Gefährliche Klicks – Google bringt „+1“

Auf den gängigen Internetseiten sind sie mittlerweile oft zu finden, die „Gefällt mir“-Schaltflächen von Facebook. Ist man in das soziale Netz eingebucht, kann man wie einst Kaiser Nero den Daumen nach oben recken und damit dem jeweiligen Inhalt mehr Beachtung verschaffen. Das hört sich nach einem Gimmick an, ist es aber nicht. Denn es wird eine Verknüpfung zwischen der Person und ihrem Facebook-Profil hergestellt, Inhalte des Internet werden in Facebook hineingeholt, und dieser sozial generierte Link-Index konkurriert mit den Suchmaschinen. Wer als Seitenbetreiber (das kann etwa ein Medienunternehmen oder auch der private Blogger sein), einen Facebook-Button anbietet, schenkt dem amerikanischen Betreiber zudem seine Nutzerdaten, unter anderem die IP-Adresse der Besucher, ihre regionale Herkunft und vieles mehr. Diese Daten bleiben für den Seitenbetreiber anonym, er kennt nur die IP-Adresse. Facebook hingegen weiß, welche reale Person auf den Button geklickt hat, denn sie ist ja mit ihrem Realnamen bei Facebook angemeldet. Aus der abstrakten IP-Adresse wird also ein Klaus Schmidt, dessen Surfverhalten nun für Facebook ein offenes Buch ist.

Dieses Mehr an Wissen will jetzt auch Google haben, und nennt das Ganze „+1“. Suchergebnisse sollen personalisiert werden, ein simpler Klick auf „+1“ reicht aus, damit Freunde private Empfehlungen in den Ergebnislisten ihrer Google-Suche sehen. Damit das funktioniert, muss man bei Google angemeldet und eingebucht sein. Doch wie ermittelt Google die jeweiligen Bekannten? Dazu werden bestehende Verknüpfungen ausgewertet. Freunde sind etwa die Kontakte im Googlemail-Adressbuch oder die Chat-Partner in Google-Talk. Wer einen Blick in seinen aktuell von Google ermittelten Bekanntenkreis werfen will, rufe in Googlemail das „Dashboard“ auf und lasse dann „Meinen Bekanntenkreis und meine sozialen Inhalte anzeigen“. Man ist verblüfft. Oder erschrocken und wütend. Wenn Google jetzt sein „+1“ als so etwas wie das Twitter-Pendant des „Retweets“ verkaufen will, ist das eine Rhetorik der Verschleierung. Denn der Retweet ist ein aktiver, bewusster Vorgang, während „+1“ wie das „Gefällt mir“ von Facebook die Untiefen der Intransparenz mitbringt.

Test: Das neue iPad 2 und seine Rivalen

Seit dem 25. März ist es in Deutschland im Handel, und wie zu erwarten war, ist die Aufmerksamkeit groß. Wieder einmal läuft die Marketingmaschinerie der Amerikaner wie geölt. Man kann sich nur wundern, denn mit etlichen anderen Kritikern meinen wir, dass dieser neue Flachcomputer aus Cupertino keineswegs den großen Sprung auf eine Version 2 rechtfertigt. Viel haben die Entwickler in den zwölf Monaten seit Marktstart des ersten iPad nicht geändert, der Fortschritt ist schnell aufgezählt: Das neue Gerät ist leichter geworden, es wiegt nur noch 600 statt 700 Gramm, es arbeitet mit einem flinken Doppelkern-Prozessor, den Apple A5 nennt, und der mit 1 Gigahertz getaktet ist. Er soll zweimal so schnell rechnen, und die Grafikleistung ist angeblich um den Faktor neun gewachsen. Nun bietet das iPad 2 zwei Kameras für Videotelefonie, die rückseitige erlaubt Videoaufnahmen mit 720p, und ferner gibt es als Zubehör einen „Digital AV Adapter“, der iPad-Inhalte auf ein mit HDMI angeschlossenes Fernsehgerät spielt.

Mit farbigen Hüllen: iPad 2 und Smart Cover (Foto Hersteller)

Das ist im Grunde genommen schon alles. An der Software hat sich nichts geändert, das aktuelle iOS 4.3 läuft auf dem alten wie auf dem neuen iPad, vorhandene Programme sind kompatibel zum iPad 2. Und was die vor der offiziellen Präsentation überbordende Gerüchteküche des Internet servierte, ist durchgängig falsch: Nein, das Display hat keine höhere Auflösung, es bleibt bei 1024 x 768 Pixel über eine Diagonale von 24,6 Zentimeter. Nein, es gibt keinen eingebauten Speicherkarten-Leser, keinen direkten USB-Zugriff auf den eingebauten Speicher (der, wie gehabt, von 16 bis 64 Gigabyte reicht), keine superschnelle Thunderbolt-Schnittstelle wie bei den neuen Macbook-Laptops und nicht die kleinste Lockerung bei Apples strengem Regiment der Kontrolle des hauseigenen App Stores. Das neue iPad muss wie das alte an einem „richtigen“ Computer aktiviert werden, es ist ein Baustein in einem geschlossenen Apple-System, Inhalte und private Medien muss man mit iTunes übertragen, und diese Liste der vollkommen unzeitgemäßen Restriktionen ließe sich noch verlängern.

