Mit der optimalen Pressemitteilung garantiert schnell und sicher zum Erfolg

Sicherlich haben auch Sie sich schon gefragt, wie große und erfolgreiche Unternehmen ihre Pressemitteilungen verfassen. Ich habe einen Blick auf die letzten 100 Rundsendungen geworfen, die in der vergangenen halben Stunde bei uns eingetrudelt sind. Sehen Sie selbst, es ist unglaublich einfach …

Die Form

Anrede: Personalisierung gilt in Redaktionen als anachronistisch. Am besten: „Guten Tag!“ oder „Hallo“. Adels- und Doktortitel werden grundsätzlich geguttenbergt, das spricht für die Internationalität Ihrer Firma.

Textbeginn mit „In der Anlage erhalten Sie eine Pressemitteilung unseres Hauses zur Veröffentlichung“.

Dann kommt, um Gottes Willen, nicht etwa der Inhalt, sondern das Alleinstellungsmerkmal Ihres Unternehmens (das, wofür Sie Ihren PR-Beratern das meiste Geld gezahlt haben). Also zum Beispiel: „Die Inkeplitz GmbH ist der weltweite Marktführer im Bereich der  … “ Und das internationalisieren Sie dann bitte. Also: „Die Inkeplitz GmbH empowered das wordwide Leadership von …“ Sie können kein Englisch? Macht nichts, die meisten Journalisten auch nicht. Kleiner Tipp: Der Google Übersetzer.

Dann bitte unbedingt eine Sperrfrist setzen. Sonst fühlt sich die Redaktion nicht ernst genommen. Exklusivität kann nur durch Sperrfristen hergestellt werden. Außerdem fühlt sich der Journalist gebauchpinselt, wenn er exklusive Informationen vorab bekommt.

Anschließend ganz wichtig: „Bitte bestätigen Sie uns den Eingang dieser Pressemitteilung und teilen Sie uns verbindlich mit, wann die Veröffentlichung erfolgt.“ Druck aufbauen!

Unter der Grußfloskel folgt der obligatorische Disclaimer: Diese E-Mail ist nur für Ihre Augen bestimmt und wenn versehentlich Ihre Sekretärin diese E-Mail geöffnet hat, rufen Sie bitte sofort unsere Notfall-Hotline unter der Rufnummer 0900-… an. Diese E-Mail ist streng geheim. Falsches Lesen kann die Börsenkurse in aller Welt manipulieren, passen Sie auf, was Sie da tun. Das Ganze natürlich zusätzlich auch auf Englisch, siehe Google Übersetzer.

Achten Sie darauf, dass die Durchwahl der Pressestelle nicht angegeben ist. Die Rufnummer der Zentrale reicht aus. So lassen sich nervige Anrufe von Journalisten am besten abwimmeln.

Nehmen Sie auf keinen Fall für den Versand Ihre eigene E-Mail-Adresse, sondern eine, die nicht Reply-fähig ist. So ersparen Sie sich den ganzen Müll, der durch E-Mail-Rückläufer zwangsläufig bei Ihnen eintrudelt (Empfänger unbekannt, Postfach voll usw.)

Ganz wichtig: Die Pressemitteilung muss als PDF erstellt sein. Das PDF wiederum bitte in eine kennwortgeschützte Zip-Datei packen. Warum? VIRENGEFAHR! Nur ein PDF in der gesicherten Zip-Datei wird von Redaktionen ernst genommen. Alles andere ist absolut unprofessionell.

Der Inhalt

Der Text beginnt immer mit dem Alleinstellungsmerkmal Ihres Unternehmens, siehe oben: Also: „Die Inkeplitz GmbH, die worldwide das Leadership empowered“ und dann

ein klitzekleiner Bezug auf die Neuheit, etwa „präsentiert heute“

und dann wieder: das Alleinstellungsmerkmal des Produkts oder der Neuheit. Hier ist jetzt wichtig, mindestens zehn Zeilen mit folgendem redaktionellen Basisvokabular zu füllen:

Weltneuheit, revolutionär, einzigartig, Experience, sensationell, spektakulär, hochqualitativ, erste, weltweit, ultraschnell, innovativ, neue Ära, perfekt, Marktführer, größte, leistungsfähigste, Technologie, High-Tech, Multitouch, Flash, exzellent, sicher, erprobt, bewährt, großartig, exklusiv, erste Wahl, bevorzugt, ausgezeichnet, hochauflösend, 3D-Erfahrung, Cloud.

