Spracherkennung zur Interview-Transkription?

Viele Journalisten fragen, ob und wie man Spracherkennung zur Interview-Transkription einsetzen kann. Schließlich funktioniert ja eine Software wie Dragon Naturally Speaking 11 ganz hervorragend und mit ausgezeichneter Erkennungsleistung. Wer als Journalist ein solches Programm im Einsatz erlebt hat, denkt natürlich gleich an seine Interviews und die langwierige Texterfassung der Aufzeichnung. Warum sollte das nicht mit Spracherkennung einfacher und schneller funktionieren?

Drei Gründe sprechen jedoch dagegen:

1. Spracherkennung benötigt ein Benutzer-Profil. Die Software muss also vor dem ersten Einsatz an die individuellen Sprechweise angepasst werden. Ein solches Profil kann man für sich selbst in weniger als fünf Minuten erstellen. Aber es fehlt dann noch immer das Profil für das Gegenüber, also den Interviewpartner. Und selbst wenn man von seinem Partner ein Profil hätte, müsste die Software zwischen jeder Frage und jeder Antwort das Profil wechseln, was derzeit nicht funktioniert.

2. Es fehlen die gesprochenen Satzzeichen. „Herr Ministerpräsident Komma was sagen groß Sie zur aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt Fragezeichen„: So kann man diktieren, aber kein Interview führen. Auch der Herr Ministerpräsident wird nicht mit diktierten Satzzeichen antworten (wollen).

Nun wäre es ja ein leichtes, fehlende Satzzeichen bei der ohnehin erforderlichen Korrektur nachträglich per Hand einzufügen. Aber Dragon Naturally Speaking benötigt die Satzzeichen schon für die Erkennung an sich, sie sind quasi Haltepunkte, an denen sich die Software während der Transkription entlang hangelt.

3. Ein Diktat ist kein Interview. Damit Spracherkennung ordentlich funktioniert, benötigt man eine gewisse Konzentration und eine klare Artikulation. Das typische Hin und Her im Interview, der angefangene und nicht abgeschlossene Satz, der Einwurf des Gegenüber und gegebenenfalls der Umgebungslärm in einem Café: all das macht den Einsatz von Spracherkennung nahezu unmöglich.

Gibt es weitere Möglichkeiten?

Journalisten, die ohnehin Spracherkennung einsetzen und mit der Technik umzugehen wissen, können sich mit folgendem Trick behelfen: Man höre das Interview mit einem Kopfhörer ab, pausiere bei der Wiedergabe und diktiere anschließend Frage und Antwort mit seinem eigenen Profil. Das funktioniert ganz ordentlich, erfordert aber viel Konzentration. Und, wie gesagt, eine gewisse Erfahrung im Umgang mit der Technik.

 

Test: Base Tab von E-Plus

Das Familiendrama: Der jugendliche Nachwuchs will einen Tablet PC, weil jetzt „alle“ so einen Flachcomputer haben. Natürlich soll es ein iPad von Apple sein. Die Kreditwürdigkeit des Juniors wurde jedoch vom Haushaltsvorstand schon mehrfach herabgestuft. Stichwort: alte Handy-Rechnungen.

Auch potentielle private Gläubiger wie Oma und Opa sind nicht willens, auf freiwilliger Basis einen Teil der Lasten zu tragen. Also wird ein Rettungspaket geschnürt, das in der Familie jedoch höchst umstritten ist. Der Tablet wird nicht gekauft, sondern gemietet. Für 19 Euro im Monat kommt das Base Tab des chinesischen Herstellers ZTE ins Haus, das Gerät gibt es nur bei der E-Plus-Tochter, und ein recht günstiger Mobilfunkvertrag mit 500 Megabyte monatlichem Datenvolumen ist gleich mit dabei.

