Sein eigener Beifahrer möchte man jetzt nicht sein

Es gibt es keine Koketterie des Könners. Nach dem Anlassen rumpeln hinter Dir die 10 Zylinder, und Du denkst, dass kleine Monster mit dicken Vorschlaghammern auf Motor und Getriebe einschlagen. Es zischt und zwirbelt, und Du fühlst Dich wie in einem Weltraum-Shuttle kurz vor dem Start. Die riesigen Aluminiumpedale und erstes Treten der Kupplung. Treten ist untertrieben. Du musst sie mit aller Kraft stemmen, sie braucht die ganze Wade und Du ahnst, dass die vielen Stunden im Fitness-Studio für diesen Supersportwagen vollkommen vergeblich waren, weil die falschen Muskeln trainiert wurden.

Ein Tier: Porsche Carrera GT (Foto Hersteller)

Und dann das Getriebe. Mühsam knallst Du den ersten Gang rein, und schon ist mit der bewährten Dosis von Kupplung und Gas nichts, aber auch wirklich nichts zu wollen. Zur Kraftübertragung dient ein Einmassenschwungrad, und der Motor ist aus, wenn Du auch nur ein klitzekleines Fitzelchen Gas beim Anfahren gibst. Wenn dieses störrische Biest endlich rollt, ziehst Du den ersten Gang bis 8400 Umdrehungen hoch, und die Maschine schreit. Ihr metallisch-bellender Sound fräst Dir das Grinsen eines LSD-Junkies ins Gesicht. Das Getriebe ist kaputt, würdest Du bei jedem anderen Fahrzeug sagen, aber hier katapultieren Dich 612 PS nach vorn, angeblich in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in 9,9 Sekunden auf 200 km/h. Aber wer sollte das messen? Das Auto braucht alle Aufmerksamkeit. Jeder Gangwechsel ist ein Abenteuer, die Kupplung grüßt stets aufs Neue Waden und Kniescheibe, und beim Beschleunigen denkst Du insgeheim an ein Kräftemessen mit einem Kampfjet auf einem Salzsee in Utah. Sein eigener Beifahrer möchte man jetzt nicht sein. Nicht, wenn die Synapsen blinzeln und sich der rechte Fuß gen Bodenplatte senkt. Dann ist Stampede im Motorraum unter einer Herde gedopter Mastodonten. Als hätte es die Nachbrenner einer F15 zieht Dich das Ding nach vorn. Der Vordermann scheint bei 220 km/h auf der Stelle zu stehen, und wenn er endlich die Spur freigibt, reißt Dich ein beherzter Druck aufs Gaspedal in die 300er-Region, und dieses verflixte Biest will einfach nicht aufgeben. Erst jetzt hört sich der Motor nach Fahren an. Die kleinen Monster mit ihren Vorschlaghammern haben ihren Rhythmus gefunden, und die Klimaanlage ist nicht kalt genug. Nun schreit nicht das Auto, sondern der Fahrer. Und damit endet diese Übung bei 320 km/h.

P.S.: Den Porsche Carrera GT habe ich 2006 bewegt, und die eingestanzte Seriennummer des Testwagens war die 0000 von den insgesamt 1270 in Handarbeit gefertigten Exemplaren.

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