Test: Blue & Me im Alfa Romeo Giulietta

La Dolce Vita und das italienische Leben: Der Alfa Romeo Giulietta, der in der Golfklasse fährt und mit seinem Fahrspaß begeistert, lässt sich recht schnell an Grenzen bringen. Nicht auf der Straße, nicht in engen Kurven, wohl aber in Sachen Kommunikationstechnik. Zwei Pakete sind für den flotten Alfa lieferbar, aber nur eins würden wir ungeachtet einiger Mängel mitnehmen. Der Freisprecher Blue & Me mit Sprachbedienung, USB- und Aux-Anschluss im Handschuhfach für 360 Euro hat (leider) kaum etwas mit der Navi-Abteilung (für Preise zwischen 1700 und 2550 Euro) gemeinsam.

Blue & Me: Monochromdisplay zwischen Tacho und Drehzahlmesser (Fotos Spehr)

Blue & Me ist eine ältere Anlage, die Fiat zusammen mit Microsoft entwickelt hat. Sie nutzt ein kleines Monochromdisplay unterhalb von Tachometer und Drehzahlmesser, wird mit den Lenkradtasten und einer Spracherkennung bedient. Neben dem Freisprechbetrieb übernimmt die Anlage auch die Steuerung des Musikprogramms, wobei ein USB-Stick oder ein MP3-Spieler ansprechbar sind. Das iPhone lässt sich nur mit einem zusätzlichen Adapter von Alfa anschließen, der zugleich auch das Laden des Smartphones übernimmt. Zwischen den einzelnen Musiktiteln navigiert man mit den Lenkradtasten oder der Sprachbedienung, Letzteres ist wegen der miserablen Erkennungsleistung allerdings eine Tortur. Auch in der Telefonabteilung ist die Sprachsoftware kein Gewinn. Kaum ein vorgesprochener Name wurde auf Anhieb richtig erkannt, zudem ratterte Blue & Me gleich mit dem Wählvorgang los, anstatt zuvor eine Bestätigung einzuholen. Wer also stattdessen auf den Mini-Bildschirm und die Lenkradtasten zurückgreift, wird sich über die kleinteiligen Menüs und die komplizierte Bedienung ärgern. Einiges funktioniert zudem gar nicht, etwa der Vorleser für neu eingegangene SMS-Nachrichten. Knappes Fazit: Das ist Technik von gestern, zudem fehlt die moderne Bluetooth-Musikübertragung mit dem A2DP-Protokoll. Aber angesichts des günstigen Preises sollte man nicht zu viel meckern. Dank Adapter und Kabel hatten wir unsere Musik im Fahrzeug, und die Akustik der Telefonate war ordentlich.

Das Navi wiederum nutzt einen großen Farbmonitor, der motorbetrieben aus der Mittelkonsole ausfährt und im Neigungswinkel verstellbar ist. Zwar werden einige wenige Telefon-Funktionen hier ebenfalls abgebildet, aber die Integration bleibt rudimentär. Man sieht zwar den Namen des Anrufers auf dem Display, kann dort aber weder im Telefonbuch noch in den Anruflisten blättern. Der elektronische Kopilot leitet (mit Kartenmaterial auf SD-Karte) durch ganz Europa, bietet aber nur eine Basisausstattung ohne jedwede Extras.

Karge Darstellung: Das Navi-System

Die Sprachbedienung bleibt hier ganz außen vor, und die Darstellung auf dem Bildschirm ist äußerst schlicht gehalten. Richtig Spaß machen eigentlich nur die Bordcomputer-Anzeigen des jeweils gewählten Fahrprogramms. Im Dynamic-Modus mit straffer und direkter Lenkung sieht man permanent Motordaten wie den Ladedruck und Informationen zum gewählten Programm (elektronisches Differential, Overboost, Ansprechverhalten von ESP). Ein zweites Menü zeigt, wie im Supersportwagen Nissan GT-R, die aktuellen Kräfte der Quer- und Längsbeschleunigung. Dieses schöne Mäusekino für den sich in den Sitz krallenden Beifahrer macht allerdings die sparsame Ausstattung der Anlage nicht wett: Der Aufpreis ist für das Gebotene deutlich zu hoch.

5 Antworten auf „Test: Blue & Me im Alfa Romeo Giulietta“

  1. Sorry, aber dieser beitrag ist schwachsinn! Das iphone verbindet mit blue & me auch ohne adapter und funktioniert tadellos! Jeder einzelne name wird von der sprachsteuerung perfekt verstanden und ausgewählt! Auch eine bestätigung vorm einwählen ist vorhanden! Aber bekanntlich hört man ja von deutschen nichts positives über italienische autos!!

