Test: Vertu Constellation Quest

Die Nokia-Tochter Vertu ist seit vielen Jahren der wohl bekannteste Hersteller besonders exklusiver und teurer Design-Handys. Die Geräte werden in der Manufaktur von Hand gebaut, edle Materialien und Perfektion bis ins Detail sind typisch für Vertu. Das Betriebssystem dieser Pretiosen, die im günstigsten Fall 3000 Euro kosten, häufig aber auch das Zehnfache, stammt von Nokia, es wird jedoch mit einer feineren Optik und neu komponierten Tönen so aufgehübscht, dass es auf den ersten Blick nicht als Symbian identifizierbar ist.

Da gibt's kein Vertun: Die luxuriösesten Handys baut Vertu (Foto Hersteller)

Nun wagt Vertu den Schritt in Richtung Smartphones und präsentiert als erstes Modell das Constellation Quest mit Mini-Tastatur. Schon sein Aussehen deutet es an, und ein Blick in die Menüs bestätigt: Es handelt sich bei diesem mindestens 5500 Euro teuren Schmuckstück um ein Nokia E72 in hochwertigem Gehäuse.

Man kann nun vortrefflich über das alte Symbian-Betriebssystem lästern, wenn man es mit dem iOS von Apple oder Android vergleicht. Symbian mit seiner umständlichen und verqueren Bedienung, mit seinem Ballast und seiner Unübersichtlichkeit hat Nokia in eine tiefe Krise gestürzt, aber darum geht es hier ja nicht. Nur eine Bemerkung: Wer sich dieses Schwergewicht (165 bis 185 Gramm, je nach Materialien) mit der Perspektive leistet, von technischem Firlefanz verschont zu bleiben und einen besonders einfachen Zugriff auf Internet und E-Mail zu haben, um sich in aller Ruhe seinen Geschäften an der Börse und den Ausfahrten im Rolls-Royce-Phantom widmen zu können, liegt falsch. Es ist kein gutes Smartphone, sondern es schleppt alle typischen Nokia-Probleme mit, und an erster Stelle: den schlechten Web-Browser, das verquere E-Mail-System und die geradezu lächerliche Bildschirmauflösung von 320 × 240 Pixel. Wir nehmen aber wohlmeinend an, dass der Besitzer eines Constellation Quest im Internet surfen und sich seine elektronische Post ausdrucken lässt. Insofern geht diese Kritik gewiss in die falsche Richtung.

Also gilt der Blick der Verarbeitung und dem Design: Es strahlt die Kühle des Geldes, nicht mondäne Zurückhaltung aus. Jede Stelle zeigt, dass man sich ein Vertu leisten kann. Seine Kleider verhüllen nicht, sie stellen offen zur Schau. Wer es massiv und opulent mag und glaubt, damit endlich zu den Reichen und Schönen dieser Welt zu gehören, wird begeistert sein. Das Constellation Quest will Opulenz zeigen, es versinkt im Luxus und ist alles andere als sozialverträglich.

Die Verarbeitungsqualität überzeugt, darauf darf man sich bei Vertu wie immer verlassen, und man könnte seitenweise darüber schreiben, wie aufwendig jedes einzelne noch so kleine Detail gestaltet ist. Einige Minuspunkte fallen aber trotzdem ins Auge: Die oberen Menütasten sind zu schwergängig; besonders die vier Schnellzugriffe fürs Hauptmenü, den Kalender, die E-Mail und die Kontakte lassen sich kaum präzise auslösen. Der Tastenhub ist viel zu gering, und in Verbindung mit der bisweilen trägen Reaktion auf Eingaben entsteht ein ungutes Gefühl.

Im direkten Vergleich mit dem Nokia E72 hat man aber einiges verbessert. Der Schacht für die Sim- und Speicherkarte ist von der Seite ins Innere unter den Akku-Deckel verlegt worden, was mehr Schutz verspricht. Die Speicherkarte bietet üppige 32 Gigabyte, zusätzlich gibt es ein internes Acht-Gigabyte-Laufwerk. Bei den Menüs wurden abermals etliche Verschönerungen vorgenommen. Allerdings sind diese im Unterschied zu anderen Vertu-Modellen nicht durchgängig. So sieht man an allen Ecken und Enden die bekannten Nokia-Menüs, -Symbole und -Farben, was beim Vorführen im Private Member Club für gewisse Irritationen sorgen dürfte. Auch die Fünf-Megapixel-Kamera kann nicht überzeugen. Zu den Pluspunkten wiederum zählen die Vertu-Dienste wie die Concierge, die einem rund um die Uhr zu Verfügung steht, wenn man beispielsweise von jetzt auf gleich einen Privatjet braucht, sowie die zahlreichen Angebote für Reisende. Wenn sich der Chauffeur verfahren hat, kann man das Constellation Quest als Navigationssystem einsetzen, hier bewährt sich Nokias „Karten“. Alles in allem haben wir uns vom ersten Vertu-Smartphone deutlich mehr versprochen. Es kommt eben nicht nur auf die feine Hardware an. (F.A.Z. vom 21.12.10)

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