So wird das iPad zum Arbeitsgerät

Als vor gut einem Jahr das erste iPad auf den Markt kam, waren wir alles andere als begeistert. Die meisten Journalisten sangen zusammen mit dem Hersteller Apple ein Loblied, wonach das iPad geradezu ein Paradigma für die nächste Generation besonders einfach zu bedienender PCs sei. Das konnten wir nicht nachvollziehen und sahen in ihm eine Maschine für den passiven Konsumenten – oder für die besonders schönen Sonnentage des unverbindlichen Dahinsurfens im Netz. Das aktive Arbeiten mit Inhalten war damals kaum möglich, das Arrangieren von Daten eine Qual, und wir kritisierten vor allem das dem Nutzer nicht zugängliche Dateisystem. An diesem Punkt hat sich nichts geändert, auch mit dem iPad 2 bleiben Inhalte an die „Apps“ gebunden, sie müssen mit iTunes synchronisiert werden, und dass der Tablet PC aus Cupertino sich nur dann in Betrieb nehmen lässt, wenn er mit einem Kabel an einen „richtigen“ PC angeschlossen wird, ist geradezu das i-Tüpfelchen einer langen Liste der Gängelungen und Einschränkungen.

Anfangs haben wir das iPad so gut wie nie genutzt. Aber in den vergangenen Monaten hat sich vor allem bei den Apps so viel getan, dass es mittlerweile oft zum Einsatz kommt. Aus dem Lesegerät wird ein Arbeitsinstrument, und für diese Entwicklung ist nicht Apple verantwortlich. Vielmehr sind es pfiffige Programmierer, die mit etlichen Kniffen die gegebenen Restriktionen umgehen. Am spektakulärsten ist die Dropbox, der Datenspeicher in der Cloud, der in seiner kleinsten Variante (mit 2 Gigabyte Speicherplatz) sogar gratis zu haben ist. Die Dropbox ersetzt quasi den USB-Stick, man spielt die Software auf seine PCs (Windows, Mac, Linux), und was an einem Rechner in der Box abgelegt wird, steht fortan auf allen anderen PCs ebenfalls zur Verfügung. Die Synchronisation erfolgt selbsttätig und im Hintergrund, und auf dem Smartphone (iPhone, Android) kann man ebenfalls auf seine Inhalte zugreifen.

Daten in der Cloud: Dropbox auf dem iPad

Dieser Alleskönner unter den Cloud-Speichern stellt auf dem iPad flink den Kontakt zu den eigenen privaten Daten her, und zwar ohne iTunes-Synchronisation. Die PDF- oder Word-Datei, die man morgens am Rechner in die Dropbox schiebt, steht automatisch mittags auf dem iPad zur Verfügung, eine Internetverbindung vorausgesetzt. Alle gängigen Dateiformate zeigt die iPad-Dropbox in einem großen Vorschau-Fenster an.

Die nächste Raffinesse dieses Cloud-Speichers ist die Zusammenarbeit mit iPad-Apps, um Inhalte auch zu bearbeiten. Bei der iPad-Textverarbeitung gilt zwar Apples überaus hübsches Pages als Maß aller Dinge. Aber diese App aus der iWork-Familie arbeitet nicht uneingeschränkt mit der Dropbox zusammen. Zum Glück gibt es starke Alternativen: Office 2 HD für 6 Euro bietet eine Textverarbeitung und eine Tabellenkalkulation mit Word- und Excel-Kompatibilität. Zugegeben: Die App reicht nicht ansatzweise an den Komfort, die Ausstattung und die hübsche Optik des Apple-Pendants heran. Was man auf dem Bildschirm sieht, ist schlicht gehalten – aber funktional.

Textverarbeiter: Office 2 HD mit Dropbox-Einbindung

Der Pluspunkt von Office 2 HD ist vielmehr die geschickte Datensynchronisation mit dem PC oder Mac. Zum einen lässt sich per Wireless-Lan auf die von Office 2 HD verwalteten Dateien zugreifen. Im Datei-Explorer gibt man einfach eine http-Adresse ein, schon kann man seine Dokumente zwischen beiden Geräten drahtlos kopieren. Zum anderen erlaubt die Software eine nahezu perfekte Dropbox-Anbindung, und nicht nur das. Unterstützt werden auch weitere Cloud-Speicher wie Googe Docs, die iDisk und Mobile Me von Apple, My Disk, icloud, box.net sowie WebDAV-Speicher, wie ihn etwa T-Online oder GMX anbieten. Der jeweilige Dienst muss nur einmal eingerichtet werden und steht anschließend wie ein Laufwerk zur Verfügung. Man kann Ordner anlegen, vom Cloud-Speicher aufs iPad kopieren – oder direkt auf dem externen Speicher arbeiten.