Durchaus ein Schnäppchen

Das Base Tab gehört mit Maßen von 20 × 11 × 1,3 Zentimeter und einer Bildschirmdiagonale von 18 Zentimeter zu den Tablets in besonders kleiner Bauform. Es ist vergleichbar mit dem ersten Samsung Galaxy Tab, dessen Preis seit seinem Erscheinen im vergangenen Jahr von 800 auf 380 Euro gefallen ist. Wie beim Samsung kommt als Betriebssystem Android zum Einsatz. Nicht jedoch die Tablet-Variante Honeycomb, sondern das Smartphone-System 2.2. Im Unterschied zum Samsung beträgt die Displayauflösung jedoch nur 800 × 480 Pixel statt 1024 × 600, der Prozessor ist langsamer (600 Megahertz statt 1 Gigahertz), der interne Speicher kleiner (200 statt 512 Megabyte) und die Materialanmutung schlechter. Doch die Familie rechnet: 19 Euro im Monat bei einer Laufzeit von zwei Jahren sind 456 Euro, und mit der Base-Karte erhält man nicht nur das Datenvolumen für unterwegs, sondern auch 30 Freiminuten ins E-Plus-Netz sowie 30 Gratis-SMS. Der kleinste Datentarif fürs iPad kostet bei der Telekom entweder 5 Euro am Tag oder 35 Euro im Monat – und das iPad ist noch nicht dabei. Vodafone spendiert für 15 Euro im Monat ein sehr geringes Datenvolumen von 200 Megabyte, und ein „ordentlicher“ Tarif mit 3 Gigabyte kostet 25 Euro im Monat. Abermals ohne iPad, das in der kleinsten Mobilfunk-Version für 600 Euro in der Preisliste steht.

Ob im Hoch- oder Querformat: Das Base Tab von E-Plus passt gerade noch in eine Hand (Foto Hersteller)

So gesehen ist das Angebot von E-Plus durchaus ein Schnäppchen. Aber lohnt sich das? Wenn es um die elementaren Parameter geht, ist die Antwort ein klares Nein. Hinsichtlich Verarbeitungsqualität, Geschwindigkeit, Güte des Bildschirms und der zur Verfügung stehenden Apps hinkt das Base Tab dem iPad kilometerweit hinterher, die beiden spielen in einer jeweils ganz anderen Liga. Das günstige Gerät von E-Plus ist quasi ein Mittelklasse-Smartphone in Übergröße. Alle Android-Programme laufen wie auf dem Taschencomputer, nur in größerer Schrift. Ein Tablet PC mit größerem Bildschirm hingegen bietet mehr Übersicht durch eine raffinierte Anordnung der Inhalte. Wer aber mit den gewohnten Smartphone-Apps für Android zufrieden ist und ohnehin nur gelegentlich im Internet surfen oder die neue E-Mail abfragen will, kann getrost zugreifen. Und, ja, telefonieren kann man mit dem Base Tab ebenfalls, entweder mit einem Headset oder mit dem eingebauten Freisprecher, der ordentlich klingt.

Längere Surf-Sessions sind eine Qual

Im Unterschied zu anderen günstigen Tablet PCs mit Android reagiert der Bildschirm des Base Tab hinreichend präzise auf die Fingerbewegungen. Es kommt ein kapazitives Display zum Einsatz, das allerdings etwas dunkel und kontrastarm ist. Störend sind ferner die (kurzen) Wartezeiten, bis beispielsweise eine App gestartet ist. Diese kleinen Ruckler, die wir auch beim Surfen im Internet beobachteten, sind vermutlich der geringen Prozessorgeschwindigkeit und dem knappen Speicherplatz geschuldet. Bei eigenen Medien hingegen kann man aus dem Vollen schöpfen. Für Musik, Videos und Fotos liegt eine 16-Gigabyte-Micro-SD-Karte bei, und dank USB lässt sich das Base Tab an jedem PC mit Inhalten füllen.

