Nuance: E-Mail und SMS im Auto diktieren

Während der IAA in Frankfurt war das Projekt unter Verschluss. Aber spätestens auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr zeigt ein großer Automobilhersteller den nächsten Trend der Kommunikationstechnik im Fahrzeug: Das Diktieren während der Fahrt und die Beantwortung von E-Mails oder SMS mit Sprache. Nachrichten aller Art kann man sich derzeit in einigen Fahrzeugen bereits mit einer synthetischen Stimme vorlesen lassen. Nun kommt der nächste Schritt: Man beantwortet sie, das Gesagte wird von einer Spracherkennung automatisch transkribiert. Auf diese Weise lässt sich die eine oder E-Mail schon auf dem Weg ins Büro beantworten, die Zeit im Auto wird produktiv genutzt. Dergleichen gibt es am PC schon lange, und neuerdings wird Spracherkennung auf Android-Smartphones und dem iPhone von Apple populär. Diese kleinen Apps sind zwar nicht so leistungsfähig wie die Windows-Software, weil die Rechenleistung der Kleingeräte gering ist. Der Trick besteht deshalb in der Transkription auf externen Servern, etwa von Google oder von jenen des amerikanischen Spracherkennungs-Spezialisten Nuance.

Das neue System, das von Nuance entwickelt wird, arbeitet zunächst wie die Smartphone-App. Man diktiert einige Sätze, sie werden als Audiodatei über eine Mobilfunkverbindung auf Transkriptions-Server geschickt, und das Erkannte kommt als Text zurück. Nur ist die neue Lösung in das Bediensystem des Fahrzeugs eingebunden, man muss also kein Smartphone in die Hand nehmen, sondern arbeitet mit dem Mikrofon sowie den vorhandenen Tasten des Fahrzeug-Interface‘ und erhält – das ist der erste Unterschied zu den Smartphone-Apps – eine Korrekturmöglichkeit in Verbindung mit einer Audiowiedergabe des Erkannten. Auch ist die Länge für eigene Diktate nicht begrenzt, beim iPhone und „Dragon Dictation“ beträgt sie derzeit 60 Sekunden.

Ob und wie die Fahrzeug-Spracherkennung mit einem persönlichen Benutzerprofil ausgestattet sein wird, steht noch nicht fest. Am PC erfasst dieses Profil alle nachträglich vorgenommenen Korrekturen und „lernt“ auf diese Weise dazu. Die Smartphone-Apps kennen kein Benutzerprofil. Eigennamen und im Wörterbuch des Servers nicht hinterlegte Begriffe werden also auch nicht fehlerfrei erkannt. Für längere Texte mit komplizierten Sachverhalten sind die Apps also kaum geeignet, und die spannende Frage bleibt also zunächst unbeantwortet, ob die Fahrzeug-Spracherkennung eher ein Gimmick für die SMS-Generation oder ein sinnvolles Tool für Manager wird.

 

Twitter, Facebook und mehr im BMW mit Connected Drive

So sehen dann Facebook und Twitter bei dem aktuellen Connected Drive von BMW auf dem Navi-Monitor aus. Das iPhone wird mit dem USB-Kabel ans Fahrzeug angebunden, und die einzelnen Apps laufen auf dem iPhone. Dort konfiguriert man auch Facebook und Twitter.

Im Fahrzeug sucht man das entsprechende Online-Menü (es gibt verschiedene) und navigiert dann mit dem Controller zur gewünschten BMW App.

Die Timeline von Twitter:

Also nur wenige Einträge untereinander, aber dafür: mit Bild. Es gibt keinen Zugriff auf Twitter-Listen, vielmehr wird stets die gesamte Timeline angezeigt.

Die Einzeldarstellung eines Tweets:

Das Menü links bietet die Option, den Tweet zu favorisieren, ihn vorlesen zu lassen oder zu retweeten. Ferner kann man die Timeline des jeweiligen Twitterers aufrufen. Links werden übrigens auch mit einer synthetischen Stimme vorgelesen, und das hört sich ziemlich ulkig an.

Und bei Facebook:

Das Kontextmenü links erlaubt abermals das Vorlesen des Eintrags, außerdem kann man mit dem Controller den Gefällt-mir-Button drücken.

Eigene Statusmeldungen bei Facebook oder Twitter lassen sich ebenfalls während der Fahrt absetzen. Dafür gibt es Textbausteine und Variablen. Letztere etwa: der aktuelle Ort, der zuletzt angerufene Gesprächspartner, die Außentemperatur. All das wird am iPhone administriert. Die App muss während der Nutzung laufen, wechselt man zu einer anderen App, verschwinden die Inhalte.

 

 

 

 

 

 

IAA 2011: Das Auto im Zeichen der App

Twitter, Facebook, Wireless-Lan und Internet: Das Fahrzeug der Zukunft ist eine rollende Kommunikationszentrale. „Die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen.“

Nachdem in den vergangenen Jahren das Internet ins Auto eingezogen ist, zeigt nun die IAA in Frankfurt den nächsten Schritt: Im Fahrzeug der Zukunft tummeln sich die „Apps“, die Zusatzprogramme, wie man sie vom iPhone oder Tablet PC kennt. Diese Spezialisten mit engumrissenen Aufgabengebieten sind in Mode. Nach dem Smartphone mit seinen Apps konnte man auf der just zu Ende gegangenen Funkausstellung in Berlin das TV-Gerät mit Apps bewundern.

