Test: Samsung Galaxy S2

Mehr Tempo ist angesagt: Nach den PCs drängen jetzt auch im Smartphone-Markt die superschnellen Boliden mit Doppelkern-Prozessor in den Markt. LG bringt das P990 Optimus Speed, HTC das Sensation und Samsung das Galaxy S2. Letzteres wird ein Knüller, das zeigen die Vorbestellungen – und bei vielen Händlern ist es schon vergriffen. Den Charme des zweiten Galaxy macht zunächst die Bauform aus. Es ist geradezu unglaublich dünn: 8,5 Millimeter, und selbst an der dicksten Stelle nur 9,4 Millimeter. Das S2 ist größer als ein iPhone 4, es misst 12,4 x 6,6 Zentimeter, kommt aber mit leichten 116 Gramm daher. Bei der Display-Fläche zeigen sich die Unterschiede zum Apple-Smartphone noch deutlicher: 9 Zentimeter versus 11, das ist ein Wort. Indes verzichtet das S2 auf einen schützenden Metallrahmen, es ist vollständig aus Kunststoff gefertigt, und die Rückseite ist ein hauchdünnes Kunststoff-Plättchen, das man mit einiger Kraft abrupfen muss, um an Sim- und Speicherkarte sowie Akku zu gelangen. Trotzdem wirkt das Galaxy robust, nur passt es eben nicht mehr in manche enge Hosentasche.

Neuer Star am Androiden-Himmel: Samsung Galaxy S2

Das Display verwendet die „Super Amoled Plus„-Technik, und hinsichtlich Schärfe, Kontrast und Farbdarstellung macht ihr so schnell niemand etwas vor. Videos und Spiele erscheinen knackscharf. Nur draußen bei strahlendem Sonnenschein wandelt sich das Bild: Hier ist die Amoled-Anzeige tendenziell zu dunkel und schlecht ablesbar, das iPhone 4 macht’s besser. Ungeachtet der riesigen Diagonale bleibt die Displayauflösung bei klassentypischen 800 x 480 Pixel. Das HTC Sensation hingegen schafft auf einer ähnlich großen Fläche 960 x 540 Punkte, und mit dem Taiwanesen sieht man folglich bei WWW-Seiten mehr. Zwei Sensortasten am unteren Bildschirmrand führen in die Menüs, eine Haupt-Taste dazwischen arbeitet mechanisch. Insgesamt gefallen Optik, Anmutung und Verarbeitungsqualität. Im täglichen Umgang macht das S2 jede Menge Spaß.

Dank des mit 1,2 Gigahertz getakteten Doppelkern-Prozessors erreicht das Galaxy ein durchgehend flottes Arbeitstempo. Reaktionszeiten? Was ist das? Hier bleiben wirklich keine Wünsche offen, und das betrifft die technische Ausstattung gleichermaßen. Die Mobilfunkabteilung erreicht mit HSDPA+ bis zu 21 Megabit pro Sekunde, eine entsprechende Versorgung durch die Netzbetreiber vorausgesetzt. Keine Schwächen ebenfalls bei Wireless-Lan, GPS und Bluetooth. Nur sei erwähnt, dass das erste Galaxy das Bluetooth-Profil Sim Access für besonders hochwertige Auto-Freisprechanlagen unterstützte. Dieses feine Detail ist nun weggefallen. (Bin mir nicht mehr sicher, siehe Hinweise in Kommentaren). Ferner fehlt ein Sensor für NFC, „Near Field Communication“, die für elektronische Bezahlvorgänge mit dem Smartphone unabdingbar ist.