Ein weiterer Minuspunkt für die junge Online-Generation ist die Bindung an das schlechteste Datennetz in Deutschland. Während man mit der Telefonie im E-Plus-Netz durchaus zufrieden sein kann, sind längere Surf-Sessions eine Qual. Das betrifft sowohl das erzielbare Tempo als auch die Zuverlässigkeit im täglichen Betrieb. Wir reden hier nicht vom flachen Land, sondern haben das Base Tab im Großraum Frankfurt und in der Hamburger Innenstadt ausprobiert. Beide Male zeigte das Gerät zwar den Empfang von UMTS mit dem Datenturbo HSDPA an. Aber während das iPad mit einer Sim-Karte der Telekom ein 2-Megabyte-Anhängsel der E-Mail in Sekundenschnelle lud, warteten wir bei E-Plus länger als zehn Minuten. Auch die Test- und Messfahrten der einschlägigen Fachzeitschriften zeigen immer wieder: Für das mobile Surfen kann man E-Plus nur bedingt empfehlen, die Telekom, Vodafone und O2 sind mit Abstand besser. So bleibt also für das Base Tab eine kleine Nische. Es ist zwar nicht der Rettungsschirm vor hohen iPad-Kosten. Aber so schlecht wie es manche Kollegen gemacht haben, ist es auch nicht. Das Angebot von E-Plus ist keine Bauernfängerei mit billigster Hardware. Jedoch sollte man sehr genau wissen, worauf man sich einlässt.

 

Test: Infiniti G37 Coupé und seine Kommunikationstechnik

Feiner Sportler: Infinti G37 Coupé (Fotos Hersteller)

Was das für ein Sportwagen sei, wurden wir immer wieder gefragt. Gemeint ist das G37-Coupé von Infiniti, der jungen Zweitmarke von Nissan, die in Nordamerika durchaus erfolgreich ist. Seit Ende 2009 gibt es Infiniti in Deutschland, und wir haben die Kommunikationstechnik der eifrigen Japaner geprüft. Im G37, der nur mit dem starken 3,7-Liter-V6-Benzinmotor (235 kW, 320 PS) erhältlich ist, gehört viel Wichtiges und Sinnvolles bereits zur Serienausstattung: das Farbdisplay mit Controller, die Bluetooth-Freisprechanlage und die Musikwiedergabe vom Smartphone mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP.

Im G37 S Premium fügen sich dann die einzelnen Komponenten zu einem opulenten Ganzen zusammen. Hier sind die Navigation, eine HiFi-Anlage von Bose sowie die Rückfahrkamera bereits ab Werk eingebaut. Für die kleineren Modellvarianten GT und S kostet dieses „Multimedia-Paket“ hingegen einen Aufpreis von 3200 Euro.

Willkommen am Arbeitsplatz: Infiniti G37 Coupé

Die spannende Frage ist natürlich, wie Infiniti sämtliche Kommunikationstechnik integriert. Mit einem einheitlichen Bediensystem in verbindlicher Ordnung der Dinge, wie etwa bei Audi oder BMW? Oder mit einem bunten Ensemble der Möglichkeiten, das auf strenge logische Strukturen verzichtet? Die Japaner haben sich für einen Mittelweg entschieden: eine einfache Lösung, die jedermann gefällt. Die Menüs und Inhalte lassen sich auf verschiedenen Wegen aufrufen. Der naheliegende ist ein Fingertipp auf das berührungsempfindliche Display. Verspielte Naturen können auch am Controller drehen, und der echte Tech-Freak nimmt natürlich die Spracherkennung, die mit einer Taste am Lenkrad gestartet wird – und am wenigsten ablenkt.

Interessanterweise ist die Tastenlandschaft mitsamt Controller nicht unter der Anzeige angebracht, sondern sie ragt als Armaturentafel in den Raum hinein. Trotzdem sind die einzelnen Tasten gut sichtbar und schnell erreichbar. Die Mechanik des Drehstellers (auf dem sich weitere Tasten befinden) wirkt sehr ordentlich. Man kommt sofort zurecht. Nach Betätigen einer Menütaste baut sich das Untermenü in mehreren Spalten auf dem Bildschirm auf. Geht die Verästelung noch tiefer, sind die Einträge kreisförmig angeordnet. Mit der „Zurück“-Taste landet man jeweils eine Ebene höher, das alles erschließt sich unmittelbar. An der Qualität der Anzeige gibt es nichts zu kritisieren, sogar verschiedene Farbschema lassen sich einstellen.