Und jetzt das Ganze im Auto: Der digitale Lebensstil erobert das Fahrzeug, und „die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen“, sagt Bharat Balasubramanian, der bei Daimler die „Direktion Produktinnovationen“ leitet. Solche Anwendungen mit Internetbezug sind ein Mittel der Distinktion und Individualisierung. Wie man sein Handy mit ausgewählten Apps schmückt, wird vielleicht der Mercedes-Fahrer demnächst die Trumpfkarte der „besten Twitter-App“ ziehen. Und der stolze BMW-Besitzer kontert mit der perfekten Musik-Streaming-App für seinen neuen 5er.

Mercedes-Benz: Comand Online fährt vor (Fotos Hersteller)

Das Internet ins Auto zu holen: Das ist mit den aktuellen Mobilfunktechniken wie UMTS, HSPDA und dem besonders schnellen LTE kein Hexenwerk. Die Herausforderung besteht darin, die Inhalte passend aufzubereiten. Die erste Fahrzeuggeneration mit Netzzugang setzte auf eine 1:1-Adaption: Auf dem Monitor des Navigationssystems werden die gewohnten Inhalte des Web eingespielt. Adressen gibt man mit dem Controller ein, gleichzeitig dienen fleißiges Drehen und Drücken zur Navigation auf der Seite. Diese Technik ist jedoch gescheitert, denn sie ist ganz überwiegend nur im stehenden Fahrzeug nutzbar und bringt dem Fahrer unterwegs so gut wie gar nichts.

Finger-Handschrift während der Fahrt

Im zweiten Anlauf dreht sich nun alles darum, die Inhalte besser darzustellen. Man soll auch als Fahrer sicher darauf zugreifen können. Die Ablenkung muss minimiert werden, und dazu bedarf es innovativer Verfahren, die mit Sprachsteuerung, Gesten und Berührungen arbeiten. Neue Wege der Web-Integration in das vorhandene Bediensystem beschreitet beispielsweise Audi. Auf einer Sensorfläche (“Touchpad“) kann man während der Fahrt mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen malen. Die Finger-Handschrift wird erkannt, und das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl mit dem Controller. Auf diese Weise kann der Fahrer etwa eine Google-Suche starten, ohne den Blick von der Straße nehmen müssen.

Für Fingermaler: Das Touchpad von Audi

Auch Mercedes-Benz entwickelt Sensorfelder, auf denen man mit dem Finger schreibt, Zahlen, Web-Adressen oder Navigationsziele eingibt. Vom Smartphone und Tablet PC wird die Idee der Wischbewegungen übernommen: Man soll Funktionen mit einer Geste ein- und ausschalten, und Mercedes-Entwickler Balasubramanian spricht bereits von einer „dematerialisierten Schnittstelle“, die ganz ohne Schalter und Knöpfe auskommt und allein Kameras und Gestenerkennung verwendet. Das betrifft auch die herkömmliche Fahrzeugbedienung. Lese- und Innenlicht wird man bei Mercedes-Benz künftig durch eine Wischbewegung entlang der Dachbedieneinheit aktivieren.

Bluetooth-Mobiltelefon wird im Auto zum Internetmodem

Die Apps wiederum bieten die Möglichkeit, das Fahrzeug schnell und einfach mit aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich Infotainment aufzurüsten. Es muss nicht mehr die gesamte Anlage in der Werkstatt auf den neuesten Stand gebracht werden. Vielmehr holt man sich die Zusatzprogramme von einem Server des Fahrzeugherstellers, und dazu muss man nicht einmal im Auto sitzen. Die Idee von Mercedes-Benz: Inhalte oder Apps werden zu Hause am Smartphone oder PC konfiguriert.

BMW hat diese Vorstellungen schon aufgegriffen und präsentiert in Frankfurt seine iPhone-App „BMW Connected“. Sie wird mit dem eigenen Fahrzeug gekoppelt und erlaubt auf der Menüseite „BMW Apps“ den Zugriff auf viele Online-Dienste wie Twitter, Facebook und Internetradio. Der Clou dabei: Was man auf dem iPhone eingerichtet hat, zeigt während der Fahrt das Display des iDrive-Systems. Die Software ist also ausgelagert ins Smartphone, die Anzeige übernimmt der große Monitor im Auto. Auch Mercedes-Benz bringt vom Herbst an neue Apps für sein „Comand Online“, das mit der aktuellen C-Klasse im Frühjahr an den Markt ging. Facebook, Google Streetview und Googles Bilderdienst Panoramio sind die ersten Angebote, ein Dutzend weiterer wie Twitter oder der Musikdienst Pandora folgen.

Panoramio auf dem Navi-Display: Das System von BMW

BMW wiederum erweitert sein Connected-Drive-Portfolio um „BMW Live“: Ein Bluetooth-Mobiltelefon des Fahrers wird im Auto zum Internetmodem. Nachrichten, Wetterinformationen, eine Google-Suche sowie ebenfalls Streetview und Panoramio stehen im Vordergrund eines Angebots, das mit dem neuen 1er-BMW an den Start geht.

