Test: MacBook Air 2010

Man kann sich dem neuen Macbook Air der zweiten Generation auf verschiedenen Wegen nähern. Da ist bei diesem Mini-Notebook zunächst die typische Begeisterung, wie sie sich bei vielen Apple-Produkten einstellt. Der Air ist kein gewöhnlicher Notebook, kein simples Arbeitsgerät und kein technisches Produkt, das man im Labor mit anderen vergleichen könnte. Er ist eine Versuchung. Er kann einen blenden und betören. Er ruft Entzücken hervor, er ist ja so klein und leicht. Er hat trotzdem eine gute Tastatur in Normalgröße und ein hervorragendes (wenngleich spiegelndes) Display im Breitbildformat. Im Reisegepäck fällt er kaum auf, und das Design mit klaren Linien ohne Schnörkel ist atemraubend. Da gibt es eben nicht das übliche Durcheinander von Tasten und Anschlüssen, sondern lediglich die glatte Silberhaut des robusten Aluminiumgehäuses. Das Macbook Air ist ein Traum von Notebook, ein Objekt der Begierde, das man einfach haben muss.

Zwei kleine Air ganz groß: Die neuen Modelle sind in jeder Hinsicht tragbar, und der Bildschirm überzeugt mit hoher Auflösung (Foto: Hersteller)

Die Neuauflage kommt in zwei Varianten, wahlweise mit 11- oder 13-Zoll-Display. Nur 30 × 19,2 Zentimeter Grundfläche beansprucht das von uns erprobte kleine Modell, es ist 0,3 bis 1,7 Zentimeter dünn und wiegt gerade mal ein Kilogramm. Also ein Macbook, das quasi nur etwas breiter als ein iPad ist. Beim 13-Zöller bekommt man 300 Gramm mehr bei Maßen von 32,5 × 22,7 Zentimeter und identischer Stärke. Beide Geräte sind leichter als das erste Macbook Air (1,4 Kilo) und in Sachen Konnektivität alles andere als üppig bestückt: Zweimal USB und der Mini-Display-Port für den Anschluss eines externen Monitors sind alles. Zugegeben, man kann einen Kopfhörer anschließen, es gibt Stereolautsprecher sowie ein kleines Mikro. Aber nur der große Air kommt mit einem Laufwerk für SD-Karten. Ferner fehlen Firewire, Ethernet-Lan und ein optisches Laufwerk. Wireless Lan, Bluetooth und eine Webcam sind hingegen eingebaut – eine sparsame Ausstattung unter dem Primat des Designs. Den Akku kann der Anwender nicht wechseln, und der Arbeitsspeicher der Basisversionen (2 Gigabyte) lässt sich maximal nur bis 4 Gigabyte aufstocken. Wie gehabt lässt sich der Bildschirm nur begrenzt nach hinten klappen, und es fehlt die für Apple typische Hintergrundbeleuchtung der Tastatur.

An dieser Stelle könnte man also ein erstes Fazit ziehen: Wer sich für die überarbeiteten Leichtgewichte von Apple entscheidet, bekommt in erster Linie schöne Technik für einen scheinbar hohen Preis: 1000 Euro kostet der 11-Zöller, mindestens 1300 Euro der größere. Schon hören wir die Polemik, dass man für so viel Geld doch zwei oder drei Windows-Netbooks mit mehr Schnittstellen und Funktionen bekomme, dass Apple wieder mal unverschämt teuer sei, und überhaupt. Bevor man sich auf dieses Lamento einlässt, sollte man indes einen Blick auf die inneren Werte richten. Zunächst das Display. Schon der 11-Zöller bietet mit 1366 × 768 Pixel fast die Auflösung des 13-Zoll-Macbook Pro mit seiner konventionellen Bauform. Also viel Inhalt auf kleiner Fläche. Und beim 13-Zoll-Air erreicht die Bildschirmauflösung genau die 1440 × 900 Pixel des 15-Zoll-Macbook Pro, der 1750 Euro kostet. Aus dieser Perspektive können die neuen Air-Modelle ihren großen Geschwistern die Show stehlen, und das gilt sogar für die Arbeitsgeschwindigkeit. Die Prozessorleistung allein macht es bekanntlich nicht. Die neuen Flachmänner kommen mit gemütlichen Core-2- Duo-Prozessoren bis 2,13 Gigahertz und hauen einen nicht vom Hocker.

