Test: SpeechMike Air von Philips

Beim digitalen Diktieren hat man die Qual der Wahl des passenden Eingabegeräts. Bewährt haben sich das Headset mit einem kleinen Mikrofonsteg, das kabelgebundene Handmikrofon und für den mobilen Einsatz das Diktiergerät. Jede Art hat ihre Vor- und Nachteile. Was zum eigenen Diktierstil passt, muss jeder selbst herausfinden. Beim Headset und beim Handmikrofon arbeitet man direkt am PC, sieht sofort das Diktierte auf dem Bildschirm und hat den Kontext im Blick. Andere Vieldiktierer arbeiten so konzentriert, dass die Anzeige nur stört. Sie nehmen deshalb ein Diktiergerät und übertragen später zum Computer. Philips bringt nun sein erstes schnurloses Handmikrofon auf den Markt, das Speechmike Air. Es vereint die Vorteile eines Diktiergeräts – man kann im Raum umhergehen und ist nicht an den Arbeitsplatz gefesselt – mit den Vorzügen des Direktdiktats in den Rechner: Beim Einsatz einer Spracherkennung ist alles sofort transkribiert, man muss nicht auf die Umsetzung warten.

Die Referenz: SpeechMike Air von Philips, hier mit Tastensteuerung (Foto: Hersteller)

Ein solches Schnurlosgerät kann jedoch auch Nachteile mitbringen: Wie sieht es bei der drahtlosen Übertragung mit der Akustik aus? Herkömmliche Bluetooth-Protokolle beschneiden das Frequenzspektrum und scheiden aus, wenn es um höchste Qualität geht. Und was passiert, wenn sich der in Gedanken vertiefte Professor versehentlich aus der Reichweite des Funkmoduls herausbewegt? Diktiert er dann ins Nichts?

So waren wir auf das Speechmike Air sehr gespannt. Es ist in verschiedenen Varianten erhältlich, etwa mit einer reinen Tastensteuerung oder in der von uns ausprobierten Version mit internationaler Schiebeschalter-Belegung. Das Paket besteht aus mehreren Komponenten: An den PC wird eine Docking-Station mit einem USB-Kabel angeschlossen, sie dient zum Laden des Handgeräts und nimmt weiterhin einen Bluetooth-Empfänger namens Airbridge auf. Dieser lässt sich herausnehmen, so dass man beispielsweise für den mobilen Einsatz mit dem Notebook allein das streichholzschachtelgroße Airbridge und das Mikrofon braucht. Alle Komponenten sind hochwertig verarbeitet und wirken robust.

Das Speechmike Air liegt mit 16,5 × 4,5 × 2,5 Zentimeter und 130 Gramm Gewicht sehr gut in der Hand. Die Rückseite mit ihrer geschwungenen Form lässt genug Platz für Zeige- und Mittelfinger, der Daumen landet automatisch an der richtigen Stelle über dem Schiebeschalter. Dessen Mechanik ist ordentlich, er reagiert präzise und satt. Noch besser gefällt der Trackball mit seiner schmutzabweisenden Beschichtung und einer phantastischen Haptik. Die Rollkugel in Verbindung mit den neben ihr liegenden Tasten ist ein vollwertiger Maus-Ersatz. Ein schönes Extra, denn während des Diktats kann man schnell ein paar Windows-Befehle geben, ohne das Gerät in der Hand zu wechseln. Zwei Standardakkus versorgen das Air stundenlang mit Strom, der Hersteller gibt rund einen Arbeitstag Betriebszeit an. Die Inbetriebnahme des Speechmike ist einfach und schnell erledigt. Das bewährte „Device Control Center“ (DCC) fungiert als Treiber und Anlaufstelle für die Konfiguration. Wer das Air ohne Spracherkennung einsetzt, findet mit der aufpreispflichtigen Software „Speech Exec Pro Dictate“ alles für einen reibungslosen Workflow vom Diktat über die Weiterbearbeitung im Schreibpool bis hin zum E-Mail-Versand der transkribierten Dokumente.