So wundert kaum, dass die Kritiker den Blick auf andere Mütter und ihre schönen Töchter werfen, und in erster Linie ist damit das junge Android-Betriebssystem 3.0 für Tablet PC gemeint. Was hier unter der Federführung von Google entsteht, verspricht mehr Offenheit und Flexibilität. Aber die drei wichtigsten Rivalen des iPad 2 sind in Deutschland noch nicht erhältlich: Das Motorola Xoom, das LG Optimus Pad und die beiden neuen Galaxy Tab von Samsung kommen erst im Mai oder noch später auf den Markt, und sie starten mit einem gewaltigen Rückstand: Derzeit sind nur sehr wenige Android-Apps an die höhere Bildschirmauflösung dieser Flachcomputer angepasst, alles andere läuft bestenfalls „hochskaliert“.

Android 3.0 muss sich also zunächst bewähren, und dazu kommt das Rätselraten, ob die jungen Rivalen hinsichtlich Leistung und Verarbeitungsqualität auf Augenhöhe mit dem iPad 2 spielen. Samsung reagierte in der vergangenen Woche geradezu panisch: Das im Februar angekündigte Galaxy Tab 10.1 soll nunmehr schlanker und günstiger werden, kommt aber erst im Juni in den Handel. Was den Prozessor betrifft, kämpfen alle in einer Liga, Stichwort: Doppelkern-Prozessoren. Aber Motorola, LG und Samsung bieten in der Kamera-Abteilung mehr Auflösung, das Xoom hat zudem einen Speicherkarten-Leser. Und wie sich dann in der Verbindung aus innovativem Betriebssystem und überzeugender Hardware die Lage auf dem Tablet-Markt im Sommer darstellen wird, darüber kann man nur spekulieren. Dazu stoßen dann nämlich noch einige Außenseiter: Hewlett Packard bringt das Touchpad mit Web-OS-Betriebssystem, und die Playbook-Familie von Blackberry-Hersteller RIM steht in den Vereinigten Staaten ebenfalls in den Startlöchern. So gehen nahezu alle Marktforscher davon aus, dass Apple in diesem Jahr der Marktführer bei den Flachrechnern bleiben wird. Rund 70 bis 80 Prozent aller verkauften Tablet PCs kommen aus Cupertino, erwarten die Analysten von Forrester und IDC. Die Konkurrenz benötigt nach diesen Vorhersagen einen langen Anlauf.

So gesehen war es ein kluger Schachzug von Apple, das iPad 2 schon jetzt auf den Markt zu bringen. Wenn man es so nimmt wie es ist, treten schon nach kurzer Erprobung die eingangs erwähnten Schwächen zurück. Faszination stellt sich ein, es ist hervorragend verarbeitet, und bei Spielen macht sich der schnellere Prozessor mitsamt verbesserter Grafikeinheit sofort bemerkbar. Ebenfalls neu ist ein Gyrosensor, der die Steuerung virtueller Helden einfacher macht.

Das nunmehr verringerte Gewicht, die sanften Rundungen an den Seiten und die hauchdünne Bauform (8,8 Millimeter) sind klare Pluspunkte gegenüber dem Vorgänger. Es ist ja ein Gerät, das man überwiegend in der Hand hält, und die eingesparten 100 Gramm spürt man, vor allem beim Internet-Lesen rücklings auf dem Sofa. Legt man alt und neu nebeneinander, kommt einem das iPad 1 geradezu klobig vor, obwohl sich an den Basismaßen nichts geändert hat. Einziger Kritikpunkt: das iPad 2 ist für unseren Geschmack zu glatt, es rutscht leicht aus der Hand. Ein Makel, der sich indes mit dem „Smart Cover“ leicht abstellen lässt. Diese auch zum Ständer faltbare und mit Magneten raffiniert am Gehäuse anklickende Hülle gibt mehr Griff, schützt allerdings nur die Vorderseite und aktiviert ferner beim Schließen auch den Ruhezustand des Geräts. Die Videotelefonie mit Facetime (sie funktioniert nur mit Partnern am Mac oder anderen iOS-Geräten) soll ein weiterer Vorteil sein, bei unseren Versuchen überzeugte sie nicht immer. Für Foto-Schnappschüsse sind beiden Kameras kaum geeignet, eher gelingen ordentliche Videos, die sich mit der neuen App iMovie ungemein einfach am iPad bearbeiten lassen.

Wie gehabt gilt also: Was das iPad kann, macht es geradezu verblüffend gut, dieser leichte, unbeschwerte Umgang ist und bleibt ein Erlebnis. Auch der neue Tablet aus Cupertino ersetzt den gewohnten PC keineswegs, er ist eine Maschine für den passiven Konsumenten und mit seiner einfachen Bedienung so etwas wie das Fernsehgerät fürs Internet. Man schaltet es ein, es steht in wenigen Sekunden zur Verfügung, jeder kann gucken, und wie beim Vorgängermodell läuft der Akku gefühlte Ewigkeiten (länger als zehn Stunden). Und was der aktive Nutzer beim ersten iPad kritisierte, dass das Arbeiten mit eigenen Inhalten und privaten Medien kompliziert oder gar nicht möglich ist, dass es nicht einmal ein dem Nutzer zugängliches Dateisystem kennt, dass alles an die jeweiligen Apps gebunden ist: diese zutreffenden und richtigen Einwände sind zwar richtig. Aber mittlerweile haben kluge Entwickler doch Möglichkeiten und Wege gefunden, viele Einschränkungen zu umgehen. Zum Beispiel durch die Nutzung der Cloud als Datenspeicher. Liegen Fotos, Tabellen oder Texte in der Dropbox, sind sie auch auf dem iPad problemlos zugänglich – ohne vorherige Synchronisation mit iTunes.