Alles ist individualisierbar

Wie sinnvoll gerade die sozialen Netzwerke im Auto der Zukunft nutzbar sind, hängt maßgeblich von der Qualität der Apps und den Möglichkeiten der Individualisierung ab. Geht es nur darum, „wir haben jetzt auch Facebook und Twitter“ in das Marketing-Portfolio einzubringen, wird der Fahrer auch weiterhin unterwegs auf sein Smartphone gucken. Denn ein ungefilterter Nachrichtenstrom auf dem Monitor des Autos hat überhaupt keinen Sinn. Die Fahrzeug-Apps müssen also eine sorgfältige Feinjustage erlauben, so dass beispielsweise während der Fahrt nur jene Meldungen gezeigt werden, die es auch auf das Smartphone-Display schaffen.

Ford geht mit seiner schicken Studie „Evos Concept“ noch einen Schritt weiter und greift das aktuelle Thema der Cloud-Dienste im Internet auf. Der Evos verspricht eine „nahtlose Vernetzung“ zwischen dem Fahrzeug auf der einen Seite und der persönlichen Datenwolke des Besitzers auf der anderen. Alles ist individualisierbar: die Bedienelemente, die Fahr- und Komforteigenschaften und die Abstimmung des Antriebs. Selbst das zu Hause vor der Fahrt ausgewählte Musikprogramm wird beim Betreten des Fahrzeugs „mitgenommen“, aber das alles ist vorerst nur eine Studie. Deutlich näher an der Realität ist Ford Sync, ein System mit Spracherkennung von Nuance, das im kommenden Jahr in Europa erhältlich sein wird. In den Vereinigten Staaten ist Sync seit Jahren sehr erfolgreich, und auf der IAA kann man seine Vorzüge ausprobieren. Die Sprachsteuerung in der Musikabteilung soll selbst Musikgruppen wie Inxs, Mötley Crüe oder Ke$ha auf Zuruf erkennen.

Aktuelle Benzinpreise oder der Wetterbericht als App

Wem das alles zu App-gefahren erscheint, der darf sich bei den aktuellen Neuvorstellungen der IAA auch auf bodenständige Informationen freuen, die einen beim Fahren tatsächlich besser voranbringen. Alle großen Hersteller haben erkannt, dass die Gratis-Verkehrsnachrichten von TMC bei der Routenführung „um den Stau herum“ keine Hilfe mehr sind. Aktualität und Qualität der Daten lassen sehr zu wünschen übrig. Künftig kommen bei der Navigation hochwertige Verkehrsinfos zum Einsatz, sie stammen von externen Dienstleistern, die nicht nur Autobahnen und Schnellstraßen erfassen. Ferner werden die Bewegungs- und Positionsdaten von Fahrzeugen und Mobilfunkteilnehmern anonym ausgewertet, um in Echtzeit auf Stau oder stockenden Verkehr hinzuweisen. Die Aktualisierung der Informationen erfolgt im Abstand weniger Minuten, und die gesamte Technik erfordert ebenfalls eine Internetverbindung im Auto. BMW kündigt auf der IAA sein neues RTTI (Real-Time Traffic Information) an, Audi verwendet, zunächst im neuen A6, die Daten des kleinen amerikanischen Anbieters Inrix.

Nahezu jede Straße erfasst: Premium-Verkehrsinfos, hier bei BMW

Google-Daten und -Straßenaufnahmen sind in den kommenden Tagen auf etlichen Navi-Anzeigen in den Frankfurter Messehallen zu sehen. Die dreidimensionale Darstellung der Umgebung erfreut zumindest das Auge. Ob sie dem Fahrer hilft, sei dahingestellt. Deutlich mehr Nutzwert verspricht die Google-Suche, etwa nach aktuellen Adressen für den Routenführer oder die Übertragung von Navigationszielen vom heimischen PC in die Navi-Abteilung des Fahrzeugs mit Google Maps.

SMS auf dem Bildschirm: Frische Ideen von Toyota

Diese Technik, die bislang nur in Anlagen der Oberklasse verfügbar war, wird nun erschwinglich. Toyota beispielsweise bringt im neuen Yaris ein System namens „Touch & Go“ das den Kontakt zu Google-Servern ebenfalls über ein Mobiltelefon mit Bluetooth aufnimmt. Auch hier stehen künftig die Apps im Vordergrund: Mit ihnen lassen sich dann die aktuellen Benzinpreise oder der Wetterbericht abrufen. Und natürlich gibt es eine Facebook-App, um den Kontakt mit den Freunden zu halten.

Flinc & Co: Mitfahren mit Web 2.0

Mitfahrzentrale: Das hört sich staubtrocken nach den achtziger Jahren an, man denkt an die guten alten Zeiten von Karteikästen und „Anhaltern“ am Straßenrand. Letztere sind aus dem deutschen Straßenbild so gut wie verschwunden. Man will sich eben nicht Tage vor seiner Reise irgendwo anmelden oder wildfremde Leute auf seinen savannebeigefarbenen Ledersitzen im Sportcoupé lümmeln lassen. Indes hat die Idee einer angenehmen Plauderei während der Fahrt durchaus ihren Reiz, wenn Freunde oder zumindest weitläufige Bekannte mitfahren.