Sie bekommen das schon hin, würfeln Sie einfach ein bisschen mit den Begriffen. Und immer dran denken: Wenn nur ein einziger dieser Begriffe fehlt, denkt der Redakteur, dass Ihrem Produkt oder Ihrer Neuheit etwas fehlt. Und das wollen Sie doch nicht, oder? Und damit ist der erste Absatz schon fast von allein geschrieben.

Zweiter Absatz, wichtig ist jetzt das Zitat des Geschäftsführers. Es beginnt immer mit

„Wir freuen uns, dass „

Das ist eine feststehende Regel. Sie sollten gar nicht darüber nachdenken, hier etwas zu verändern. Anschließend modifizieren Sie bitte den ersten Absatz in dem Sinne, dass sich der Geschäftsführer wirklich und ganz ehrlich darüber freut, nunmehr „das erste, leistungsfähigste, weltweit revolutionäre …“ Einfach noch mal alle Begriffe aus dem Basisvokabular würfeln. Dann bitte alle Titel des CEO aufführen, also etwa Senior General Vice Manager Office Consolidation und natürlich auch sämtliche akademischen Grade, damit man sofort weiß, dass Ihr Chef wirklich wichtig ist.

Anschließend kommt das, was Sie sagen wollen. Aber bitte nicht vergessen: In jeden Satz mindestens einen Begriff aus dem Basisvokabular einflechten. Sonst versteht die Redaktion nicht, wie weltweit revolutionär ihr Produkt ist. Technische Daten, Preise und andere Sachinformationen werden hingegen maßlos überschätzt. Denken Sie daran: Journalisten legen viel Wert auf eigenständige Recherche. Lassen Sie also das eine oder andere Detail einfach weg. Damit geben Sie der Redaktion die Chance, selbst zu recherchieren, und schon freuen sich Ihre Presse-Partner wie kleine Kinder!

Fotos: In eine gelungene Pressemitteilung gehören stets Fotos. Und zwar an erster Stelle hochauflösende Portraitfotos aller Geschäftsführer. JPGs wirken billig. Nehmen Sie bitte PSD-Dateien vom Photoshop. Der Photoshop ist nämlich teuer. Je größer die Dateien, desto besser. Eine Pressemitteilung, die nur zwei oder drei Megabyte groß ist, wiegt nichts und ist damit irrelevant. Also mindestens 20 Megabyte pro Mitteilung.

Folgt: Teil 2, Wie versende ich die optimale Pressemitteilung?

 

 

15 Gedanken zu „Mit der optimalen Pressemitteilung garantiert schnell und sicher zum Erfolg“

  1. Pressemitteilung als PDF? Da stimmt doch was nicht! Das ist unprofessionell! Haben Sie etwa kein Word? Wie soll man die Meldung sonst auch ausdrucken???!

    1. Wichtig bei Word-Dokumenten: Unbedingt im Änderungsmodus arbeiten, damit der Journalist jede Korrektur verfolgen kann.

  2. Hallo Herr Spehr,

    20 MB verschlüsselter und passwortgeschützter Anhang? 😉 Schöne Glosse.

    Viele Grüße

    Sandro Cocca

  3. Der Firmen- und/oder Produktname sollte unbeding in Versalien geschrieben und mit dem Trademark-Zeichen versehen werden. Zudem sollte jeder Satz mindestens einen Absatz lang sein, damit man sofort die Kompetenz des Schreibers erkennt.

    1. Nicht zu vergessen der Hinweis, dass der Unternehmensname aus Markenschutzgründen auch nur in Versalien und mit Trademark veröffentlicht werden darf!

  4. Unbedingt wichtig ist das Nachfassen. Das heißt: Nach zwei Wochen sollte die PR-Agentur oder die Pressestelle den Journalisten anrufen und fragen, ob er denn die Pressemitteilung erhalten und verstanden hat. Und falls er sich nicht mehr daran erinnern kann – was fast ausgeschlossen ist – einfach den Text vorlesen. Journalisten freuen sich über so viel Aufmerksamkeit.