Mit Dropbox und Office 2 HD im Zusammenspiel wird aus dem iPad eine kleine ordentliche Arbeitsmaschine für Texte und Tabellen. Wer viel selbst erfasst und flink mit zehn Fingern schreibt, wird sich allerdings an der virtuellen Bildschirmtastatur stören. Sie erlaubt nicht annähernd das Schreibtempo einer mechanischen Tastatur. Die Abhilfe sind Bluetooth-Tastaturen, die es in allen nur denkbaren Größen gibt, teils auch zum Zusammenfalten für den mobilen Einsatz. Damit wird auch die E-Mail-Bearbeitung, die das iPad von Hause aus und sehr ordentlich erlaubt, deutlich einfacher.

Geht es um mehr als nur das Schreiben und Rechnen, erweisen sich weitere Apps als überaus nützliche iPad-Begleiter. Für alle Twitter-Freunde stehen mittlerweile etliche Programme zur Verfügung, die über die Original-Software von Twitter weit hinausgehen. Hootsuite und Tweetdeck leugnen ihre Verwandtschaft zu den „großen“ PC-Versionen nicht und bieten vor allem mehr Übersicht im Nachrichtenstrom durch die Verwendung von Listen und die Spaltendarstellung. Osfoora HD und Tweetings sind ebenfalls einen Blick wert. Weniger zufrieden sind wir derzeit mit den Facebook-Apps. Hier dominieren „My Pad +“ und Friendly, beide haben aber der Facebook-Seite im Safari-Browser des iPad nicht viel voraus.

Die RSS-Maschine: Reeder fürs iPad

Spektakulär wiederum sind zwei Programme, die wir täglich einsetzen. Der Reeder von Silvio Rizzi ist ein Leseprogramm für RSS-Feeds, die man mit dem Google Reader verwaltet. Zur Erklärung: RSS stellt quasi die Überschriften und Anreißer von Nachrichtenseiten parat, und wer sich fortwährend durch das Dickicht Hunderter von WWW-Seiten schlägt, kommt mit RSS deutlich schneller voran. Der Google Reader bündelt die Angebote und erlaubt es, Lesenswertes zu markieren – und mit anderen zu teilen. Der Reeder zeigt nun, dass Entwickler von iPad-Software am besten alle gängigen Konventionen über Bord werfen. Nur mit einem radikalen Neuanfang und pfiffigen Ideen inklusive Fingerbedienung gelingt ein großer Wurf. Herkömmliche RSS-Leser verwenden eine Listendarstellung, Reeder hingegen ordnet die einzelnen Kanäle als briefmarkengroße Schaltflächen an. Ordner wiederum sind wie ein Stapel besagter Schaltflächen symbolisiert, und wenn man mit einer spreizenden Fingerbewegung darüber fährt, öffnen sich die darunter liegenden Inhalte. Konventionell ist Reeder bestenfalls in der Anordnung von Nachrichtenübersicht links und den Inhalten rechts auf dem Bildschirm. Alle wichtigen Funktionen lassen sich schnell mit dem Finger aufrufen, man kann einzelne Beiträge markieren, weiterleiten oder mit anderen teilen (etwa über Twitter). Optisch hält sich diese App dezent im Hintergrund, man sieht viel von den Inhalten, und insgesamt ergibt sich damit ein ganz neues Leseerlebnis für RSS.

Für Späterleser: Instapaper auf dem iPad

Eine zweite App fürs iPad-Lesen speist ihr Funktionsprinzip aus der Erfahrung, dass man tagsüber im Netz zwar viel Interessantes sieht, aber nicht die Zeit und Muße für die Lektüre hat. Hier setzt Instapaper an: Man markiert im Browser (des PC oder iPad) oder in anderen Programmen (Reeder, Hotsuite) einen wichtigen Artikel, der anschließend nach einem einzigen Knopfdruck in einer besonders lesefreundlichen Version gespeichert wird – und an jedem Rechner und mit der gleichnamigen iPad App wie ein E-Book gelesen werden kann. Abends auf dem Balkon kann man dann in aller Ruhe und hübsch aufbereitet das konsumieren, was sich tagsüber angesammelt hat. Die App „Read it later“ arbeitet übrigens ganz ähnlich.

