Car-to-X-Kommunikation: Das Auto spricht mit seinen Artgenossen

Das Auto der Gegenwart kann dank seiner Sensorik und Assistenzsysteme fühlen. Es kann mit seinem Radar sehen. Von 2015 an wird das Auto auch mit den Fahrzeugen der Umgebung sprechen und ihnen zuhören. Das ist die Technik der Car-to-Car-Kommunikation, die unter dem Namen Car-to-X serienreif werden soll. Es handelt sich um ein aktives Sicherheitssystem, das die bewährten passiven (wie Airbag oder Gurtstraffer) ergänzt. Die neuen Systeme helfen dem Fahrer beim Einschätzen der Verkehrssituation und verschaffen ihm eine zusätzliche Zeitreserve, damit er rechtzeitig reagieren kann.

Ein Szenario: Das Auto erfährt schon 300 Meter vor der Kurve, dass es dort spiegelglatt ist. Der Fahrer wird gewarnt und verringert frühzeitig das Tempo. Die Idee besticht durch ihre Einfachheit. Der erste Trick: Jedes neue Fahrzeug weiß ohnehin über seine elektronischen Sensoren viel mehr über die Umgebung und die Straße, als der Fahrer ahnt. ABS, ASR, ESP heißen die bekanntesten Helfer, aber auch das Außenthermometer sowie die Sensoren für Warnblinker, Licht, Regen und Lenkwinkel sind unermüdliche Datensammler. Ihre Informationen liegen am Can-Bus des Fahrzeugs an. Und nun der zweite Trick: Das Auto soll künftig diese Daten mit seiner Umgebung austauschen. Also entsteht ein selbstorganisiertes, autonomes Netzwerk, das gleich einer Internet-Tauschbörse arbeitet, wo die Nutzer untereinander direkt und ohne Umwege Daten verschicken. Dazu wird das Fahrzeug mit einer Wireless-Lan-Einheit ausgerüstet, ähnlich der im Notebook. Das Auto ist zugleich Sender und Empfänger. Wichtige Gefahrenmeldungen werden wie ein Staffelstab von einem Fahrzeug zum nächsten weitergereicht.

Zwei Anzeigen: Die obere für Car-to-X ist ein Provisorium für den Testbetrieb (Foto Hersteller)

Jede Sendeeinheit erhält einen einzigartigen Schlüssel

Die Idee der Car-to-X-Kommunikation wird von einem Konsortium getragen, in dem deutsche Fahrzeughersteller, Zulieferer wie Bosch und Continental sowie wissenschaftliche Forschungseinrichtungen versammelt sind. Im Frühjahr 2012 wird im Rhein-Main-Gebiet mit einer Flotte von 120 Fahrzeugen ein breit angelegter Feldversuch aufgenommen. Das von mehreren Bundesministerien geförderte Projekt heißt „Sim TD“ – „Sichere intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland“. Sim TD soll mehrere Dinge zeigen: dass die Idee technisch zu verwirklichen, seriennah und marktreif ist und welche Strategie der Einführung sinnvoll ist. Der neue Zusatz „X“ steht für Notrufzentralen und Einrichtungen zur Verkehrssteuerung. Die ursprüngliche Idee der autonomen Selbstorganisation wird also ergänzt um die Mobilfunktechnik, die Verkehrsinformationen von einer Leitzentrale ins Auto übertragen soll.

Wir haben Car-to-X während einiger Fahrten auf dem Testgelände im hessischen Friedberg bereits ausprobieren können. Im Cockpit der 120 Versuchsfahrzeuge findet sich ein neuer Monitor, auf dem alle relevanten Warnungen und Hinweise angezeigt werden. Das ist allerdings nur ein Provisorium. Im Serienbetrieb wird jeder Fahrzeughersteller Car-to-X in die Bedienlandschaft seiner Elektronik integrieren. Einzelne Funktionen sind dann im Audi über das MMI-System oder bei Mercedes-Benz über Comand aufrufbar. Im Feldversuch hingegen nutzen alle dieselbe Infrastruktur, so ist Chancengleichheit hergestellt. Das W-Lan-Modul der Fahrzeuge arbeitet nicht auf den gewohnten PC-Frequenzen, sondern hat seine eigene bei 5,9 Gigahertz. Es reicht bis zu zwei Kilometer weit. Wie am Computer verbinden sich die W-Lans im Ad-hoc-Modus, allerdings ist der komplizierte beiderseitige „Handshake“ drastisch vereinfacht. Es gibt feste Kanäle, und eine der großen Herausforderungen besteht darin, das System gegen Hacker zu sichern. Störsender könnten den Frequenzbereich blockieren, auch sind gefälschte Nachrichten denkbar. Jede Sendeeinheit erhält einen einzigartigen Schlüssel, der aber keine Verbindung zur Fahrgestellnummer hat.

„Virtuelles Blaulicht“

Auf dem Testgelände stellte sich das so dar: Wir fahren auf eine unübersichtliche Kurve zu. Zwei Smart sind dort in einen Unfall verwickelt, und über das vorausfahrende Fahrzeug werden wir rechtzeitig akustisch und mit Meldungen auf dem Display gewarnt. Auch das herbeieilende Rettungsfahrzeug wird mitsamt seiner Fahrtrichtung angekündigt. „Virtuelles Blaulicht“ heißt die Funktion. Beim dritten Experiment kommt die Warnmeldung allerdings zu spät: Als der BMW vor uns eine Vollbremsung absolviert, sind wir schon ausgewichen, bevor der Hinweis kommt. Kleine Minisender am Straßenrand sollen die W-Lan-Struktur ergänzen. Diese „Roadside Units“ bilden verstärkende Knotenpunkte im Netz und kommen an jenen Orten zum Einsatz, die für Stau oder gefährliche Situationen bekannt sind. So will man dafür sorgen, dass die Technik selbst dann funktioniert, wenn noch nicht alle Fahrzeuge mit W-Lan ausgestattet sind. Weitere Komponenten in der Stadt sind Ampelanlagen mit Funkmodul. Auf dem Testgelände übertragen sie bei der Annäherung die weitere Dauer der Rotphase und gegebenenfalls die optimale Geschwindigkeit. Dass mit der „Lichtsignalanlagen-Netzsteuerung“, wie es im Bürokraten-Deutsch heißt, eine Bevorzugung von Bussen einhergeht, wird nicht jeder goutieren.

Andere Details könnten ebenfalls zur Diskussion stehen. Der Kreuzungsassistent weist vorab auf ein Stoppschild hin, dergleichen erscheint überflüssig. Wer Stoppschilder nicht selbst wahrnehmen kann, hat am Lenkrad nichts verloren. Auch die Einfädelhinweise an Baustellen mögen gut gemeint sein, sind aber für wachsame Verkehrsteilnehmer nicht notwendig. Und wenn die Hinderniswarnung auf einen „verlorenen Spanngurt“ hinweisen sollte, wird gewiss mancher die Car-to-X-Meldungen als lästige Störung empfinden. Aber: Um solche und andere Erfahrungen zu sammeln, gibt es ja den Versuchsbetrieb. Die Ergebnisse sollen Ende 2013 vorliegen.

Test: Huawei Ideos X3 und Base Lutea 2

Wie preiswert darf ein Smartphone sein, mit dem man unterwegs ins Netz kommt und auf E-Mail und die sozialen Netzwerke zugreift? Wer sein digitales Zuhause in der Apple-Welt sucht, gibt für das iPhone 4 mindestens 630 Euro aus, und selbst das alte 3GS kostet in der kleinsten Ausführung 520 Euro. Deutlich günstiger fährt man mit dem ebenso leistungsfähigen Android-Betriebssystem. Zwar liegen die beiden Top-Modelle Samsung Galaxy S2 und HTC Sensation bei rund 500 Euro. Aber ein reichhaltiges Angebot in der Mittelklasse weiß schon zu Preisen von 200 Euro an zu überzeugen.

