Sparen mit Erdgas? Fahrtbericht Mercedes-Benz B 180 NGT

500 Kilometer Fahrstrecke, zwei Erwachsene, zwei Hunde und das Reisegepäck: Am Ende des Tages standen keine 30 Euro auf der Kraftstoffrechnung, so günstig kann man heutzutage Auto fahren. In diesem Fall nicht etwa dank äußerst sparsamem Dieselmotor, sondern in der geräumigen B-Klasse von Mercedes-Benz mit Erdgasantrieb, dem B 180 NGT, das zusätzliche Kürzel steht für „Natural Gas Technology“, und natürlich schmückt sich auch dieses Modell mit dem „Blue Efficiency“-Emblem.

Sparbüchse? Mercedes-Benz B 180 NGT (Foto Hersteller)

 

Im Innenraum ist von der Erdgas-Technik auf den ersten Blick nichts zu sehen: Viel Platz und viel Beinfreiheit, auch im Fond. Die Rücksitzbank lässt sich wie gehabt nach vorn klappen, 422 bis 2117 Liter Gepäckraumvolumen sind beeindruckend. Auf den zweiten Blick scheint der Kofferraum dann doch etwas kleiner zu sein als in der B-Klasse mit Benzin- oder Dieselmotor. Dafür zeichnen die fünf Erdgasbehälter verantwortlich. Zwei sind mittig unter dem Wagenboden montiert, drei unter dem Heck. Sie vermindern das Volumen des Gepäckraums allerdings nur um bescheidene 128 Liter. Auch das Mehrgewicht von 120 Kilogramm gegenüber herkömmlichen Antriebstechniken ist ganz in Ordnung, bei anderen Erdgasfahrzeugen beträgt es 160 Kilogramm. Der Grund sind besonders leichte Druckgasbehälter aus Verbundwerkstoff anstelle der üblicherweise verwendeten Erdgas-Stahltanks. So kommt der mit dem Fahrer besetzte B 180 NGT auf 1470 Kilogramm (zulässiges Gesamtgewicht: 1950 Kilogramm).

Mercedes Benz hat indes noch einen weiteren Pfeil im Köcher: Sind die meisten Erdgasfahrzeuge für den monovalenten Betrieb allein mit Erdgas ausgelegt und können nur im Notfall mit einem Mini-Zusatztank auf den Benzinbetrieb umgeschaltet werden, bietet diese B-Klasse den bivalenten Betrieb mit doppeltem Tank, nämlich rund 16 Kilogramm fürs Erdgas und zusätzlich 54 Liter Benzin. Ein riesiger Vorteil angesichts der geringen Reichweite im Erdgasbetrieb (rund 250 bis 300 Kilometer), der nervenaufreibenden Schnitzeljagd nach der nächsten Zapfstelle in Deutschland sowie der miserablen Versorgung in den meisten europäischen Nachbarländern. Ohne die Ausweichmöglichkeit des Benzinbetriebs geht es jedenfalls nicht, Urlaubsreisen mit monovalenten Erdgasfahrzeugen ins Ausland sind eine Tortur.

Trotzdem: Wer schon aus Gründen der Sparsamkeit überwiegend mit Erdgas fahren will, muss sich auf manche Pause beim freundlichen Tankwart einstellen. Auf unserer 500-Kilometer-Tour haben wir insgesamt dreimal getankt. Zugegeben, das dritte Mal nur, um den Gasvorrat wieder aufzufüllen. Aber man muss vorab genau planen, am besten sucht man sich auf www.gas24.de die Zapfstellen entlang der Route aus, die den kleinstmöglichen Umweg bedeuten. Das Comand-APS-Navigationssystem in der B-Klasse (für einen Aufpreis von 3400 Euro) kennt zwar die rund 800 Erdgastankstellen in Deutschland, führt einen aber gegebenenfalls zu einer Anlage jenseits der Autobahn, die 30 Kilometer von der Route entfernt ist. Diese langen Umwege sollte man bedenken, bevor man mit einem Erdgas-Fahrzeug liebäugelt.

Davon einmal abgesehen erfordert das Fahren mit Erdgas keine Umstellung. Der Motor startet stets im Benzinbetrieb, und wenn zuletzt der Erdgasmodus gewählt war, schaltet er nach etwa einer Minute automatisch um. Dann steht ein „CNG“ (für „Compressed Natural Gas“) im Display des Drehzahlmessers und ein kleines Symbol in der Monochromanzeige des Bordcomputers weist ebenfalls darauf hin. Zwischen beiden Betriebsarten kann man jederzeit mit den Menütasten des Lenkrads umschalten, auch während der Fahrt. Ist einer der beiden Tanks leer, erfolgt nahtlos der Wechsel zum anderen. Man spürt es nicht, hört aber ein leises metallisches Klacken.

Zu loben ist Mercedes-Benz sodann für die gelungenen Info-Anzeigen. Während man bei den meisten Erdgas- und fast allen Autogasanlagen nur ungefähre Schätzungen zum Füllstand und keine präzisen Informationen über Durchschnittsverbrauch und errechnete Reichweite bekommt, zeigt der Bordcomputer der B-Klasse alle Details, und die Hochrechnungen sind verflixt genau. Der 2-Liter-Vierzylinder mit 85 kW (116 PS) entspricht in den Basisdaten — bis auf den kleineren Hubraum — dem des B 180 „Blue Efficiency“ mit 1,7 Liter. Der NGT hat ein höheres Drehmoment (165 statt 155 Newtonmeter), beide erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von etwas mehr als 180 km/h.

Den Spurt auf 100 km/h absolviert der B 180 NGT in 12,4 Sekunden, unabhängig vom verwendeten Kraftstoff. In der Stadt und auf der Landstraße ist man mit dem Mercedes durchaus flott unterwegs, muss allerdings wegen des geringen Drehmoments häufig schalten. Auf der Autobahn pendelt sich die typische Reisegeschwindigkeit schnell bei 140 km/h ein. Jede weitere Beschleunigung ist mit viel Geduld und Lärm verbunden, und was man sich an erster Stelle auf langen Strecken wünscht, wäre ein länger übersetzter sechster Gang. Indes ist nur die Fünfgang-Schaltung lieferbar, — oder ein Automatikgetriebe gegen Aufpreis (2100 Euro).

Wir sind den NGT fast ausschließlich mit Erdgas gefahren und kamen im Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn auf einen (klassentypischen) Durchschnittsverbrauch von 5,8 Kilogramm für 100 Kilometer. Bei sehr vorsichtiger Fahrweise sind 5,4 Kilogramm durchaus zu schaffen. 1 Kilogramm Erdgas, das etwa 1,5 Liter Benzin entspricht, kostet derzeit rund 1 Euro. Mit einem Grundpreis von 29 500 Euro ist der NGT 3700 Euro teurer als der B 180 in der Benzinvariante. Bei einem Benzinpreis von 1,32 Euro pro Liter spart man im reinen Erdgasbetrieb 6,08 Euro auf 100 Kilometer, und der NGT rechnet sich damit nach 60 000 Kilometer. Im Vergleich mit einem sparsamen Diesel sieht die Bilanz für den alternativen Kraftstoff noch schlechter aus. Nur wenn die Benzinpreise abermals stark steigen sollten, wird der B 180 NGT für den Vielfahrer zur Sparbüchse.

Disclaimer: Alle Preise Stand März 2010.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.