Test: NaviDrive 3D im Citroën C5

Da haben sich die Leute von Citroën sichtbar angestrengt. Wer jetzt im C5 das Top-Paket für Telefonie, Unterhaltung und Routenführung bucht, wird mit dem NaviDrive 3D überaus zufrieden sein. Viele bekannte Mängel der älteren Systeme aus Frankreich sind abgestellt. Die neue Anlage ist deutlich schneller betriebsbereit als etwa das NaviDrive im Citroën Crosser, die Bildschirmdarstellung wurde grundlegend überarbeitet, etliche Funktionen sind hinzugekommen, und im Vergleich mit dem günstigen My Way, das im C5 für 850 Euro zur Verfügung steht, bietet NaviDrive 3D etliche Pluspunkte.

Bedieneinheit: NaviDrive 3D im C5 (Fotos Spehr)

Diese Anlage ist freilich nur in der Modellvariante „Exclusive“ und zusammen mit einem HiFi- oder Business-Paket erhältlich. Die highfidele Ausstattung bringt ein Philips-Soundsystem (350 Watt und acht Lautsprecher) für 2440 Euro mit. In der Business-Version kommen zum Soundsystem auch die Einparkhilfe, automatisch abblendbare Außenspiegel sowie ein Spurassistent hinzu, dann liegt man allerdings bei 2840 Euro. Wer bei diesen Preisen die Stirn runzelt, sollte jedoch berücksichtigen, dass man zum Telefonieren eine autonome Mobilfunkeinheit mitsamt Außenantenne erhält. Zwar benötigt man dafür eine eigene Sim-Karte, aber die Sende- und Empfangseigenschaften des internen Telefons sind überragend und auf Oberklasse-Niveau.

Hochauflösend, aber detailarm: Der Navi-Bildschirm

Geht es darum, ein Smartphone oder Handy anzubinden, springt Bluetooth ein – bei uns mit dem iPhone 4 völlig problemlos, inklusive Zugriff auf Anruflisten und Telefonbuch. Nur die Musikübertragung vom Smartphone in die HiFi-Anlage mit dem blauzähnigen Protokoll A2DP sucht man leider vergeblich. Also nahmen wir ein Kabel: Im Handschuhfach sorgen zwei Cinch-Buchsen für den erforderlichen Kontakt. Weitere Optionen sind die Musikwiedergabe von SD-Karte oder USB-Stick, und wer seine CDs schonen will, kopiert sie auf die interne Festplatte der Anlage. Zehn Gigabyte stehen in dieser „Jukebox“ zur Verfügung, und man kann beim Übertragen sogar zwischen zwei Qualitätsstufen (128 und 192 KBit/s) wählen. Hat man einige Alben gesammelt, bietet NaviDrive 3D den Komfort eines ordentlichen Musikspielers mit der Möglichkeit, Wiedergabelisten zu programmieren, Ordner anzulegen oder die Lieblingsstücke aufzurufen.

Die Bedienung der Anlage mit einem großen Drehsteller, sechs Tasten für die Hauptmenüs und etlichen weiteren für kleinere Aufgaben ist im Großen und Ganzen einfach. Weniger schön: Das Tastenfeld ist sehr tief im Armaturenbrett eingebaut, der Blick wandert stets nach unten. Und die in allen Abteilungen einsetzbare Sprachbedienung bewährt sich zwar bei der Eingabe des Navigationsziels, war aber in der Telefonabteilung und bei der Namenwahl keine große Hilfe. Das Navi bietet in dieser überarbeiteten Version mehrere Routen an, eine schnelle, eine kurze und eine „optimierte“, die beim Benzinsparen helfen soll. Ferner lassen sich bei der Routenführung kostenpflichtige Premium-Verkehrsinformationen berücksichtigen. Die entsprechende Funktion war aber in unserem Fahrzeug nicht aktiv.

Wie bei manchen deutschen Herstellern kann man nun auch bei Citroën ein Ziel am heimischen PC in Google Maps suchen und die Daten mit einem Mausklick ins Fahrzeug übertragen – eine feine Sache. Neu in der Ausstattungsvariante „Exclusive“ ist ferner das Telematik-System eTouch mit autonomer Mobilfunkeinheit. Mit einem Tastendruck setzt man Notrufe ab, und die Position des Fahrzeugs wird dank GPS bei solchen Anrufen gleich mitgesendet. Ferner lässt sich, ebenfalls unentgeltlich, der Pannenservice von Citroën anrufen.

Während der Routenführung bietet die neu hinzugekommene 3D-Perspektive vor allem in Großstädten eine schicke Detailzeichnung der Umgebung. Die markanten Sehenswürdigkeiten stechen auf den ersten Blick hervor, und selbst die normale Bebauung mit Wohn- oder Geschäftshäusern ist plastisch und dreidimensional abgebildet. Der Farbmonitor löst hoch auf, allerdings könnte in der Standard-Anzeige manches Detail feiner gezeichnet sein. Wie gehabt sind die akustischen Hinweise klar, präzise und zudem sehr knapp gehalten, was man auf längeren Strecken als Pluspunkt empfindet.

