Flink ins iPhone diktiert: Dragon Naturally Speaking 11.5

Spracherkennung mit dem iPhone: Bei diesem Thema denkt man zunächst an die kleine Gratis-App „Dragon Dictation„, die beim SMS-Schreiben einige Sätze automatisch transkribiert und die mühselige Fingerübung auf dem Display des Smartphone erspart. Allerdings sind die Fähigkeiten dieses Spracherkenners von Nuance begrenzt. Das System arbeitet sprecherunabhängig, ist nicht lernfähig, auf maximal 60 Sekunden je Eingabe begrenzt, sein Vokabular lässt sich nicht erweitern. Zudem setzt die Erkennung eine Internetverbindung voraus, weil sie auf Nuance-Servern in Amerika stattfindet.

Wer höhere Ansprüche hat, benötigt nach wie vor einen leistungsstarken PC und ein individuelles Sprecherprofil, das vom Nutzer gepflegt und mit jedem Korrekturvorgang verbessert wird. Wir haben trotzdem den ersten Entwurf dieses Artikels allein dem iPhone diktiert, denn seit einigen Wochen arbeitet die neue Version Dragon Naturally Speaking 11.5 auch mit dem Apple-Smartphone zusammen. Der Trick dabei: Die Erkennung läuft wie gehabt auf dem PC, das iPhone hingegen wird zu einem Funkmikrofon, das die Sprache über Wireless-Lan an die PC-Software übergibt. Beide Partner müssen also in ein und dasselbe W-Lan eingebucht sein. Auf dem iPhone benötigt man ferner eine weitere Gratis-App, Dragon Mikrofon, deren Oberfläche nur eine virtuelle Taste zum Ein- und Ausschalten des Mikrofons zeigt. Einmal sind der Name oder die IP-Adresse des zu verbindenden Computers sowie die Bezeichnung des Dragon-Benutzerprofils anzugeben. Das ist auf der iPhone-Seite schon alles.

Funkmikrofon: iPhone im Zusammenspiel mit dem Drachen (Foto Spehr)

Am PC verlangt Dragon für den Einsatz des Smartphone als Drahtlos-Mikrofon etwas mehr Aufwand bei der Einrichtung. Man kann zwar ein vorhandenes Benutzerprofil mitsamt Vokabular übernehmen, muss aber zur Justage der Audio-Parameter ein längeres Probediktat vorsprechen. Etwa vier bis fünf Minuten dauert diese Prozedur, anschließend legt man los. Das iPhone muss beim Diktat nicht ans Ohr gehalten werden, freihändig einige Zentimeter vom Mund entfernt funktioniert das Ganze einwandfrei. Und man kann natürlich beim Diktieren durch den Raum gehen oder aus dem Fenster schauen, sofern die Reichweite des W-Lan nicht überschritten wird. Schaltet sich das Display des iPhone nach einiger Zeit dunkel, kann man problemlos weiter diktieren. Auch der Wechsel zu anderen Apps wird verkraftet.

Bei jeder Spracherkennung korrelieren Audioqualität und Fehlerrate. Je besser das Signal, desto brauchbarer die Erkennung. Das im iPhone eingebaute Mikrofon ist jedoch vorzüglich, wie auch zahlreiche andere Audio-Apps, etwa für Musikaufzeichnungen in HiFi-Qualität, zeigen. Bei unseren Versuchen erzielten wir annähernd dieselbe Erkennungsrate wie mit dem hochwertigen Bluetooth-Mikrofon SpeechMike Air von Philips. Der Unterschied zu solcher Profi-Ausrüstung: Es fehlen der Schiebeschalter und die mit Dragon-Kommandos belegbaren Funktionstasten. Hier muss man also wirklich alles nur mit Sprache steuern, was allerdings auch eine schöne Übung sein kann. Der Stromverbrauch der App hält sich selbst im Dauereinsatz über einige Stunden in hinnehmbaren Grenzen. Weitere gute Nachricht: Das bei vielen Geräten kritische Zeitverhalten beim Ein- und Ausschalten des Mikrofons ist perfekt.

Mehr als nur eine Spielerei

Wir hatten die iPhone-Anbindung des neuen Dragon zunächst für eine Spielerei gehalten, fanden sie aber im Laufe der Zeit doch sehr praktisch – und natürlich ausgesprochen günstig im Vergleich mit einem ordentlichen Drahtlosmikrofon, das mehr als 400 Euro kostet. E-Mails auf dem Sofa liegend diktieren: Das hat was.

Spielerei sind indes zwei neue Funktionen der Version 11.5, die wohl nach dem Motto „Wir müssen jetzt auch Facebook und Twitter haben“ implementiert wurden. Man kann mit Sprachbefehlen nun den diktierten Text in beiden Netzen veröffentlichen, dazu ist eine einmalige Authentifizierung erforderlich. Viel wichtiger sind kleine Detailverbesserungen, etwa die Unterstützung von Open Office Writer 3.3 und einige neue Kommandos. Wer Dragon Naturally Speaking in der Version 11 schon einsetzt, bekommt das Update auf die Version 11.5 unentgeltlich über den eingebauten Aktualisierungsdienst. Die Datei ist allerdings mehr als 500 Megabyte groß. Beim Neukauf raten wir dazu, Dragon Naturally Speaking mindestens in der „Premium“-Variante zu nehmen, die (bei Amazon) rund 130 Euro kostet. Der Aufpreis gegenüber der günstigsten Version „Home“ (90 Euro) lohnt sich in jedem Fall.

5 Antworten auf „Flink ins iPhone diktiert: Dragon Naturally Speaking 11.5“

  1. Vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Artikel!

    Könnten Sie mir vielleicht sagen wie man zu diesem Aktualisierungsdienst kommt, damit man von der Version 11 zu 11.5 updaten kann?

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