So sieht man immer wieder Hinweise auf Twitter oder Facebook, wer wann welche Fahrt antritt, auf dass sich ein Follower oder Facebook-Freund als spontane Reisebegleitung melden möge. Diesen Gedanken, das Mitfahren in elektronische Netzwerke einzubinden, treibt das junge Startup-Unternehmen „Flinc“ an. Drei Studenten der Fachhochschule Darmstadt entwickelten die Idee, ein erfahrener Unternehmer kam als Geschäftsführer dazu, man gründete eine Aktiengesellschaft, und in der vorigen Woche ging Flinc nach längerem Versuchsbetrieb an den Start.

Mobilitätszentrale: Flinc-Seite im Internet (Foto Spehr)

Das Funktionsprinzip von Flinc basiert unter anderem auf dem Vertrauensbonus der sozialen Netze. Wer mit Foto und seinem realen Namen angemeldet ist und sich über mehrere Ecken in den eigenen Bekannten- oder Freundeskreis einordnet, den sieht man mit anderen Augen. Auch auf dem Leder in Savannebeige (5823 Euro Aufpreis). Man baut in Flinc sein privates Mobilitätsnetz auf, erkennt Relationen und Verknüpfungen zu anderen, erfährt, dass das Gegenüber schon 27 Mal Fahrer oder Mitfahrer war und dabei durchgängig positive „Bewertungen“ erhalten hat.

Flinc will an „soziale Hubs“ andocken, etwa das Arbeitsumfeld in großen Unternehmen. Man nimmt mal den einen, mal den anderen mit und muss sich nicht an starre Abfahrtszeiten von Fahrgemeinschaften halten. Denn der zweite Pluspunkt von Flinc ist seine Flexibilität. Im Unterschied zu vielen anderen Mitfahrzentralen im Internet gibt es ein „Routen-Matching“, das auch Mitfahrer vermittelt, die auf einer Fahrstrecke zusteigen können oder nur einen Teil mitfahren. Ferner eignet sich das System für kurze Strecken und kleine Orte, die von den meisten herkömmlichen Mitfahrzentralen nicht bedient werden. Dank der Smartphone-Anbindung kann der Fahrer seine Reisedaten jederzeit eingeben – und potentielle Mitfahrer werden mit Push-Benachrichtigungen in Echtzeit informiert. Noch funktioniert das allerdings nur mit dem iPhone, eine App für die Androiden ist in Entwicklung.

Wer bei Flinc losfahren will, muss sich auf der Startseite www.flinc.org im Internet mit Name und E-Mail-Adresse anmelden. Anschließend kann man sein privates Netzwerk aufbauen wie bei Facebook: Nach Kontakten suchen, Freundschaftsanfragen stellen oder in den Kontakten der Freunde stöbern, um weitere Personen in den Kreis eventueller Fahrer und Mitfahrer aufzunehmen. Wie bei Facebook erhöht sich die Zahl der Kontakte durch die Freunde von Freunden ungemein schnell. Wir hatten in der vergangenen Woche mit nur 17 Flinc-Kontakten ein Mobilitätsnetzwerk aus insgesamt 2800 Personen. Wer vorsichtig ist, stellt Flinc so ein, dass sämtliche Vermittlungsaktivitäten im Rahmen des persönlichen Mobilitätsnetzes bleiben. Man fährt also beispielsweise nur mit Arbeitskollegen und jenen Personen, die man ausdrücklich in seinen eigenen Kreis aufgenommen hat. Deaktiviert man die Option, kommen Anfragen und Vorschläge aus dem gesamten Flinc-Netz.

Will man eine Mitfahrgelegenheit anbieten, gibt man im Browser oder auf dem Smartphone die Reisedaten ein und legt nach eigenem Gusto einen Preis für die Passagiere fest. Flinc ermittelt Vorschläge für Mitfahrer, die sowohl im Web-Browser wie auch auf dem Mobiltelefon angezeigt werden. Man sieht, wer da anklopft, kann zustimmen oder ablehnen und erfährt im Zusammenspiel mit der Navigon-Routenführung auf dem iPhone zudem, wie lang der Umweg ist, um den Passagier an Bord zu holen. Ferner werden die entsprechenden Adressen gleich in den Navigon-Kopiloten übertragen. Nach der Fahrt bewertet man sich gegenseitig und sammelt virtuelle Punkte. Vor allem die iPhone-App macht den Einsatz von Flinc leicht: Die Startposition muss man dank GPS-Ortung in der Regel nicht eingeben, und wer jeden Tag zur gleichen Zeit fährt, kann wiederkehrende Fahrten programmieren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Das alles ist wunderbar gemacht, die geradezu spielerische Leichtigkeit des Angebots überzeugt. Flinc lässt sich derzeit unentgeltlich nutzen. Eine „kleine“ Vermittlungsgebühr wollen die Betreiber erst vom kommenden Jahr an erheben. Aber die Konkurrenz ist überaus stark: Das junge Unternehmen gleicht in vielen Details der Internetseite Mitfahrgelegenheit.de. Die besteht seit zehn Jahren und zählt mehr als 1,7 Millionen registrierte Nutzer. Auch hier gibt es eine App fürs iPhone, Profile und Bewertungen. Eine große Massenbasis wiederum ist für den Erfolg einer Mitfahrzentrale entscheidend: Ohne Fahrer keine Mitfahrten. Indes richten sich Mitfahrgelegenheit.de und andere eher an diejenigen, die längere Strecken von Großstadt zu Großstadt planen.