Tastenwirrwarr: Blick aufs Lenkrad des C5

Verkehrsstörungen, die über TMC gemeldet werden, sind in der Karte visualisiert, und mit der „Traffic“-Taste lassen sie sich schnell zum Lesen aufrufen. Ein feines Detail: Alle Staudaten kann man filtern, also sich etwa nur diejenigen auf der Route oder in einem bestimmten Umkreis anzeigen lassen. Nun gehören Fahrspurassistenten auf der Autobahn und in der Großstadt zur Serienausstattung, und als wir uns von NaviDrive 3D durch die Leipziger Innenstadt führen ließen, waren diese dezenten optischen Markierungen der „richtigen“ Spur ein großer Gewinn. Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit fehlen jedoch. Allerdings warnt die neue Anlage in einigen Ländern sogar vor Gefahrenstellen mit Blitzanlagen. Alles in allem also eine sinnvolle Modernisierung bewährter Technik. Nur die Gestaltung des Lenkrads sollte Citroën noch einmal überdenken: Sage und schreibe 16 Tasten und zwei Drehrädchen für Radio, CD-Betrieb, Navigation und Telefon zählten wir, welch ein Chaos.

 

Farbraum-Probleme mit WordPress und iPad

Wer den Artikel unten über den Jaguar XJ auf dem iPad im Safari-Browser liest, mag sich über die merkwürdige Darstellung der Fotos wundern. Das sieht ungefähr so aus:

Falschfarben: Hier gibt es Probleme mit dem Farbraum

Ich habe ein bisschen experimentiert, und schnell die Ursache gefunden: Die Fotos liegen im CMYK-Farbraum vor, wie viele andere Pressefotos übrigens auch. Man kann solche Fotos in den RGB-Farbraum umwandeln, dann passt’s. WordPress-Blogger sind also gut beraten, auf den Farbraum ihrer Fotos zu achten. Zumindest, wenn die Darstellung auch auf dem iPad im Safari-Browser überzeugen soll.

Mehrere Kalender aus Google Apps auf dem iPad anzeigen

Das Problem: Ich nutze die Business-Lösung Google Apps und habe mehrere Kalender eingerichtet. Wenn ich Google Apps auf dem iPad als Exchange-Account einrichte, wird nur der Hauptkalender synchronisiert.

Die Lösung: Auf dem iPad unter Einstellungen, Mail, Kalender, Kontakte den Exchange-Account auswählen und dort die Kalender-Synchronisation beenden.

CalDAV: Die Alternative zur Exchange-Synchronisation

Einen neuen Account hinzufügen, Andere wählen, CalDAV-Account hinzufügen mit folgenden Einstellungen:

Server: google.com

Nutzername: vollständige Google-Apps-Adresse

Kennwort

Nach dem Synchronisieren sind weitere Kalender im iPad-Kalender oben links über die Kalender-Schaltfläche aufrufbar.

Weitere Infos auch hier

 

Die feinen Verbesserungen der Dropbox 1.4 für die Apple-Familie

Seit heute ist die Dropbox-App in der Version 1.4 für iOS verfügbar. Dropbox hat mittlerweile 25 Millionen Nutzer, und ich bin sicher: irgendjemand wird sie bald aufkaufen, weil sie so erfolgreich sind. Hier einige Hinweise zu den Neuerungen:

Jetzt mit Foto- und Video-Upload: Die neue Dropbox für iOS

Spektakulär ist die Option, Fotos und Videos vom iPhone oder iPad in die Dropbox hochzuladen. Man gehe dazu auf den unteren Tab „Uploads“, klicke oben auf das Plus-Zeichen, und schon sind alle Kamera-Medien sichtbar. Ein weiterer Fingertipp auf das Vorschau-Bild wählt die Medien aus. Vor dem „Hochladen“ (oben rechts) werfe man einen Blick auf die zart eingeblendete Menüleiste unten. Hier kann man nämlich den Zielordner in der Dropbox festlegen. Und vor dem Start legt man in den „Einstellungen“ und noch einmal „Einstellungen“ eine gegebenenfalls gewünschte Komprimierung seiner Medien fest.

Nicht weniger spektakulär ist die Möglichkeit, aus anderen Apps heraus Daten in die Dropbox zu schicken. Zum Beispiel ein Word-Anhängsel in der E-Mail. Man fahre in der E-Mail ganz unten auf das Datei-Symbol, und wenn der Text geladen ist tippe man oben rechts auf das Export-Symbol. Nun startet die Dropbox, man wählt einen Ordner fürs Hochladen, und schon ist die Datei gespeichert. In Verbindung mit den hier beschriebenen Tools wird die Dropbox also ein noch leistungsfähigeres Werkzeug für den Unterwegseinsatz.

