Hundeschreck und Marken-App

Was die Autohersteller neuerdings aufs iPhone bringen

Neulich im Dorf. Nachbars Hund streunt die Straße entlang und macht, wie immer, eine kleine Schnüffelpause am Testwagen. Der ist brandneu und riecht so lecker mit seinen heißen Reifen. Hunde mögen das. Was als Nächstes kommt, ist absehbar, dutzendfach gesehen. Schon hebt er das rechte Hinterbein.
Alles unter Kontrolle: BMW-App fürs iPhone (Foto: Spehr)
Aber diesmal gibt es keine Gnade.  Vom Küchenfenster aus wird „My BMW Remote“ auf dem iPhone aktiviert, eine „App“ zur Fernsteuerung des Fahrzeugs. Nun das volle Programm: Zuerst „Ver- und Entriegeln“, die vier Blinker leuchten auf, die mechanische Türverrieglung klackt vernehmbar – Hund ist verdutzt. Doch es geht gleich weiter: „2 Mal Hupen“ wird mit einem Fingertipp an den 7er BMW gesendet, und der Rüde trollt sich unverrichteter Dinge.
So wird aus der iPhone-App von BMW also ein Hundeschreck. Alle großen Automobilhersteller arbeiten derzeit an pfiffigen Smartphone-Programmen für ihre Fahrzeuge. Man will den Kunden einen Mehrwert bieten, und der besteht bei BMW in erster Linie darin, das eigene Auto mit Hupe und Lichtsignalen orten zu können. Ferner lässt sich die Standheizung vom Wohnzimmer aus aktivieren, was gewiss ein schöner Komfort ist. Das Ganze funktioniert übrigens nur mit aktuellen BMW-Modellen und dem Telematik-Zubehörpaket „Connected Drive“.
Andere Wege beschreitet Porsche mit „gForce“. Schon der Name und die Sicherheitshinweise beim Start der App deuten es an: Hier dreht sich alles ums sportliche Fahren. Die App nutzt den Gyrosensor und das GPS des Apple- Smartphones, um Geschwindigkeit und Strecke, die erzielte Höchstgeschwindigkeit sowie die G-Kräfte im Fahrzeug zu messen. Die Ergebnisse lassen sich speichern und gleich an Twitter weiterleiten, ein hübsches Gratis-Tool für kleine und große Angeber. Es funktioniert übrigens nicht nur im Porsche. Aber man bekommt zusammen mit der App auch Porsche-Mitteilungen angezeigt, etwa den aktuellen Katalog der „Porsche Sport Driving School“.
Noch mehr Markenbewusstsein will Aston Martin mit seiner App vermitteln. Der Hersteller feiner Luxus-Sportwagen packt nahezu alles, was derzeit möglich ist, in seine opulente App, die sage und schreibe 142 Megabyte groß ist. Nicht nur, dass man frische Nachrichten über Aston Martin liest oder eine virtuelle Videoreise durch die Unternehmenszentrale in England unternimmt. Historische Modelle mit Fotos und technischen Daten sowie eine Chronologie der Unternehmensgeschichte lassen sich abrufen, und schon die Simulation der Zündung mitsamt Motorstart ist ein Erlebnis. In der „Sound-Galerie“ präsentieren sich sechs Sportwagen mit ihren kräftigen Motoren, wahlweise beim Spurt von 0 auf 100 km/h, in der Vorbeifahrt oder beim Muskelspiel an der Startlinie.
Jenseits der Freude am Sehen und Hören gehen die amerikanischen Fahrzeug-Apps noch einen Schritt weiter.  BMW und andere Hersteller binden in den Vereinigten Staaten populäre Musik-Streaming-Dienste ein, und mit „Google Send to Car“ lassen sich beispielsweise Navigations- und Sonderziele vom iPhone oder PC aus direkt in die Navi-Systeme des Fahrzeugs übertragen. Noch ist vieles Spielerei und Schnickschnack, aber noch in diesem Jahr kommen erste Apps, die deutlich mehr Nutzwert bringen. (F.A.Z. vom 11.01.11)

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