Ein weiterer Rivale ist Open Ride, ein Open-Source-Projekt am Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme. Auch hier steht das Mobiltelefon im Vordergrund: Man gibt Start- und Endpunkt sowie die Zahl der freien Plätze an. Auf dem Open-Ride-Server gleicht eine Suchmaschine für „intelligentes“ Routen-Matching eingehende Angebote und Nachfragen ab. Teilstrecken entlang der Route werden ebenfalls berücksichtigt. Besonderen Wert legen die Fraunhofer-Forscher auf die Schnelligkeit. Man könne „ad hoc“ sogar Mitfahrgesuche vermitteln, die eingestellt werden, nachdem der Fahrer schon losgefahren ist. Zudem sind auch hier Bewertungs- und Nutzerprofile geplant. Auf der Internetseite www.open-ride.com können zudem Software-Entwickler den Quellcode in eigene Mobilitätskonzepte integrieren.

Wie Flinc wollen auch die Fraunhofer „spontane und kürzere Fahrten“ vermitteln. Diese alltäglichen Kurzstrecken unter 40 Kilometer machen rund 80 Prozent aller Fahrten aus. Insgesamt meinen wir, dass bei dieser neuen Smartphone-Mobilität vor allem der Spaßfaktor im Vordergrund steht. So könnte die alte Idee des Mitfahrens neuen Schwung bekommen.

Test: Lenovo Idea Pad K1

Die Lage erinnert an Asterix und das gallische Dorf: Der gesamte Tablet-Markt ist von Apple besetzt. Der gesamte? Nein, die unbeugsame Android-Fraktion leistet tapfer Widerstand und bietet dem Marktführer Paroli. Wer derzeit mit dem Kauf eines Flachcomputers liebäugelt, greift zur dominierenden Plattform, und hier liegt Apple mit riesigem Abstand vorn. Zwar orientieren sich die Android-Tablets geradezu sklavisch an den Vorgaben aus Cupertino, sie übernehmen die Bauform, den Zweikern-Prozessor und die Bedienung mit leichten Fingerbewegungen auf einem berührungsempfindlichen Display. Aber es fehlt an Tablet-Apps, das ist die Crux. Nur einige hundert Programme sind bisher an die höhere Bildschirmauflösung der Android-Tablets angepasst, und die Smartphone-Apps laufen lediglich hochskaliert, was unschön aussieht. Jedoch: Wer einen Tablet allein für das Surfen im Internet und die Bearbeitung der E-Mail einsetzt, kann mit einem Android-Gerät durchaus glücklich werden.

Mit Android: Lenovo Idea Pad K1 (Foto Hersteller)

Wir haben das Idea Pad K1 von Lenovo ausprobiert, das erste Android-Tablet der Chinesen, ein zweites Think-Pad-Tablet kommt im Herbst. Die Hardware des K1 folgt den typischen Standards: 25,6 Zentimeter Bildschirmdiagonale bei einer Auflösung von 1280 × 800 Pixel und ein flotter Zweikern-Prozessor Tegra 2. Wireless-Lan, GPS und Bluetooth gehören zur Serienausstattung, ein UMTS-Modul ist angekündigt. Der eingebaute Speicher von bis zu 32 Gigabyte lässt sich mit Micro-SD-Karten weiter aufstocken, ein Micro-HDMI-Anschluss und zwei Kameras (2 und 5 Megapixel) machen aus dem Lenovo eine Multimedia-Maschine.

Der erste Eindruck beim Auspacken: Das K1 sieht schick aus, erreicht aber hinsichtlich Verarbeitungsqualität und Anmutung nicht das Niveau der Konkurrenz. Mit einem Gewicht von 750 Gramm ist es noch schwerer als das Motorola Xoom, und vom wunderbar leichten iPad 2 (600 Gramm) wollen wir gar nicht reden. Ein Aluminiumrahmen umschließt das Gehäuse, aber die Rückseite besteht aus sehr billigem Plastik. Bei unserem Testmuster löste sie sich gelegentlich, der Hersteller sprach von einem „Vorserienmodell“. Das erklärt auch die nicht wenigen Abstürze der Software.

Zum Laden des Akkus dient ein sehr breiter und proprietärer Dock-Anschluss am unteren Gehäuserand, der mit zwei beiliegenden Adapterkabeln auch die USB-Anbindung an den PC sowie den Anschluss eines USB-Sticks erlaubt. Ein feines Detail. Im Unterschied zu anderen Androiden gibt es nicht nur Softkeys, sondern eine reale Taste am rechten Rand, die beim Navigieren zwischen den verschiedenen Bildschirmen hilfreich ist und nach längerem Betätigen eine Screenshot-Funktion startet. Angeblich kann man die Taste auch als Mini-Trackpad nutzen, wir haben es nicht geschafft.

