Test: Samsung Galaxy Nexus

Man nähert sich diesem Smartphone in zwei Phasen. Die erste ist die des Staunens: ein Riese! Das iPhone 4 wirkt geradezu zierlich neben dem neuen Samsung Galaxy Nexus, und selbst ein üppig dimensioniertes HTC Sensation ist deutlich schlanker als dieses Google-Gerät, das von Samsung hergestellt wird und die neue Android-Software 4 mitbringt. 11,8 Zentimeter misst das leicht gebogene Display in der Diagonale, und es zeigt satte 1280 × 720 Pixel, also mehr als mancher kleine Netbook. Auch seine 13,6 × 6,9 Zentimeter sind opulent, aber das Gewicht von 135 Gramm und die flache Konstruktion (1 Zentimeter an der dicksten Stelle) lassen nicht den Eindruck eines Moppelchens aufkommen.

Ein Riese mit tollem Display: Samsung Galaxy Nexus (Foto Hersteller)

Das neue Galaxy Nexus ist ein Schönling mit elegantem und minimalistischem Design, nichts tritt störend hervor und bricht die klaren Linien. Zum gelungenen ersten Eindruck trägt auch bei, dass physikalische Tasten mit Android 4 überflüssig werden, Softkeys zwacken sich einen Teil des Bildschirms ab. Micro-USB- und Audioanschluss sind am unteren Ende des Geräts dezent eingelassen, seitlich befinden sich nur der Ein- und Ausschalter sowie die Wippe zur Lautstärkeregulierung. Ein Schacht für Micro-SD-Speicherkarten fehlt, 16 Gigabyte sind fest eingebaut, und eine zweite Variante mit 32 Gigabyte ist angekündigt. Alle tragenden Elemente sind aus einem robust wirkenden Kunststoff gefertigt, lediglich die hauchzarte Abdeckung der Rückseite, unter der sich der (wechselbare) Akku und der Sim-Kartenleser befinden, trübt das Bild. Zugegeben, ein iPhone 4 oder 4S mit Metallrahmen wirkt solider, aber mit der Verarbeitungsqualität des Koreaners kann man zufrieden sein.

Android 4 „Ice Cream Sandwich“ ist eine Wucht

Und dann setzt sich das Staunen beim Einschalten fort: Android 4 mit dem Codenamen „Ice Cream Sandwich“ ist eine Wucht. Google führt damit sein Smartphone- und sein Tablet-Betriebssystem zusammen, die Überarbeitung gefällt. Sie betrifft an erster Stelle das Design. Die neue Bildschirmschrift ist klar und schnörkellos, nun dominieren zarte Linien und Andeutungen. Der rustikale Charme von Android wurde aufgegeben, der Blick der Entwickler zielt unverkennbar in Richtung Windows Phone 7.5, das mit seinem Minimalismus neue Maßstäbe setzt, auch gegenüber dem iPhone übrigens. Wie beim Vorgänger Nexus S kommt „Android pur“ ohne jede „Verbastelung“ zum Einsatz, in diesem Sinne ist das Galaxy Nexus ein Referenzgerät. Wer nach einem Blick auf dieses Gerät die Betriebssystem-Aufsätze von Samsung, HTC, Motorola oder Sony Ericsson inspiziert, riskiert Augenschmerzen.

Der neue Charme von Android 4: Nun mit Apps in Ordnern (Fotos Spehr)

Android 4 weist etliche Verbesserungen auf. Eine Wischfunktion bietet nun einen einfacheren Umgang mit laufenden Apps und Statusmeldungen, beide lassen sich nach links oder rechts „wegziehen“. Auf den Startbildschirmen können Apps in Ordnern zusammengefasst werden, in der Programmliste bleiben sie allerdings statisch und alphabetisch sortiert an ihrem Platz. Der Internet-Browser bietet eine Offline-Lesefunktion und einen privaten Modus, mehrere geöffnete Tabs lassen sich einfacher verwalten und abermals mit der Wischfunktion schließen. Für die Ermittlung des Datenverbrauchs gibt es einen eingebauten Zähler, eine Screenshot-Funktion ist nun ebenfalls dabei. Mit biometrischer Gesichtserkennung kann man das Gerät entsperren, aber die Fehlerquote ist sehr hoch, und sicher ist das Verfahren ebenfalls nicht: Mit einem vor die Frontkamera gehaltenen Foto lässt sich der Algorithmus überlisten.