Mit dem zweiten Bildschirm sieht man besser: Der Jaguar XJ mit Dual-View-Monitor

Es stellt sich gleich ein Aha-Effekt ein, und der resultiert im Jaguar XJ nicht nur aus der überaus luxuriösen Ausstattung, sondern er entsteht mit dem Einschalten der Zündung. Wo sich normalerweise die Analoginstrumente befinden, sieht der Fahrer erst einmal nichts. Anschließend beginnt eine choreographierte Startprozedur, die einen in den Bann zieht. Auf der leeren Fläche erscheint zunächst das Jaguar-Logo, und in einem zweiten Schritt erwachen die virtuellen Instrumente und Anzeigen. Tachometer, Drehzahlmesser und die Skalen für Tankinhalt und Öltemperatur bauen sich aus dem Nichts auf und erscheinen in einer atemraubenden Schönheit und Schärfe.

Real und doch virtuell: Blick auf die Instrumente des Jaguar XJ

Der sportliche Fahrer geht in den „Dynamik“-Fahrmodus, schon wechselt der Farbton ins Rote und illuminiert das Erreichen des Drehzahllimits markanter als in der Komfortvariante. Während der Fahrt weiteres Staunen: Dank der Digitaltechnik hat man wichtige Informationen schneller im Blick. Jaguar nennt die Funktion „Spotlight“, gemeint ist die Hervorhebung der aktuellen Geschwindigkeit und Drehzahl mit kräftigerer Beleuchtung. Bei 120 km/h wird beispielsweise das Band von 100 bis 140 km/h hervorgehoben.

Damit nicht genug: Kontextabhängig wechselt die Belegung der beiden äußeren Instrumente. Nähert man sich bei aktivierter Navigation einer Kreuzung, blendet das System links eine fein aufgelöste Symboldarstellung des Abbiegepunkts ein. Ruft man die Sprachbedienung auf, sieht man rechts eine Auswahl der zur Verfügung stehenden Befehle.

Das feine Fahren: Der neue Jaguar XJ (Fotos Hersteller)

Das alles begeistert, aber es gibt noch ein i-Tüpfelchen, nämlich das Dual-View-Display in der Mittelkonsole. Solche Bildschirme bieten auch Mercedes-Benz und der Range Rover an. Ein und dasselbe Display liefert zwei Anzeigen. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt, und eine zweite für den Beifahrer, der gleichzeitig eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Die Technik von Bosch basiert auf einer Parallaxenbarriere über dem TFT-Display. Es handelt sich dabei um eine Flüssigkristallschicht, die sich je nach Bedarf lichtdurchlässig oder nichtdurchlässig schalten lässt und so die Sichtwinkel der beiden Bilder elektronisch steuert. Die jeweiligen Bildinhalte werden im Takt der Parallaxenbarriere umgeschaltet. In dem einen Moment wird die Darstellung zum Fahrer hin freigegeben, im nächsten die zum Beifahrer. Das alles geschieht unmerklich und hinreichend schnell. Die gleiche Technik kommt übrigens auch bei der Erzeugung dreidimensionaler Effekte in manchen Fernsehgeräten oder bei der neuen Spielekonsole Nintendo 3DS zum Einsatz.

Im Jaguar XJ muss man sich indes um nichts kümmern, ein Tastendruck auf die Dual-View-Taste aktiviert das System, und man wählt für den Beifahrer den entsprechenden Zuspieler (DVD, DVB-T oder das iPod-Menü) aus. Ein kleiner Nachteil der Technik sei allerdings nicht verschwiegen: Weil das Display auf der Hochachse links und rechts zwei verschiedene Bilder generieren muss, reduziert sich die physikalische Auflösung für jedes Bild von 800 × 480 Pixel auf 400 × 480. So scharf und satt wie die Anzeige der virtuellen Instrumente ist das Hauptdisplay also nicht. Ferner: Wählt der Beifahrer für die Unterhaltung ein anderes Programm als das vom Fahrer eingestellte, muss er für den Ton auf beiliegende Kopfhörer zurückgreifen. Alles in allem kann Dual View durchaus begeistern. Auf dem Beifahrersitz war das TV-Programm in toller Qualität zu genießen, und der Fahrer sieht nichts Ablenkendes. Erst wenn er sich auf den Nebensitz herüberbeugt, kommt das zweite Bild in den Blick.

