Test: MMI im Audi A1 (2010)

Nein, er ist keine gewöhnliche Vierradware, er mag zwar klein sein, ist aber keineswegs billig. Der Audi A1 fährt im Kleinwagensegment, hat jede Menge Technik vom VW Polo, trägt aber auch Gene der Größe in sich, vor allem in Sachen Kommunikation. Um schnell auf den Punkt zu kommen: Kein anderer in dieser Klasse bietet auch nur annähernd so viel. Man hat ihm nahezu das gesamte MMI-Programm der großen Brüder mitgegeben, das Gebotene ist überragend – und natürlich ein Mittel der Distinktion gegenüber der Konkurrenz. Hinsichtlich Navigation, HiFi, iPod-Anbindung und Telefonie bekommt man im Audi A1 Spitzentechnik ohne Wenn und Aber, also ein High-Tech-Fahrzeug im kompakten Format.

Coverflow: Musik für Feinschmecker (Fotos Spehr)

Die Qual der Wahl besteht in zwei Ausstattungsvarianten: Das auf den ersten Blick günstige „Navigationspaket“ schlägt zwar mit nur 1160 Euro zu Buche, dazu kommen aber als Pflichtprogramm die Radioanlage Concert (425 Euro), das Multifunktions-Sportlederlenkrad (130 bis 390 Euro) und das monochrome Fahrerinformationssystem zwischen Tachometer und Drehzahlmesser (180 Euro). Wer unterwegs freisprechend telefonieren will, benötigt ferner die Bluetooth-Schnittstelle für weitere 570 Euro. Flugs ist man bei mindestens 2500 Euro gelandet, und spätestens dann, so spekuliert wohl das Audi-Marketing, wird man einen Blick auf das große MMI Plus werfen, das 2650 Euro kostet und ebenfalls das Fahrerinformationssystem sowie das Multifunktionslenkrad erfordert. Also mehr als 3000 Euro für die Elektronik in einem Fahrzeug, das mit dem kleinsten Motor (1.2 TFSI) 15 800 Euro kostet. Aber wer kauft schon ein nacktes Fahrzeug? Die Aufpreisliste ist auch jenseits der Elektronik lang und verführerisch. Unser Testwagen mit dem 1,4-Liter-Motor und 90 kW (122 PS, Grundpreis mit Automatik 19 000 Euro), lag mit allem Drum und Dran bei fast 35 000 Euro, also ein kleines Auto zum Preis eines großen, und dann kann man auch MMI Plus getrost mitnehmen.

Es lohnt sich: Die Software entspricht nahezu dem aktuellen System im neuen Audi A8, nur bei der Hardware macht man Kompromisse: Der Monitor, der wenig elegant aus dem Armaturenbrett hervorguckt, lässt sich nicht motorbetrieben, sondern nur von Hand ein- und ausklappen, er ist zudem im Blickwinkel nicht justierbar – und mit einer Diagonale von 16,5 Zentimetern etwas kleiner. Auch der Controller als zentrales Bedienelement weist nicht die gewohnte Größe auf, rastet aber satt ein und macht hinsichtlich Haptik und Anmutung einen ordentlichen Eindruck. Vier Softkeys rund um den Drehsteller übernehmen kontextabhängig bestimmte Funktionen. In die Hauptmenüs führen acht eindeutig beschriftete Tasten, und mit „Back“ kommt man jeweils eine Ebene zurück. MMI Plus ist leicht und eingängig zu bedienen, es arbeitet zudem schnell und zuverlässig. Wer mit dem System etwas mehr vertraut ist, nutzt die Sprachsteuerung von Nuance, sie arbeitet auf dem Niveau des A8 und erlaubt nicht nur die Namenwahl von Telefonbucheinträgen ohne vorheriges Training, sondern auch das Erfassen von Straße und Ort eines Ziels „in einem Rutsch“.

Die Zentrale: MMI im Audi A1

Der Copilot erledigt seine Aufgabe mit Bravour. Die Bildschirmdarstellung ist präzise und stets eindeutig. Eine Mini-Karte für Kreuzungen und Fahrspurassistenten gehören zur Ausstattung. Bei Bedarf lassen sich vor Beginn der Fahrt drei verschiedene Strecken berechnen, eine davon soll besonders verbrauchsgünstig sein. Und nun zeigt Audi in der Karte auch Hinweise zum aktuell geltenden Tempolimit, es handelt sich allerdings um historische Daten des Kartenherstellers. Eine kameragestützte Erfassung der Verkehrszeichen fehlt ebenso wie eine Warnung bei der Überschreitung des Limits. Ein schönes und sinnvolles Extra ist wiederum TMC Pro, es werden also die Premium-Verkehrsinformationen angezeigt und zwecks Stauvermeidung ausgewertet.

Auch bei HiFi und Multimedia bietet der A1 die große Offenheit für unterschiedliche Systeme. Am einfachsten gelingt die Musikwiedergabe von einer handelsüblichen SD-Speicherkarte, wie sie derzeit bis 32 Gigabyte erhältlich sind. Gleich zwei davon lassen sich verwenden, genug Platz für mehr als 1000 Alben. Wer sich nicht um die Umwandlung des Musikbestands ins MP3-Format kümmern will, kann diese Pflichtübung von MMI erledigen lassen: Bis zu 20 Gigabyte stellt die Jukebox genannte Festplatte für Musik parat, die Titel von der CD werden automatisch ins MP3-Format eingedampft, und die Albendarstellung à la Apples „Coverflow“ ist spektakulär. Wer einen externen Musikspieler einsetzen will, schließt ihn entweder mit einem Adapterkabel an oder nimmt die Bluetooth-Übertragung A2DP, die von vielen Smartphones unterstützt wird. Wir hatten mit dem iPhone 4 keinerlei Probleme, störend ist indes, dass sich die HiFi-Anlage zu Beginn der Fahrt auch dann einschaltet, wenn man sie beim Verlassen des Fahrzeugs ausgeschaltet hatte. Alles andere rund um die Telefonie funktioniert mustergültig und einwandfrei. Dass das Sim-Access-Profil für Bluetooth nicht vorhanden ist, mag den Vieltelefonierer stören, ein Internetzugang fehlt ebenfalls. Aber wir reden ja hier von einem Kleinwagen, das sollte man nicht vergessen. (F.A.Z. vom 14.12.10)