Das junge Android 4 ist ein großer Schritt nach vorn, und in Verbindung mit der leistungsfähigen Hardware entsteht ein überzeugendes Ganzes. Der Koreaner reagiert dank Doppelkernprozessor (1,2 Gigahertz) in jeder Situation flink, und das Super-Amoled-Display gefällt hinsichtlich Farbbrillanz und Schärfe. Zu den kleinen Widrigkeiten gehört, dass man am Mac und unter Linux nicht mit einem USB-Kabel auf seinen Speicher zugreifen kann. Wie beim Samsung Galaxy S2 ist die Adressverwaltung fehlerhaft, die Details haben wir hier beschrieben.

Dank hoher Bildschirmauflösung: ganze Artikel auf einer Seite

Von der sehr hohen Bildschirmauflösung profitiert man vor allem bei konventionellen Websites. Man sieht mehr als auf einem iPhone, muss aber, wie bei diesem, zum Lesen die Schrift mit Fingerbewegungen vergrößern. Bei Apps hält sich der Vorteil der üppigen Auflösung jedoch in Grenzen. Hootsuite beispielsweise zeigt fünf bis sechs Twitter-Meldungen untereinander, beim iPhone sind es fünf.

Alles im Blick: Die üppige Display-Auflösung fasziniert

Alles in allem wird also der stolze Galaxy-Nexus-Neubesitzer tagelang hocherfreut sein Kleinod bewundern. Es kostet um die 550 Euro und kann bei Netzbetreiber O2 auch mit 24 Monatsraten à 25 Euro erworben werden. Aber dann setzte bei uns die zweite Phase mit der Frage ein, wo der grundlegende Fortschritt liegt, insbesondere im Vergleich mit dem iPhone 4S. Die übergroße Bauform empfanden wir schon bald als Last, die Einhand-Bedienung gelingt nicht immer. Und was sind die spektakulären Alleinstellungsmerkmale, die hervorstechenden Neuerungen? Bei iPhone 4S fällt einem sofort die hervorragende Kamera ein. Hier bietet das Galaxy Nexus bestenfalls Mittelmaß. Nicht nur, weil die Optik auf der Rückseite lediglich mit 5 Megapixel auflöst. Das ist kein Beinbruch. Aber die Bildqualität ist insbesondere bei Innenaufnahmen nicht überzeugend.

Zum anderen Apples Spracherkennung Siri. Das Pendant von Android 4 fällt abermals weit zurück. Der Spracherkenner – er wird mit einem Symbol auf der virtuellen Bildschirmtastatur aufgerufen – setzt Diktate deutlich schlechter um. Die Interpunktion wird nur sehr selten erkannt, eine Großschreibung der Substantive fehlt. Von einer semantischen Analyse und Integration in die Apps wollen wir gar nicht reden. Wer sich am iPhone 4S schnell daran gewöhnt hat, einen Kalendereintrag à la „Neuer Termin mit Max Muster übermorgen um 10 Uhr“ zu erstellen, findet auf dem Galaxy Nexus nichts Gleichwertiges vor. Zudem fehlt eine Taste, um Sprachkommandos unterwegs, beispielsweise im Auto, mit einem einzigen Handgriff abzusetzen.

Es fehlt der Paukenschlag, das ist das Problem

Welche Vorteile bietet Android 4 gegenüber iOS 5? Uns fallen nur die umfangreicheren Möglichkeiten der Personalisierung von Android ein. Mit alternativen „Launchern“ kann man die Oberfläche individuell anpassen und weitaus tiefer ins Betriebssystem eingreifen als bei Apple. Das gilt auch für manche Android-Apps, hier gibt es also mehr Freiräume für Programmierer und Tüftler. Aber damit ist im Grunde genommen schon alles gesagt.