Nur für den Beifahrer: TV-Programm auf dem Dual-View-Bildschirm

Der nächste große Pluspunkt im Jaguar XJ ist die HiFi-Anlage von Bowers & Wilkins, die im „Luxury“ und „Premium Luxury“ 3000 Euro extra kostet und zur Serienausstattung des „Supersport“ gehört. Die Anlage mit sage und schreibe 20 Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 1200 Watt gehört mit zu den besten, die wir jemals in einem Fahrzeug gehört haben. Sie ist mit Mehrkanalton ausgestattet und akzeptiert nahezu alle gängigen Geräte und Medien, die sich wahlweise mit USB, iPod-Interface, Aux-Schnittstelle oder dem Bluetooth-Musikprofil A2DP andocken lassen. Der Klang ist spektakulär, authentisch und kein bisschen aufdringlich. Mancher wird nach dem ersten Probehören im Jaguar XJ seine heimische HiFi-Ausstattung modernisieren wollen, und nach unserem Kenntnisstand ist es die erste Anlage, die bei Kinofilmen Dolby Pro Logic IIx mit 7.1-Kanal-Surround-Sound ins Auto bringt.

Geht es um die Qualität der einzelnen Komponenten, spielen Navigation, Telefonie und Sprachbedienung ebenfalls auf hohem Niveau, keine Frage. Vergleicht man jedoch mit den Top-Produkten der Konkurrenz, etwa Audis MMI-System in der Oberklasse oder dem iDrive von BMW, sind einige Minuspunkte durchaus zu sehen. Das Bediensystem ist eher schlicht gehalten, es fehlten die Steuerung mit einem Controller und vor allem die durchgängige Logik bis ins kleinste Detail. Ausgehend vom Hauptmenü ist die Anlage im Jaguar mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen Display zu steuern. Mancher Weg in die Menüs ist deutlich zu lang, andere Funktionen findet man nicht auf Anhieb, aber das gilt ja auch für MMI und iDrive.

Wer in einem Geschäftswagen in bester Qualität telefonieren will, vermisst das Bluetooth-Profil Sim Access, und der staugeplagte Vielfahrer sucht vergeblich bessere Verkehrsinformationen als die hier eingesetzten Gratisnachrichten von TMC. Auch die Spracherkennung hat ihre Tücken. Zwar lassen sich Kontakte aus dem Telefonbuch ohne vorhergehendes Training mit einer Namenwahl aufrufen, und diese steht auch bei der Eingabe des Navigationsziels zur Verfügung. Aber die letzte Finesse, das Vorsprechen von Ort, Straße und Hausnummer in einem Rutsch, funktioniert nicht, und die einzelnen Bedienungsschritte erfordern deutlich mehr Aufwand als bei brandneuen Systemen der deutschen Oberklasse. Das alles ist jedoch eine Nörgelei an Kleinigkeiten. Insgesamt ist das Paket auch dann überzeugend, wenn man von der spektakulären Display-Technik absieht. Das Navi-System mit Bluetooth-Freisprecher und Medien-Schnittstelle gehört ebenso zur Serienausstattung wie die virtuelle Instrumentenanzeige. Der Dual-View-Monitor ist im „Supersport“ mit dabei und kostet in den kleineren Modellvarianten einen moderaten Aufpreis von 1250 Euro.

User experience? Nein danke, wir können nur schlecht

Ich habe gerade ein Produkt eines bekannten Herstellers getestet, und ich bin stinksauer. Das Ding wird eingepackt und zurückgeschickt. Ich frage mich, wie man so einen Dreck a) bauen b) durch die internen Prüfungen schleusen und c) in den Handel bringen kann. Die Mechanik ist unter aller Sau. Ein Gerät im Hochpreissegment, das schon beim Auspacken und Zusammenbauen etliche Fragen aufwirft und dann, wenn diese Prozedur endlich geschafft ist, so elend und schief in der Gegend herumsteht, dass es eine Schande ist. Eine Komponente, die man sehr häufig betätigt, ist viel zu schwergängig, man braucht im Grunde genommen eine zweite Person mit dritter Hand. Bei Konkurrenzprodukten funktioniert das alles mit einer Hand, salopp aus dem Handgelenk sozusagen.

Die Mängelliste könnte ich jetzt noch beliebig erweitern. Ich sehe auf Anhieb, nach nur einer einzigen Stunde des Ausprobierens, ungefähr ein Dutzend Probleme, Widersinnigkeiten und Idiotien. Was läuft hier in einer Firma mit 10k+ Mitarbeitern so grundlegend schief, dass solche Produkte genehmigt werden? Wie gesagt: Es geht hier nicht um einen Billigheimer.

