Die iPhone-Anbindung in aktuellen Neuwagen: Was kann man erwarten?

Im vergangenen Jahr habe ich 26 Testwagen bewegt und die Kommunikationstechnik in der dienstäglichen Beilage „Technik und Motor“ beschrieben. Hier einige Hinweise zum iPhone in Neuwagen. Wie gut funktioniert die Anbindung an Navi- und Kommunikationssysteme der Werksausstattung, was kann man erwarten, worauf sollte man achten? Disclaimer: Dies ist ein genereller, grober Überblick.

Zunächst: Alle Fahrzeughersteller haben sich auf das iPhone „eingeschossen“. Es gibt von Apple nur ein aktuelles Modell und nicht Dutzende unterschiedlicher. Das macht die Anpassung an vorhandene HiFi- und Bluetooth-Anlagen deutlich einfacher als der sonst übliche Mix bei anderen Smartphone-Herstellern. Wer im Auto seine Musik vom iPhone hören und gut telefonieren, auf seine Anruflisten und das Telefonbuch über den Monitor des Navi-Systems zugreifen will, kommt einfacher und besser zum Ziel als mit einem Android, Blackberry oder Nokia.

Für den Vieltelefonierer gibt es jedoch eine ärgerliche Einschränkung: Apples iOS beherrscht nicht das Bluetooth-Profil „Sim Access“, bei dem das Gerät quasi schlafen gelegt wird und eine Mobilfunkeinheit des Fahrzeugs mitsamt Außenantenne die Kontrolle übernimmt. In manchen Luxuslimousinen macht sich dieser Makel sofort bemerkbar: Das Fahrzeug ist (etwa durch bedampfte Fensterscheiben) so gut gegen die Mobilfunksignale abgeschottet, dass man im Innern nur einen sehr schlechten Empfang hat. Und Vorsicht: Es gibt einige Fahrzeug-Freisprecher der Werkausstattung, die nur Bluetooth Sim Access verstehen (etwa bei Porsche). In diesem Fall lässt sich das iPhone nicht an die Anlage des Autos ankoppeln.

1. Die einfachste Lösung: Bluetooth zur Telefonie

Hier nur einige Stichworte: klappt so gut wie immer nach einmaliger Ankopplung, anschließend wird das iPhone mit dem Betreten des Fahrzeugs identifiziert. In der Regel funktioniert auch die Übernahme des Telefonbuchs und der Anruflisten. Einige Fahrzeug-Lösungen verwalten nur Anruflisten für Telefonate, die mit der Anlage im Auto geführt wurden. Gegebenenfalls hat die Auto-Anlage eine Sprachwahl, die ich sehr praktisch finde. Was dann immer funktioniert ist die Nummernwahl (man spricht die Rufnummer vor). Kniffeliger wird es bei der Namenswahl. Die beste Lösung: Man sagt „Rufe Max Mustermann“ und der zugehörige Eintrag wird gewählt, gegebenenfalls mit Rückfrage „mobil“, „Büro“ etc. Die zweitbeste Lösung: Einzelne Einträge aus dem Telefonbuch müssen angelernt und mit einem Sprach-Tag versehen werden. Man kann dann nur diese Einträge mit der Sprachsteuerung aufrufen.

2. Ebenfalls einfach: Bluetooth zur Musikwiedergabe

Mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP kann man Musik vom iPhone in die Anlage des Fahrzeugs streamen. Sehr viele Neuwagen von Baujahr 2010 an beherrschen diese Funktion. Es gibt indes einige Tücken:

a) Keine Musikauswahl über die Fahrzeuganlage, sondern nur am Gerät. Man sieht also auf dem Monitor nicht, welches Stück gerade gespielt wird. Einige neuere Anlagen (etwa bei Audi) bieten indes die Option, vor- und zurückzuspulen bzw. zu springen.

b) Wirrwarr beim Fahrzeugstart. Häufig setzt die Musikwiedergabe mit dem Einschalten der Zündung ein, und was dann gespielt wird, ist meist nicht einstellbar. Einige Anlagen setzen die Wiedergabe immerhin dort fort, wo sie zuletzt endete.

c) Wirrwarr bei der Telefonie. Hat man die Bluetooth-Musik pausiert und geht ein Telefongespräch ein, startet die Musikwiedergabe nach dem Ende des Telefonats. Das ist leider bei fast jeder Anlage zu beobachten.