Der Kniff von Apple besteht vielmehr darin, für die aktuellen Air-Modelle nur Flash-Speicher einzusetzen, in der kleinsten Variante mit mickrigen 64 Gigabyte, maximal 256. Flash-Speicher sind deutlich schneller als herkömmliche Festplatten. So wundert kaum, dass im Labortest der amerikanischen Fachzeitschrift „Macworld“ der 13-Zoll-Air mit 1,86 Gigahertz ein Macbook Pro mit 2,4 Gigahertz in den Schatten stellte. Bei prozessorintensiven Anwendungen gilt dieser Befund nicht, aber in der Gesamtschau und bei der „gefühlten Leistung“ wirkt der Air verflixt schnell. Wir spielten auf unser Testgerät das ganz neue Office 2011 von Microsoft auf, ließen Word, Excel und Outlook gleichzeitig laufen – und hatten zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass da irgendetwas zu langsam wäre. Schon der 11-Zöller ist alles andere als ein Spielzeug, bewährte sich bei uns tagelang als ernstzunehmendes Arbeitsgerät – und kann im Übrigen natürlich mehr als ein nur auf passiven Konsum ausgerichtetes iPad.

Zudem bringt der Flash-Speicher zwei überaus angenehme Nebeneffekte mit. Erstens ist der Rechner bereits 10 bis 15 Sekunden nach dem Einschalten betriebsbereit, und wer ihn aus dem Ruhezustand weckt, kann mit dem Aufklappen des Displays schon loslegen. Zweitens arbeiten Flash-Laufwerke lautlos. Bei dem von uns erprobten 11-Zoll-Modell hörten wir selbst in absolut ruhiger Umgebung stundenlang nichts, während ein Macbook Pro zwar sehr leise, aber durchaus vernehmlich zur Sache geht. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, ließen wir den Air mit der Schnittsoftware iMovie einen Film im Format HD 1080p exportieren – und starteten gleichzeitig alle verfügbaren Programme. So war der Kleine wirklich gut ausgelastet, und wir hörten tatsächlich das erste Mal den Lüfter – oder besser gesagt den Luftstrom, der zwischen Tastatur und Display nach außen gedrückt wird. Aber selbst bei dieser extremen Prozedur war der neue Air leiser als der Pro.

Rüstet man wegen Geräuscharmut und Tempogewinn die herkömmlichen Pro-Modelle mit Flash-Laufwerken aus, liegen die Einstandspreise bei 1465 (13 Zoll) und 2020 Euro (15 Zoll). So gesehen ist also der 13-Zoll-Air für 1300 Euro ein höchst attraktives Angebot. Er bietet nur geringfügig weniger Leistung als der 15-Zöller, aber die gleiche Display-Auflösung. Er arbeitet fast immer lautlos und wiegt nur die Hälfte des großen Modells (das aber wiederum mehr Schnittstellen und ein optisches Laufwerk mitbringt). Auch ist die Akkuleistung etwas geringer, man darf mit fünf bis sieben Stunden Einsatzzeit abseits der Steckdose rechnen. Nur sollte man eins bedenken: Die höhere Auflösung auf kleiner Fläche ist nicht jedermanns Sache. Im Dauereinsatz fanden wir die Darstellung bei manchen Programmen zu filigran und mussten häufig den Bildschirm-Zoom bemühen. Unser Tipp also: das Gerät der Wahl zunächst im Apple Store während des laufenden Betriebs ausprobieren – oder gleich noch einen Zweitmonitor für den stationären Einsatz dazukaufen. (F.A.Z. vom 9.11.10)