Wir haben das Ganze mit der Spracherkennung Dragon Naturally Speaking ausprobiert. Hier ist „Speech Exec Pro Dictate“ im Einzelplatzbetrieb zwar bei manchen Gelegenheiten nützlich, aber nicht unbedingt erforderlich. Allein mit dem DCC kann man jedoch sehr glücklich werden. Was andere Hersteller jahrelang vergeblich versucht haben, ist hier perfekt umgesetzt. Das Speechmike Air arbeitet aus dem Stand heraus einwandfrei mit dem Drachen zusammen. Das heißt unter anderem: Der Schiebeschalter regelt Aufnahme und -pause, eine rote Leuchtdiode signalisiert den Aufnahmebetrieb, man kann im Diktat zurückspulen, und die zahlreichen Funktionstasten des Speechmike sind ab Werk mit sinnvollen und naheliegenden Dragon-Kommandos belegt. Mit der oberen rechten Funktionstaste lässt sich etwa sofort das Korrekturmenü aufrufen.

Wer noch mehr Raffinesse sucht, kann im DCC alle Tasten nach eigenem Gusto umprogrammieren. Das funktioniert mit üblichen Windows-Tastenkombinationen einwandfrei. Etliche Dragon-Kommandos stehen ebenfalls zur Auswahl, leider nicht alle. Wir hätten uns zum Beispiel gewünscht, die Tasten so belegen zu können, dass das markierte Wort wahlweise groß oder klein geschrieben wird, denn Fehler in der Groß- und Kleinschreibung kommen bei Dragon Naturally Speaking mit am häufigsten vor. Das ist indes keine Schludrigkeit von Philips, sondern dem eingeschränkten Repertoire der Dragon-Schnittstelle geschuldet. Von unseren Extrawünschen abgesehen, waren wir jedoch begeistert über die nahtlose drahtlose Integration von Hard- und Software. Da merkt man mal wieder: Philips ist in diesem Bereich der Innovationsführer.

Die Liebe zum raffinierten Detail zeigt sich auch bei der Akustik. Das Air verwendet zwar Bluetooth mit einer Reichweite von mehr als zehn Meter. Aber die Programmierer haben ein eigenes abhörsicheres Blauzahn-Profil mit Verschlüsselung entwickelt, das eine erstklassige Audioqualität bietet. Im praktischen Einsatz mit Dragon Naturally Speaking lag die Erkennungsgenauigkeit über der des kabelgebundenen alten Speechmike (vorsichtige Naturen legen eine neue „Diktierquelle“ für das Air an. So kann man sein altes Sprachprofil am einfachsten mit der neuen Hardware nutzen). Und schließlich die Funkreichweite: Philips macht es pfiffig, das Handgerät warnt mit einem dezenten Vibrieren. Nicht etwa, wenn man den Radius des Airbridge-Empfängers verlassen hat – dann wäre es zu spät -, sondern vorher, so dass kein Wort verlorengeht. Wer die Umstandskrämerei kennt, mit der andere Hersteller dieses Problem angegangen sind, kann angesichts der verblüffenden Philips-Lösung nur staunen.

Alles in allem meinen wir nach mehrwöchiger Erprobung, dass es derzeit kein besseres schnurloses Handmikrofon für den professionellen Einsatz gibt. Die 475 Euro sind gut angelegt, das Speechmike macht Spaß und die Arbeit spürbar leichter. Diktieren mit Kabelanschluss kommt einem schon bald als Technik von gestern vor. Für uns bleiben neben dem erwähnten nur zwei weitere Wünsche: Wenn die Docking Station zusätzlich als Ladeschale für die Philips-Diktiergeräte dienen könnte, würde man Platz auf dem Schreibtisch und ein zweites Netzteil sparen. Und schließlich haben es die Ingenieure mit den Kontrolllämpchen zu gut gemeint: Da leuchtet und blinkt es, selbst dann, wenn alles funktioniert. Das lenkt ab, vor allem wenn beim Arzt oder Anwalt ein sehr persönliches oder vertrauliches Gespräch geführt wird.