Detailinformationen wie gehabt: Das Beispiel Hootsuite

Bei der Laufzeit des wechselbaren Akkus, der eine Kapazität von 1750 Milliamperestunden hat, bleibt das Galaxy Nexus auf dem Niveau anderer Androiden: Wird das Gerät intensiv genutzt, muss es nach 12 Stunden an die Steckdose. Nur bei sehr vorsichtigem Umgang kamen wir auf Laufzeiten bis zu 20 Stunden. Das iPhone 4S hat mit der aktuellen Betriebssoftware einen längeren Atem und absolviert bei uns mittlerweile fast zwei Tage.

Keine Frage: Das Galaxy Nexus ist das neue Android-Flaggschiff, und das Google-Betriebssystem spielt hier so gut wie nie mit einer beeindruckenden Performance auf. Der Android-Fan muss dieses Gerät haben. Alle anderen kommen ins Grübeln, vor allem angesichts der unhandlichen Bauform. Es fehlt der Paukenschlag, das ist das Problem.

 

Review auf ZD Net: „Galaxy Nexus rocks, but I don’t recommend you buy one“

 

Öffentlichen Feiertags-Kalender dem iOS-Gerät hinzufügen / Kalenderabo hinzufügen

Ich möchte gern einen öffentlichen Kalender mit Feiertagen auf meinem iPad oder iPhone integrieren. Mit iOS 5 geht das zum Beispiel so:

1. Adresse eines öffentlichen Kalenders suchen. Google bietet etwa die Deutschen Feiertage unter folgender URL an:

http://www.google.com/calendar/ical/de.german%23holiday%40group.v.calendar.google.com/public/basic.ics

2. URL kopieren und auf dem iOS-Gerät in die „Einstellungen“ gehen, dort auf „Mail, Kontakte, Kalender“, dann auf „Account hinzufügen“ und „Andere“ und „Kalenderabo hinzufügen“. Die ICS-URL von oben einsetzen, bestätigen, und das ist schon alles.

Android 4.0.3 auf dem Samsung / Google Nexus S

Ich habe heute das OTA angebotene Update auf das ältere Samsung Nexus S aufgespielt, trotz einiger Warnungen, etwa hier. Das Gerät kommt aus den USA. Der erste Eindruck ist überwältigend. Man hat quasi ein neues Gerät, das schicke Design von Android 4 überzeugt auch hier. Auch beim Tempo macht man im Vergleich mit dem Galaxy Nexus nur wenige Kompromisse, man kann damit leben. Also insgesamt ein tolles Update für ein älteres Modell. Einige Beobachtungen:

– Die Bildschirmsperre mit Gesichtserkennung wird nicht unterstützt.

– Im Unterschied zum Galaxy Nexus wird kein Platz am unteren Bildschirmrand für die Softkeys abgeknapst, die Softkeys des Nexus S bleiben also mit der gewohnten Belegung erhalten.

– Ankopplung an den Bluetooth-Freisprecher Nissan Connect klappt nicht. Testwagen: Neuer Nissan Quashqai.

Klappt nicht: Bluetooth-Anbindung im Fahrzeug (Foto Spehr)

– Screenshots funktionieren auch auf diesem Gerät!

– Das hier beschriebene Kontakte-Chaos tritt auch mit dem Nexus S auf.

– Apps und Einstellungen bleiben erhalten, auch Kennwörter etc.

-Fast alle alten Apps laufen auch unter Android 4.

– Spracherkennung arbeitet wie auf dem Galaxy Nexus.

– Deutlich kürzere Akkulaufzeit!!

Der ärgerlichste Fehler des Samsung Galaxy Nexus: Das Kontakte-Chaos von Android

Wie beim Samsung Galaxy S2 ist auch beim neuen Samsung Galaxy Nexus mit dem brandneuen Android 4 ein Wirrwarr bei der Adressverwaltung zu beobachten, das mehr als ärgerlich ist. Um das Problem einzukreisen sei Google-Konto A das Konto, das zuerst auf dem Gerät angelegt wird und üblicherweise die Verknüpfung mit dem Android Market enthält. Die in diesem Konto hinterlegten Adressen werden in jedem Falle synchronisiert, auch wenn man unter „Einstellungen“, „Konten und Synchronisierung“ die Synchronisierung der Kontakte verneint, also das grüne Häkchen nicht setzt. Auch wenn man direkt nach dem Anlegen des Kontos sofort in die „Einstellungen“ geht, sofort das Häkchen löscht: Es wird synchronisiert, ob man das will oder nicht.