Wir haben zwei Produkte ausprobiert, die ungemein günstig sind: das Base Lutea 2 und das Huawei Ideos X3. Letzteres ist für 100 Euro bei Netzbetreibern und Providern im Angebot, das Lutea 2 hingegen stammt vom chinesischen Hersteller ZTE und ist nur bei der E-Plus-Tochter Base erhältlich, und zwar als Mietgerät für 17 Euro im Monat mit zweijähriger Vertragslaufzeit. Zum Paket gehört ein Datenvertrag mit einem monatlichen Inklusivvolumen von 500 Megabyte, nach dessen Überschreitung ein sinnvolles Surfen nicht mehr möglich ist. Ferner sind 30 Gesprächsminuten frei, jede weitere kostet 19 Cent. Berücksichtigt man den Datenvertrag, kostet das Lutea 2 rechnerisch sieben Euro im Monat, in zwei Jahren also 168 Euro.

Wo wird bei einem günstigen Smartphone gespart? An erster Stelle natürlich bei der Verarbeitungsqualität, Materialanmutung und Robustheit. Billiges Plastik kommt zum Einsatz, die Rückseite ist bei beiden Modellen hauchdünn, das Display wird nicht von Glas, sondern von Kunststoff geschützt. Da geht man schon manchen Kompromiss ein. Aber das Huawei ist gar nicht mal so schlecht verarbeitet. Zu diesem Eindruck trägt die matte, aufgerauhte Rückseite bei. Das Lutea 2 mit seiner Hochglanzausführung wirkt nur unbenutzt schick. Im Dauereinsatz sammelt sich schnell Fingerfett auf der Oberfläche, dann ist der schöne Eindruck dahin.

Gespart wird zweitens am Display. Das kleine Huawei zeigt auf einer Diagonale von acht Zentimeter lediglich 320 × 480 Pixel mit 260 000 Farben. Zum Vergleich: Ein iPhone 4 bringt es auf 960 × 640 Pixel, ein HTC Sensation schafft 960 × 540. Neben dem Huawei wirkt das Base wie ein Riese. Der kleine Chinese misst nur 11 × 5,7 × 1,1 Zentimeter und wiegt 104 Gramm; der große hingegen überragt mit 12,6 × 6,8 × 1,1 Zentimeter sogar das iPhone. Der Farbmonitor des Lutea 2 ist mit einer Diagonale von elf Zentimeter üppig ausgefallen, und die Auflösung liegt bei Android-typischen 800 × 480 Pixel. Beim Surfen im Internet sieht man deutlich mehr und muss weniger mit dem Finger navigieren. Allerdings ist die Displayqualität des Base eher bescheiden, es werden nur 65 000 Farben dargestellt.

Bei beiden Kandidaten erfolgt die Reaktion auf Fingereingaben nicht immer hinreichend präzise. Mit einem HTC Sensation oder Galaxy S2 navigiert man flüssiger durch Menüs oder über Web-Sites. Dieser Unterschied mag auch der geringeren Rechenleistung der Billigmodelle geschuldet sein. Das Lutea 2 setzt immerhin auf einen Einkernprozessor mit 800 Megahertz, beim Ideos X3 taktet die CPU von Qualcomm mit 600 Megahertz. Hier sind gewisse Einschränkungen unübersehbar. Das Huawei kann Videofilme lediglich im „halben“ HD-Format wiedergeben und scheitert an Adobes Flash, das sich auch via Android Market nicht als App nachinstallieren lässt. Das Base wiederum könnte beim Bewegen durch die Menüs schneller sein.

Im Größenvergleich: Huawei Ideos X3 und Base Lutea 2 (Foto Spehr)

Auch bei den Kameras ist Schmalhans der Küchenmeister. Das Ideos X3 bietet 3,2 Megapixel rückseitig und vorn eine zweite Linse mit VGA-Auflösung. Die Qualität der Schnappschüsse ist alles andere als hochwertig. Das Lutea 2 kommt zwar mit LED-Blitz und fünf Megapixel, vermag aber als Fotoapparat ebenfalls nicht zu überzeugen.

Huawei spendiert seinem kleinen Begleiter für die Hosentasche ein Android 2.3.3, das sich mit einem freien internen Speicher von 130 Megabyte bescheiden muss. So wenig Platz steht auch beim Base zur Verfügung, allerdings ist hier schon das brandneue Android 2.3.5 aufgespielt. Dankenswerterweise bleibt die Android-Oberfläche ganz nah am Original, es gibt also keinen zusätzlichen Betriebssystem-Aufsatz, der kostbare Ressourcen in Anspruch nehmen würde. Das Huawei hingegen hat ein dezentes „Branding“, das man wohl hinnehmen kann. Der Akku beider Geräte hält ungefähr einen Tag durch, hier unterscheiden sich die Sparvarianten nicht von derzeitigen Oberklasse-Modellen.

Unser Fazit nach einigen Tagen des Ausprobierens: Das Ideos X3 gefällt mit seiner sehr kompakten Bauform. Wer in erster Linie ans Lesen der E-Mail denkt und sich daran gewöhnen kann, mit dem Finger auf einer sehr kleinen Fläche zu navigieren, ist hier gut beraten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Das Base Lutea 2 im XXL-Format macht auch beim Web-Surfen eine gute Figur – und lässt schnell den Wunsch nach einem „richtigen“ Mittel- oder Oberklasse-Androiden aufkommen.

 

 

Hat das iPhone 4S ein Akkuproblem?

Hat das neue iPhone 4S ein Akkuproblem? Diese Frage wird derzeit im Internet heiß diskutiert. Denn es geht um einen der großen Pluspunkte von Apples Smartphone gegenüber der Konkurrenz aus dem Android-Lager. Der typische Androide muss jeden Abend an die Ladestation, bisweilen auch schon früher, am Nachmittag. Akkulaufzeiten von deutlich unter 15 Stunden kannte man beim iPhone bislang nicht. Mit moderater Nutzung kam mancher auf zwei Arbeitstage, einen schaffte das Gerät in jedem Fall. Auch mit vielen Telefonaten und ausgiebiger Spielerei.

Die Beurteilung der Akkulaufzeit ist indes alles andere als einfach. Die Laufzeit hängt von unendlich vielen Faktoren ab. Vom Netz, von der Funkversorgung, von einem gegebenenfalls vorhandenen W-Lan im Büro, von den installierten Apps und Hintergrunddiensten. Der Bildschirm ist einer der größten Stromverbraucher. Jedes Hantieren kostet Bereitschaftszeit. Wer das iPhone 4S neu in Betrieb nimmt und sich intensiv damit beschäftigt, wird also zwangsläufig unter der Bereitschaftszeit im „Normalbetrieb“ bleiben.

In den Diskussionsforen und auf den Apple-Supportseiten im Internet ist die Meinung der 4S-Besitzer nicht einheitlich. Bei gleicher Nutzung entspreche die Laufzeit in etwa der des Vorgängers heißt es. Andere kontern: 70 Prozent „Energieverlust“ vom Aufstehen morgens bis zum Mittagessen. Eine Ursache könnte die Tatsache sein, dass sich beim iPhone 4S der UMTS-Betrieb nicht mehr abschalten lässt. Ein ärgerliches Detail. Wer nur auf dem Land ohne UMTS-Netzversorgung unterwegs ist, konnte bislang durch das Deaktivieren dieses Dienstes ein bisschen mehr Bereitschaftszeit herausholen. Aber angesichts der unterschiedlichen Nutzererfahrungen spricht viel dafür, dass auch ein Software-Problem vorliegt. Es gibt etliche Empfehlungen, wie man die Laufzeit angeblich verlängern kann: Die Netzwerkeinstellungen zurücksetzen, die Ortungsdienste und die automatische Zeitzonen-Einstellung abschalten sowie die E-Mail-Konten neu einrichten. Das alles kann aber nicht des Rätsels Lösung sein. Warten wir also auf das nächste Update des Betriebssystems.