Mir gefällt der amerikanische Begriff der „user experience“.  Welche Erfahrungen macht der typische Kunde im Umgang mit dem Produkt, wenn er es in die Hand nimmt, es ansieht, damit arbeitet? Wie stimmig ist das Design, die gegebenenfalls vorhandene Menüführung? Wurde auf Details geachtet, ist das Produkt aus einem Guss, wirkt es hochwertig, gibt es Raffinessen und Aha-Elemente des Staunens? Weckt es Neugier oder Emotionen? Meines Erachtens sind das alles Faktoren, die weitaus wichtiger sind als diese oder jene zusätzliche Funktion, als die „Featureitis“ der Produktmanager. Mehr den Blick aufs Ganze und gleichzeitig auf das Detail richten, das wäre angesagt. Aber diese Art des Perfektionismus können große Unternehmen einfach nicht. Mit einer Ausnahme natürlich.

Erste Eindrücke: Dragon Dictate für den Mac

Mal wieder ein Beitrag zum Thema Spracherkennung. Ich habe heute DragonDictate von Nuance auf dem MacBook Pro installiert, das anfängliche Training absolviert und diktiere hier nun meinen ersten Text. Die Erkennungsleistung ist ausgezeichnet, sie entspricht in etwa dem Referenzsystem Dragon NaturallySpeaking für Windows in der aktuellen Version 11. Allerdings ist der Umgang mit dem Mac-Programm ein ganz anderer, die Kompatibilität der zur Verfügung stehenden Befehle ist eingeschränkt, und wer sehr intensiv mit der Windows-Variante diktiert, muss sich hier gewaltig umstellen.

Aber im Unterschied zur ersten Version, die nach meiner Erinnerung Mac Speech Dictate hieß, lässt sich mit dieser Version 2 schon sehr ordentlich arbeiten. Allerdings gibt es einige Einschränkungen: die Korrektur falsch erkannte Begriffe ist deutlich umständlicher und komplizierter als unter Windows, und schon beim ersten Probediktat mit Microsoft Word 2011 zeigten sich gewaltige Inkompatibilitäten spätestens mit der ersten Korrektur. Zum Glück gibt es, wie beim Windows-System, auch die Möglichkeit, in ein unabhängiges Diktierfenster zu diktieren und später zu kopieren.

Ferner vermisse ich die Möglichkeit, Währungen und andere Einheiten (Stunde, Liter etc.) von Dragon ausschreiben zu lassen, diese Optionen habe ich jedenfalls noch nicht gefunden. Sehr ärgerlich ist die Tatsache, dass viele häufig benutzte Befehle auf dem Mac anders lauten als unter Windows. Schließlich ist es auch nicht möglich, eine Audiodatei (etwa vom Diktiergerät) transkribieren zu lassen, einmal ganz davon abgesehen, dass die Windows-Spracherkennung eine deutlich bessere Unterstützung von Eingabegeräten wie etwa Handmikrofonen bietet. Dieses Lob gebührt allerdings nicht Nuance, sondern den jeweiligen Hardware-Herstellern, die hier sehr pfiffige Software für die Integration bereitstellen.

Meine Erfahrungen nach einer Stunde: die erste Version der Nuance-Spracherkennung für den Mac konnte man „vergessen“, die jetzt aktuelle hingegen lohnt eine längere Erprobung. Aber: Wer richtig ordentlich und gut mit ausgereifter Software Spracherkennung einsetzen will, der kommt nicht um die Windows-Variante herum.

Und hier noch einmal der Hinweis: dieser Text wurde diktiert, und zwar mit einem jungfräulichen, frischen Profil. Die Herausforderung ist nicht die Spracherkennung, sondern das Diktieren selbst. Man muss vorab im Kopf formulieren …

P.S: Hier der Testbericht der Macwelt

 

„Warum müssen Sie eigentlich immer die Leihfristen überziehen?“

Oder: Warum ein Hardware-Test mindestens drei Wochen dauert

Tag 1: Redakteur findet das Notebook X von Hersteller S interessant, will es testen und darüber schreiben. Er ruft bei S an und bittet um Zusendung eines Testgeräts. S verweist jedoch an die PR-Agentur am Rande der Stadt namens Z.

Redakteur ruft Z an und erklärt, den Sachverhalt ein zweites Mal. Die Junior-Beraterin von Z hört sich das Ganze wohlwollend an, und als der Redakteur denkt, nun sei alles gesagt, besteht die Junior-Beraterin darauf, dass er noch einmal eine E-Mail mit dem bereits Gesagten zusendet, denn „eigentlich bin ich gar nicht zuständig“. (Z fakturiert 3 Honorarpunkte bei S für die Entgegennahme des Anrufs eines Redakteurs der Wichtigkeitsklasse  2).

