Test: Lenovo Idea Pad K1

Die Lage erinnert an Asterix und das gallische Dorf: Der gesamte Tablet-Markt ist von Apple besetzt. Der gesamte? Nein, die unbeugsame Android-Fraktion leistet tapfer Widerstand und bietet dem Marktführer Paroli. Wer derzeit mit dem Kauf eines Flachcomputers liebäugelt, greift zur dominierenden Plattform, und hier liegt Apple mit riesigem Abstand vorn. Zwar orientieren sich die Android-Tablets geradezu sklavisch an den Vorgaben aus Cupertino, sie übernehmen die Bauform, den Zweikern-Prozessor und die Bedienung mit leichten Fingerbewegungen auf einem berührungsempfindlichen Display. Aber es fehlt an Tablet-Apps, das ist die Crux. Nur einige hundert Programme sind bisher an die höhere Bildschirmauflösung der Android-Tablets angepasst, und die Smartphone-Apps laufen lediglich hochskaliert, was unschön aussieht. Jedoch: Wer einen Tablet allein für das Surfen im Internet und die Bearbeitung der E-Mail einsetzt, kann mit einem Android-Gerät durchaus glücklich werden.

Mit Android: Lenovo Idea Pad K1 (Foto Hersteller)

Wir haben das Idea Pad K1 von Lenovo ausprobiert, das erste Android-Tablet der Chinesen, ein zweites Think-Pad-Tablet kommt im Herbst. Die Hardware des K1 folgt den typischen Standards: 25,6 Zentimeter Bildschirmdiagonale bei einer Auflösung von 1280 × 800 Pixel und ein flotter Zweikern-Prozessor Tegra 2. Wireless-Lan, GPS und Bluetooth gehören zur Serienausstattung, ein UMTS-Modul ist angekündigt. Der eingebaute Speicher von bis zu 32 Gigabyte lässt sich mit Micro-SD-Karten weiter aufstocken, ein Micro-HDMI-Anschluss und zwei Kameras (2 und 5 Megapixel) machen aus dem Lenovo eine Multimedia-Maschine.

Der erste Eindruck beim Auspacken: Das K1 sieht schick aus, erreicht aber hinsichtlich Verarbeitungsqualität und Anmutung nicht das Niveau der Konkurrenz. Mit einem Gewicht von 750 Gramm ist es noch schwerer als das Motorola Xoom, und vom wunderbar leichten iPad 2 (600 Gramm) wollen wir gar nicht reden. Ein Aluminiumrahmen umschließt das Gehäuse, aber die Rückseite besteht aus sehr billigem Plastik. Bei unserem Testmuster löste sie sich gelegentlich, der Hersteller sprach von einem „Vorserienmodell“. Das erklärt auch die nicht wenigen Abstürze der Software.

Zum Laden des Akkus dient ein sehr breiter und proprietärer Dock-Anschluss am unteren Gehäuserand, der mit zwei beiliegenden Adapterkabeln auch die USB-Anbindung an den PC sowie den Anschluss eines USB-Sticks erlaubt. Ein feines Detail. Im Unterschied zu anderen Androiden gibt es nicht nur Softkeys, sondern eine reale Taste am rechten Rand, die beim Navigieren zwischen den verschiedenen Bildschirmen hilfreich ist und nach längerem Betätigen eine Screenshot-Funktion startet. Angeblich kann man die Taste auch als Mini-Trackpad nutzen, wir haben es nicht geschafft.

Guter Bildschirm, hohes Arbeitstempo

Geht es um Betrachtungswinkel, Farbdarstellung und Sättigung, spielt der Bildschirm auf dem Niveau der Konkurrenz. Er spiegelt allerdings stark und sammelt schnell Fingerfett mit deutlich sichtbaren Spuren. Auch die Rechenleistung und die Reaktion auf Eingaben sind ordentlich. Mit einem Einstandspreis von 400 Euro (für 16 Gigabyte-Variante) erhält man also ein vollwertiges Produkt, das den teureren Kollegen nur hinsichtlich der Verarbeitungsqualität nachsteht. So gesehen lohnen sich die besonders „günstigen“ Android-Tablets für weniger als 300 Euro mit spürbaren Einschränkungen beim Arbeitstempo nicht. Der eingebaute Akku hält ungefähr acht Stunden durch, die Fotoqualität der Kameras enttäuscht.

Das K1 bringt das aktuelle Android 3.1 mit, und dazu kommt eine dezente Betriebssystem-„Verschönerung“ durch Lenovo, mit der man leben kann. Etliche mitgelieferte Gratis-Apps sollen das Paket attraktiv machen. Aber der kleine Preis dürfte ohnehin das entscheidende Kaufargument für dieses Android-Tablet sein, das in die Mittelklasse einzuordnen ist. In den kommenden Monaten sind weitere Preissenkungen bei den Androiden zu erwarten. Alle Tablet-Hersteller mit Ausnahme Apples kämpfen mit vollen Lagern bei stagnierender Nachfrage. Hewlett-Packard hat sich unlängst mit seinem Web OS vollständig aus dem Markt zurückgezogen – nur 49 Tage war das Touchpad auf dem Markt, dann wurden mehr als 200 000 Geräte verramscht. Spätestens im Weihnachtsgeschäft wird man auch in Deutschland sehr ordentliche Maschinen für weniger als 300 Euro erhalten.

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