P.S.: Nach dem Erscheinen dieses Artikels in der Sonntagszeitung habe ich die geschilderten Empfehlungen aus dem Internet der Reihe nach angewendet. Ich bilde mir ein, dass es etwas gebracht hat. Die typische Laufzeit meines Geräts liegt derzeit bei rund 23 Stunden.

Hinweise auf andere Berichte:

Business Insider: What’s really killing your iPhone 4S Battery?

Eric Schonfelds Polemik auf TechCrunch

Spurensuche mit einer App: Fehlerhafter Kontakteintrag führt zu hohem Stromverbrauch

Test: iPhone 4S

Objekt der Begierde: Das neue iPhone 4S (Foto Apple)

Das neue iPhone 4S kommt Freitag in den Handel, ist aber schwer erhältlich. Nur wenige Stunden konnte man es in der vergangenen Woche vorbestellen – und schon meldeten einige Provider und Netzbetreiber leere Lager. Ein Marketing-Trick? Denn die Reaktionen der internationalen Medien nach der Produktvorstellung waren eher verhalten. Das Kultobjekt aus Cupertino ist nämlich nicht das erwartete iPhone 5, sondern ein neues Modell in alter Schale. Auf den ersten Blick ist das iPhone 4S nicht vom Vorgänger 4 zu unterscheiden. Aber innen ist alles neu, und das betrifft sowohl die Hardware wie auch die Software. Mit dem iPhone 4S kommt das Betriebssystem iOS 5, es steht auch für ältere Geräte zur Verfügung – und ist ein Meilenstein. Auch die verbesserte Hardware mit schnellerem Prozessor, neuer Kamera und neuer Mobilfunkeinheit darf als Schritt nach vorn gelten. So gesehen fehlt eben nur das i-Tüpfelchen eines jungen Designs, um aus der Evolution eine Revolution zu machen.

Um gleich mit der spektakulärsten Neuerung einzusteigen: Die Sprachbedienung und Spracherkennung, die Apple Siri nennt. Sie ist einzigartig, ein Alleinstellungsmerkmal: „Brauche ich am Montag in Paris einen Regenschirm“ spricht man in das iPhone hinein, und es wird in Sekunden der Wetterbericht für die französische Hauptstadt abgerufen, angezeigt und dahingehend ausgewertet, dass die Antwort kommt „Nein, kein Regen in der Vorhersage angekündigt“. Der Experte erkennt sofort: Hier liegt nicht nur eine Spracherkennung mit der Umwandlung von Sprache in Text vor, sondern Siri interpretiert auch den Inhalt, die Semantik. Der Regenschirm muss etwas mit dem Wetter zu tun haben. Eine Regenjacke geht auch, erst die Frage, „kann ich morgen offen mit dem Cabrio fahren“ bringt Siri an Grenzen. Nicht, dass es an der Transkription scheitert. Es „versteht“ den Inhalt nicht. Siri kann man in so gut wie allen Abteilungen einsetzen. Es lassen sich Termine planen, Erinnerungen und Notizen eintragen, im Web oder auf der Wikipedia suchen, und wenn man das Gebotene zusammenfasst, ist das iPhone 4S das erste Smartphone, mit dem man sich in natürlicher Sprache unterhalten kann.

Siri ist nur in Grenzen lernfähig

Mit „Text to Speech“ liest Siri eingegangene SMS vor, E-Mails leider nicht. In der umgekehrten Richtung lässt sich die Spracherkennung überall dort nutzen, wo die virtuelle Bildschirmtastatur eingeblendet wird. Sie hat nun ein kleines Mikrofonsymbol, und nach dem Diktat wird auf Apple-Servern transkribiert. Ohne Mobilfunkverbindung oder Wireless-Lan geht es also nicht. Die Erkennung ist deutlich leistungsfähiger als das Pendant von Nuance mit der Dragon-Dictation-App, obwohl die Software vermutlich von Nuance stammt. Bei alltagssprachlichen Diktaten arbeitet Siri in der Regel ohne einen einzigen Erkennungsfehler, auch Befehle für die Interpunktion werden zuverlässig umgesetzt. Lernfähig ist Siri nur in Grenzen, eigene Fachbegriffe lassen sich ihr nicht beibringen. Aber es werden die Kontaktdaten übernommen, um beispielsweise Kommandos wie „Termin mit Hans Müller nächste Woche Dienstag 10 Uhr einrichten“ zum Anlegen des Kalendereintrags und zum Versenden einer E-Mail-Besprechungsanfrage an Hans Müller ausführen zu können. Siri bleibt dem iPhone 4S vorbehalten, es ist großartig.

Spracherkennung: Siri in Aktion (Fotos Spehr)

Wo liegen die Grenzen? Zum einen befindet es sich noch in einer Beta-Phase. Manches wird bisweilen korrekt transkribiert, aber es gibt Fehlermeldungen bei der Umsetzung. Navi- und Karten-Kommandos werden momentan nur für das Gebiet der Vereinigten Staaten unterstützt, und ein Zugriff auf die Wissensdatenbank von Wolfram Alpha mit vielen weitergehenden Informationen funktioniert nur auf Englisch, dann aber mit verblüffenden Resultaten. Auf die Frage, wie viele Tage noch bis Weihnachten bleiben, liefert Wolfram Alpha als Antwort die richtige Zahl. Kleine Unstimmigkeiten sind ebenfalls zu beobachten, so versteht etwa die Musik-Steuerung zwar „Spiele ’Ein Deutsches Requiem’“, aber nicht: „Spiele Musik von Johannes Brahms“.

In der Öffentlichkeit autistisch mit dem Smartphone sprechen?

Die interessante Frage ist, ob und wie sich der Umgang mit Smartphones dank Sprachassistent ändert. Man gewöhnt sich schnell daran, nicht mehr den PC hochzufahren, sondern eine kurze E-Mail zu diktieren. Wir haben in den vergangenen Tagen viel am iPhone diktiert, weil uns schon der Start von Outlook zu lästig war. Im Auto fahrend kann man – ohne einen Blick auf das Smartphone werfen zu müssen – in Sprachdialogen seinen Terminkalender abrufen, ergänzen oder Aufgabenlisten erfassen. Und abends sitzt man auf dem Sofa und sagt einfach dem Smartphone, dass es einen morgen im Büro an die Reisekostenabrechnung erinnern möge. Das tut es auch, weil es über die Ortungsdienste und den eigenen Kontaktdatensatz die Adresse kennt. Die Verdichtung der Informationen und Dienste sowie der einfache Umgang machen Siri ungemein attraktiv. Nur: wird man auch in der Öffentlichkeit autistisch mit seinem Smartphone sprechen? Siri ist jedenfalls eine disruptive Innovation, welche die Tür zu einer Welt jenseits des PCs ein Stück weit öffnen könnte.

Das iPhone 4S bringt den flinken Doppelkernprozessor A5 des iPad 2 mit. Dass es schneller als sein Vorgänger ist, merkt man nicht unmittelbar, sondern lediglich an manchen Details, etwa an dem atemraubenden Tempo, in dem die Foto-App Hipstamatic neue Bilder „entwickelt“ oder bei Spielen. Schließt man das iPhone 4S ans TV-Gerät an, wird mancher gern auf seine Spielekonsole verzichten. Auch beim Einsatz der Kamera, deren Auflösung von 5 auf 8 Megapixel erhöht wurde, ist der Tempogewinn sofort spürbar. Sie steht für Schnappschüsse schneller parat, und das liegt nicht nur an der ebenfalls neuen Möglichkeit, die Fotoabteilung direkt am Sperrbildschirm aufzurufen.

