Test: Dell Inspiron Duo

In zwei Welten zu Hause: Mit seinem drehbaren Display wandelt sich der Inspiron Duo vom Netbook zum Tablet PC (Foto: Hersteller)
In zwei Welten zu Hause: Mit seinem drehbaren Display wandelt sich der Inspiron Duo vom Netbook zum Tablet PC (Foto: Hersteller)

Ist diese Mode schon wieder vorbei? Die Verkaufszahlen besonders kleiner Netbooks, günstiger Unterwegs-Maschinchen mit karger Bildschirmauflösung und geringem Gewicht, brachen im vergangenen Jahr ein.

Der Schuldige ist schnell ausgemacht: Apples iPad. Der Tablet PC aus Cupertino begann im Frühjahr seinen Siegeszug, und als Reisebegleiter scheint er eine bessere Figur zu machen. Der große Nachteil des iPad ist indes seine Ausrichtung auf den passiven Konsum. Man kann mit ihm vortrefflich im Internet stöbern, Musik hören und Videos sehen. Aber sobald es ans Eingemachte geht, man also eine längere E-Mail schreiben oder ein Dokument bearbeiten will, stößt man schnell an Grenzen. Das iPad ersetzt keinen Notebook, das haben wir mehrfach geschrieben.

Nun bringt Dell ein Gerät mit dem Versprechen auf den Markt, das Beste aus beiden Welten zu liefern: eine Kombination aus Netbook und Tablet PC mit berührungsempfindlichem Bildschirm inklusive Fingersteuerung – voilà, der Dell Inspiron Duo. Zu Preisen von 550 Euro an erhält man ein Gerät, das sich auf den ersten Blick nicht von anderen Netbooks unterscheidet. Das Display mit einer Bildschirmdiagonale von 26,5 Zentimeter löst mit 1366 × 768 Pixel auf, also ein kleines Extra gegenüber den meisten sehr günstigen Netbooks, die nur 1024 × 600 Pixel schaffen. Dieses Plus ist im täglichen Einsatz ein klarer Gewinn. Man sieht einfach mehr, wenn es um Text, Tabellen und E-Mails geht oder um etwas aufwendiger gestaltete Internetauftritte. Allerdings spiegelt die Anzeige wie ein Weltmeister, daran gewöhnt man sich nur schwer, und der Betrachtungswinkel könnte ein bisschen größer sein.

Der Dell Inspiron Duo ist ordentlich verarbeitet. Das Gehäuse besteht aus Plastik, zwei recht billig wirkende Abdeckungen schützen die beiden Schnittstellen-Ports, nämlich Audio und 2 × USB 2.0, mehr ist nicht an Bord. Es fehlen also ein Videoausgang, Ethernet und ein SD-Kartenschacht. Um dies und andere Peripherie zu nutzen, benötigt man die Docking-Station aus dem Zubehörprogramm. Eingebaut hingegen sind eine Webcam, Lautsprecher und Mikrofon. Als Prozessor kommt ein kleiner Atom N550 Dual Core von Intel zum Einsatz, mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und Festplattengrößen bis 320 Gigabyte folgt der Dell üblichen Netbook-Standards, und das gilt auch für die Arbeitsgeschwindigkeit unter Windows 7.

Wireless-Lan und Bluetooth zählen zur Serienausstattung, ein Mobilfunk-Modul für die Internetanbindung unterwegs ist lieferbar. Der vom Anwender nicht wechselbare Vier-Zellen-Akku mit 29 Wattstunden hält etwa zwei- bis dreieinhalb Stunden durch, das ist keine Glanzleistung, ebenso das Gewicht von 1,6 Kilogramm. Beim typischen Einsatz säuselt der Inspiron Duo hörbar, aber leise vor sich hin, intensive Rechenaufgaben lassen den Lüfterlärm allerdings deutlich anschwellen. Also bis hier ein Netbook ohne Auffälligkeiten, wenn man von dem stark spiegelnden Display absieht.

Interessant wird der Kleine, wenn man das Display dreht. Genauer gesagt, dreht man die Innenseite, die im Einsatz mit Tastatur von Magneten an ihrer Position gehalten wird, nach außen. Die Konstruktion wirkt solide. Zugeklappt hat man dann eine plane Oberfläche vor sich, nur stört die Höhe des Geräts ungemein: Fast drei Zentimeter misst der Inspiron Duo. Zum Vergleich: beim iPad sind es nur 1,3 Zentimeter. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, und in Verbindung mit dem hohen Gewicht sind die von Dell beschriebenen Anwendungsszenarien eine Herausforderung für die Handgelenke: Man soll im Tablet-Modus unterwegs Spiele spielen, Videos gucken oder elektronische Bücher lesen. Das alles funktioniert irgendwie, aber es macht keinen Spaß. Schon das 700 Gramm leichte iPad ist fürs Lesen auf dem Sofa zu schwer, man sucht ständig eine Möglichkeit, es abzulegen.

Der Duo hat zudem das schlechtere Display. Geht der Betrachtungswinkel im Notebook-Modus gerade noch in Ordnung, wird dieser Punkt im Tablet-Betrieb zum K.-o.-Kriterium. Liegt der Dell vor einem auf dem Tisch, sieht man nicht genug. Man muss ihn hinten mit der Hand hochnehmen oder einen Gegenstand darunterlegen. Probleme, die ein iPad nicht kennt. Und dann die Bedienung mit dem Finger. Wer es gewohnt ist, beim iPad mit feinsten Fingerstrichen über Seiten zu navigieren und mit einer Zwei-Finger-Spreizbewegung Inhalte zu vergrößern oder zu verkleinern, erlebt mit dem Dell eine Verarbeitung der Eingaben, die schlichtweg mangelhaft ist. Der Inspiron Duo reagiert nur träge und unpräzise dazu. Zwar kommt – wie bei Smartphones – ein kapazitiver Bildschirm zum Einsatz, aber man kämpft ständig und bei jedem Bildschirmmanöver mit der unzureichenden Erkennung seiner Aktionen.

Für Texteingaben steht das virtuelle Keyboard von Windows 7 zur Verfügung, so lässt sich eine Internetadresse eingeben. Die sehr gute Handschrifterkennung von Microsoft steht ebenfalls parat. Aber weil kapazitive Bildschirme nicht auf Druck reagieren, kann man keinen Stift zum Schreiben einsetzen, muss also den Finger bemühen – und damit hat sich die Sache gleich erledigt. Kurzum: Im Tablet-Modus ist der Inspiron Duo kaum brauchbar und eine Enttäuschung. Immerhin hat Dell eine auf den Touchscreen optimierte Oberfläche bereitgestellt, die einen Schnellzugriff für Videos, Fotos, Musik und Spiele erlaubt. Aber das alles macht den Kohl nicht fett: Als Tablet PC ist der Inspiron Duo bestenfalls eine Notlösung, wir hatten uns von der an sich pfiffigen Idee deutlich mehr versprochen. (F.A.Z. vom 4. Januar 2011)