Andere Apps erfinden das Rad ganz neu und lösen sich von gewohnten Konventionen herkömmlicher PC-Software. Apple selbst präsentiert Garage Band für das iPad 2, eine Musik- und Kompositions-App, mit der auch ein Laie in kürzester Zeit hörenswerte Stücke produzieren kann. Oder der Reeder von Silvio Rizzi, eine Lesesoftware für RSS-Nachrichtenströme mit einzigartigem Charme und genialer Funktionalität. Weitere prominente Apps wie Flipboard, Pulse, News 360 oder Zite bieten einen neuen Umgang mit Inhalten des Netzes und der Medien. Mit Fingerbewegungen und Gesten navigiert man durch Inhalte, die im übrigen auch von Facebook oder Twitter stammen können. Dank dieser pfiffigen Arrangements von Texten, Fotos und Videos aus verschiedenen Quellen entsteht ein Tablet-Surf-Erlebnis, das einen in seiner ästhetischen Umsetzung durchaus in den Bann ziehen kann. Und neuerdings gewichtet Broad Feed einzelne Beiträge nach der Resonanz bei Twitter. Man sieht: Hier bei den Apps hat das iPad einen riesigen Vorsprung vor den konkurrierenden Plattformen, und dass alle großen Medienunternehmen ihre Software zunächst und an erster Stelle für das Apple-Betriebssystem präsentieren, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Wir meinen, nach kurzer Erprobung in den vergangenen Tagen: Wer jetzt einen Tablet PC kaufen will, macht auch angesichts des guten Preis-Leistungsverhältnisses nichts verkehrt. Das neue iPad kostet mit 16 bis 64 Gigabyte Speicher, wahlweise mit oder ohne Mobilfunk-Modul zwischen 480 und 800 Euro. Am iPad 2 muss sich die Konkurrenz messen lassen, und das wird ihr schwerfallen.

Heute das iPad 2 kaufen?

Hier einige knappe Hinweise, mein Review erscheint heute im Laufe des Tages auf faz.net. Die Apple-Läden haben das iPad 2 erst ab 17 Uhr!

  • Das iPad 2 ist exzellent verarbeitet, superschnell, bietet eine sehr lange Akkulaufzeit (10 h +), und die Gewichtseinsparung ist ein spürbarer Pluspunkt.
  • Die beiden Kameras enttäuschen, nicht nur wegen der geringen Auflösung.
  • Facetime-Videotelefonate (zum Mac oder anderen Partnern mit iOS-Geräten, nur im W-Lan) waren bei meinen Tests nicht durchgehend gut, bei den weniger guten Telefonaten gab es starke Artefakte im Bild und einen zu großen Zeitversatz von Bild und Ton. Einmal fror das Facetime-Bild ein.
  • Wer ein altes iPad 1 hat, kann dabei bleiben, meine ich.
  • Nichts ändert sich bei den bekannten Apple-Gängelungen. Und wie bisher gilt: Wer nicht nur passiv konsumiert, sondern aktiv arbeiten will, kaufe einen Notebook.
  • Wer einen hochwertigen Tablet PC mit Zehntausenden von Apps sucht, liegt beim iPad 2 genau richtig. Es ist der Maßstab, und dank Dropbox & Co. lassen sich manche Einschränkungen mühelos überwinden. Viele tolle Apps gibt es nur für das iPad, daran wird sich so schnell nichts ändern.
  • Die spannende Frage: lohnt es sich, auf Android-Tablets zu warten? Dafür spricht: bessere Ausstattung (Kamera, teils Speicherkarten-Slot, Standard-USB-Anschluss), größere Offenheit des Betriebssystems.
  • Dagegen spricht: teils deutlich teurer, kaum Apps für Android 3.0, das jetzt dort beginnt, wo Apple vor einem Jahr war. Ferner: Wie gut sind Verarbeitungsqualität, Anmutung, wie sieht es aus mit der Akku-Laufzeit?

 

Die Preise des iPad 2 in Deutschland

Alle Preise inklusive Umsatzsteuer, offizielle Pressemitteilung von Apple. Das iPad 2 wird ab Freitag, 25. März in den Apple Retail Stores und bei ausgewählten autorisierten Apple-Händlern ab 17.00 Uhr verfügbar sein, online über den Apple Store (www.apple.com/de) ab 2.00 Uhr morgens.

iPad 2 mit W-Lan:

479 Euro für das 16 GB-Modell

579 Euro für das 32 GB-Modell

679 Euro für das 64 GB-Modell

 

iPad 2 mit W-Lan und zusätzlich 3G Mobilfunk:

599 Euro für das 16 GB-Modell

699 Euro für das 32 GB-Modell

799 Euro für das 64 GB-Modell

Ein Wochenende mit dem iPad

Was macht der News-Junkie am Wochenende? Er ist im kalten Entzug. Sich ins Arbeitszimmer verkriechen, am Rechner die großen Nachrichten-Seiten, Twitter und Facebook lesen: Das alles läge jenseits einer ohnehin schon strapazierten Ehefrauen-Kompatibilität. Am besten bleibt der Computer aus, und das ständig piepsende Smartphone (Twitter-Eilmeldungen!) ist ohnehin auf lautlos gestellt. Zum Glück gibt es das iPad. Staubsaugen am Samstagnachmittag. Das sind fünf Minuten im Esszimmer, um heimlich einen Blick auf faz.net zu werfen. Das iPad muss ja nicht langwierig hochfahren, es steht sofort parat. Ein paar Fingerbewegungen übers Display, schon ist die Sucht befriedigt. Und während sie abends im Wohnzimmer ihre Lieblingsserie guckt, kann er nebenan sogar flink Twitter starten. Was gibt es neues unter den Followern, was sind die derzeit weltbewegenden Themen? So schön das alles mit Apples Tablet PC funktioniert: Geht es dann darum, aus dem passiven Lesen von Meldungen ein aktives Arbeiten zu machen, also einen Nachrichtentitel zu markieren, kopieren und einzusetzen, dazu einen persönlichen Kommentar zu schreiben und das Ganze mit dem Lieblings-Linkverkürzer in ein kompaktes Format zu bringen, wünscht man sich doch wieder den PC zurück. Es geht, aber es ist langwierig und kompliziert. Man kann stundenlang mit dem iPad zufrieden auf dem Sofa surfen. Sobald es einem jedoch in den Fingern juckt, sind seine Defizite offensichtlich.

 

Test: Navi und HiFi im Volvo V60 / Das modernisierte RTI-System

Navigation bei Volvo: Das waren jahrelang Anlagen mit einem gewissen Beratungsbedarf, um es vorsichtig auszudrücken. Kollegen saßen verzweifelt im Fahrzeug und suchten das Menü für die Zieleingabe am elektronischen Kopilot. Was man wissen musste: Dafür gab es hinter dem Lenkrad eine gut versteckte Vier-Wege-Wippe, die kaum jemand auf Anhieb fand. Weitere Schrulligkeiten dieser Routenführung aufzuzählen, sparen wir uns, denn all das gehört nun der Vergangenheit an.

Moderne Zeiten: Das neue RTI-System von Volvo (Fotos Spehr)

Volvo hat mit dem V60 seine Kommunikationstechnik grundlegend modernisiert, und nur Experten sehen beim neuen RTI-System leichte Anklänge an eine weniger glorreiche Vergangenheit. Das neue RTI wirkt frisch, ist in den Basisfunktionen einfach zu bedienen, ein Produkt aus einem Guss und vor allem: Es ist im V60 so günstig, dass man sich jeden Seitenblick auf ein Nachrüst-Navi für die Windschutzscheibe sparen kann.

Für 960 Euro erhält man eine moderne Anlage, die sich klar erkennbar an den Controller-Systemen der deutschen Oberklasse orientiert. Aber sie ahmt nicht nach, sondern setzt eigene Akzente. Unter dem Farbbildschirm und den Lüftungsdüsen der Klimaanlage sitzt das Tastenfeld, das von den numerischen Zifferntasten für die Telefonabteilung dominiert wird. Am Rand liegen klar beschriftete Funktionstasten für die Untermenüs, der Drehsteller rechts übernimmt die Aufgaben des Controllers. Er ist mit einer OK-, Menü- und Abbruch-Funktion belegt, so steuert man das Geschehen auf dem Farbbildschirm.

Dort wiederum bauen sich die Menüs kreisförmig auf, eine „Scheibe“ liegt über der anderen, mit dem Controller geht es schrittweise zurück. Wie bei den meisten High-Tech-Anlagen folgt die Bedienung schnell erkennbaren Prinzipien, aber der Weg in einzelne Menüs ist lang und erfordert stets den Blick auf den Bildschirm. Bis man beispielsweise die Kartendarstellung der Navi-Abteilung von der drei- auf die zweidimensionale Ansicht umgestellt oder die Verkehrsmeldungen im Klartext aufgerufen hat, vergehen etliche Sekunden. Aber das ist nur eine Fußnote, denn das Gesamtkonzept stimmt.

Zudem muss man nicht immer den Weg in die langen Menüs gehen. Die Spracherkennung, die ebenfalls bei RTI dazugehört, macht sich in der Navi-Abteilung bei der Erfassung von Straße und Ort nützlich. Zwar fehlt die brandaktuelle „One-Shot“-Eingabetechnik (man sagt die ganze Adresse in einem Satz) und muss hier Ort, Straße und Hausnummer in drei Anläufen vorsprechen. Aber die Erkennungsleistung ist ordentlich. Zu Beginn der Fahrt werden verschiedene Routen vorgeschlagen, dann gibt es abermals eine kleine Enttäuschung: Die Kartendarstellung wirkt mickrig, die Auflösung ist zu gering, es fehlt an Details. Fürs Fahren brauche man auch nicht mehr, sagt indes der Verstand, und mit dem Gebotenen kommt man sicher ans Ziel. In Kreuzungsnähe baut sich automatisch ein Zoom-Fenster auf, Fahrspurassistenten erleichtern rechtzeitiges Einfädeln, sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn werden Tempolimits angezeigt, wenn sie im Navi-Kartenmaterial verzeichnet sind.