Guter Bildschirm, hohes Arbeitstempo

Geht es um Betrachtungswinkel, Farbdarstellung und Sättigung, spielt der Bildschirm auf dem Niveau der Konkurrenz. Er spiegelt allerdings stark und sammelt schnell Fingerfett mit deutlich sichtbaren Spuren. Auch die Rechenleistung und die Reaktion auf Eingaben sind ordentlich. Mit einem Einstandspreis von 400 Euro (für 16 Gigabyte-Variante) erhält man also ein vollwertiges Produkt, das den teureren Kollegen nur hinsichtlich der Verarbeitungsqualität nachsteht. So gesehen lohnen sich die besonders „günstigen“ Android-Tablets für weniger als 300 Euro mit spürbaren Einschränkungen beim Arbeitstempo nicht. Der eingebaute Akku hält ungefähr acht Stunden durch, die Fotoqualität der Kameras enttäuscht.

Das K1 bringt das aktuelle Android 3.1 mit, und dazu kommt eine dezente Betriebssystem-„Verschönerung“ durch Lenovo, mit der man leben kann. Etliche mitgelieferte Gratis-Apps sollen das Paket attraktiv machen. Aber der kleine Preis dürfte ohnehin das entscheidende Kaufargument für dieses Android-Tablet sein, das in die Mittelklasse einzuordnen ist. In den kommenden Monaten sind weitere Preissenkungen bei den Androiden zu erwarten. Alle Tablet-Hersteller mit Ausnahme Apples kämpfen mit vollen Lagern bei stagnierender Nachfrage. Hewlett-Packard hat sich unlängst mit seinem Web OS vollständig aus dem Markt zurückgezogen – nur 49 Tage war das Touchpad auf dem Markt, dann wurden mehr als 200 000 Geräte verramscht. Spätestens im Weihnachtsgeschäft wird man auch in Deutschland sehr ordentliche Maschinen für weniger als 300 Euro erhalten.

Flink ins iPhone diktiert: Dragon Naturally Speaking 11.5

Spracherkennung mit dem iPhone: Bei diesem Thema denkt man zunächst an die kleine Gratis-App „Dragon Dictation„, die beim SMS-Schreiben einige Sätze automatisch transkribiert und die mühselige Fingerübung auf dem Display des Smartphone erspart. Allerdings sind die Fähigkeiten dieses Spracherkenners von Nuance begrenzt. Das System arbeitet sprecherunabhängig, ist nicht lernfähig, auf maximal 60 Sekunden je Eingabe begrenzt, sein Vokabular lässt sich nicht erweitern. Zudem setzt die Erkennung eine Internetverbindung voraus, weil sie auf Nuance-Servern in Amerika stattfindet.

Wer höhere Ansprüche hat, benötigt nach wie vor einen leistungsstarken PC und ein individuelles Sprecherprofil, das vom Nutzer gepflegt und mit jedem Korrekturvorgang verbessert wird. Wir haben trotzdem den ersten Entwurf dieses Artikels allein dem iPhone diktiert, denn seit einigen Wochen arbeitet die neue Version Dragon Naturally Speaking 11.5 auch mit dem Apple-Smartphone zusammen. Der Trick dabei: Die Erkennung läuft wie gehabt auf dem PC, das iPhone hingegen wird zu einem Funkmikrofon, das die Sprache über Wireless-Lan an die PC-Software übergibt. Beide Partner müssen also in ein und dasselbe W-Lan eingebucht sein. Auf dem iPhone benötigt man ferner eine weitere Gratis-App, Dragon Mikrofon, deren Oberfläche nur eine virtuelle Taste zum Ein- und Ausschalten des Mikrofons zeigt. Einmal sind der Name oder die IP-Adresse des zu verbindenden Computers sowie die Bezeichnung des Dragon-Benutzerprofils anzugeben. Das ist auf der iPhone-Seite schon alles.

Funkmikrofon: iPhone im Zusammenspiel mit dem Drachen (Foto Spehr)

Am PC verlangt Dragon für den Einsatz des Smartphone als Drahtlos-Mikrofon etwas mehr Aufwand bei der Einrichtung. Man kann zwar ein vorhandenes Benutzerprofil mitsamt Vokabular übernehmen, muss aber zur Justage der Audio-Parameter ein längeres Probediktat vorsprechen. Etwa vier bis fünf Minuten dauert diese Prozedur, anschließend legt man los. Das iPhone muss beim Diktat nicht ans Ohr gehalten werden, freihändig einige Zentimeter vom Mund entfernt funktioniert das Ganze einwandfrei. Und man kann natürlich beim Diktieren durch den Raum gehen oder aus dem Fenster schauen, sofern die Reichweite des W-Lan nicht überschritten wird. Schaltet sich das Display des iPhone nach einiger Zeit dunkel, kann man problemlos weiter diktieren. Auch der Wechsel zu anderen Apps wird verkraftet.