Es geht nicht ohne: TouchWiz über Android gestülpt

Als Betriebssystem kommt Android in der vorletzten Version 2.3.3 zum Einsatz, und darüber stülpt Samsung seinen Aufsatz TouchWiz V4.0. Diese nicht entfernbaren Erweiterungen des Android-Systems, die auch Motorola, Sony Ericsson und HTC vornehmen, sind ein Missstand ohnegleichen. Die Hardware-Hersteller wollen sich als Software-Lieferanten profilieren, und dieser Versuch geht regelmäßig schief. Nicht nur, dass Symbole und Menüs weniger schön gezeichnet sind. Es schleichen sich zudem Fehler und Kompatibilitäts-Probleme ein, die „Android pur“ nicht kennt. Systemressourcen wie Speicher und Prozessorleistung werden beeinträchtigt. Und schließlich blockieren diese Aufsätze eine zeitnahe Aktualisierung von Android.

Zugegeben: TouchWiz 4 ist nicht so „schlimm“ wie manch anderes Produkt, aber gravierende Beeinträchtigungen haben wir gleich gefunden: So fehlt die Internet-Telefonie, die bei Android 2.3.3 zur Serienausstattung gehört. Bei der Telefon-Wähltastatur funktioniert die Vanity-Wahl über den Nachnamen nicht, und das schwerwiegendste Problem besteht darin, dass alle Daten aller Googlemail-Konten selbst dann synchronisiert werden, wenn man den Datenabgleich ausdrücklich deaktiviert. Das Resultat beispielsweise: Wir konnten im Auto mit dem Bluetooth-Freisprecher nicht mehr sinnvoll auf das Telefonbuch zugreifen, denn statt der gewohnten 450 Einträge fanden sich dort weitere 1000 Kontakte eines zweiten Google-Kontos, teils mit veralteten Rufnummern, und das Ganze kunterbunt durcheinandergemischt. Dutzende von banalen Samsung-Apps blockieren beim S2 den Speicher, man möchte sofort aufräumen und löschen, aber das geht eben nicht.

Jedoch hat TouchWiz auch seine Vorteile. Es ist vergleichsweise dezent, wenig aufdringlich und bringt einige Vorzüge mit, die man schnell schätzt: Etwa die Möglichkeit, Ordner für Apps einzurichten — wie beim iPhone. Oder die spektakuläre Samsung-App „Kies Air“, die eine „Fernsteuerung“ des Smartphones im Browser-Fenster erlaubt, sofern PC und Gerät im selben W-Lan eingebucht sind. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Bilder auf den Computer übertragen, sondern auch die Kontakte verwalten oder SMS schreiben. Als Pluspunkt zählen wir ferner die Sprachsteuerung von Vlingo, die mit doppelter Betätigung der mechanischen Taste startet. Sie erlaubt nicht nur die Sprachwahl von Einträgen aus dem Telefonbuch, sondern eine durchgängige Sprachsteuerung inklusive Diktierfunktion. Zwar ist die Software noch nicht perfekt an die deutsche Sprache angepasst und die Erkennungsleistung nicht so hoch wie bei den vergleichbaren Nuance-Produkten, aber die App gefällt. Beim Einsatz im Auto muss man allerdings den Menüeintrag für Bluetooth-Eingaben deaktivieren und das Galaxy in die Hand nehmen.

Wie bei Samsung üblich, ist auch DLNA (Digital Living Network Alliance) eingebaut. Das Protokoll erlaubt es, Multimediales aller Art via Wireless-Lan im Heimnetzwerk zu verschicken und zu empfangen. Neu ist WiFi Direct, ein Standard der WiFi Alliance, der eine flinke Dateiübertragung gestattet, und zwar ohne Router oder Access-Point in einer Eins-zu-Eins-Kommunikation. Dieses schicke Details funktioniert jedoch mit der aktuellen Firmware noch nicht.

Wunder Punkt: Die Akkulaufzeit

Die Kamera des Galaxy S2 bietet 8 Megapixel, ein LED-Licht schaltet im Dunklen zu. Zwei Dinge stören: Der unsäglich laute Auslöse-Sound, selbst bei stummgeschaltetem Gerät und die behäbige Arbeitsweise des Autofokus. Die Bildqualität ist draußen sehr gut und lässt in schlecht beleuchteten Innenräumen sichtbar nach. Videos zeichnet das S2 mit Full-HD (1080p) auf, und mit einem Adapter aus dem Zubehörprogramm lassen sich diese über den Micro-USB-Anschluss am Fernsehgerät mit HDMI wiedergeben.