Gegen schlechte Funkversorgung ist kein Kraut gewachsen

Die Qualität der Bilder ist bei Außenaufnahmen überragend und den meisten Kompaktkameras ebenbürtig. Das Autofokus-Messfeld lässt sich nun mit einem Fingertipp festlegen, die Optik hat eine zusätzliche fünfte Linse erhalten und der 1/3-Zoll-Sensor sei deutlich lichtempfindlicher geworden, sagt Apple. Es gibt nun eine Gesichtserkennung, aber wie gehabt lassen sich ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit und Blende nicht manuell einstellen. Bei Innenaufnahmen hängt alles am vorhandenen Licht. Unter guten Bedingungen ist die Bildqualität ebenfalls sehr überzeugend. Passen muss das iPhone 4S, wenn die Kompaktkamera eine schummrige Umgebung mit starkem Blitz aufhellt. Schaltet man um auf Video, ist das iPhone 4S gerüstet für HD-Aufnahmen mit 1080p. Auch hier waren wir von der Qualität überaus angetan, zumal dank A5-Chip ein Bildstabilisator sowie eine Rauschunterdrückung mit dabei sind. Fotos und Videos lassen sich in Grenzen am Gerät selbst bearbeiten.

Die zweite große Innovation soll die überarbeitete Mobilfunkeinheit sein. Das ältere iPhone 4 ist angeblich empfangsschwach, weil die Balkenanzeige der Feldstärke mit dem Umklammern des Geräts einbricht. Jetzt sind zwei Antennen an Bord, das iPhone 4S wechselt automatisch auf die jeweils beste. Was bringt das? Bei unseren Standard-Tests, nämlich Dauertelefonaten in Gegenden mit schwacher Funkversorgung, blieb die Revolution aus. Die Sende- und Empfangseigenschaften sind nur geringfügig besser als beim Vorgänger. Gegen schlechte Funkversorgung ist kein Kraut gewachsen. Oder anders ausgedrückt: Ob ein Gespräch an einem unzureichend versorgten Ort geführt werden kann oder nicht, hängt mehr vom Wetter als vom jeweiligen Handy ab. Und zweitens: Vieltelefonierer im Auto werden auch beim neuen iPhone das Bluetooth-Profil Sim Access für allerbeste Telefonie mit hochwertigen Freisprechanlagen vermissen.

iOS 5 beseitigt auf einen Schlag das Wirrwarr

Ferner ist das iPhone 4S ein Welttelefon. Wer es für das amerikanische CDMA-Netz kauft, kann es auch in Europa mit GSM einsetzen. Umgekehrt haben wir Europäer nicht viel davon, weil es so gut wie keine Roaming-Abkommen für CDMA gibt. Mit dem UMTS-Turbo HSDPA empfängt das Neue bis zu 14,4 MBit/s. Abermals hält sich der Zugewinn in Grenzen, schon die 7,2 MBit/s des alten sind in der Praxis nur selten zu erreichen. Das neue Funkprotokoll LTE fehlt, das ist aus vielerlei Gründen kein Minuspunkt.

Der nächste Paukenschlag ist das neue Betriebssystem iOS 5, das (ohne Siri) auch dem iPhone 4 und dem 3GS sowie dem iPad als Gratis-Update zur Verfügung gestellt wird. iOS 5 beseitigt auf einen Schlag das oft kritisierte Wirrwarr der Hinweise und Meldungen unterschiedlicher Apps. Im neuen Notification Center ist alles unter einem Dach versammelt, man streicht mit einer Fingerbewegung über den oberen Bildschirmrand und sieht sofort neue E-Mail, Twitter-Nachrichten oder SMS. Die Idee lehnt sich an die ganz ähnliche Umsetzung des Android-Betriebssystems an, nur fehlt ein kleines LED-Lämpchen, das die Neuigkeiten auch bei ausgeschaltetem Bildschirm anzeigen müsste. Ungeachtet der rund 200 Neuerungen in iOS 5 gab es bei uns mit älteren Apps keine Probleme. Zu den sinnvollen Verbesserungen zählen wir iMessage: nutzen beide Gesprächspartner ein iOS-5-Gerät, werden Nachrichten gratis über W-Lan oder Mobilfunk zugestellt, andernfalls kommt die kostenpflichtige SMS zum Einsatz.

iPhone 4S hält nur um die 20 Stunden durch

Mit iOS 5 kann man endlich sein neues Gerät ohne iTunes-PC in Betrieb nehmen, Kabel ade. Noch weitgehender ist die Integration in die Cloud-Dienste von Apple, die sich bislang nicht vollständig erproben ließen. Die Musikdienste hatten wir hier unlängst beschrieben, fünf Gigabyte Speicherplatz stehen für persönliche Daten und das Backup des Gerätespeichers in der Datenwolke zur Verfügung. Die Cloud muss man nicht nutzen, wer ohnehin mit Exchange oder einem Google-Server synchronisiert, mag dabei bleiben.

Alles in die Cloud? Man kann zum Glück selektiv ein- und ausschalten

Was schon jetzt einwandfrei funktioniert, ist der Fotostream: eigene Aufnahmen werden im Hintergrund in die Cloud hochgeladen und selbsttätig mit allen anderen Apple-Geräten via W-Lan synchronisiert. Das hört sich zunächst schick an, verliert indes seinen Reiz, wenn man doch recht lange auf die Schnappschüsse wartet und den zusätzlichen Stromverbrauch berücksichtigt. Denn setzt man alle neuen Optionen und Möglichkeiten ein, reduziert sich die Arbeitszeit des iPhone 4S gegenüber dem Vorgänger deutlich. Die neue Erinnerungsfunktion beispielsweise schaltet GPS dauerhaft ein, um ortsbezogene Hinweise geben zu können. Auch die Cloud-Dienste fordern ihren Tribut. Nur nach sorgfältiger Feinjustage hielt das iPhone 4S bei uns um die 20 Stunden durch. Der Vorgänger schaffte 30 Stunden und mehr. Das ist unser Hauptkritikpunkt. Ärgerlich zudem: Das stromhungrige UMTS ist nicht mehr abschaltbar.

Android bleibt der schärfste Rivale

Alles in allem macht das iPhone 4S im Vergleich mit der Konkurrenz eine sehr gute Figur. Nicht nur, dass kein anderes Smartphone so etwas wie Siri zu bieten hätte. Die Scharte des umständlichen Hinweissystems wurde mit dem Notification Center mehr als nur ausgewetzt. Die Kamera arbeitet hervorragend. Die Verarbeitungsqualität sowie die Wertstabilität sind klare Pluspunkte. Hinzu kommt die große Auswahl hochwertiger Apps. Vieles gibt es nur für iOS. An das neue Betriebssystem gewöhnt man sich schnell, es gibt keine nennenswerten Kompatibilitätsprobleme. Android bleibt der schärfste Rivale. Seine Vorzüge liegen in der größeren Offenheit bei Apps und Betriebssystem, mehr Möglichkeiten der Erweiterung und Personalisierung sowie in der bunten Vielfalt der Hardware und im kleineren Preis. Das günstigste iPhone 4S mit 16 Gigabyte Speicher kostet 630 Euro, das neue Top-Modell mit 64 Gigabyte liegt bei 850 Euro.

Test: Audi Connect mit W-Lan-Hotspot

Dass das Internet ins Auto einzieht, darf nach der IAA als Selbstverständlichkeit gelten. Spannend ist nicht mehr die Frage nach dem „Warum?“, sondern das „Wie?“. Telematikdienste, Verkehrsinformationen und die Notruffunktion E-Call sorgen dafür, dass spätestens von 2015 an jedes Neufahrzeug mit Mobilfunk und Internet ausgerüstet sein wird. Derzeit steht Wireless-Lan auf der Agenda aller Hersteller, und damit ist die Idee verbunden, eine ohnehin vorhandene Datenverbindung nutzbringend den Passagieren zur Verfügung zu stellen. Sie können mit ihrem Notebook, iPad oder Smartphone während der Fahrt surfen, Musik hören oder Videos sehen. Die Anbindung der Peripherie ist so einfach wie zu Hause am Router oder unterwegs im Internetcafé: W-Lan suchen, Kennwort eingeben und loslegen. Peugeot und Citroen setzen dazu auf eine W-Lan-Box in Verbindung mit einem UMTS-Stick, und das französische System wird einmalig mit einem Notebook konfiguriert, der wiederum mit einem Ethernet-Kabel an die Box im Handschuhfach andockt. Eine Umstandskrämerei.