Zu der lobenswerten Hardware passt die nahezu vollständige Software. Kurz und knapp: Mit nur wenigen Einschränkungen spielt die Ausstattung auf Oberklasse-Niveau. Zunächst und ganz sicher bei der HiFi-Anlage, die mit elf sauber abgestimmten Lautsprechern einen tollen Klang ins Fahrzeug bringt. Das Gebotene ist erstklassig, nicht nur bei Rock & Pop, sondern auch bei anspruchsvoller Klassik. Zudem dienen alle nur denkbaren Quellen als musikalische Zuspieler: Geradezu genial wird der iPod von Apple angebunden, der zugehörige USB-Anschluss befindet sich im Staufach der Mittelarmlehne. Nach dem Andocken mit dem Kabel hat man sofort Zugriff auf Alben, Wiedergabelisten, Interpreten, Titel. Auch Hörbücher und Podcast-Sendungen sind auf dem Display sichtbar. Das feine Extra: Wer seine Alben unter iTunes mit Coverbildern versehen hat, sieht diese auch auf dem Infiniti-Monitor, man staunt und freut sich. Mit dem iPhone 4 funktioniert die kabelgebundene Anbandelei ebenfalls. Aber die Bedienungsanleitung rät ab. Vermutlich, weil man bei leiser Musik gelegentlich Knistergeräusche hört. Wir haben deshalb das Smartphone von Apple mit Bluetooth A2DP angebunden – und waren vom Klang begeistert. Nur kann man dann natürlich nicht mehr mit der Steuerung der Anlage durch den Musikbestand blättern, sondern muss am Gerät auswählen.

USB-Sticks mit MP3-Musik lassen sich ebenfalls dem Infiniti vorsetzen, und für die höchsten HiFi-Weihen kommt selbstredend die Audio-CD zum Einsatz. Alben, Titel und Interpreten werden mit der eingebauten Gracenote-Datenbank identifiziert, und für den Dauereinsatz lässt sich der Inhalt der wertvollen Silberscheiben auf die Festplatte des Navi-Systems kopieren. Bis zu 10 Gigabyte stehen für eigene Musik bereit, maximal 500 Alben oder 3000 Titel, heißt es in der Bedienungsanleitung. Dass man Filme von Video-DVDs im stehenden Fahrzeug abspielen kann, sei nur am Rande erwähnt. Unser Fahrzeug brachte sogar eine Video-Eingangsbuchse für Kamkorder oder Spielekonsolen mit.

Die üppige Ausstattung setzt sich in der Telefonabteilung fort: Geräte werden mit Bluetooth angekoppelt, und im Einsatz des iPhone 4 funktionierte der Zugriff aufs Telefonbuch und die Anruflisten problemlos. Ein schönes Detail ist der Speicher für weitere Rufnummern in der Infiniti-Anlage. Mit der Sprachbedienung gelingt die Namenwahl aller Telefonbuch-Kontakte ohne vorheriges Training. Nur arbeitet der Erkenner etwas gemächlich und stets in kleinen Schritten. Zudem kommen viel zu häufig Hinweise auf seine Bedienung. Das alles gilt auch für die Spracheingaben in der Navi-Abteilung. Ort, Straße und Hausnummer sind getrennt vorzusprechen, dazwischen kommen wohlmeinende Tipps. Aber je häufiger man die Sprachbedienung nutzt, umso mehr stören diese Hinweise. Davon einmal abgesehen ist die Leistung des elektronischen Kopiloten überzeugend. Die Darstellung der Landkarte lässt sich vielfältig konfigurieren, es gibt einen Kreuzungs-Zoom und Fahrspurassistenten auf der Autobahn. Ferner zeigt der Bildschirm häufig (aber nicht durchgängig) Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit, die Daten kommen vom Navi-Kartenmaterial.

