Die kleinen Kreise: Zum Start von Google Plus

Als wir am Mittwoch das erste Mal Google Plus betraten, war das wie bei einer Theaterprobe in neuen Räumen: Alles ist überraschend, ungewohnt, noch nicht eingerichtet, es fehlt an manchem Detail. Aber die Prominenten waren von Anfang an dabei, sie hatten vorab begehrte digitale Einladungskarten bekommen. Wir als journalistische Zuschauer konnten live miterleben, wie sich ein neues soziales Netzwerk aus dem Nichts heraus bildet, wie Personen dazu stoßen, wie Inhalte und Seiten aufgebaut werden und man sich gegenseitig bei offenen Fragen hilft.

Google Plus ist ein Angriff auf Facebook, es kopiert viele Ideen, macht aber manches ganz anders. Das schicke Design gefällt. Aber der wichtigste Unterschied zu Facebook ist die Art und Weise, Kontakte zu knüpfen. Facebook besteht aus 1:1-Freundschaften mit der Möglichkeit, Listen und Gruppen anzulegen, Dinge zu verstecken, und man versinkt schnell in der Unendlichkeit der Optionen. Google Plus zieht nun seine eigenen Kreise und nennt sie „Circle“. Man gruppiert und sortiert stärker, das Verhältnis der digitalen Mitbürger untereinander ist ein komplexes Gemengelage.

Wird Google Plus ein Erfolg? Gegen die Dominanz von Facebook mit seinen mehr als 700 Millionen Mitgliedern in aller Welt ist nur schwer anzukommen. Das zeigt nicht zuletzt der schleichende Niedergang von Schüler- und Studi VZ, von Xing und My Space. In den sozialen Netzen zählt die Macht der Masse, und der Gewinner bekommt alles. Facebook hat allein in Deutschland 20 Millionen aktive Mitglieder, die sich regelmäßig einbuchen. Jeder zweite deutsche Internetnutzer ist bei Facebook. Was für Google Plus spricht, ist seine schnelle Akzeptanz bei der digitalen Elite, die sich bislang sehr positiv äußert. Derzeit tummeln sich jedoch nur einige tausend Mitglieder in den Circles von Google. Aber schon Goethe wusste: „Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, wenn man ihn wohl zu pflegen weiß“.

8 Antworten auf „Die kleinen Kreise: Zum Start von Google Plus“

  1. Wunderbar 🙂 Sie treffen den Nagel auf den Kopf! Wenn man den ersten Berichten Glauben schenken darf, ist es zumindest einer der ersten erfolgversprechenden Versuche, Facebook Paroli zu bieten. Mal sehen, ob die Nutzer sich von den vielen Kreisen nicht verwirren lassen 🙂

  2. Nur Google ist in der Lage mit Facebook global in Wettbewerb zu treten. Spezialisierte Social Networks wie Xing oder LinkedIn werden aber weiter Ihre Berechtigung und Dasein behalten, die restlichen werden dem Niedergang alà MySpace entgegen sehen.
    Für mein Gefühl wurde sehr viel bei Diaspora bei der GUI und Funktionsweise abgekupfert.

  3. Ich habe immer ein ungutes Gefühl bei der Nutzung von Facebook. Durch die Einstellungen blickt keiner durch, wo meine Informationen letztendlich landen, weiß ich auch nicht so ganz genau (teilen „Freunde an Freunde). Die Zusammenstellung über „Circle“ scheint mir bei Google Plus besser gelöst zu sein. Ein einfaches und klares Design kommt mir auch entgegen! Nur Google Plus kommt viel zu spät. Wie will man die Zahl der Facebook-User jemals aufholen. Wer arbeitet mit zwei sozialen Netzwerksystemen? Man wird sehen!

  4. Wie schnell ein Multimillionen-Mitglieder-Netzwerk zusammenbrechen kann, hat zuletzt MySpace gezeigt. Warum? U.a. weil die zurecht so genannte digitale Elite von Facebook schnell gelangweilt ist und regelmäßig nach „digitaler Weiterentwicklung“ sucht.

      1. Ich sehe das ganz ähnlich. Auch Facebook kann in der Bedeutungslosigkeit versinken. Ich beobachte bei mir und meinen Kontakten schon seit längerer Zeit eine immer größere Facebook-Müdigkeit. Was Nützen letztendlich 580 Millionen Mitglieder wenn keiner mehr aktiv ist. Wenn man dann noch mit einbezieht das die Kritik an Facebook immer stärker wird, sehe ich gute Chancen für Google. Ach so: „Google+ gefällt mir sher!“

  5. Ich finde Google +1 ist der einzige der facebook parole bieten kann. +1 ist einfacher uns sicherer gemacht. Man muss dort erst was aktivieren wenn man es will und nicht wie bei Facebook deaktivieren wenn man es nicht will. Grüsse aus

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