Kommandozentrale: Bedienlandschaft im Volvo V60

Wir sind mit dem V60 unter anderem zur Cebit gefahren, und es gab auf zweimal 300 Kilometer keinen Anlass zur Klage. Nein, wir wurden zudem prima unterhalten mit dem Audiosystem „High Performance Multimedia“, das für weitere 850 Euro in der Aufpreisliste steht. Die wichtigsten Details neben Radio und CD/DVD-Spieler mit MP3-Wiedergabe: 4 × 40 Watt aus acht Lautsprechern bringen einen tollen Sound ins Fahrzeug, Dolby Surround gehört ebenfalls dazu, die Bässe kommen knackig und abgrundtief. Als Zuspieler lassen sich MP3-Geräte über einen Aux-Eingang oder USB mit dem V60 verbinden, und natürlich steht das Bluetooth-Protokoll A2DP für die drahtlose Musikübertragung parat. Mit Blauzahn koppelt man zudem sein Handy oder Smartphone an, der Freisprechbetrieb wird ebenfalls mit Bordmonitor und Controller abgewickelt. In Verbindung mit dem iPhone 4 gab es nur Erfreuliches zu berichten: gute Akustik, Zugriff auf das Apple-Telefonbuch und die Anruflisten, Sprachwahl für alle Einträge ohne vorheriges Training. Alles in allem ist das neue RTI ein großer Schritt nach vorn, wir waren sehr angetan, zumal auch das Preis-Leistungs-Verhältnis exzellent ist. Als „Business-Paket Pro“ kosten alle Komponenten zusammen nur 1500 Euro, und eine Einparkhilfe ist dann ebenfalls dabei.

 

Test: Nuance Flex T9 für Android mit Spracherkennung

Jedes aktuelle Android-Smartphone bringt von Haus aus eine Spracherkennung mit. Am spektakulärsten ist die Sprachsuche von Google. Man tippt auf die entsprechende Menüschaltfläche, sagt „Restaurant in der Nähe“, und schon startet eine Google-Suche im Browser mit dem erkannten Text. Das funktioniert beeindruckend gut. Wer jedoch mit Android eine SMS oder E-Mail diktieren will, findet zwar auf der Tastatur ebenfalls ein Spracherkennungs-Symbol. Aber die Erkennungsleistung bleibt bescheiden, und vor allem: Satzzeichen werden nicht umgesetzt.

Deshalb schielten bislang manche Android-Nutzer eifersüchtig auf das iPhone und die Nuance-App „Dragon Dictation“, deren Performance bei der Erkennung einzigartig ist. Doch nun hat der amerikanische Marktführer ein Programm für Android auf den Markt gebracht, das weit über die iPhone-Software hinausgeht. Während man bei Dragon Dictation wegen der zahllosen Einschränkungen von Apples Betriebssystem stets diktiert und dann in andere Anwendungen (SMS, E-Mail, Twitter) exportiert, fügt sich das neue Flex T9 geschmeidig in Android ein. Es ersetzt nämlich die gewohnte Tastatur. Also kann man überall und in jeder App diktieren, ein schöner Fortschritt.

Zudem ist Flex T9 mehr als nur ein Spracherkenner, denn es bietet bei der Eingabe gleich mehrere Verfahren an: Bei der Schrifterkennung zeichnet man die Buchstaben einzeln auf eine Fläche, die ungefähr die Hälfte des Bildschirms einnimmt. Also so, wie früher bei den Taschencomputern von Palm. Nur, dass jetzt zusätzlich ein Wörterbuch bereitsteht, also schon nach zwei, drei Buchstaben erste Vorschläge zur Wortergänzung kommen, die man dann mit einem Fingertipp bestätigt. Ferner steht die Swype-Eingabemethode zur Verfügung. Dabei gleitet man mit dem Finger über die virtuelle Tastatur, von einem Buchstaben zum nächsten, und zwar ohne abzusetzen. Diese Daumenmalerei funktioniert verblüffend gut. Abermals steht ein Wörterbuch mit Vorschlägen helfend zur Seite.

Und schließlich die Spracherkennung für Deutsch oder Englisch: Man tippt auf das Nuance-Symbol der Tastatur und hat ungefähr 60 Sekunden Zeit für sein Diktat, das aus mehreren Sätzen bestehen kann. Die Erkennung erfolgt nicht auf dem Smartphone, dafür sind Rechenleistung und Arbeitsspeicher zu knapp, sondern auf ausgelagerten Servern: die Audio-Aufnahme wird per Mobilfunk oder Wireless-Lan an Nuance übermittelt, in der Ferne transkribiert und das Resultat dem Absender zurückgeschickt. Die Erkennungsrate ist geradezu atemraubend, viel höher als bei Googles System. Geht es um einfache Dinge, wie man sie mit schlichtem Wortschatz üblicherweise in SMS formuliert („komme etwas später, warte nicht mit dem Mittagessen!„), sind die Ergebnisse fast immer perfekt. Mit der Komplexität des Vokabulars steigt die Fehlerrate, aber davon einmal abgesehen, ist man mit Diktat und Spracherkennung deutlich schneller als mit der sonst üblichen Fingerakrobatik.

