Test: Device Control Center von Philips

Dumm gelaufen: Wer sich eines der teuren Handmikrofone für Diktate am PC kauft, stellt bei den beiden Marktführern Philips und Olympus fest, dass er zwar feinste Hardware erworben hat, aber zusammen mit der Spracherkennung Dragon Naturally Speaking genau das nicht funktioniert, was für den Vieldiktierer selbstverständlich ist: das Nutzen des Schiebeschalters für Aufnahmestopp und -pause. Warum ist das wichtig? Weil man damit arbeiten kann wie mit einem Diktiergerät. Nach oben geschoben startet die Aufnahme, nach unten hält sie an, und mit zwei weiteren Positionen lassen sich der schnelle Rücklauf sowie die Wiedergabe starten. Also eine perfekte Einhandbedienung, die bald in Fleisch und Blut übergeht. Nur mit dem Spracherkenner klappt das alles nicht, und wer auch immer die Schuld hat: Dragon-Hersteller Nuance oder die beiden Hardware-Lieferanten, es ist zum Verzweifeln.

Wir haben darüber schon öfter geklagt, und nun hat uns jemand erhört. Philips bietet seit kurzem für seine Speech Mike-Reihe unentgeltlich eine Windows-Software, die grundlegend Abhilfe schafft. Sie heißt „Speech Control“ und installiert sich kurioserweise als „Device Control Center“ am PC. Für das Laden der 300-Megabyte-Datei sollte ein schneller DSL-Anschluss vorhanden sein (www.philips.com/dictation). Nach dem Installieren wird das Programm im Autostart-Modus stets geladen, der Windows-PC fährt deshalb etwas langsamer hoch. Der Vorteil indes: Nach dem Start von Dragon ist das Diktiermikrofon sofort einsatzbereit.

Im Hauptmenü der Steuerungszentrale kann man nun das Speech Mike individuell konfigurieren, und zwar für verschiedene Anwendungen, nicht nur für Dragon Naturally Speaking. Es lässt sich das Verhalten des Schiebeschalters einstellen, aber auch die Belegung der Tasten am Gerät programmieren. Dabei gibt es verschiedene Befehlsarten: Tastenkombinationen, Mausaktionen, Text oder – im Fall Dragon – etwa ein Dutzend Kommandos für die Spracherkennung. Dass nicht das gesamte Befehlsrepertoire von Naturally Speaking aufrufbar ist, sei als kleine Kritik angemerkt. Aber schon mit der Voreinstellung des Herstellers kommt man prima zurecht: Eine Taste ruft etwa direkt den Korrekturmodus auf, wenn ein Wort oder eine Phrase falsch erkannt wurde. Und mit einer weiteren sendet man „Nimm 2“ und wählt damit den zweitbesten Treffer. Kurzum: Diese Software erlaubt ein nahezu optimales Zusammenspiel mit Dragon, man spart viele Kommandos und komplizierte Aktionen, ein großes Lob an die Entwickler.

Bei uns zeigte sich zudem im täglichen Einsatz ein weiterer Pluspunkt, nämlich die Entdeckung des Trackballs auf dem Speech Mike. Bislang hatten wir die Rollkugel stets vernachlässigt. Aber nun offenbarte sie beim Diktieren ins Dragon Pad ihre Vorzüge: Ohne zur Maus greifen zu müssen, lässt sich flink im Text manövrieren oder der Cursor verschieben, das klappt mit einer Hand bestens. Für konzentriertes Arbeiten reichen Bildschirm und Speech Mike vollkommen aus, ein Pluspunkt etwa für die Ärzte, die an einem PC-Terminal stehen.

Alles in allem arbeitet die Kombination aus Dragon Naturally Speaking und Philips Speech Mike wunderbar zusammen. Auf Dauer wird es sich kein Hardware-Hersteller leisten können, Produkte für Spracherkennung und -verarbeitung ohne Dragon-Anbindung auf den Markt zu bringen. Wer ein Olympus-Handmikro einsetzt, muss sich indes nicht grämen, sondern nur etwas Geld in die Hand nehmen. Die Software „Local“ von 4 Voice (www.4voice.de, F.A.Z. vom 16. Oktober 2007) leistet Ähnliches (und einiges mehr), kostet zwar ebenso viel wie ein gutes Handmikrofon, kann von uns aber nach wie vor empfohlen werden.

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