Keine Fummelei am Notebook, alles geht einfach

Das ganz neue „Audi Connect“ mit UMTS-Modul verwendet eine andere Technik, wir haben sie im ebenfalls neuen Audi A6 ausprobiert. Der Netzzugang ist ein Baustein des bekannten MMI-Systems und fügt sich nahtlos in die vorhandene Architektur ein. Auf den ersten Blick ist MMI mit Audi Connect nicht von den bisherigen Anlagen zu unterscheiden: Der Drehsteller und das große Farbdisplay, das im A6 motorbetrieben aus dem Armaturenbrett ausfährt, bilden die Kommandozentrale. Wie im A8 kommt ein opulentes, farbiges Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser hinzu. Ferner hat man aus der Ingolstädter Oberklasse das Karussellmenü sowie das Touchpad übernommen. Es reagiert auf safte Fingerbewegungen, man malt hier einen Buchstaben nach dem anderen, und eine Handschrifterkennung wertet die Eingabe aus.

Für Fingermaler: Das Audi-Touchpad links neben dem Schalthebel (Fotos Spehr)

Audi Connect ist in den Tiefen der Menüs versteckt, und bevor man aus der Fülle der Möglichkeiten schöpft, muss man sich mit den Kommunikationsfähigkeiten seines Mobiltelefons beschäftigen. Im einfachsten Fall unterstützt das Gerät das Bluetooth-Profil Sim Access, wie etwa einige Blackberrys, viele Nokias und sehr wenige Android-Smartphones. Das iPhone von Apple bleibt außen vor. Mit Sim Access sind sämtliche Online-Dienste im Audi verfügbar, und man kann über die Freisprechanlage telefonieren. In Verbindung mit einer Daten-Flatrate legt man quasi sofort los. Komplizierter wird das Ganze ohne Sim Access: In diesem Fall benötigt man eine zweite Sim-Karte, die in den entsprechenden Leseschacht von MMI eingesetzt wird. Das ist sozusagen die Rückfall-Lösung, aber sie hat einen gewaltigen Haken: Die Telefonie mit dem Freisprecher erfolgt dann unabdingbar über diese Sim-Karte. Das vorhandene Handy lässt sich zwar weiterhin über Bluetooth ankoppeln. Man kann auch die Musikwiedergabe über Bluetooth A2DP starten. Aber nicht telefonieren. Wer sich darüber aufregt, sollte wissen, dass auch beim neuen Comand Online von Mercedes-Benz ähnliche Einschränkungen bestehen. Hier benötigt man ein Mobiltelefon mit dem Bluetooth-Dun-Protokoll für Online-Verbindungen.

Ist diese Hürde genommen, geht es an die Konfiguration der Datenverbindung. Im Unterschied zum Peugeot muss man so gut wie nichts manuell einstellen. MMI erkennt automatisch den Mobilfunkprovider, gibt den Zugangspunkt (APN) vor und setzt den netzseitigen Benutzernamen mitsamt Kennwort ein. Manuell einzugeben ist lediglich, ob ein Daten-Verbindungsaufbau automatisch oder auf Nachfrage erfolgen soll, ob Online-Verkehrsdaten empfangen werden, und es gibt ferner eine Roaming-Option sowie einen Verbrauchszähler. Diese Lösung gefällt.

Keine Fummelei: W-Lan-Parameter bei Audi

Der W-Lan-Hotspot ist ebenfalls kinderleicht eingerichtet. Es gibt keine Fummelei mit dem Notebook, sondern man sollte nur das vorgegebene simple Kennwort „AudiAudi“ ändern. Anschließend steht den Passagieren während der Fahrt ein W-Lan zur Verfügung, das so einfach zu handhaben ist wie der Netzzugang im Café. Mit der Haifischzahn-Antenne auf dem Dach ist die Anlage deutlich empfangsstärker als ein Smartphone im Innern, und wir hatten im Fahrbetrieb sehr ordentliche Durchsatzraten. Eine Messung ergab sage und schreibe 5,8 MBit/s, mehr bietet auch mancher DSL-Anschluss zu Hause nicht.

Datenraten je nach Provider und Ort

Die Datenraten hängen natürlich maßgeblich von der Funkversorgung im mobilen Netz ab. Die ist bei Vodafone und der Telekom am besten. In den Ballungsgebieten hat man durchgängig ein flottes Tempo, und jenseits der großen Städte ist zumindest Edge mit bis zu 500 KBit/s verfügbar. Man beachte auch, dass sich alle Passagiere den einen Mobilfunkzugang teilen. Wenn einer Videos lädt, bricht das Tempo für alle anderen deutlich ein. Kleine Unterbrechungen beim Zellenwechsel können zu Rucklern beim Audio- oder Videostreaming führen. Geht es nur um das Surfen im Netz, um E-Mail oder andere Dienste, fallen die Aussetzer in der Regel nicht auf. Die Datenrate hängt im Übrigen nicht von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs ab, auf der Autobahn bei hohem Tempo ist die Funkversorgung in der Regel besser als auf dem Land.

Google-Suche: Die Ergebnisse landen bei Bedarf im Navi

So gesehen waren wir mit dem W-Lan-Hotspot ausgesprochen zufrieden. Dazu kommen aber noch jene Dienste, von denen auch der Fahrer profitiert. In der Navi-Abteilung gibt es nun schöne dreidimensionale Stadt- und Landschaftsansichten, die von Google Earth geladen werden. Die Aufnahmen werden als einzelne Kacheln dynamisch nachgeladen, und ein zwei Gigabyte großer Cache (Zwischenspeicher) reduziert das Online-Volumen. Google Earth im Navi erfreut das Auge, vor allem der Passagiere, bringt dem Fahrer aber nichts.

Wichtiger sind die Premium-Verkehrsinformationen, die ein kleiner Anbieter namens Inrix zusammenstellt. Im Unterschied zu den (ebenfalls verfügbaren) Meldungen von TMC und TMC Pro sind sie nicht auf die Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen beschränkt, sondern auch kleinräumig innenstädtisch verfügbar. In Frankfurt sahen wir etliche Störungen im Stadtgebiet, aber selbst manche Baustelle auf dem Land wurde richtig angezeigt. Bei Bedarf werden die erfassten Straßen mit Staumeldungen farblich markiert, man sieht also genau, wie weit das Auge von Inrix reicht. Ein abschließendes Urteil über die Güte der Daten kann man nach zweiwöchiger Erprobung noch nicht abgeben. Unsere Eindrücke reichen von „sehr ordentlich“ bis „sehr ärgerlich“. Die Infos sind deutlich besser als die von TMC und TMC Pro, aber sie erreichen nicht die Qualität der Tom-Tom-Daten.

In einem Mini-Browser zeigt Audi Connect (auch während der Fahrt) weitere Reiseinformationen, den wohl unvermeidlichen Wetterbericht sowie Nachrichten in komprimierter Form. Sinnvoller ist unseres Erachtens die W-Lan-Anbindung von Musikspielern und die Google-Suche für Sonderziele am Standort, Zielort oder in einem Umkreis. Hier findet man also beispielsweise über den Suchmaschinen-Betreiber den Namen, die Adresse und vielleicht sogar die Telefonnummer des Steuerberaters oder Arztes, die allesamt eben nicht im klassischen Kartenmaterial der Navi-Hersteller verzeichnet sind.