  2. Sehr geehrter Herr Jarz, auch wenn man die Alfas mag: Ich habe das beschrieben, was ich mit dem Alfa Romeo Giulietta zwei Wochen lang erlebt habe. Und so war’s. Der Adapter musste von der Pressestelle nachgeliefert werden, ich kam drauf, weil ich die Beschreibung auf einer Fiat- oder Alfa-Seite gesehen hatte.

    1. Tja, und ich spreche davon was ich seit über einem halben jahr täglich mit meiner giulietta erlebe! Ich telefoniere sehr viel während dem autofahren und musste noch nie einen namen wiederholen! Weiters ist es unumstritten eine tatsache, dass mich die freundliche stimme der sprachsteuerung bei jedem wählvorgang folgendes fragt: „Möchten Sie … wirklich anrufen?“ solange ich dies nicht mit „ja“ beantworte „rattert“, wie sie es so schön gesagt haben, gar nix los!
      Andere berichte von ihnen sind wirklich sehr gelungen…dieser leider nicht! Nicht böse sein 😉

  3. Verzeihung die Herren,
    aber sie benutzen beide zwei unterschiedliche Hardwarekomponenten von Blue&Me – Dr. Spehr hat noch eine alte Variante erwischt. Da ist das iPhone NICHT ohne Adapter kompatibel (Musik) und die Dame hat tatsächlich Probleme beim Verstehen und Sprechen.

  4. Sehr geehrter Herr Spehr,

    ich darf einen Fiat Bravo mein Eigen nennen, welcher mit dem gleichen Blue&ME System (Instant Nav) ausgestattet ist und kann ihre Erlebnisse nur bestätigen. Ich fahre meinen Bravo nun seit knapp einem 3/4 Jahr und habe noch viele weitere lustige Features dieses Systems gefunden. Dazu zählen:

    – Gelegentliches Einfrieren der Benutzeroberfläche
    – Vollständiger Absturz des Systems während der Navigation, wobei die Musik lustig weiter dudelte und das auch nachdem der Motor ausgeschaltet war
    – Dienstags steht in der Datumsanzeige „Mär“ anstatt „Die“
    – Wenn man lange genug zwischen den Liedern auf einem USB-Stick wechselt „verschwinden“ einzelne davon und sind erst nach erneuter Auswahl eines Albums wieder da
    – Die Funktionstasten am Lenkrad wechseln zwischen den Frequenzen anstatt zwischen den programmierten Sendern (was Audi wohl aber auch schon geschafft hat)
    – Ein Telefonieren mit der Freisprecheinrichtung ist ab 30 km/h de facto nicht möglich, da das verbaute Mikrofon entweder von mangelhafter Qualität ist oder im Kofferraum verbaut wurde
    – Der USB-Stick kann nur verwendet werden wenn die Zündung aktiviert ist, da ansonsten das Steuergerät wohl nicht mit Strom versorgt wird (was im übrigen dazu führt, dass die Anzeigen in der blauen Zeile am oberen Bildschirmrand alle mit „-“ belegt werden)
    – Einige Funktionen wie beispielsweise das automatische Verschließen während der Fahrt werden über die Headunit programmiert, andere (Corner-Light) über ein Menü welches im Tacho angezeigt wird
    – Der Knopf mit der Aufschrift „Telefon“ befördert mich zu einer wunderschönen Anzeige die mir sagt, das mein Auto mein Telefon kennt und sonst nichts.
    – Man kann die Navigationsansagen nicht deaktivieren sondern lediglich so lange reduzieren bis man die gute Frau nicht mehr hört. Das hält sie allerdings nicht davon ab das Radio / die Medienwiedergabe anzuhalten, wenn sie was zu sagen hätte. Unglaublich praktisch …
    – Und noch einige weitere

    Insgesamt ist dieses „Navigationssystem“ einfach nur eine Zumutung, für die Fiat nichts desto trotz 900€ Aufpreis haben möchte (ja nach Ausstattungsvariante). Und neben den genannten Fehlern dieses Systems ist auch die „Service“-Hotline für nichts zu gebrauchen. Ein Anruf mit der Anmerkung das da wohl ein Softwarefehler vorliegt (in Bezug auf die nicht deaktivierbaren Navigationsansagen) führte zu der Aussage „Das ist kein Softwarefehler, sondern so konzipiert“. Herzlichen Glückwunsch, dann ist es halt kein Software- sondern ein Konzeptionsfehler.
    Da ich selbst Wirtschaftsinformatik studiere und auch als Softwareentwickler Arbeit achte ich wohl eher auf solche Fehler als der Otto Normalverbraucher, allerdings kann ich dafür wohl auch ein wenig besser abschätzen mit wie wenig Aufwand all diese Fehler behoben werden könnten, wenn man nur wollte.

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