Test: Comand Online von Mercedes-Benz

Mercedes-Benz fährt mit einem neuen Comand-System vor. Online heißt nun die Maxime: Das Internet kommt ins Fahrzeug. Nicht nur zum Web-Surfen, sondern auch für Google-Suchen.

Dass das Internet ins Auto einzieht, gilt mittlerweile als selbstverständlich. Wer das Bild eines bei hohem Tempo im Netz surfenden Fahrers vor Augen hat, liegt allerdings falsch. Die meisten Internetdienste laufen unbemerkt im Hintergrund. Viele Besitzer einer Oberklasse-Limousine werden gar nicht wissen, dass ihr Fahrzeug eine Mobilfunkeinheit an Bord hat, die fortwährend Verkehrsnachrichten über das Netz hereinholt und in umgekehrter Richtung die eigene Position und Geschwindigkeit zurückschickt, um mit dem Floating-Car-Data-Verfahren zu besseren Verkehrsdaten beizutragen.

Umstritten ist jedoch, wie Fahrer und Passagiere von der Netzanbindung profitieren. Audi erlaubt sogar während der Fahrt eine Google-Suche mit Hilfe eines kleinen, berührungsempfindlichen Touchpad, auf dem man mit dem Finger malt. Das Ganze funktioniert außerordentlich gut und ist im praktischen Einsatz ein Gewinn. BMW hingegen blendet ein gewohntes Browser-Fenster auf dem Monitor ein, auf dass man im stehenden Fahrzeug wie am PC „surfen“ kann. Beide Hersteller bieten ferner den Zugriff auf jene Netz-Informationen, die man unterwegs benötigt: Wetter, Reiseinfos und Nachrichten in komprimierter Form und wie in einem RSS-Reader dargestellt.

Hauptmenü: Comand Online in der neuen C-Klasse (Fotos Spehr)

Mercedes-Benz war bislang der Nachzügler, aber nun ist das neue Comand Online auf dem Markt, und zwar zunächst und exklusiv in der ebenfalls neuen C-Klasse. Die erste spannende Frage: Wie kommt das Internet ins Fahrzeug? Hersteller wie BMW setzen auf eigene Mobilfunkeinheiten mitsamt fest installierter Sim-Karte. Audis Hotspot-System mit Wireless-Lan erlaubt die Verwendung der persönlichen Sim-Karte oder die Bluetooth-Anbindung eines Smartphone mit dem Sim-Access-Profil.

Mit einem iPhone oder Android-Smartphone guckt man in die Röhre

Die Stuttgarter gehen einen dritten Weg: Es gibt weder eine fest verbaute Sim-Karte noch einen Leseschacht für die eigene, sondern einzig und allein das Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll, dem „Dial up Network“. Das Mobiltelefon stellt also den Kontakt ins Internet her und reicht die Informationen an Comand Online weiter. Die Idee hat bestechende Vorzüge: keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet mit Comand Online sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert, unzweifelhaft ein Pluspunkt für die meisten Nutzer.

Lokale Suche, hier nach Mercedes-Händlern in der Nähe

Der Nachteil des Dun-Protokolls ist jedoch seine begrenzte Verfügbarkeit: Mit einem iPhone von Apple oder einem Android-Smartphone guckt man in die Röhre. Die Geräte lassen sich zwar wie gewohnt mit Bluetooth für Telefonie und Musikwiedergabe koppeln. Aber beim Aufruf des Internets streiken sie. Wir probierten also einen Blackberry, der das Dun-Protokoll beherrscht. Im Fahrzeug sind nach der Bluetooth-Anbindung weitere Parameter einzugeben, nämlich der WWW-Zugangspunkt und jene Angaben, die man für mobile Datenverbindungen am Smartphone einträgt. Die Informationen werden nicht automatisch aus dem Handy geladen. Zum Glück stellt Mercedes-Benz eine Suche nach Anbieter und Land zur Verfügung, so dass man den passenden Datensatz flink findet – und viel Fummelei spart.

Die neue Internetlösung fügt sich dezent in die gewohnte Comand-Umgebung ein. Wer das Mercedes-System bereits kennt, muss sich nicht umstellen. Alles sieht aus wie gewohnt, mit dem Controller fährt man durch die Menüs. Neu ist auf den ersten Blick nur das WWW-Symbol in der rechten oberen Bildschirmecke. Verschiedene Wege und Möglichkeiten stehen parat. Zuvor muss man jedoch zweimal Name, Anschrift und E-Mail-Adresse eingeben, um die Geschäftsbedingungen zu bestätigen. Zum Surfen im Internet lässt sich jede WWW-Seite ansteuern, sie wird allerdings meist in der mobilen Variante angezeigt. Man sieht also etwa bei faz.net nicht die Raffinesse des gewohnten Auftritts, sondern eine Sparversion. Die Eingabe der Adresszeile mit dem Controller ist aufwendig und umständlich. An dieser Stelle wünscht man sich entweder eine Spracheingabe oder zumindest das Touchpad von Audi. Immerhin kann man Favoriten anlegen.

WWW reduziert: Meist wird nur die Mobilversion angezeigt

Mit dem Controller lässt sich auch auf der Seite navigieren, die Rollbalken in der Horizontale und Vertikale sind allerdings schwer zu treffen. Bilder auf der Seite werden gegebenenfalls (je nach Provider) drastisch eingedampft und sind nur als grobes Pixelmuster zu identifizieren. Der WWW-Zugang arbeitet allein im stehenden Fahrzeug, der Beifahrer kann also während der Fahrt nicht surfen. Das Ganze halten wir für wenig überzeugend. Wer unterwegs dringend Informationen aus dem Web sucht, ist mit dem Smartphone einfacher und (wegen der komplizierten Adresseingabe) schneller am Ziel.

Anders sieht es bei der Google-Suche aus. Sie findet nach der Eingabe eines Suchbegriffs aktuelle Informationen oder Sonderziele, Letztere rund um die aktuelle Fahrzeugposition, entlang der Route, in der Zielumgebung oder in einem anderen Ort. Oft verwendete Suchanfragen lassen sich speichern, und die Ergebnisse in der Trefferliste kann man an die Navigations- oder Telefonabteilung weiterreichen. Diese Funktion hat durchaus Sinn, zumal sie während der Fahrt mit der Einschränkung nutzbar ist, dass alphanumerische Eingaben gesperrt sind. Weitere Extras des neuen Comand: Ziele und Routen kann man am PC organisieren und mit Google Maps ins Fahrzeug schicken, praktisch für umfangreiche Reiseplanungen. Und natürlich gibt es die obligaten Wetterinfos, die frisch aus dem Internet mit Mobilfunk ins Fahrzeug gelangen.

Darf natürlich nicht fehlen: Wetterbericht mit Comand Online

Insgesamt fährt das neue Online-System von Mercedes-Benz noch nicht mit voller Kraft. Das betrifft nicht nur die begrenzte Auswahl der unterstützten Mobiltelefone. E-Mail oder RSS-Nachrichten bleiben außen vor, und im Einsatz über zwei Wochen störte uns an erster Stelle die umständliche Eingabe von Suchkriterien oder Internetadressen mit dem Controller. Die Google-Suche an sich ist ein Gewinn, den Web-Browser halten wir für überflüssig. Dass jedoch noch Platz für manche Erweiterung bleibt, zeigt die karussellförmige Anordnung der einzelnen Online-Menüs. Wir sind gespannt auf das erste Update.