Mit 3D-Anzeige und ungewöhnlichem Tastenfeld: Navi im Infiniti

Für die Stau-Umfahrung ist der G37 mit den hochwertigen TMC-Pro-Verkehrsmeldungen ausgerüstet. Sie lassen sich differenziert für die Route und im Nahbereich anzeigen, in der Kartendarstellung und in Listenform. Zudem gibt es sogar Stauprognosen und akustische Hinweise auf Verkehrsstörungen, die dann allerdings von einer synthetischen Stimme als „Warteschlange“ angesagt werden. Auch bei den Navi-Kommandos wäre ein gewisses Feintuning hilfreich. Denn die Ansagen beginnen stets mit „in ungefähr“. Der Vielfahrer freut sich über den eingebauten Michelin-Reiseführer, der empfehlenswerte Restaurants, Hotels und wichtige Sehenswürdigkeiten in einer Stadt oder der Umgebung findet und mit einer kurzen Beschreibung darstellt. Alles in allem ein klares Fazit: Diese Anlage kann man empfehlen, eine gelungene Kombination aus ordentlicher Hardware und eingängiger Software.

Neuer 1er BMW mit Facebook und Twitter

Im September geht die zweite Generation des 1er BMW an den Start, und erstmals bei BMW gibt es dann eine Facebook- und Twitter-Anbindung (die für den Mini schon erhältlich ist). Ferner kann man mit einem iPhone auch Internetradio empfangen und auf Echtzeit-Verkehrsinfos zugreifen. Noch zu klären: Ist das Ganze in das iDrive-System integriert oder laufen die Zusatzdienste nur auf dem Smartphone?

Nachtrag: Anna Buettner löst in ihrem Kommentar unten das Rätsel: Auf dem iPhone braucht man die Gratis-App BMW Connected, dann wird das iPhone mit iDrive gekoppelt und die Funktionen der App können anschließend mit iDrive auf dem Bordmonitor genutzt werden.

Innenansichten: Der neue 1er BMW mit iDrive (Foto Hersteller)

Auszug aus der Pressemeldung:

„Mit der Option Apps können Besitzer eines iPhone unter anderem Webradio-Stationen empfangen sowie die Dienste Facebook und Twitter nutzen. Auch der Internet-Zugang und die neue Funktion Real-Time Traffic Information, die besonders präzise Staumeldungen und Verkehrshinweise in Echtzeit übermittelt, sind einzigartig im Kompaktsegment.“

Outdoor-Routenführer für Android

Natürlich muss das Smartphone mit, wenn man in diesen sommerlichen Tagen draußen in der Natur unterwegs ist. Sei es auf dem Fahrrad oder auf dem Wanderweg: Der elektronische Begleiter macht sich auf längeren Touren ungemein nützlich, und damit meinen wir nicht etwa, dass man alle paar Minuten auf seine E-Mail gucken sollte. Bei Sport und Bewegung stehen vielmehr die Funktionen rund um den eingebauten GPS-Empfänger im Vordergrund. Stichworte: Planung von Rad- und Wanderrouten, Entdecken von Sehenswürdigkeiten und die Aufzeichnung der zurückgelegten Strecke, also der Einsatz des Smartphones als Fahrtenschreiber.

