Test: Infiniti G37 Coupé und seine Kommunikationstechnik

Feiner Sportler: Infinti G37 Coupé (Fotos Hersteller)

Was das für ein Sportwagen sei, wurden wir immer wieder gefragt. Gemeint ist das G37-Coupé von Infiniti, der jungen Zweitmarke von Nissan, die in Nordamerika durchaus erfolgreich ist. Seit Ende 2009 gibt es Infiniti in Deutschland, und wir haben die Kommunikationstechnik der eifrigen Japaner geprüft. Im G37, der nur mit dem starken 3,7-Liter-V6-Benzinmotor (235 kW, 320 PS) erhältlich ist, gehört viel Wichtiges und Sinnvolles bereits zur Serienausstattung: das Farbdisplay mit Controller, die Bluetooth-Freisprechanlage und die Musikwiedergabe vom Smartphone mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP.

Im G37 S Premium fügen sich dann die einzelnen Komponenten zu einem opulenten Ganzen zusammen. Hier sind die Navigation, eine HiFi-Anlage von Bose sowie die Rückfahrkamera bereits ab Werk eingebaut. Für die kleineren Modellvarianten GT und S kostet dieses „Multimedia-Paket“ hingegen einen Aufpreis von 3200 Euro.

Willkommen am Arbeitsplatz: Infiniti G37 Coupé

Die spannende Frage ist natürlich, wie Infiniti sämtliche Kommunikationstechnik integriert. Mit einem einheitlichen Bediensystem in verbindlicher Ordnung der Dinge, wie etwa bei Audi oder BMW? Oder mit einem bunten Ensemble der Möglichkeiten, das auf strenge logische Strukturen verzichtet? Die Japaner haben sich für einen Mittelweg entschieden: eine einfache Lösung, die jedermann gefällt. Die Menüs und Inhalte lassen sich auf verschiedenen Wegen aufrufen. Der naheliegende ist ein Fingertipp auf das berührungsempfindliche Display. Verspielte Naturen können auch am Controller drehen, und der echte Tech-Freak nimmt natürlich die Spracherkennung, die mit einer Taste am Lenkrad gestartet wird – und am wenigsten ablenkt.

Interessanterweise ist die Tastenlandschaft mitsamt Controller nicht unter der Anzeige angebracht, sondern sie ragt als Armaturentafel in den Raum hinein. Trotzdem sind die einzelnen Tasten gut sichtbar und schnell erreichbar. Die Mechanik des Drehstellers (auf dem sich weitere Tasten befinden) wirkt sehr ordentlich. Man kommt sofort zurecht. Nach Betätigen einer Menütaste baut sich das Untermenü in mehreren Spalten auf dem Bildschirm auf. Geht die Verästelung noch tiefer, sind die Einträge kreisförmig angeordnet. Mit der „Zurück“-Taste landet man jeweils eine Ebene höher, das alles erschließt sich unmittelbar. An der Qualität der Anzeige gibt es nichts zu kritisieren, sogar verschiedene Farbschema lassen sich einstellen.

Zu der lobenswerten Hardware passt die nahezu vollständige Software. Kurz und knapp: Mit nur wenigen Einschränkungen spielt die Ausstattung auf Oberklasse-Niveau. Zunächst und ganz sicher bei der HiFi-Anlage, die mit elf sauber abgestimmten Lautsprechern einen tollen Klang ins Fahrzeug bringt. Das Gebotene ist erstklassig, nicht nur bei Rock & Pop, sondern auch bei anspruchsvoller Klassik. Zudem dienen alle nur denkbaren Quellen als musikalische Zuspieler: Geradezu genial wird der iPod von Apple angebunden, der zugehörige USB-Anschluss befindet sich im Staufach der Mittelarmlehne. Nach dem Andocken mit dem Kabel hat man sofort Zugriff auf Alben, Wiedergabelisten, Interpreten, Titel. Auch Hörbücher und Podcast-Sendungen sind auf dem Display sichtbar. Das feine Extra: Wer seine Alben unter iTunes mit Coverbildern versehen hat, sieht diese auch auf dem Infiniti-Monitor, man staunt und freut sich. Mit dem iPhone 4 funktioniert die kabelgebundene Anbandelei ebenfalls. Aber die Bedienungsanleitung rät ab. Vermutlich, weil man bei leiser Musik gelegentlich Knistergeräusche hört. Wir haben deshalb das Smartphone von Apple mit Bluetooth A2DP angebunden – und waren vom Klang begeistert. Nur kann man dann natürlich nicht mehr mit der Steuerung der Anlage durch den Musikbestand blättern, sondern muss am Gerät auswählen.

