Mehr Feuer im Tablet-Markt: Amazon bringt den Kindle Fire

Jetzt endlich ein Tablet PC, der begeistert: Als Amazon am Mittwoch seinen neuen Kindle Fire vorstellte, waren die amerikanischen Medien voll des Lobs. Er hat eine gute Chance, das beste Android-basierte Tablet zu werden, schrieb Tech Crunch. Das Amazon-Gerät verdränge viele kleine Hersteller, meinte ZD Net. Auf der einen Seite stünde Amazon mit seiner Mischung aus Tablet und E-Book, auf der anderen Apple mit dem iPad. Unternehmen in der Mitte hätten jetzt ein Problem.

Medienmaschine: Kindle Fire von Amazon (Fotos Hersteller)

Wer die technischen Daten des Kindle Fire inspiziert, mag zunächst den Kopf schütteln. Der Kindle Fire ist ein kleiner Tablet mit den Maßen des Playbook von Blackberry-Hersteller Rim. Sein Display löst mit 1024 x 600 Bildpunkten auf, die Diagonale beträgt 17,8 statt der üblichen 25 Zentimeter. Dafür bekommt man ein Leichtgewicht (415 Gramm, iPad: 600 Gramm) mit hochwertigem, kratzfestem Display und langer Akkulaufzeit (8 Stunden). Bei den Details vermisst man doch einiges. Der Kindle Fire hat keine Kamera, kein Mikrofon und kein Mobilfunkmodul. Ins Netz kommt er allein mit Wireless-Lan. Der eingebaute Speicher ist nur 8 Gigabyte groß und lässt sich nicht erweitern. Android ist zwar das Betriebssystem. Aber die bekannten Apps von Google fehlen, und es gibt keinen Zugang zum Android Market. Vielmehr hat Amazon dem Android-Kern ein eigenes Bediensystem übergestülpt, das auch E-Mail, Facebook und Spiele mitbringt, sich jedoch optisch grundlegend von Android unterscheidet.

Woraus speist sich nun die Faszination? Der entscheidende Punkt sind die digitalen Inhalte, die Amazon seit Jahren in seinem Portfolio hat. Man kann den Kindle Fire als E-Book-Leser verwenden, hat Zugriff auf das üppige MP3-Angebot von Amazon, ferner auf die Zeitungen und Zeitschriften im Kindle-Store sowie (in den Vereinigten Staaten) auf mehr als 100 000 Filme und Serien. Der Kindle Fire wird also nicht als Technik-Gadget, sondern als Medien-Tablet verkauft. Dazu kommt der atemraubende Preis: Nur 200 Dollar kostet dieser Flachmann mit einer sehr guten Verarbeitungsqualität. Und damit schließt sich der Kreis: Wer ohnehin über den Kauf eines Kindle-Lesegeräts für elektronische Bücher nachdenkt, bekommt hier jede Menge Zusatznutzen mit Farbdisplay, und man kann mit seinem Amazon-Account gleich loslegen.

Amazon beschreitet mit dem Kindle Fire einen ganz anderen Weg als der Marktführer. Hatte Apple ursprünglich ein Ökosystem geschaffen, um seine Hardware zu verkaufen, analysiert Karsten Werner auf Netzwertig.com, benötigt Amazon die Hardware lediglich, „um die bisher losen Enden im Vertrieb seiner digitalen Waren zusammenführen zu können: Verlegen, Verkaufen und Verleihen von Inhalten auf einem mobilen Endgerät. Das Kindle Tablet ist keine Hardware, die jemals als Umsatzbringer vorgesehen ist, sondern ein Mittel zum Zweck“. Amazon greift Apple also nicht nur über den Preis der Hardware, sondern auch über das Vertriebsmodell von Inhalten an.

Indes gibt es doch ein technisches Detail, das überaus interessant erscheint. Der Browser des Tablets lädt Web-Seiten nicht direkt, sondern lässt sie auf Amazon-Servern aufbereiten. Dadurch soll, wie beim Opera-Mini-Browser, der Seitenaufbau deutlich beschleunigt werden. Auch die bekannte Kindle-Synchronisation mit „Whispersync“ kommt hier zum Einsatz. Die erworbenen Bücher oder Musikstücke lagern in der Cloud und werden selbsttätig und im Hintergrund auf unterschiedlichen Geräten synchronisiert. Vorerst ist der Kindle Fire nur in den Vereinigten Staaten vom 15. November an erhältlich. Neue Lesegeräte mit der E-Ink-Technik im Schwarzweiß-Modus wurden ebenfalls am Mittwoch vorgestellt, der Einsteiger-Kindle kostet nur noch 80 Dollar, und in Deutschland kann man einen kleinen Kindle E-Reader mit 15-Zentimeter-Display im Taschenbuchformat für 100 Euro vorbestellen. Er kommt am 12. Oktober auf den Markt.

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