Wer bei der Planung seiner Touren im Grünen an das Nachrüst-Navi fürs Auto oder Google Maps im Internet denkt, verzichtet auf einiges. Denn die hier eingesetzten Karten von Navteq oder Tom Tom sind auf die Verwendung im Fahrzeug zugeschnitten. Das Auto-Navi führt einen also kilometerlang um den Park herum oder schickt gegebenenfalls den Fußgänger auf eine dichtbefahrene Bundesstraße, obwohl kürzere Pfade durchaus vorhanden sind. Viele Wege, auf denen keine Autos fahren können, fehlen in diesem elektronischen Kartenbestand.Maverick: Tour mit Kartenmaterial von Bing (Fotos Spehr)

Kenner und Könner verwenden Landkarten aus anderen Quellen, und an erster Stelle sind hier die Open Street Maps (OSM) zu nennen. Sie sind – wie die Wikipedia – von einer Heerschar von Freiwilligen erstellt, kein kommerzielles Produkt, sondern basierend auf der Arbeit von Freizeitkartographen. OSM lassen sich unentgeltlich im Internet studieren und laden, jeder kann mitarbeiten, und die Qualität und Detailfülle des Datenmaterials bei Wander- und Radwegen ist beachtlich. Gewisse Einschränkungen sind jedoch nicht von der Hand zu weisen: Im Gebirge können die OSM nicht mit einer Wanderkarte auf Papier mithalten, und in gering besiedelten Gebieten fehlt manche Straße.

Die größte Auswahl praktischer Karten-Apps gibt es derzeit für das iPhone und die Android-Familie. Zwei beispielhaft von uns erprobte Android-Programme zeigen, was man heutzutage erwarten darf. Maverick von Code Sector gibt es im Android Market in einer Gratisvariante und in einer erweiterten, kostenpflichtigen Version für fünf Euro. Das interessanteste Detail dieser sehr schicken Software ist der Einsatz aller nur denkbaren Karten. Neben OSM stehen auch die von Google, Nokia und Microsoft Bing zur Verfügung, und weil man mit einem Tastendruck flink wechseln kann, lässt sich die Güte quasi unmittelbar an Ort und Stelle beurteilen. OSM steht zudem in den Varianten Open Cycle Map (für Radfahrer) und Open Piste Map (für Skifahrer) zur Verfügung.

Maverick: Dieselbe Tour mit Open Street Map-KartenKleiner Kritikpunkt: Bei den OSM-Karten könnte die Zoomtiefe etwas größer sein. Zur Orientierung im Grünen ist die App jedoch ganz hervorragend geeignet, auch nach geographischen Koordinaten oder Ort und Straße kann man suchen. Zum Laden des Kartenmaterials ist natürlich eine Internetverbindung erforderlich. Wer keine Flatrate hat oder im Auslandsurlaub hohe Roaminggebühren fürchtet, greift zu einem Trick: Man lädt die Karten vorab in einem W-Lan-Netz auf den PC und überträgt sie anschließend auf die SD-Speicherkarte des Smartphones. Die Prozedur ist bei Code Sector ausführlich beschrieben, aber eine komplizierte Angelegenheit. Die eigene geographische Position kann man an andere weitergeben (mit so gut wie allen auf dem Androiden installierten Apps, auch Twitter), und selbstredend ist das Aufzeichnen der zurückgelegten Strecke kein Problem. So lässt sich später am PC die Route mitsamt allen Irrungen und Wirrungen exakt nachverfolgen. Dazu benötigt man allerdings ein (kostenfreies) Konto bei GPSies.com, einem Tracking-Dienst zum Hochladen schöner Strecken. Die App ist einen Blick wert, sie beherrscht jedoch nicht die Berechnung von Routen.

In dieser Hinsicht ist „OSM And“ von Anvisics die bessere Wahl. Diese App, die es in einer Gratisversion und einer „Plus“-Variante für drei Euro gibt, unterstützt ebenfalls alle nur denkbaren Kartenformate (OSM, Google, Microsoft Bing). Und hier ist eine (rudimentäre) Navigation mit Sprachansagen und Pfeildarstellung gleich eingebaut, wobei zwischen der Routenführung für Autos, Fahrräder und Fußgänger unterschieden wird. Mit OSM And kann man Touren (als KML- oder GPX-Track) laden und sich auf diesen Wegpunkten navigieren lassen, ebenfalls mit Sprachkommandos. Ferner ist der Zugriff auf Karten deutlich einfacher: Zu Hause im W-Lan lädt man das Land oder die Region direkt von der App aus auf die Speicherkarte. Besser geht es wirklich nicht. Die grafische Aufbereitung der Karten ist allerdings etwas langsam, selbst mit dem von uns eingesetzten Samsung Galaxy S2, das einen flotten Doppelkernprozessor hat.

