Test: Nuance Flex T9 für Android mit Spracherkennung

Jedes aktuelle Android-Smartphone bringt von Haus aus eine Spracherkennung mit. Am spektakulärsten ist die Sprachsuche von Google. Man tippt auf die entsprechende Menüschaltfläche, sagt „Restaurant in der Nähe“, und schon startet eine Google-Suche im Browser mit dem erkannten Text. Das funktioniert beeindruckend gut. Wer jedoch mit Android eine SMS oder E-Mail diktieren will, findet zwar auf der Tastatur ebenfalls ein Spracherkennungs-Symbol. Aber die Erkennungsleistung bleibt bescheiden, und vor allem: Satzzeichen werden nicht umgesetzt.

Deshalb schielten bislang manche Android-Nutzer eifersüchtig auf das iPhone und die Nuance-App „Dragon Dictation“, deren Performance bei der Erkennung einzigartig ist. Doch nun hat der amerikanische Marktführer ein Programm für Android auf den Markt gebracht, das weit über die iPhone-Software hinausgeht. Während man bei Dragon Dictation wegen der zahllosen Einschränkungen von Apples Betriebssystem stets diktiert und dann in andere Anwendungen (SMS, E-Mail, Twitter) exportiert, fügt sich das neue Flex T9 geschmeidig in Android ein. Es ersetzt nämlich die gewohnte Tastatur. Also kann man überall und in jeder App diktieren, ein schöner Fortschritt.

Zudem ist Flex T9 mehr als nur ein Spracherkenner, denn es bietet bei der Eingabe gleich mehrere Verfahren an: Bei der Schrifterkennung zeichnet man die Buchstaben einzeln auf eine Fläche, die ungefähr die Hälfte des Bildschirms einnimmt. Also so, wie früher bei den Taschencomputern von Palm. Nur, dass jetzt zusätzlich ein Wörterbuch bereitsteht, also schon nach zwei, drei Buchstaben erste Vorschläge zur Wortergänzung kommen, die man dann mit einem Fingertipp bestätigt. Ferner steht die Swype-Eingabemethode zur Verfügung. Dabei gleitet man mit dem Finger über die virtuelle Tastatur, von einem Buchstaben zum nächsten, und zwar ohne abzusetzen. Diese Daumenmalerei funktioniert verblüffend gut. Abermals steht ein Wörterbuch mit Vorschlägen helfend zur Seite.

Und schließlich die Spracherkennung für Deutsch oder Englisch: Man tippt auf das Nuance-Symbol der Tastatur und hat ungefähr 60 Sekunden Zeit für sein Diktat, das aus mehreren Sätzen bestehen kann. Die Erkennung erfolgt nicht auf dem Smartphone, dafür sind Rechenleistung und Arbeitsspeicher zu knapp, sondern auf ausgelagerten Servern: die Audio-Aufnahme wird per Mobilfunk oder Wireless-Lan an Nuance übermittelt, in der Ferne transkribiert und das Resultat dem Absender zurückgeschickt. Die Erkennungsrate ist geradezu atemraubend, viel höher als bei Googles System. Geht es um einfache Dinge, wie man sie mit schlichtem Wortschatz üblicherweise in SMS formuliert („komme etwas später, warte nicht mit dem Mittagessen!„), sind die Ergebnisse fast immer perfekt. Mit der Komplexität des Vokabulars steigt die Fehlerrate, aber davon einmal abgesehen, ist man mit Diktat und Spracherkennung deutlich schneller als mit der sonst üblichen Fingerakrobatik.

Die Korrektur von Erkennungsfehlern ist allerdings etwas komplizierter als auf dem iPhone. Man muss zunächst mit den Bordmitteln von Android ein Wort markieren, bevor Alternativen zur Auswahl angezeigt werden. Im Unterschied zum Google-System funktioniert nicht nur die Erkennung von Interpunktionszeichen, sondern man kann sogar etliche vertraute Kommandos aus Dragon Naturally Speaking einsetzen („neue Zeile“, „neuer Absatz„). Alles in allem also ein sehr durchdachtes Programm, das im Unterschied zur PC-Software von Nuance kein vorheriges Training erfordert. Die Software kostet im Android Market 3,58 Euro, die gut angelegt sind. Beim Diktieren sollte man beachten, dass beim Hochladen von Audiodateien in den Mobilfunknetzen weitere Kosten anfallen. Ein Datenvertrag für den mobilen Einsatz ist also angesagt. Auch mag sich mancher daran stören, dass die eigenen Diktate, wie bei Google, auf fremden Servern landen. Aber das geht nun mal nicht anders.

12 Antworten auf „Test: Nuance Flex T9 für Android mit Spracherkennung“

  1. Vielen dank für den Super-Tipp. Ich habe diesen Text natürlich mit diesem Tool diktiert und man kann sehen es klappt ausgezeichnet. Auch die Fingereingabe ist hervorragend. Ich bin begeistert.

  2. Die App ist der größte Mist und rausgeschmissenes Geld!!! Nach der installation wenn man seine Tastatur über irgendeine App z.B Handcent öffnet findet man kein Nuance Symbol, sondern nur das Google Mikrofon. Egal welche Tastatur man verwendet, es gibt kein Nuance Zeichen auf der Tastatur!!!

    1. Nicht meckern sondern lesen! Man kann die Eingabemöglichkeit ändern… bei galaxy s geht es über langes drücken in die Eingabemaske…und bei Dir?

  3. Diese Kombination der Apps für Smartphone ist eine wunderbare Sache. Natürlich können sie nur funktionieren, wenn die Anwender mehr Verständnis für das Diktieren haben. Ich habe die Information an meine Kunden weitergegeben und sie sind glücklich darüber. Kleiner Dienst wertet uns auf. Wir werden für weitere große Systeme der Spracherkennungen bzw. des Diktierens gefragt.

  4. Hallo !
    Ich habe einen ipod touch, wo ich dragon Dictation installed habe und eine Samsung Galaxy Ace wo ich Flex T) gekauft u installed habe….habe beide seit Monaten und bin wirklich NICHT super zufrieden mit Flex T9….gut es fügt sich überall ein aber wenn ich die Spracherkennung von Dragon auf meinem ipod vergleichen muss mit Flex T9, liegen da Welten für mich dazwischen….. Dragon erkennt bei den meisten Texten atemberaubende 99% u beim Flex…naja…oft echt viel Glücksache…wie kann das kommen….benutze beim ipod natürlich eine Klinken-Earphone-Mic-Combi….beim Ace direkt unten ins Mic sprechend…..
    Vielleicht haben sie ja eine Lösung oder Anregung…..
    Gruss

    W.Fromme

  5. Die Spracherkennung funktioniert hervorragend, allerdings – und das als Warnung an alle – gibt es in der Tastatur keine Umlaute. Zumindest habe ich nicht rausgefunden, wie. Das wiederum nervt gewaltig…

  6. Hallo! Also, ich habe die Software nach den begeisterten Empfehlungen hier erworben und auf meinem Galaxy Tab (nur Wifi, ohne SIM-Karte) installiert, aber Sprache erkennen tut das Teil nicht. Konnte die Tastatur zwar installieren, aber bei jedem Versuch zu diktieren, erscheint nach der Sprachaufnahme lediglich eine Fehlermeldung, dass das Diktat mislungen sei. Habe ich da vielleicht noch etwas übesehen? Wäre schade.
    Mit besten Grüßen, Tristan Munsky

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