Redakteur knirscht mit den Zähnen und schickt die gewünschte E-Mail an den diesmal wohl hoffentlich richtigen Berater bei Z.

Tag 2, vormittags: Der für S zuständige Account-Manager von Z ruft Redakteur an und will die Konfiguration des Notebook besprechen, was ziemlich genau 31 Minuten dauert. Z stellt dem Hersteller S 12 Honorarpunkte für ein Journalisten-Gespräch zwischen 30 und 60 Minuten in Rechnung.

Tag 2, abends: Account-Manager schreibt Redakteur, dass das gewünschte Produkt derzeit leider nicht im Leihpool ist. Das wusste er zwar schon vormittags, so aber gibt es Gelegenheit für ein zweites Gespräch mit dem Redakteur am

Tag 3, vormittags: Redakteur hat Notebook-Test mittlerweile fest eingeplant und lässt sich überreden, ein anderes Gerät zu testen, das zudem laut Account-Manager brandneu ist und, oh Wunder, ab sofort zur Verfügung steht. (31 Minuten telefoniert, 12 Honorarpunkte). Es gibt aber ein NDA, eine Sperrfristerklärung. (Das mit den Honorarpunkten erspare ich mir ab hier.)

Tag 3, nachmittags: Account-Manager schickt Redakteur NDA per E-Mail zu. Redakteur druckt NDA aus, wandert zum Faxgerät und vertrödelt dort 30 Minuten, weil dauerbesetzt. Genervter Redakteur scannt NDA und schickt es per E-Mail.

Tag 4 Erst das eine, dann das andere: Account-Manager schickt Redakteur nach dem erhaltenen NDA den Leihvertrag per E-Mail zu. Redakteur druckt Leihvertrag aus, versucht es zunächst am Faxgerät und landet dann doch wieder am Scanner.

Tag 5 Servicecenter Demopool schickt Redakteur die finale Auftragsbestätigung mit der Bitte um Bestätigung per Fax, sonst geht die Lieferung nicht raus. Redakteur verzichtet gleich aufs Fax, scannt Auftragsbestätigung ein und schickt per E-Mail. Leihfrist: 7 Tage. Falls keine pünktliche Rücksendung, erwirbt die Redaktion das Gerät zum Listenpreis plus Service-Aufschlag von 250 Euro plus Handling-Kosten von 100 Euro plus Versandkosten von 75 Euro.

Tag 7 Servicecenter Demopool verschickt das Paket.

Tag 9 Paket kommt in der Redaktion an.

Tag 10 Redakteur kommt endlich zum Öffnen des Pakets. Das Ladegerät des Notebook fehlt. Anruf beim Account-Manager von Z, er will sich kümmern.

Tag 11 Ladegerät fehlt noch immer. Servicecenter Demopool weist drohend per E-Mail darauf hin, dass morgen die Leihfrist endet.

Tag 12 Leihfrist beendet. Account-Manager schickt Leihvertrag für zweites Ladegerät. Redakteur scannt Leihvertrag und schickt per E-Mail.

Tag 13 Servicecenter Demopool schickt Redakteur Auftragsbestätigung für das zweite Ladegerät mit der Bitte um Bestätigung per Fax, sonst geht die Lieferung nicht raus. Redakteur scannt … und so weiter.

Tag 14 Servicecenter Demopool schickt Ladegerät raus.

Tag 17 Ladegerät trifft ein, Redakteur kann das Notebook in Betrieb nehmen. Der CvD und der Ressortleiter mahnen den längst überfälligen Artikel an. Nachmittags ruft der Account-Manager an und erkundigt sich wehleidig 31 Minuten lang nach einem Termin für die Rücksendung des Geräts („andere Kollegen warten schon dringend“). Junior-Beraterin von Z lästert abends auf Twitter und Facebook über Journalisten, die ihre Leihfristen unendlich überziehen und vermutlich Testgeräte behalten wollen.

Tag 19 Test fertig, Artikel fertig, Redakteur fertig. Gerät geht zurück.

Tag 21 Servicecenter Demopool schickt Rechnung des Notebook zum Listenpreis plus Service-Aufschlag von 250 Euro plus Handling-Kosten von 100 Euro plus Versandkosten von 2 x 75 Euro (wegen des nachgesandten Ladegeräts). Das Öffnen der Rechnung mündet in einen Tobsuchtsanfall des Ressortleiters mit der Frage: „Warum müssen Sie eigentlich immer die Leihfristen überziehen?“