OSM And: Detailansicht mit Open Street Map in Frankfurt Jedoch wird man für das Warten allemal entschädigt: Sind die OSM in der Einstellung „hochauflösend“ gewählt, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. In der kleinsten Zoomstufe (zehn Meter) sahen wir selbst die Innenhöfe der F.A.Z.-Gebäude in der Hellerhofstraße und Frankenallee mitsamt Hausnummern. Sogar die kleine (öffentlich nicht zugängliche) Fußgängerbrücke zwischen dem Neubau und dem Altbau der F.A.Z. ist verzeichnet, ebenso der Briefkasten um die Ecke und mancher Papierkorb.

Beim Tracking, also der Verwendung als elektronischer Fahrtenschreiber, wird die Strecke als GPX-Datei auf der SD-Speicherkarte abgelegt. Dieses GPS Exchange Format ist weit verbreitet und kann von Google Maps oder Google Earth angezeigt werden. Die Zeitspanne zwischen zwei Positionsmarkierungen lässt sich in Intervallen von einer Sekunde bis fünf Minuten vorgeben. Ein nicht unwichtiges Detail, denn das Tracking belastet den Akku des Smartphones stark. Bei aktiver Dauer-Ortung ist bei OSM And wie auch bei Maverick nach einigen Stunden der Kraftspender leer. Man achte auch auf die Display-Einstellungen. Eine permanente Anzeige bei der Navigation benötigt ebenfalls viel Strom. Wer die eigenen Aufzeichnungen am PC studiert, darf sich über die hohe Genauigkeit der aktuellen GPS-Module freuen. Zwar sind Abweichungen im Bereich von ein, zwei Meter durchaus zu beobachten. Aber aktuelle Outdoor-GPS-Geräte sind nicht präziser. Und das Smartphone muss übrigens nicht unbedingt den Sichtkontakt zum Himmel haben. Man kann es während der Wanderung oder Radtour getrost in der Jackentasche verstauen, stelle aber zuvor sicher, dass der Kontakt zu den Erdtrabanten prinzipiell hergestellt ist.

Wer die Komplexität der beiden OSM-Apps fürchtet und trotzdem ein bewährtes Tracking-Werkzeug sucht, mag einen Blick auf Googles „My Tracks“ werfen. Die schlichte Gratis-Software ist zwar allein auf die Google-Karten zugeschnitten, lässt sich aber einfach bedienen und bietet beim Tracking die Option, die Wegpunkte der zurückgelegten Route direkt an sein Google-Konto in der Cloud zu schicken – wahlweise als eigene Karte (Google My Maps) oder als Tabelle.OSM And: Mit Navi-Anweisungen

Ist man mit diesen Apps und OSM auf den Geschmack gekommen, finden sich im Internet etliche interessante Zusatzdienste. Rad-Routenplaner ermitteln beispielsweise die beste Strecke für Radfahrer, etwa www.bbbike.org. Hier gibt man seine Wunschgeschwindigkeit, den bevorzugten Straßentyp (für Rennradfahrer: „nur sehr gute Beläge“) und anderes an und erhält anschließend die Wunschroute mitsamt Höhenprofil, Zahl der Ampeln auf der Strecke sowie etlichen weiteren Informationen. Man kann „unbeleuchtete Wege“ nachts vermeiden oder vorgeben, dass man mit Kind und Kindersitz unterwegs ist. Den gewünschten Streckenvorschlag holt man sich dann als GPX- oder KML-Datei abermals in die Smartphone-App – und radelt los.