Das neue System gegen Handy-Abzock-Fallen und seine Schwächen

In den kommenden Wochen wollen die Netzbetreiber in Deutschland ein neues System einrichten, das Abzock-Fallen im Mobilfunk verhindern soll. Bislang sieht es so aus, dass man schon mit einem Fingertipp auf Werbe-Schaltflächen in Apps in die Abo-Falle laufen kann. Ich hatte dazu berichtet, und die Leserresonanz war immens.

Nun soll eine neue Online-Plattform eingerichtet werden, auf der Anbieter von „Mehrwertdiensten“ wichtige Informationen wie Preis, Abo-Laufzeiten und Kündigungsfristen angeben sollen. Der Kunde muss seine Handy-Nummer eingeben und erhält dann per SMS einen Bestätigungscode, der wiederum auf der Webseite einzugeben ist. Erst dann ist das Abo oder der Kauf bestätigt. Das hört sich zunächst gut an, Vodafone und die Telekom sind dabei.

Aber es ist mal wieder eine Lösung, die das Problem nicht an der Wurzel packt. Erstens: Warum kann man nicht grundsätzlich bei seinem Mobilfunkvertrag das Inkasso von Leistungen Dritter ablehnen? Ein solcher Rechtsanspruch ließe sich aus Paragraph 45d des Telekommunikationsgesetzes ableiten. Demnach besteht ein Recht auf  Sperrung solcher „werthaltiger Dienste“. Nicht im Mobilfunk, sondern nur im Festnetz, meinen allerdings manche Netzbetreiber.

Zweitens ist es naiv, anzunehmen, dass damit das Problem aus der Welt ist. Zur Erinnerung: Bei diesen Abos handelt es sich in der Regel um Nutzlos-Dienste. Das Geschäftsprinzip besteht nicht darin, werthaltige Angebote zu verkaufen, sondern um das Stellen von Fallen, in die möglichst viele Ahnungslose hineintappen. Wer das nicht versteht, hat sich mit der Materie nicht gründlich auseinandergesetzt. Und die Mafia wird künftig andere Wege und Möglichkeiten finden.

Eine Antwort auf „Das neue System gegen Handy-Abzock-Fallen und seine Schwächen“

  1. Lieber Michael Spehr, ein sehr schöner, inhaltvoll und lesenswerter Blog. Weiter viel Erfolg und Spaß beim Schreiben, Ihr Thilo Huys, Lenovo

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