir beide Kandidaten zu schätzen gelernt. Der Roomba, der in Deutschland von der Klein & More AG in Hamburg vertrieben wird, ist in mehreren Varianten erhältlich. Die Amerikaner sind mit ihren Geräten seit sieben Jahren auf dem Markt und haben fünf Millionen Heimroboter verkauft. Der kleine Roomba 520 ist bei Amazon schon für 285 Euro zu haben. Samsungs erster Stausaug-Roboter macht ebenfalls eine gute Figur. Kostete dieser Helfer anfangs 700 Euro, ist er mittlerweile für 380 Euro zu haben.

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