USB-Sticks mit MP3-Musik lassen sich ebenfalls dem Infiniti vorsetzen, und für die höchsten HiFi-Weihen kommt selbstredend die Audio-CD zum Einsatz. Alben, Titel und Interpreten werden mit der eingebauten Gracenote-Datenbank identifiziert, und für den Dauereinsatz lässt sich der Inhalt der wertvollen Silberscheiben auf die Festplatte des Navi-Systems kopieren. Bis zu 10 Gigabyte stehen für eigene Musik bereit, maximal 500 Alben oder 3000 Titel, heißt es in der Bedienungsanleitung. Dass man Filme von Video-DVDs im stehenden Fahrzeug abspielen kann, sei nur am Rande erwähnt. Unser Fahrzeug brachte sogar eine Video-Eingangsbuchse für Kamkorder oder Spielekonsolen mit.

Die üppige Ausstattung setzt sich in der Telefonabteilung fort: Geräte werden mit Bluetooth angekoppelt, und im Einsatz des iPhone 4 funktionierte der Zugriff aufs Telefonbuch und die Anruflisten problemlos. Ein schönes Detail ist der Speicher für weitere Rufnummern in der Infiniti-Anlage. Mit der Sprachbedienung gelingt die Namenwahl aller Telefonbuch-Kontakte ohne vorheriges Training. Nur arbeitet der Erkenner etwas gemächlich und stets in kleinen Schritten. Zudem kommen viel zu häufig Hinweise auf seine Bedienung. Das alles gilt auch für die Spracheingaben in der Navi-Abteilung. Ort, Straße und Hausnummer sind getrennt vorzusprechen, dazwischen kommen wohlmeinende Tipps. Aber je häufiger man die Sprachbedienung nutzt, umso mehr stören diese Hinweise. Davon einmal abgesehen ist die Leistung des elektronischen Kopiloten überzeugend. Die Darstellung der Landkarte lässt sich vielfältig konfigurieren, es gibt einen Kreuzungs-Zoom und Fahrspurassistenten auf der Autobahn. Ferner zeigt der Bildschirm häufig (aber nicht durchgängig) Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit, die Daten kommen vom Navi-Kartenmaterial.

Mit 3D-Anzeige und ungewöhnlichem Tastenfeld: Navi im Infiniti

Für die Stau-Umfahrung ist der G37 mit den hochwertigen TMC-Pro-Verkehrsmeldungen ausgerüstet. Sie lassen sich differenziert für die Route und im Nahbereich anzeigen, in der Kartendarstellung und in Listenform. Zudem gibt es sogar Stauprognosen und akustische Hinweise auf Verkehrsstörungen, die dann allerdings von einer synthetischen Stimme als „Warteschlange“ angesagt werden. Auch bei den Navi-Kommandos wäre ein gewisses Feintuning hilfreich. Denn die Ansagen beginnen stets mit „in ungefähr“. Der Vielfahrer freut sich über den eingebauten Michelin-Reiseführer, der empfehlenswerte Restaurants, Hotels und wichtige Sehenswürdigkeiten in einer Stadt oder der Umgebung findet und mit einer kurzen Beschreibung darstellt. Alles in allem ein klares Fazit: Diese Anlage kann man empfehlen, eine gelungene Kombination aus ordentlicher Hardware und eingängiger Software.

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