Zwischen Hingabe und Präzision

Neulich beim Mercedes-Händler. Der ältere Kunde, wir schätzen ihn auf jugendliche 75 Jahre, holt einen nagelneuen CLS 350 ab. Fein herausgeputzt steht das Coupé im Hof, und der Verkäufer beginnt mit seiner Einweisung. Rund eine Stunde hören wir mit halbem Ohr zu, unser Auto wird derweil in der Werkstatt geprüft. Was das Fahren und die Mechanik betrifft, ist alles Wichtige schnell gesagt. Und dann geht es an die Erklärung des Comand-Systems für Routenführung, HiFi und Telefonie. „So geben Sie das Ziel ein, da geht es zurück ins Hauptmenü, mit dieser Taste starten Sie …“ und so weiter. Der stolze Neuwagenbesitzer wird langsam ungeduldig. Er will vermutlich den Sechszylinder sofort auf den engen Straßen des Taunus ausfahren, die Leistung und Leidenschaft von mehr als 300 PS spüren und eine scharfe Prüfung auf Exaktheit und Funktion vornehmen. Wir können ihn verstehen und leiden mit. Dieses Auto muss bewegt werden. „Zeigen Sie ihm doch endlich die Sprachbedienung“, möchten wir am liebsten den Verkäufer in seinem Redeschwall unterbrechen. Damit hätte sich das ganze Hin und Her sofort erledigt. Denn die Spracherkennung arbeitet bei den deutschen Premiumherstellern mittlerweile verblüffend gut. „Ziel eingeben, Frankfurt, Hellerhofstraße“, das ist schon alles. Ältere Autofahrer profitieren davon ungemein. Sie können sich wieder mit allen Sinnen einer Fahrt zwischen Hingabe und Präzision widmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.