Bei jeder Spracherkennung korrelieren Audioqualität und Fehlerrate. Je besser das Signal, desto brauchbarer die Erkennung. Das im iPhone eingebaute Mikrofon ist jedoch vorzüglich, wie auch zahlreiche andere Audio-Apps, etwa für Musikaufzeichnungen in HiFi-Qualität, zeigen. Bei unseren Versuchen erzielten wir annähernd dieselbe Erkennungsrate wie mit dem hochwertigen Bluetooth-Mikrofon SpeechMike Air von Philips. Der Unterschied zu solcher Profi-Ausrüstung: Es fehlen der Schiebeschalter und die mit Dragon-Kommandos belegbaren Funktionstasten. Hier muss man also wirklich alles nur mit Sprache steuern, was allerdings auch eine schöne Übung sein kann. Der Stromverbrauch der App hält sich selbst im Dauereinsatz über einige Stunden in hinnehmbaren Grenzen. Weitere gute Nachricht: Das bei vielen Geräten kritische Zeitverhalten beim Ein- und Ausschalten des Mikrofons ist perfekt.

Mehr als nur eine Spielerei

Wir hatten die iPhone-Anbindung des neuen Dragon zunächst für eine Spielerei gehalten, fanden sie aber im Laufe der Zeit doch sehr praktisch – und natürlich ausgesprochen günstig im Vergleich mit einem ordentlichen Drahtlosmikrofon, das mehr als 400 Euro kostet. E-Mails auf dem Sofa liegend diktieren: Das hat was.

Spielerei sind indes zwei neue Funktionen der Version 11.5, die wohl nach dem Motto „Wir müssen jetzt auch Facebook und Twitter haben“ implementiert wurden. Man kann mit Sprachbefehlen nun den diktierten Text in beiden Netzen veröffentlichen, dazu ist eine einmalige Authentifizierung erforderlich. Viel wichtiger sind kleine Detailverbesserungen, etwa die Unterstützung von Open Office Writer 3.3 und einige neue Kommandos. Wer Dragon Naturally Speaking in der Version 11 schon einsetzt, bekommt das Update auf die Version 11.5 unentgeltlich über den eingebauten Aktualisierungsdienst. Die Datei ist allerdings mehr als 500 Megabyte groß. Beim Neukauf raten wir dazu, Dragon Naturally Speaking mindestens in der „Premium“-Variante zu nehmen, die (bei Amazon) rund 130 Euro kostet. Der Aufpreis gegenüber der günstigsten Version „Home“ (90 Euro) lohnt sich in jedem Fall.

Test: Navigation, Telematik und W-Lan-Hotspot im Peugeot 508

Das sieht nobel aus: großes Farbdisplay, ein Controller mit umgebenden Bedienelementen zwischen den beiden vorderen Sitzen, Lenkradtasten und ein farbiges Zweitdisplay unterhalb von Tachometer und Drehzahlmesser. Der neue Peugeot 508 empfängt seine Insassen mit dem Ambiente der oberen Mittelklasse, und ein zusätzlicher Hauch von Luxus zeigt sich mit dem Betätigen der Zündung: Ein kleines Head-up-Display reckt sich über dem Instrumentenblock in die Höhe.

Großer Luxus, feiner Bildschirm im Peugeot 508 (Fotos Spehr)

Es ist nicht die in der Oberklasse gewohnte Anzeigetechnik, denn das virtuelle Bild schwebt über der Motorhaube statt über der Fahrbahn. Und es erscheint nicht in der Windschutzscheibe, sondern auf einer transparenten 10-Zentimeter-Polycarbonatscheibe davor. Aber immerhin ist die Darstellung farbig und gibt nicht nur die Geschwindigkeit wieder, sondern auch die Einstellungen des Tempomat sowie die Navigationshinweise in Pfeildarstellung. Auf den ersten Blick also ein prächtiger Auftritt.

Beschäftigt man sich näher mit dem Navigations- und Telematikpaket, das für 850 bis 1480 Euro in der Aufpreisliste steht, entdeckt man weitere Vorzüge: Neben der Europanavigation (mit Kartenmaterial im Flash-Speicher) gibt es die HiFi-Anlage, die fast alle Wünsche erfüllt, wenn es um MP3-Musik und externe Zuspieler geht. Sie lassen sich mit USB oder Cinch-Buchsen andocken oder man nimmt das Bluetooth-Musikprotokoll A2DP fürs Smartphone. Eine Freisprech-Funktion ist ebenfalls dabei, die Peugeot-Dienste für Telematik und Notruf sind ein sinnvolles Extra. Mit einer eigenen Sim-Karte übrigens.

Bedienung auf unterschiedlichen Arbeitsflächen verwirrend

So gesehen kann man zufrieden sein, aber die Tücke zeigt sich im Detail. Dass der 18-Zentimeter-Bildschirm mit opulenten 800×480 Pixel auflöst, merkt man während der Routenführung nicht. Die Darstellung wirkt hinsichtlich der Detailtiefe sehr bescheiden, als Informationsquelle für Verkehrsmeldungen wird lediglich der Gratis-Dienst TMC genutzt, und die Zieleingabe mit dem Controller ist langwierig. Eine Sprachbedienung fehlt, und das Gebotene bei der Navigation ist bestenfalls mittelmäßig. Zugegeben: Im Unterschied zu älteren Peugeot-Anlagen gibt es jetzt Fahrspurassistenten und Hinweise auf das geltende Tempolimit, die dem Kartenmaterial entnommen sind. Der Löwe ist also ein paar kleine Schritte vorangegangen, aber im Fall des neuen 508 hätte man sich ein lautes Brüllen gewünscht.