Bei allen Androiden ist die Akku-Laufzeit ein wunder Punkt. Nach einigen Tagen des intensiven Ausprobierens musste sich das Galaxy S2 im typischen Alltagsbetrieb bewähren. Während das iPhone 4 mit Telefonaten, E-Mail, Twitter und Musikbetrieb bei uns anderthalb bis zwei Tage mühelos absolviert, ging dem Koreaner regelmäßig am frühen Abend die Puste aus. So bleibt also ein klares Fazit: Zusammen mit dem HTC Sensation, das wir demnächst vorstellen, ist das Samsung Galaxy S2 ein Top-Androide, den man empfehlen kann. Ungeachtet des hohen Preises von 550-600 Euro. Was die erwähnten Einschränkungen und Mängel betrifft, könnte ein Firmware-Update kleine Wunder wirken.

Einige weitere Hinweise in Kurzform:

– Findet GPS-Satelliten sehr schnell, im Unterschied zu anderen Androiden.

– W-Lan-Empfang gemäß der Anzeige gelegentlich schwach. Ob es sich um Anzeigeproblem und eine reale Empfangsschwäche handelt, sei dahingestellt.

– Das Gerät ist mir bislang nicht einmal abgestürzt, und das ist keine Selbstverständlichkeit.

– Das Gerät wird gelegentlich sehr heiß.

– Keine Status-LED, die über verpasste Anrufe oder neue Nachrichten informiert.

– Sehr praktischer Schnellzugriff auf W-Lan, Bluetooth, GPS und Ton in der oberen Notification-Menüleiste.

 

8 Antworten auf „Test: Samsung Galaxy S2“

    1. Hallo. Seit gestern habe ich auch das Galaxy S2. Die Sprachwahl über Bluetooth klappt noch überhaupt nicht! Das Gerät hätte ruhig ein paar Millimeter dicker sein können, um dadurch mehr Akkuleistung zu haben. Die Ablesbarkeit der Samung Displays wird bei Sonnenschein langsam immer besser, reicht aber lange nicht an mein iPhone4 heran. Deswegen werde ich mein iPhone behalten. Gruß von Pitt.

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Spehr,

    laut Wikipedia funktioniert rSAP beim Galaxy II. Sie schreiben ausdrücklich, dass es nicht funktioniert im Gegensatz zum Galaxy I. Sind Sie sicher?

    Gruß
    Thomas Meyer

    1. Sehr geehrter Herr Meyer, das Galaxy I hatte ein entsprechendes rSAP-Menü im BT-Menü. Das fehlt beim S2. Es gibt auch keinen Hinweis in der PDF-Anleitung. Um ganz sicher zu sein, müsste ich die Sache mit einem geeigneten Testwagen ausprobieren. Das kann allerdings noch ein bisschen dauern. Ihr –misp.

    2. rSAP funktioniert (VW GOLF Premium Freisprechanlage). Einen separaten Menueintrag zum Ein-/Ausschalten gibt es nicht mehr im Gegensatz zum Galaxy S. Die SIM-Kontakte sollten für das Telefonbuch verwendet werden, da es mit den Telefonbuchkontakten zu Problemen kommen kann. Die App Contact2Sim Pro hilft Kontakte aus dem Telefonbuch auf die SIM zu bekommen.

  2. Hallo- hatte mich sehr auf das neue Handy gefreut. Kam gestern an. Alles okay…ABER..
    die Sensorfelder (zurück, Menue) reagieren schon, wenn ich mit dem Handballen drüberkomme. Nicht schön- dafurch ist es für mich – anders als mein „altes“ LG P500 unzuverlässig.
    Gibt es hier einen Trick- oder muss frau damit leben??
    LG Alexa

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