Schneller, flacher und leichter: Apple präsentiert das iPad 2 mit Doppelkern-Prozessor und Kameras

Wie immer gibt es mehr als nur eine Meinung. Man kann mit vielen guten Argumenten der Ansicht sein, dass Apple mit dem in der vergangenen Woche vorgestellten iPad 2 ein ungemein erfolgreiches Produkt raffiniert verfeinert und erweitert hat. Dass es die guten Gene des Vorgängers mitbringt, sinnvoll und mit Augenmaß in den Details verbessert wurde und folglich beste Voraussetzungen gegeben sind, um Apples hohen Marktanteil bei den Tablet PCs gegen die junge, wilde Konkurrenz zu behaupten.

Objekt der Begierde: Das neue iPad 2 (Foto Hersteller)

Das neue iPad, das in Amerika am 11. März in den Handel kommt und in Europa genau zwei Wochen später, ist wie das ältere erste ein feines Gerät aus einem Guss, es ist dünner geworden (8,8 Millimeter), die Ecken wurden abgerundet, und es ist vor allem leichter. Liegt das iPad 1 mit mehr als 700 Gramm eher schwer in der Hand, wiegt das neue nun um die 600 Gramm, und den Unterschied spürt man sofort.

Auch bei der technischen Ausstattung sind die Verbesserungen schnell erkennbar: Wie die jüngste Generation der Android-3.0-Boliden setzt das iPad 2 auf einen flinken Doppelkern-Prozessor, den Apple A5 nennt, und der mit 1 Gigahertz getaktet ist. Er soll doppelt so schnell rechnen, und die Grafikleistung ist nach Herstellerangaben angeblich um den Faktor neun gewachsen. Da freut sich das Spielerherz. Wie die Konkurrenz bietet das iPad 2 zwei Kameras für Videotelefonie, die rückseitige erlaubt Videoaufnahmen mit 720p, und ferner gibt es als Zubehör einen „Digital AV Adapter“, der iPad-Inhalte auf ein mit HDMI angeschlossenes Fernsehgerät spielt und dabei eine Videoausgabe bis 1080p unterstützt. Und natürlich funktioniert auf diese Weise auch Facetime, also Apples Standard für Videotelefonie.

Die Mehrleistung „unter der Haube“ soll nicht zu Lasten der Akkulaufzeit gehen, auch der neue Tablet PC verspricht eine Akkulaufzeit von mehr als zehn Stunden. Nichts geändert hat sich ferner an der Display-Auflösung (1024 × 768 Pixel bei einer Diagonale von 24,6 Zentimeter) und der Modellpalette. Wie gehabt gibt es eine Version mit Mobilfunk und eine nur mit Wireless-Lan, beide jeweils mit 16, 32 oder 64 Gigabyte Speicherplatz in schwarzem oder weißem Gehäuse. Die bislang mitgeteilten amerikanischen Preise entsprechen denen des Vorgängers, das günstigste Modell startet bei 500 Dollar – und vermutlich bei uns mit 500 Euro, wie gehabt.

Clever sind die neuen Display-Schutzhüllen, die Apple „Smart Cover“ nennet. Sie werden von Magneten am Gerät gehalten, schicken das Gerät automatisch in den Ruhezustand und sie fungieren zudem als flexibler Aufsteller für das iPad. Insgesamt zehn Varianten des Smart Cover (in Leder und Kunststoff) dienen der Individualisierung.

Aber mit dieser Aufzählung der wichtigsten Änderungen stellt sich auch gleich eine gewisse Enttäuschung ein. Einen Speicherkarten-Schacht, um etwa die justament geschossenen Fotos auf der flachen Flunder zu bewundern, sucht man auch beim neuen iPad vergeblich. Das Betriebssystem bleibt hermetisch geschlossen, Inhalte und Medien müssen stets vom PC transferiert werden. Und als Steve Jobs auf der Konferenz in San Francisco davon sprach, das iPad sei „kein Computer, sondern ein Gerät aus der Ära nach dem PC“, musste mancher doch laut lachen. Denn auch das neue iPad 2 muss man nach dem Kauf zunächst an einen „richtigen“ PC anschließen, um es über iTunes zu aktivieren.

Das in Details renovierte Betriebssystem iOS 4.3 bietet für die Tablets nur wenige grundlegende Neuerungen. Die wichtigsten sind der Zugriff des iPad auf die iTunes-Bibliothek am PC im lokalen Wireless-Lan und das Tethering fürs iPhone 4. Dass dann in San Francisco minutenlang über die Möglichkeit geredet wurde, den seitlichen iPad-Schalter wahlweise als Rotationssperre oder Stummschalter zu nutzen, fanden wir ziemlich skurril, und dass die Programme Garage Band und iMovie demnächst für das iPad zu haben sind, ist wohl auch keine Weltsensation.

Man vermisst also einiges, aber das iPad behält seine alten Stärken, wozu nicht nur die Verarbeitungsqualität und das gute Preis-Leistungsverhältnis gehören. Auch die große Zahl von mehr als 60.000 „Apps“ ist ein Pfund, mit dem Apple wuchern kann. Da gibt es noch viel Nachholbedarf bei den jungen Tablet-Androiden, und mancher Interessent wird gewiss seine Kaufentscheidung danach fällen, welche Programme für welche Plattform zur Verfügung stehen.

 

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