UMTS-Stick für die W-Lan-Box, die sich wiederum im Handschuhfach befindet

Denn die Bedienung auf unterschiedlichen Arbeitsflächen ist bisweilen verwirrend. Das zeigt exemplarisch die Telefonabteilung, in der ebenfalls die Sprachwahl fehlt und vor allem eine Namenssuche im Adressbuch schmerzlich vermisst wird. Man muss vielmehr mit dem Controller durch das gesamte Verzeichnis rollen, und zu allem Ärger kommt hinzu, dass die Einträge falsch, nämlich nach dem Vornamen sortiert sind. Dass nach jedem Betreten des Fahrzeugs die Kontakte neu synchronisiert werden, ist ein weiterer Missstand. Auch bei der Bluetooth-Musikwiedergabe könnte man einiges verbessern. Die Anlage merkt sich leider nicht die zuletzt aktive Audioquelle, sondern schaltet zu Beginn der Fahrt stets das Radio ein. Wer auf die Drahtlostechnik setzt, muss mehrfach mit „Source“ umschalten. Kurzum: Der schöne erste Eindruck trügt, hinter den Kulissen zeigt sich brave Hausmannskost und nicht die Ausstattung und raffinierte Menüstruktur, die man erwartet hat.

Die Navi-Anlage bleibt ganz außen vor

Aber es gibt ein Extra, das uns sofort begeisterte. Peugeot ist neben Audi und BMW der dritte Fahrzeughersteller, der einen W-Lan-Hotspot anbietet. Über eine eigenständige Mobilfunkeinheit kommt das Internet ins Auto, auf dass die Passagiere mit ihrem Notebook, iPad oder Smartphone während der Fahrt surfen, Musik hören oder Videos gucken. Die Anbindung der Peripherie ist so einfach wie zu Hause am Router oder unterwegs im Internetcafé: W-Lan suchen, Kennwort eingeben und loslegen.

Konfiguration am Notebook: Router-Fenster der W-Lan-Box

Die Lösung von Peugeot besteht aus zwei Komponenten: einem UMTS-Mobilfunkstick und einer dazu passenden W-Lan-Box (für 420 Euro) im Handschuhfach. Man nimmt seine Sim-Karte, steckt diese in den Stick und den wiederum in die W-Lan-Box. Anschließend ist einmalig die Einrichtung erforderlich. Dazu verbindet man mit Hilfe eines Ethernet-Kabels ein Notebook mit der Box, gibt im Browser eine Adresse ein und konfiguriert anschließend das System im Browser-Fenster. Welches Betriebssystem man dafür einsetzt, ist egal.

Anzugeben sind der Pin-Code der Sim-Karte, der Internet-Zugangspunkt, die SSID (quasi der Name der Station) und der Verschlüsselungstyp. Für letzteren stehen „unverschlüsselt“ (offenes W-Lan), WEP und die beiden sicheren WPA-Verfahren parat. Anschließend ist der Router für die Passagiere freigegeben. Statusmeldungen soll eine Leuchtdiode geben, die man allerdings im dunklen Handschuhfach nicht sieht. Und die Navi-Anlage mitsamt Bildschirm bleibt bei der Bedienung des W-Lan-Hotspot ganz außen vor. Obwohl sich das alles einfach anhört, benötigten wir für die Konfiguration mit dem Notebook fast eine Stunde, die Lan-Box wurde anfangs nicht erkannt.

In Ballungsgebieten durchgängig ein flottes UMTS-Tempo

Läuft die Anlage, werden alle Mobilfunk-Frequenzbereiche unterstützt, und rein theoretisch ist mit UMTS und dem Datenturbo HSDPA ein Maximaltempo von 7,2 Megabit in der Sekunde erreichbar. Die W-Lan-Station sendet nach dem Standard 802.11 b/g. Wie gut das Ganze während der Fahrt funktioniert, hängt maßgeblich von der Funkversorgung ab. Die ist bei Vodafone und der Telekom am besten. In den Ballungsgebieten hat man durchgängig ein flottes UMTS-Tempo, und jenseits der großen Städte ist zumindest Edge mit bis zu 500 KBit/s verfügbar. Man beachte auch, dass sich alle Passagiere den einen Mobilfunkzugang teilen müssen. Wenn einer Videos guckt, bricht das Tempo für alle anderen deutlich ein.

Im Betrieb: iPhone findet Peugeot-Hotspot

Alles in allem ist das mobile Surfen und Arbeiten nach unseren Erfahrungen im Auto deutlich sinnvoller als in der Bahn. Was die Schiene verspricht und nur auf wenigen Strecken hält, wird auf der Straße eingehalten. Geht es überwiegend um die E-Mail, kann man selbst mit Edge-Tempo kommod arbeiten. Der Hotspot im Auto ist in diesem Sinne eine heiße Sache, und wer die Technik jenseits der Werksausstattung ausprobieren will, experimentiere mit seinem Android-Smartphone oder dem iPhone.

Herstellerseite Peugeot WiFi on Board

Fahrtbericht Peugeot 508 SW auf faz.net von
Wolfgang Peters