Weil eine sprecherunabhängige Spracherkennung an solchen Herausforderungen scheitern würde, springt das Touchpad ein. Man malt einen Buchstaben nach dem anderen auf der Fläche, das Erkannte wird noch einmal vom System leise vorgesprochen – und die Erkennungsrate ist großartig. Das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl über den Controller mit entsetzlich vielen Drehbewegungen, und wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man während der Fahrt fröhlich vor sich hinschreiben, ohne auch nur einmal den Blick von der Straße nehmen zu müssen. Dass man die Fundstellen sofort in die Routenführung übernehmen kann, ist klar, und angezeigte Telefonnummern lassen sich direkt aus der Trefferliste heraus anrufen.

Mit Wetterbericht: Schmalspursurfen während der Fahrt

Alles in allem hat Audi ein gelungenes Paket zusammengestellt. Die nächste Stufe sind weitere Apps, die entweder auf Servern im Internet oder auf dem Smartphone im Auto laufen sollen. Wir warten jetzt auf E-Mail, Facebook und Twitter.

Apples Siri auf dem iPhone 4S im Auto mit Bluetooth-Freisprechern nutzen

Nach meinen bisherigen (kurzen) Erfahrungen gibt es keine gravierenden Probleme mit den gängigen Bluetooth-Freisprechanlagen im Auto. Etwas länger habe ich das iPhone 4S mit dem Comand-System in der neuen E-Klasse von Mercedes-Benz ausprobiert.

Der Siri-Sprachassistent kann sich gerade im Auto besonders nützlich machen. Etwa zum Diktieren von E-Mail oder SMS, zur Abfrage von Kalendereinträgen oder zum Erstellen von Erinnerungen. Wer allein fährt, kann also im Auto mit Siri sprechen und seine Dinge organisieren. Hier einige Hinweise:

1. Das iPhone 4S wie jedes andere Bluetooth-Telefon ankoppeln. Für Siri-Eingaben ist jetzt das Mikrofon des Fahrzeugs aktiviert und zuständig.

2. Für Siri nicht die Spracherkennungs-Taste des Fahrzeugs betätigen, sondern die Home-Taste des iPhone 4S länger drücken. Das funktioniert auch mit aktivem Sperrbildschirm.

3. Das gewünschte Kommando („Welche Termine habe ich heute“, „E-Mail schreiben an Klaus Mustermann“, „Erinnere mich an Blumen für die Sekretärin“) in das Fahrzeug-Mikrofon sprechen.

4. Siri zeigt erkannte Kommandos und Befehle nicht nur auf dem iPhone-Bildschirm an, sondern antwortet mit Sprachausgabe. Unter „Einstellungen“, „Allgemein“, „Siri“ gibt es den Menüeintrag „Sprach-Feedback“. Hier kann man den Menüpunkt „Nur Freisprecheinrichtung“ wählen. Das heißt: Siris Sprachausgabe ist nur mit aktiver Bluetooth-Kopplung eingeschaltet. Sonst bleibt es bei der Bildschirmdarstellung.

5. Beim Einsatz im Auto ist zu beachten, dass sämtliche Befehle, Kommandos, Texteingaben über eine Mobilfunkverbindung auf Apple-Servern transkribiert werden. Wenn die Datenverbindung des iPhone 4S nicht funktioniert, gelingt auch die Spracherkennung nicht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man einem Ort zwar telefonieren kann, sich aber eine Datenverbindung nicht aufbauen lässt.

6. Marginalie: Bei der Musikwiedergabe mit A2DP im Mercedes gab es gelegentlich kurze Aussetzer.

Zwei sehr schöne Aufnahmen mit dem iPhone 4S in Originalgröße

Fotos Spehr

Ein Apfel musste natürlich irgendwie ins Bild …

 

Detailreich und scharf, obwohl sich der Terrier draußen gewiss nicht ruhig in Position gestellt hat und mit seinem scharfen Blick argwöhnisch potentielle Feinde auf der Straße sucht.

Zum Download in Originalgröße auf der Festplatte speichern. Der Photoshop-Hinweis in den Exif-Daten resultiert daraus, dass ich die Fotos gedreht habe. Sonst wurden keine Veränderungen vorgenommen.

Ohne Lion: iPhone 4S mit Mac OS X 10.6 in Betrieb nehmen

Um alle iCloud-Dienste des neuen iPhone 4S zu nutzen, ist Mac OS X 10.7 Lion erforderlich. Geht es allerdings nur darum, die Daten, Einstellungen und Apps eines älteren iPhone auf das neue 4S zu übertragen, reicht auch Mac OS X 10.6.6. Man bringe zunächst Mac OS X auf den neuesten Stand und lade insbesondere die iTunes-Aktualisierung 10.5.

Dann synchronisiere man das alte Gerät per Kabel mit iTunes. Nun das neue anschließen und das Backup des alten iPhone auf dem 4S wiederherstellen lassen. Dazu bei angeschlossenem iPhone 4S  einen Rechtsklick über der Geräteanzeige links tätigen, das Wiederherstellen-Menü wählen und den richtigen Backup-Datensatz wählen.

Bei dieser Wiederherstellung erhält das neue 4S den Namen des alten. Wenn Apps, Daten und Musik nicht beim ersten Synchronisieren auf dem neuen 4S vorhanden sind, synchronisiere man ein zweites oder drittes Mal. Alle Einstellungen, Benutzernamen und Kennworte werden übernommen, wenn das Backup des alten Geräts verschlüsselt war. Nicht übernommen werden nur wenige Kleinigkeiten, etwa die Bluetooth-Einstellungen oder individuell zugeordnete Klingeltöne.

 

 

Musik in der Cloud: Die wunderbare Leichtigkeit von HiFi 2.0

Noch bilden sie den HiFi-Altar im Wohnzimmer. Lautsprecher, CD-Spieler, Verstärker, Radio und andere Apparate tummeln sich rund ums Fernsehgerät, und im Regal kommen Hunderte von Audio-CDs dazu. Der Weg zur guten Musik im eigenen Heim gleicht einer japanischen Teezeremonie: Auswahl der zu spielenden Quelle, Blättern und Suche in der CD-Sammlung, Einschalten verschiedener Geräte und die manuelle Abstimmung der Lautstärke mit einem Drehsteller. Man kann dieses Ritual genießen.

Aber es geht auch einfacher. Ein Lautsprecher mit eingebautem Verstärker am W-Lan-Router, die passende App fürs Smartphone und ein Abonnement für Musikdienste im Internet sind schon alles. In weniger als fünf Sekunden erscheint die Liste der Neuerscheinungen auf dem Display des Telefons. Und mit einem weiteren Fingertipp spielt das neue Album von „Adele“ im Wohnzimmer. Man hat es nicht erworben, man muss es auch nicht kaufen, und trotzdem ist das Ganze legal.

Musik-Streaming aus dem Netz und Musikspeicherung in der Cloud sind vor allem bei der jungen Generation beliebt. Die neuen Verfahren lösen sich vom physikalischen Datenträger und bieten damit einen universellen Zugriff auf Musik: zu Hause am PC und an der HiFi-Anlage, unterwegs auf dem Smartphone und dem Tablet PC. Streaming ist der Medienempfang über das Netz und die gleichzeitige Wiedergabe. Der Inhalt muss also vor der Wiedergabe nicht lokal (etwa auf der Festplatte) gespeichert werden.

Wer einen Blick auf die neuen Angebote wirft, sieht eine klare Differenzierungslinie. Das „konservative“ Modell setzt wie gehabt auf den Kauf von Alben und Titeln. Die Innovation ist das Vorhalten in der Datenwolke des Internet und der einfache Kaufvorgang, indem neu erworbene Titel automatisch in die private Musik-Cloud eingeordnet werden. Überflüssig wird der Zwischenhandel, das Umwandeln der CD in MP3-Dateien und das manuelle Übertragen auf ein Smartphone.