3. Teuer: Das Musikinterface fürs iPhone

Ein schlichtes Kabel zum Anschluss des Smartphones an die Anlage des Fahrzeugs lassen sich alle Autohersteller mit saftigen Aufpreisen bezahlen. 300 Euro sind nichts. Der Vorteil: Das iPhone-Interface mitsamt Wiedergabelisten und Ordnern wird mehr oder weniger perfekt auf den Monitor der Anlage übertragen, man kann mit dem Controller flink durch die Listen fahren und sieht seinen Bestand mitsamt Titeln. In der Regel (aber nicht immer) funktioniert die doppelte Anbindung (Kabel für Musik, Bluetooth fürs Telefon) einwandfrei.

Die Probleme hier:

a) Das iPhone „meckert“ über nicht kompatibles Zubehör. Einen Hinweis, den man getrost ignorieren kann.

b) Nicht jedes Kabel funktioniert auch als Ladekabel.

c) Bei einigen Anlagen ist während der Musikwiedergabe kein Zugriff aufs iPhone möglich, also kein schneller Seitenblick auf neue E-Mail während der Ampelpause.

d) Die Übertragung der iPhone-Daten ist nicht perfekt, es fehlen zum Beispiel Podcasts als eigenständiges Menü. Sie tauchen dann gegebenenfalls mit dem Podcast-Namen unter „Musik“ auf.

e) Einrichtungsprobleme, wenn die Anlage auch Bluetooth-Musik mit A2DP unterstützt.

4 Antworten auf „Die iPhone-Anbindung in aktuellen Neuwagen: Was kann man erwarten?“

  1. Hallo!

    Ich fahre einen Audi A3 Baujahr 06/2011 und habe folgendes Problem:
    Das Auto hat einf von Audi integrierte Bluetooth-Handyfreisprechanlage.
    Eine Handyverbindung mit meinem Iphone 4 funktioniert problemlos, gebauso wie das Telefonieren.
    Allerdings schaffe ich es nicht über Musik vom Iphone über die Bluetooth-Verbindung abspielen zu können.
    Am Anfang deines Berichts erwähnst du „A2DC“. Besitzt das mein Auto auch?
    Mit freundlichen Grüßen
    Schomiwo

  2. Hallo Hr. Dr. Spehr,

    ich bin Vieltelefonierer mit einem Iphone 4S in einem Audi A4 Avant (B8) aus 10/2012.
    Wie ich bei Ihnen gelesen habe, unterstützt wohl das Iphone kein SAP, was den Zugriff auf die Außenantenne verhindert. Dadurch ist der Empfang im Vergleich zum Passat mit einem Nokia (mit SAP) miserabel! Gespräche reißen unvermittelt ab, die angezeigte Empfangsstärke stimmt nicht mit der Tatsächlichen überein etc.
    Welche Möglichkeiten gibt es, trotzdem auf die Außenantenne des Audis zuzugreifen?
    Herzlichen Dank und beste Grüße!

    1. Es gibt keine probate Lösung. Für den aktuellen neuen A3 bietet Audi die induktive Antenne an, die ganz ordentliche Ergebnisse liefert, aber nicht an eine SAP-Lösung heranreicht. In letzter Instanz bleibt nur die Verwendung eines SAP-fähigen Mobiltelefons im Auto oder die Nutzung einer eigenen Fahrzeug-Sim-Karte.

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