  5. Nun gut, Dr. des. h.c. dipl. tripl. mult. Spehr… Such selbst paar Gumiwörter im eigenen Klappentext deiner nach Aussagen der Rezensionen „brillanten, systematischen, analytischen“ Diss… 🙂

    Die Industrielle Revolution und die Durchsetzung des technischen Fortschritts waren nicht nur eine triumphale Erfolgsgeschichte. Am Anfang des technischen Zeitalters wurden immer wieder neue Fabriken attaktiert. DasPhänomen dieses Maschinensturms in Deutschland wird hiererstmals umfassend dargestellt. Der Historiker Michael Spehr hat nach umfangreichen Recherchen hunderte solcher Proteste entdeckt. In der Erzählung einzelner Fälle entsteht das lebendige und faszinierende Bild einer bislang unbekannten Form des Widerstands gegen die Industrialisierung. Das Buch eröffnet aber auch neue Einblicke in die Sozial- und Kulturgeschichte dieser Zeit. Waren Maschinenstürmer von blindem Haß auf neue Technologien beseelt oder gar die ersten Vertreter einer sozialverträglichen Technikkontrolle? Die Studie setzt sich intensiv mit alten Klischees und neuen kulturgeschichtlichen Deutungen auseinander. Der Frankfurter Historiker widerlegt mit einer konsistenten und klaren Argumentation die bis heute populären Mythen des Maschinensturms.

  6. Sollten Sie doch aus Versehen Ihre eigene E-Mail-Adresse angegeben haben, aktivieren Sie sofort Ihren Abwesenheits-Agenten, der den Journalisten darüber informiert, dass Sie verreist sind und vor Weihnachten 2015 keinen Zugriff auf Ihre Nachrichten haben. Das empfiehlt sich besonders dann, wenn Sie sehr kurzfristig zu einer Veranstaltung einladen und um sofortige Antwort bitten.

    Im Übrigen sollten Sie immer nur sehr kurzfristig zu Veranstaltungen einladen, das schult die Flexibilität der Journalisten. Alternativ können Sie auch zwei Jahre im Voraus einen Terminblocker – Verzeihung: ein „Save the Date“ senden und dann kurz vor der Veranstaltung empört sein, wenn der Journalist sich den Termin nicht eingetragen hat.

    Bei der Hartnäckigkeit können Sie es nicht übertreiben. Fragen Sie immer nach, warum der Journalist einen bestimmten Termin nicht wahrnehmen kann oder nichts über Ihre sensationelle Pressemitteilung geschrieben hat. Lassen Sie Einwände wie „Wir sind ein Technologie-Magazin und schreiben nicht über Kochbücher“ nicht gelten. Fragen Sie immer, ob nicht ein Kollege Interesse haben könnte. Lassen Sie sich immer direkt verbinden. Rufen Sie notfalls den Chefredakteur an und beschweren sich, dass sich der Redakteur trotz Androhung einer millionenschweren Marketingkampagne Ihrerseits weigert, die letzten zehn Pressemitteilungen Ihres Unternehmens als Top-Story-Serie zu veröffentlichen.

    Wenn Sie die Durchwahl Ihrer Zentrale angeben, sollte unter der Nummer immer ein IVR (Interactive Voice Response) installiert sein. Lassen Sie das IVR folgendes vermelden:
    „Herzlich Willkommen bei der XY GmbH und Co. KG, dem Marktführer … (hier oben genanntes Basisvokabular einstreuen)! Wenn Sie ein Abo abschließen wollen, sagen Sie „Eins“. Wenn Sie Ihr Abo verlängern wollen sagen Sie „Zwei“. Für alle anderen Anfragen sagen Sie bitte „hrmpfglhklivhckjtzz“ … „Tut mir Leid, ich habe Sie nicht verstanden. Wenn Sie ein Abo abschließen wollen, sagen Sie …“
    Alternativ können Sie die Nummer auch auf das Handy Ihrer polnischen Putzfrau umleiten („Pressestelle? Ich niex wissen“).
    Am besten ist sowieso, Sie geben gleich die kostenpflichtige Kunden-Hotline an.

    Sollte Sie die Variante mit den 20 MB großen Bilddateien (eps ist übrigens noch besser als psd, weil viiiel professioneller) nicht überzeugen, können Sie auch winzige Dateien mit 120 x 160 Pixel Auflösung als „druckfähiges Bildmaterial“ anhängen.
    Sollte sich an Journalist darüber beschweren und behaupten, den Sch… könne man nicht drucken, wundern Sie sich demonstrativ „Sie sind der Erste, bei dem das nicht funktioniert.“

    Sollten Sie immer noch Ihren Job haben, können Sie auch Ihren gesamten Presseverteiler in das cc-Feld kopieren. Dann können sich die Journalisten auch besser untereinander vernetzen.

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