Die Korrektur von Erkennungsfehlern ist allerdings etwas komplizierter als auf dem iPhone. Man muss zunächst mit den Bordmitteln von Android ein Wort markieren, bevor Alternativen zur Auswahl angezeigt werden. Im Unterschied zum Google-System funktioniert nicht nur die Erkennung von Interpunktionszeichen, sondern man kann sogar etliche vertraute Kommandos aus Dragon Naturally Speaking einsetzen („neue Zeile“, „neuer Absatz„). Alles in allem also ein sehr durchdachtes Programm, das im Unterschied zur PC-Software von Nuance kein vorheriges Training erfordert. Die Software kostet im Android Market 3,58 Euro, die gut angelegt sind. Beim Diktieren sollte man beachten, dass beim Hochladen von Audiodateien in den Mobilfunknetzen weitere Kosten anfallen. Ein Datenvertrag für den mobilen Einsatz ist also angesagt. Auch mag sich mancher daran stören, dass die eigenen Diktate, wie bei Google, auf fremden Servern landen. Aber das geht nun mal nicht anders.

Klarer hören und besser telefonieren: Peiker zeigt Freisprech- und Drahtlostechnik fürs Auto von morgen

Wir sollen zwei, drei Sätze in die vor uns liegenden Mikrofone sprechen. Eigentlich eine leichte Übung. Nur sind wir in diesem Fall umgeben von einem infernalischen Lärmteppich, den ein großer Lautsprecher direkt neben den Mikros erzeugt. Dagegen kann man nicht einmal anschreien, und so fügen wir uns der Bitte und werfen einige leise Sätze in die uns umgebende Kakophonie. Das Ganze wird aufgezeichnet, im PC sekundenschnell bearbeitet und uns abermals vorgespielt. Das Ergebnis dieser digitalen Signalverarbeitung ist spektakulär, geradezu atemraubend: Die Stimme steht klar und präzise im Raum, von den Nebengeräuschen während der Aufnahme ist so gut wie nichts zu hören.

Ein schönes Beispiel für die Leistungsfähigkeit moderner digitaler Signalverarbeitung. Wir sind bei Peiker Acustic im hessischen Friedrichsdorf, einem großen Zulieferer der Automobilindustrie, wenn es um hochwertige Mikrofone und Multimedia-Plattformen im Fahrzeug geht. Das uns gezeigte Verfahren kommt vor allem bei Handy-Freisprecheinrichtungen im Auto zum Einsatz, es ist serienreif, und wir können einen Blick auf die Technik werfen. Wie kann man den Klang einer Telefonanlage ungeachtet aller Neben- und Fahrgeräusche durch Motor, Reifen und Wind optimieren? Der erste Schritt heißt bei den Akustikern „Beamforming“ und bezeichnet eine Methode zur Positionsbestimmung von Schallquellen durch mehrere Mikrofone, sogenannte Arrays. Man misst Laufzeiten und Zeitverschiebungen der von den Mikrofonen erfassten Signale und versucht, damit die Position der menschlichen Schallquelle im Raum zu ermitteln. Auf diese Weise lässt sich die Sprache von den umgebenden Störungen trennen.

Das Verfahren ist kompliziert, und der Algorithmus von Peiker bringt einige Innovationen mit, die wir bislang noch nicht gesehen haben. Die sonst übliche starre Ausrichtung des Mikrofons auf den Mund des Fahrers gehört damit der Vergangenheit an. Mehrere Mikrofone im Auto können flexibel positioniert werden, die Software erkennt automatisch, wenn sich der Beifahrer oder ein Fond-Passagier in das Gespräch einmischt.

Nach dem Beamforming zur besseren Erfassung des Sprachsignals kommen weitere Rechenkniffe zum Einsatz, wie man sie auch in anderen Freisprechanlagen kennt. Etwa die Echounterdrückung: Sie widmet sich dem Problem, dass die Stimme aus dem Lautsprecher zum Mikrofon gelangt, der Teilnehmer am anderen Ende hört also ungewollt das Echo seiner eigenen Stimme. Das mit Software berechnete Echosignal muss „ausgelöscht“ werden. Im nächsten Schritt geht es um die Nebengeräusch-Unterdrückung. Ein Teilbereich ist der Windschlagfilter. Er unterdrückt jene Geräusche, die man etwa beim Fahren mit geöffneten Fensterscheiben oder im offenen Cabrio hört. Nur in Sprachpausen darf der Windschlagfilter eingreifen, sonst hört sich die Stimme des Gegenübers unnatürlich an.

Worauf die Entwickler bei Peiker besonders stolz sind: Der gesamte Algorithmus ist von sich aus adaptiv. Er erkennt, dass beispielsweise in einer leisen Oberklasse-Limousine ein völlig anderes akustisches Szenario zu bewältigen ist als in einem lauten Kleinwagen. Die Automobilhersteller müssen die Peiker-Anlage also nicht fahrzeugspezifisch anpassen, die Feinjustage erfolgt quasi automatisch. Erhältlich ist das System bereits in etlichen Chrysler-Modellen, andere Hersteller werden folgen.

