Gefährliche Klicks – Google bringt „+1“

Auf den gängigen Internetseiten sind sie mittlerweile oft zu finden, die „Gefällt mir“-Schaltflächen von Facebook. Ist man in das soziale Netz eingebucht, kann man wie einst Kaiser Nero den Daumen nach oben recken und damit dem jeweiligen Inhalt mehr Beachtung verschaffen. Das hört sich nach einem Gimmick an, ist es aber nicht. Denn es wird eine Verknüpfung zwischen der Person und ihrem Facebook-Profil hergestellt, Inhalte des Internet werden in Facebook hineingeholt, und dieser sozial generierte Link-Index konkurriert mit den Suchmaschinen. Wer als Seitenbetreiber (das kann etwa ein Medienunternehmen oder auch der private Blogger sein), einen Facebook-Button anbietet, schenkt dem amerikanischen Betreiber zudem seine Nutzerdaten, unter anderem die IP-Adresse der Besucher, ihre regionale Herkunft und vieles mehr. Diese Daten bleiben für den Seitenbetreiber anonym, er kennt nur die IP-Adresse. Facebook hingegen weiß, welche reale Person auf den Button geklickt hat, denn sie ist ja mit ihrem Realnamen bei Facebook angemeldet. Aus der abstrakten IP-Adresse wird also ein Klaus Schmidt, dessen Surfverhalten nun für Facebook ein offenes Buch ist.

Dieses Mehr an Wissen will jetzt auch Google haben, und nennt das Ganze „+1“. Suchergebnisse sollen personalisiert werden, ein simpler Klick auf „+1“ reicht aus, damit Freunde private Empfehlungen in den Ergebnislisten ihrer Google-Suche sehen. Damit das funktioniert, muss man bei Google angemeldet und eingebucht sein. Doch wie ermittelt Google die jeweiligen Bekannten? Dazu werden bestehende Verknüpfungen ausgewertet. Freunde sind etwa die Kontakte im Googlemail-Adressbuch oder die Chat-Partner in Google-Talk. Wer einen Blick in seinen aktuell von Google ermittelten Bekanntenkreis werfen will, rufe in Googlemail das „Dashboard“ auf und lasse dann „Meinen Bekanntenkreis und meine sozialen Inhalte anzeigen“. Man ist verblüfft. Oder erschrocken und wütend. Wenn Google jetzt sein „+1“ als so etwas wie das Twitter-Pendant des „Retweets“ verkaufen will, ist das eine Rhetorik der Verschleierung. Denn der Retweet ist ein aktiver, bewusster Vorgang, während „+1“ wie das „Gefällt mir“ von Facebook die Untiefen der Intransparenz mitbringt.

Eine Antwort auf „Gefährliche Klicks – Google bringt „+1““

  1. Ein mir aus dem Herzen sprechender Beitrag, aber wie bringt man Admins von Computerräumen dazu, nicht Google als Startseite einzustellen, um dieser größten Datenkrake nicht auch noch verkaufbare Klicks zu verschaffen (Kampf gegen Windmühlenflügel)

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