Amazon hat in den Vereinigten Staaten sein „Cloud Drive“ gestartet. Man meldet sich mit seinem Amazon-Nutzernamen an und kann unentgeltlich 5 Gigabyte Musik (und andere Daten) in die Wolke hochladen. Musik in den Formaten MP3 und AAC lässt sich fortan über ein Web-Interface streamen oder – auf Android-Smartphones und Tablet PC – mit Hilfe einer App wiedergeben. Auf den mobilen Geräten wird die Musik entweder lokal vorgehalten oder (bei vorhandener Netzverbindung) direkt aus der eigenen Cloud heraus abgespielt. Der Clou tut sich nach dem Erwerb von weiteren Stücken oder Alben bei Amazon auf: Sie wandern nicht nur sofort als MP3 in das eigene Cloud-Drive, sondern erhöhen derzeit auch den Gratis-Speicherplatz auf 20 Gigabyte.

Bei Amazon gekaufte Musik wird zudem nicht auf das Speicherlimit angerechnet. Ein starkes Argument, seine Musik nur noch bei Amazon zu kaufen. Und damit sind gleich die Grenzen dieses Diensts aufgezeigt. Ein direkter Zugriff auf vorhandene Musikbibliotheken (etwa Apple iTunes) ist nicht möglich, zudem gibt es die Amazon-App nur für Android und in einer (eingeschränkten) Version für die Blackberrys.

Eigene Musik landet in der Cloud

Das Hochladen älterer eigener Bestände in die Amazon-Cloud ist nicht nur mühselig, sondern selbst mit einem schnellen DSL-Anschluss zeitraubend. Gegebenenfalls ist man tagelang beschäftigt. Diesen großen Nachteil bringt auch das neue Google Music mit, das ebenfalls für das allgemeine Publikum nur in den Vereinigten Staaten zur Verfügung steht (man kann es mit „Einladungen“ auch in Deutschland ausprobieren). Google Music bietet Platz für bis zu 20.000 Titel, auf die man via Browser oder Android-App zugreift. Für das iPhone und das iPad gibt es eine im Safari-Browser laufende Web-App. Bis zu acht Mobilgeräte lassen sich mit einem Account anbinden, ausgewählte Titel stehen „offline“ für die Wiedergabe ohne Netzverbindung parat. Google bietet jedoch keine Möglichkeit, neue Alben zu kaufen und direkt in der Cloud abzulegen.

Und schließlich Apple. Mit dem kommenden iPhone-Betriebssystem iOS 5 geht die iCloud an den Start. Sie ersetzt den Online-Dienst Mobile Me, und dahinter steckt ein übergreifendes Konzept der Datenspeicherung in der Wolke, bei dem es nicht nur um Musik geht. Vielmehr werden auf Wunsch (und abschaltbar) alle Nutzerdaten des iPhone oder iPad auf Servern von Apple vorgehalten. Die bisherige Datensynchronisation der Kleingeräte mit iTunes am PC oder Mac soll überflüssig werden. iCloud ist zugleich eine Backup-Lösung und ein Bildverwalter. Fotos, die man mit dem iPhone schießt, wandern automatisch nach Cupertino. Jedem Nutzer stehen fünf Gigabyte für E-Mail, Dokumente, Backups und Musik zur Verfügung. Kauft man Musik oder Bücher in Apples Online-Geschäft, wird deren Speicherplatz nicht angerechnet. Weiteren Speicher kann man zukaufen, und wie bei Amazon und Google lässt sich auch die vorhandene Musik in die Cloud bewegen und auf anderen Geräten bereitstellen. Allerdings mit einem Kniff. Sie wird von iTunes Match identifiziert und dann direkt aus dem iTunes Music Store bereitgehalten. Und zwar in einer hohen Auflösung (256 KBit AAC), ohne dass man nur ein einziges Lied manuell hochladen müsste. Für 25 000 Stücke kostet dieser Dienst 25 Dollar im Jahr, und auf diese Weise wird der vorhandene Altbestand, egal aus welcher Quelle er stammt, automatisch legalisiert. Apple hat entsprechende Vereinbarungen mit den großen Musikkonzernen getroffen.

Apple geht also deutlich über Amazon und Google hinaus und kann zudem die Frage beantworten, wie die Musik aus der Cloud an der heimischen HiFi-Anlage aufspielt. Die Antwort ist Airplay, eine hauseigene Streaming-Technik, die es erlaubt, Medien aller Art drahtlos über entsprechende Empfangsgeräte wie Lautsprecher, Stereosysteme oder Fernsehgeräte wiederzugeben. Noch pflegt Airplay allerdings ein Nischendasein.

Abschied vom Besitz

An dieser Stelle darf man getrost innehalten und eine radikale Frage in den Raum werfen. Warum sollen Milliarden von Hörern identische Stücke in riesigen Rechenzentren lagern, um auf eine Musikbibliothek dieser Welt zuzugreifen, die sich bequem und günstig auf wenigen Terabyte unterbringen ließe? Nur deshalb, weil man einzelne Stücke besitzt und andere nicht? Ist dieser Aufwand überhaupt zu rechtfertigen?

Hier setzt die Idee der Streaming-Dienste an. Sie verabschiedet sich von dem Gedanken, dass man Musik besitzt. Man schließt ein Abonnement ab und kann aus dem jeweiligen Angebot alles uneingeschränkt hören. Allerdings nur während der Laufzeit des Abonnements. Kündigt man dieses, bleibt nichts. Titel und Alben lassen sich nur hören, nicht dauerhaft speichern oder weitergeben. Unternehmen wie Napster oder Simfy haben Verträge mit den Verwertungsgesellschaften, so dass hier legale Angebote vorliegen. Millionen von Titeln stehen zur Verfügung. Man hört sie wahlweise am PC mit Internetverbindung, was keine 10 Euro im Monat kostet. Oder auf dem Smartphone in einer etwas teureren Variante und hier wahlweise im Streaming-Verfahren mit Mobilfunk-Datenverbindung oder im „Offline-Modus“ vom Gerätespeicher.

Die diversen Dienste unterscheiden sich in zahlreichen Einzelheiten. In der Größe und Aktualität des angebotenen Musikrepertoires, der Leistungsfähigkeit der Software sowie dem Umgang mit Wiedergabelisten. Ferner in den Möglichkeiten, Streaming-Hardware anzusteuern oder der Verknüpfung mit sozialen Musiknetzwerken, in denen man seine persönlichen Hörgewohnheiten mit anderen teilt – und von Gleichgesinnten neue Vorschläge für frische Musik erhält, quasi eine bidirektionale Empfehlungsfunktion.

Sonos Play 3 mit Android-Smartphone (Foto Hersteller)

Wir haben das Angebot des Marktführers Napster einige Zeit ausprobiert. Das amerikanische Unternehmen entstand als Musiktauschbörse und bietet mittlerweile rund 17 Millionen Titel an. Die erste wichtige Erfahrung lautet: Die Masse macht’s. Geht man mit einem Mainstream-Musikgeschmack an Napster heran, ist die Fülle geradezu erschlagend. Es ist eben alles auf Mausklick verfügbar, zumindest aus den Bereichen Rock und Pop, Rap, Dance, Soul und Alternative. Wer sich mit Jugendlichen oder Junggebliebenen auf die Suche nach ihren Lieblingstiteln macht, sieht schnell ein Leuchten in den Augen.

Tote Hose bei den Toten Hosen

Nur kurz für 30 Sekunden anspielbar sind jedoch Titel einzelner Musikgruppen, die ihre Rechte nicht für Napster und Co. freigegeben haben. Dazu gehören etwa Die Ärzte, Die Toten Hosen und die Red Hot Chili Peppers. Auch manche Compilation fehlt bei unklarer Rechtelage, gegebenenfalls findet man aber die einzelnen Titel. Klassik und Jazz sind ordentlich bei Napster aufgestellt, aber der HiFi-Liebhaber älterer Schule wird mühelos Dutzende von CDs aus seinem Regal ziehen, die man auf Napster nicht findet, alte Einspielungen beispielsweise oder kleine Auflagen exotischer Labels. In diesem Sinne sind 17 Millionen Titel gewiss viel, aber mit viel weniger sollte man sich nicht zufriedengeben.