Noch einige Monate von der Serienreife entfernt ist ein zweites Produkt, das Peiker zusammen mit Qualcomm entwickelt, dem größten Chiphersteller für Handys und Smartphones. Es dreht sich um die leidige Frage, wie man im Auto am besten telefoniert. Experten haben natürlich gleich eine Antwort: mit dem Sim-Access-Profil von Bluetooth. Damit wird das Handy während der Fahrt „schlafen“ gelegt, und eine eigenständige Mobilfunkeinheit des Autos mitsamt Außenantenne übernimmt die Kontrolle. Die Vorzüge liegen klar auf der Hand: beste Sende- und Empfangseigenschaften sowie keine „Strahlenbelastung“ des Innenraums. Nur hat Sim Access etliche Nachteile: Kaum ein Smartphone unterstützt dieses Bluetooth-Protokoll, der Zugriff auf das Telefonbuch im Gerätespeicher gelingt in der Regel nicht, Datendienste lassen sich ebenfalls nicht nutzen.

Qualcomm und Peiker treiben deshalb das Konzept „Wireless Charging“ voran, und der amerikanische Hersteller wird die Technik in seine Chips implementieren. Die Idee basiert zunächst auf der induktiven Ladung von Handys, wie man das beispielsweise von elektrischen Zahnbürsten kennt. Auch die Palm-Pre-Smartphones nutzen dieses Verfahren. Allerdings ist bei Wireless Charging die Ladezone deutlich größer. Während bislang die Geräte punktgenau justiert werden müssen (den Palm rücken Magnete in die richtige Position), reicht bei dem neuen Konzept eine sehr lose Kopplung. Man legt das Smartphone in ein Fach der Armlehne, in dem sich auch andere Gegenstände befinden dürfen, schon beginnt der Ladevorgang. Fraktale Antennen stellen zusätzlich den Kontakt zur Außenantenne des Fahrzeugs her. Bei ersten Experimenten zeigt sich: Die Dämpfung des Antennensignals ist kleiner als neun Dezibel, ein sehr ordentlicher Wert. Wenn das alles so funktioniert wie geplant, wird aus der Idee ein starker Rivale zu Sim Access, vor allem mit uneingeschränkter Nutzung sämtlicher Smartphone-Funktionen.

Einen Nachteil hat das Konzept indes: Es funktioniert nur mit neuen Produkten, die bereits eine entsprechende Elektronik eingebaut haben, ältere Geräte benötigen einen Adapter. Qualcomm forciert das Thema jedoch stark, und so ist vermutlich schon zum Jahresende mit ersten greifbaren Ergebnissen zu rechnen.

 

 

Nur ein Feldtest und Etikettenschwindel? Biosprit E10 ist an vielen Tankstellen gewöhnliches Super 95

Nach diesem Blog-Eintrag hier und meiner gleichlautenden F.A.Z.-Glosse vom Dienstag passt folgende Vorab-Mitteilung der „Auto Bild“ wie die Faust aufs Auge. Irgendwie hatten wir in „Technik & Motor“ doch den richtigen Riecher:

„Was heute an vielen Tankstellen als E10 verkauft wird, könnte gewöhnliches Super-Benzin sein. Nach Informationen von Auto Bild (Heft 10/2011) nutzen Spritlieferanten die E10-Einführung lediglich als Feldtest, denn Insider-Informationen zufolge soll es sich beim Ökosprit an vielen Tankstellen um ganz normales Benzin handeln. Auto Bild ging dem Verdacht nach und ließ eine E10-Probe untersuchen. Das Ergebnis: Der Ethanolgehalt lag bei gerade mal 4,1 Prozent – also so hoch wie bei gewöhnlichem Super. Ein Indiz dafür, dass der E10-Verkauf vielerorts nur als Feldversuch mit Super-Kraftstoff läuft.“

Mit der optimalen Pressemitteilung garantiert schnell und sicher zum Erfolg

Sicherlich haben auch Sie sich schon gefragt, wie große und erfolgreiche Unternehmen ihre Pressemitteilungen verfassen. Ich habe einen Blick auf die letzten 100 Rundsendungen geworfen, die in der vergangenen halben Stunde bei uns eingetrudelt sind. Sehen Sie selbst, es ist unglaublich einfach …

Die Form

Anrede: Personalisierung gilt in Redaktionen als anachronistisch. Am besten: „Guten Tag!“ oder „Hallo“. Adels- und Doktortitel werden grundsätzlich geguttenbergt, das spricht für die Internationalität Ihrer Firma.

Textbeginn mit „In der Anlage erhalten Sie eine Pressemitteilung unseres Hauses zur Veröffentlichung“.

Dann kommt, um Gottes Willen, nicht etwa der Inhalt, sondern das Alleinstellungsmerkmal Ihres Unternehmens (das, wofür Sie Ihren PR-Beratern das meiste Geld gezahlt haben). Also zum Beispiel: „Die Inkeplitz GmbH ist der weltweite Marktführer im Bereich der  … “ Und das internationalisieren Sie dann bitte. Also: „Die Inkeplitz GmbH empowered das wordwide Leadership von …“ Sie können kein Englisch? Macht nichts, die meisten Journalisten auch nicht. Kleiner Tipp: Der Google Übersetzer.

Dann bitte unbedingt eine Sperrfrist setzen. Sonst fühlt sich die Redaktion nicht ernst genommen. Exklusivität kann nur durch Sperrfristen hergestellt werden. Außerdem fühlt sich der Journalist gebauchpinselt, wenn er exklusive Informationen vorab bekommt.

