Nuance: E-Mail und SMS im Auto diktieren

Während der IAA in Frankfurt war das Projekt unter Verschluss. Aber spätestens auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr zeigt ein großer Automobilhersteller den nächsten Trend der Kommunikationstechnik im Fahrzeug: Das Diktieren während der Fahrt und die Beantwortung von E-Mails oder SMS mit Sprache. Nachrichten aller Art kann man sich derzeit in einigen Fahrzeugen bereits mit einer synthetischen Stimme vorlesen lassen. Nun kommt der nächste Schritt: Man beantwortet sie, das Gesagte wird von einer Spracherkennung automatisch transkribiert. Auf diese Weise lässt sich die eine oder E-Mail schon auf dem Weg ins Büro beantworten, die Zeit im Auto wird produktiv genutzt. Dergleichen gibt es am PC schon lange, und neuerdings wird Spracherkennung auf Android-Smartphones und dem iPhone von Apple populär. Diese kleinen Apps sind zwar nicht so leistungsfähig wie die Windows-Software, weil die Rechenleistung der Kleingeräte gering ist. Der Trick besteht deshalb in der Transkription auf externen Servern, etwa von Google oder von jenen des amerikanischen Spracherkennungs-Spezialisten Nuance.

Das neue System, das von Nuance entwickelt wird, arbeitet zunächst wie die Smartphone-App. Man diktiert einige Sätze, sie werden als Audiodatei über eine Mobilfunkverbindung auf Transkriptions-Server geschickt, und das Erkannte kommt als Text zurück. Nur ist die neue Lösung in das Bediensystem des Fahrzeugs eingebunden, man muss also kein Smartphone in die Hand nehmen, sondern arbeitet mit dem Mikrofon sowie den vorhandenen Tasten des Fahrzeug-Interface‘ und erhält – das ist der erste Unterschied zu den Smartphone-Apps – eine Korrekturmöglichkeit in Verbindung mit einer Audiowiedergabe des Erkannten. Auch ist die Länge für eigene Diktate nicht begrenzt, beim iPhone und „Dragon Dictation“ beträgt sie derzeit 60 Sekunden.

Ob und wie die Fahrzeug-Spracherkennung mit einem persönlichen Benutzerprofil ausgestattet sein wird, steht noch nicht fest. Am PC erfasst dieses Profil alle nachträglich vorgenommenen Korrekturen und „lernt“ auf diese Weise dazu. Die Smartphone-Apps kennen kein Benutzerprofil. Eigennamen und im Wörterbuch des Servers nicht hinterlegte Begriffe werden also auch nicht fehlerfrei erkannt. Für längere Texte mit komplizierten Sachverhalten sind die Apps also kaum geeignet, und die spannende Frage bleibt also zunächst unbeantwortet, ob die Fahrzeug-Spracherkennung eher ein Gimmick für die SMS-Generation oder ein sinnvolles Tool für Manager wird.

 

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