Faszinierend ist die Smartphone-Unterstützung. Auf bis zu drei Geräten, wahlweise Android oder iPhone, kann man mit der zugehörigen Napster-App nicht nur streamend live empfangen, sondern sich beispielsweise morgens Tag für Tag ein neues Album auf das Gerät laden, um es später mit Bluetooth A2DP im Auto wiederzugeben. Ein Limit für diese Offline-Titel gibt es bei Napster nicht. Dass die Napster-Software fürs iPhone gelegentlich hakt, sei am Rande erwähnt. Insgesamt ist das eine Zäsur. Der flinke Zugriff auf fast alle Titel wird selbstverständlich. Die Wege zur Musik sind nicht mehr durch den eigenen Aufenthaltsort oder durch das Vorhandensein von Medien begrenzt. Musik ist vielmehr so selbstverständlich wie Strom oder Wasser. Damit geht die Bedeutung einzelner Titel zurück, ihr ökonomischer Wert strebt bei solchen Flatrate-Angeboten gegen null.

Napster auf dem iPhone (Foto Spehr)

Und für die Musik zu Hause ändern Napster & Co ebenfalls alles. Wir haben nicht die HiFi-Anlage abgebaut. Denn die Klangqualität der mit MP3 oder AAC eingedampften Stücke ist zwar ordentlich, befriedigt aber nicht höchste Ansprüche. Indes haben wir die neue kleine Sonos-Anlage Play 3 zusätzlich aufgebaut. Sonos richtet sich seit Jahren an Zeitgenossen, die ihre Musik in iTunes-Archiven oder auf Netzwerkfestplatten vorhalten. Das amerikanische System reicht sie drahtlos an Abspielstationen (Zonen) im Heimnetz weiter. Mit Apps fürs iPhone oder Android steuert man die Wiedergabe, und zwar im gesamten Haus. Faszinierend ist, wie einfach das Ganze vonstattengeht. Neue Einheiten sind im Nu angekoppelt, aus zwei Zonen kann man ein Stereo-Pärchen machen, aber selbst im Mono-Einsatz klingt die Play 3 verblüffend gut. Nur ärgert man sich über einige Nickeligkeiten: Ein Zugriff auf iTunes-Wiedergabelisten fehlt, und Airplay wird von Sonos nur über den Umweg einer weiteren Komponente – Apples Airport Express – hergestellt.

Aber Sonos arbeitet sowohl mit sozialen Musiknetzwerken wie Last FM zusammen wie auch mit Napster. Damit schließt sich der Kreis. Ein solches System hat mit dem gewohnten HiFi-Konsum und der Stapelware im Tonträgerregal nichts mehr gemeinsam. Gesten auf dem Smartphone dienen der Navigation durch Genres, Alben, Interpreten oder das Internet-Radio, man startet eine Suchfunktion oder hört die Last-FM-Empfehlungen unbekannter Wahlverwandtschaften. Mit einem Fingerstreich werden also fast alle Zugangsgrenzen zum Universum der digitalen Musik niedergemäht. Das ist Musikhören 2.0.

Mehr Feuer im Tablet-Markt: Amazon bringt den Kindle Fire

Jetzt endlich ein Tablet PC, der begeistert: Als Amazon am Mittwoch seinen neuen Kindle Fire vorstellte, waren die amerikanischen Medien voll des Lobs. Er hat eine gute Chance, das beste Android-basierte Tablet zu werden, schrieb Tech Crunch. Das Amazon-Gerät verdränge viele kleine Hersteller, meinte ZD Net. Auf der einen Seite stünde Amazon mit seiner Mischung aus Tablet und E-Book, auf der anderen Apple mit dem iPad. Unternehmen in der Mitte hätten jetzt ein Problem.

Medienmaschine: Kindle Fire von Amazon (Fotos Hersteller)

Wer die technischen Daten des Kindle Fire inspiziert, mag zunächst den Kopf schütteln. Der Kindle Fire ist ein kleiner Tablet mit den Maßen des Playbook von Blackberry-Hersteller Rim. Sein Display löst mit 1024 x 600 Bildpunkten auf, die Diagonale beträgt 17,8 statt der üblichen 25 Zentimeter. Dafür bekommt man ein Leichtgewicht (415 Gramm, iPad: 600 Gramm) mit hochwertigem, kratzfestem Display und langer Akkulaufzeit (8 Stunden). Bei den Details vermisst man doch einiges. Der Kindle Fire hat keine Kamera, kein Mikrofon und kein Mobilfunkmodul. Ins Netz kommt er allein mit Wireless-Lan. Der eingebaute Speicher ist nur 8 Gigabyte groß und lässt sich nicht erweitern. Android ist zwar das Betriebssystem. Aber die bekannten Apps von Google fehlen, und es gibt keinen Zugang zum Android Market. Vielmehr hat Amazon dem Android-Kern ein eigenes Bediensystem übergestülpt, das auch E-Mail, Facebook und Spiele mitbringt, sich jedoch optisch grundlegend von Android unterscheidet.

Woraus speist sich nun die Faszination? Der entscheidende Punkt sind die digitalen Inhalte, die Amazon seit Jahren in seinem Portfolio hat. Man kann den Kindle Fire als E-Book-Leser verwenden, hat Zugriff auf das üppige MP3-Angebot von Amazon, ferner auf die Zeitungen und Zeitschriften im Kindle-Store sowie (in den Vereinigten Staaten) auf mehr als 100 000 Filme und Serien. Der Kindle Fire wird also nicht als Technik-Gadget, sondern als Medien-Tablet verkauft. Dazu kommt der atemraubende Preis: Nur 200 Dollar kostet dieser Flachmann mit einer sehr guten Verarbeitungsqualität. Und damit schließt sich der Kreis: Wer ohnehin über den Kauf eines Kindle-Lesegeräts für elektronische Bücher nachdenkt, bekommt hier jede Menge Zusatznutzen mit Farbdisplay, und man kann mit seinem Amazon-Account gleich loslegen.

Amazon beschreitet mit dem Kindle Fire einen ganz anderen Weg als der Marktführer. Hatte Apple ursprünglich ein Ökosystem geschaffen, um seine Hardware zu verkaufen, analysiert Karsten Werner auf Netzwertig.com, benötigt Amazon die Hardware lediglich, „um die bisher losen Enden im Vertrieb seiner digitalen Waren zusammenführen zu können: Verlegen, Verkaufen und Verleihen von Inhalten auf einem mobilen Endgerät. Das Kindle Tablet ist keine Hardware, die jemals als Umsatzbringer vorgesehen ist, sondern ein Mittel zum Zweck“. Amazon greift Apple also nicht nur über den Preis der Hardware, sondern auch über das Vertriebsmodell von Inhalten an.

Indes gibt es doch ein technisches Detail, das überaus interessant erscheint. Der Browser des Tablets lädt Web-Seiten nicht direkt, sondern lässt sie auf Amazon-Servern aufbereiten. Dadurch soll, wie beim Opera-Mini-Browser, der Seitenaufbau deutlich beschleunigt werden. Auch die bekannte Kindle-Synchronisation mit „Whispersync“ kommt hier zum Einsatz. Die erworbenen Bücher oder Musikstücke lagern in der Cloud und werden selbsttätig und im Hintergrund auf unterschiedlichen Geräten synchronisiert. Vorerst ist der Kindle Fire nur in den Vereinigten Staaten vom 15. November an erhältlich. Neue Lesegeräte mit der E-Ink-Technik im Schwarzweiß-Modus wurden ebenfalls am Mittwoch vorgestellt, der Einsteiger-Kindle kostet nur noch 80 Dollar, und in Deutschland kann man einen kleinen Kindle E-Reader mit 15-Zentimeter-Display im Taschenbuchformat für 100 Euro vorbestellen. Er kommt am 12. Oktober auf den Markt.