Anschließend ganz wichtig: „Bitte bestätigen Sie uns den Eingang dieser Pressemitteilung und teilen Sie uns verbindlich mit, wann die Veröffentlichung erfolgt.“ Druck aufbauen!

Unter der Grußfloskel folgt der obligatorische Disclaimer: Diese E-Mail ist nur für Ihre Augen bestimmt und wenn versehentlich Ihre Sekretärin diese E-Mail geöffnet hat, rufen Sie bitte sofort unsere Notfall-Hotline unter der Rufnummer 0900-… an. Diese E-Mail ist streng geheim. Falsches Lesen kann die Börsenkurse in aller Welt manipulieren, passen Sie auf, was Sie da tun. Das Ganze natürlich zusätzlich auch auf Englisch, siehe Google Übersetzer.

Achten Sie darauf, dass die Durchwahl der Pressestelle nicht angegeben ist. Die Rufnummer der Zentrale reicht aus. So lassen sich nervige Anrufe von Journalisten am besten abwimmeln.

Nehmen Sie auf keinen Fall für den Versand Ihre eigene E-Mail-Adresse, sondern eine, die nicht Reply-fähig ist. So ersparen Sie sich den ganzen Müll, der durch E-Mail-Rückläufer zwangsläufig bei Ihnen eintrudelt (Empfänger unbekannt, Postfach voll usw.)

Ganz wichtig: Die Pressemitteilung muss als PDF erstellt sein. Das PDF wiederum bitte in eine kennwortgeschützte Zip-Datei packen. Warum? VIRENGEFAHR! Nur ein PDF in der gesicherten Zip-Datei wird von Redaktionen ernst genommen. Alles andere ist absolut unprofessionell.

Der Inhalt

Der Text beginnt immer mit dem Alleinstellungsmerkmal Ihres Unternehmens, siehe oben: Also: „Die Inkeplitz GmbH, die worldwide das Leadership empowered“ und dann

ein klitzekleiner Bezug auf die Neuheit, etwa „präsentiert heute“

und dann wieder: das Alleinstellungsmerkmal des Produkts oder der Neuheit. Hier ist jetzt wichtig, mindestens zehn Zeilen mit folgendem redaktionellen Basisvokabular zu füllen:

Weltneuheit, revolutionär, einzigartig, Experience, sensationell, spektakulär, hochqualitativ, erste, weltweit, ultraschnell, innovativ, neue Ära, perfekt, Marktführer, größte, leistungsfähigste, Technologie, High-Tech, Multitouch, Flash, exzellent, sicher, erprobt, bewährt, großartig, exklusiv, erste Wahl, bevorzugt, ausgezeichnet, hochauflösend, 3D-Erfahrung, Cloud.

Sie bekommen das schon hin, würfeln Sie einfach ein bisschen mit den Begriffen. Und immer dran denken: Wenn nur ein einziger dieser Begriffe fehlt, denkt der Redakteur, dass Ihrem Produkt oder Ihrer Neuheit etwas fehlt. Und das wollen Sie doch nicht, oder? Und damit ist der erste Absatz schon fast von allein geschrieben.

Zweiter Absatz, wichtig ist jetzt das Zitat des Geschäftsführers. Es beginnt immer mit

„Wir freuen uns, dass „

Das ist eine feststehende Regel. Sie sollten gar nicht darüber nachdenken, hier etwas zu verändern. Anschließend modifizieren Sie bitte den ersten Absatz in dem Sinne, dass sich der Geschäftsführer wirklich und ganz ehrlich darüber freut, nunmehr „das erste, leistungsfähigste, weltweit revolutionäre …“ Einfach noch mal alle Begriffe aus dem Basisvokabular würfeln. Dann bitte alle Titel des CEO aufführen, also etwa Senior General Vice Manager Office Consolidation und natürlich auch sämtliche akademischen Grade, damit man sofort weiß, dass Ihr Chef wirklich wichtig ist.

Anschließend kommt das, was Sie sagen wollen. Aber bitte nicht vergessen: In jeden Satz mindestens einen Begriff aus dem Basisvokabular einflechten. Sonst versteht die Redaktion nicht, wie weltweit revolutionär ihr Produkt ist. Technische Daten, Preise und andere Sachinformationen werden hingegen maßlos überschätzt. Denken Sie daran: Journalisten legen viel Wert auf eigenständige Recherche. Lassen Sie also das eine oder andere Detail einfach weg. Damit geben Sie der Redaktion die Chance, selbst zu recherchieren, und schon freuen sich Ihre Presse-Partner wie kleine Kinder!

Fotos: In eine gelungene Pressemitteilung gehören stets Fotos. Und zwar an erster Stelle hochauflösende Portraitfotos aller Geschäftsführer. JPGs wirken billig. Nehmen Sie bitte PSD-Dateien vom Photoshop. Der Photoshop ist nämlich teuer. Je größer die Dateien, desto besser. Eine Pressemitteilung, die nur zwei oder drei Megabyte groß ist, wiegt nichts und ist damit irrelevant. Also mindestens 20 Megabyte pro Mitteilung.

Folgt: Teil 2, Wie versende ich die optimale Pressemitteilung?