Samsung Galaxy Nexus (Foto Hersteller)

Nun lege man ein Konto B an, etwa ein weiteres Google-Konto, oder ein Exchange-Konto oder ein Business-Konto aus Google Apps. Hier sollen die Adressen synchronisiert werden. So weit, so gut.

Geht man jetzt auf die Kontakte, sind alle Adressen aller Konten sichtbar. Man kann über das Kontext-Menü „Kontakte zum Anzeigen“ und „Anpassen“ abermals nachjustieren, Unerwünschtes abwählen: Es bleibt folgenlos. Spätestens beim Start einer Suche sind die Kontakte aus Konto A wieder da. Noch schlimmer wird das Ganze im Auto beim Einsatz einer Bluetooth-Freisprechanlage: Alle Einträge aller Konten sind auf dem Monitor sichtbar. Wer in Konto A beispielsweise seine privaten Adressen pflegt und in B seine beruflichen, darf sich über ein Chaos ohnegleichen freuen.

Noch ärgerlicher: Installiert man What’sApp oder einen anderen Messenger, der auf das Kontaktverzeichnis zugreift, haben nun die privaten Kontakte aus A auch Zugriff auf das Dienst-Smartphone.

Ergänzung: Bindet man Google Apps (die Business-Lösung) als Exchange-Account ein, gibt es keinen Zugriff auf die E-Mails im Posteingang. Man kann nur über einzelne Label auf die Nachrichten zugreifen. Der Posteingang bleibt (mit Fehlermeldung) leer. Zudem kann man keine Kalender zur Synchronisation auswählen.

Audi bringt Internetradio und Google Streetview ins Fahrzeug

Unten der Auszug aus der Pressemeldung. Und gleich die offenen Fragen: Die Musikübertragung erfolgt mit W-Lan, nicht mit Bluetooth A2DP? Wird mit W-Lan dann auch der vorhandene iTunes-Musikbestand gestreamt? Schick wäre es natürlich auch, wenn man Musikstreaming-Dienste integrieren könnte, also etwa die Stücke der Napster-App ins MMI schaufeln könnte. 

„Mit der neuen Applikation „Audi music stream“ können internationale Radiosender über das Internet im Auto empfangen werden. Bereits im Auto ein Bild davon haben, wie es am Zielort aussieht? Auch das ist kein Problem: Einfach mittels Street View die Straßenansichten aufrufen.

Mit „Audi music stream“ startet ein neuer Dienst von Audi connect. Mit der Smartphone-App kann der Fahrer Radiosender über das Internet empfangen und diese in das Audi Infotainment integrieren. Via WLAN wird das eigene Smartphone mit der MMI Navigation plus verknüpft. Wenn nichts Interessantes im UKW-Radio läuft: Einfach über das MMI drahtlos auf die Musikbibliothek des Telefons zugreifen und die gewünschte Datei abspielen oder aus dem weltweiten Internet-Radio-Angebot den gewünschten Sender wählen.

Dank der Navigation mit Google Earth-Bildern und Street View können hochauf­lösende Luft- und Satellitenbilder, Fotos, Geländeformationen, Straßen und ihre Bezeichnungen und Geschäftseinträge betrachtet werden. Das System greift im Voraus auf die Daten der ausgewählten Strecke zu und kombiniert diese mit den Informationen der MMI Navigation plus. Über das UMTS-Modul des Bluetooth-Autotelefons online werden realitätsgetreue 360°-Panoramabilder aus der Fußgängerperspektive im Auto dargestellt.“

 

Semantik und Anthropomorphisierung: Worauf der Erfolg von Apples Siri basiert

„Alles spricht dafür, dass es Schokolade ist“, antwortet Siri auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Wenn sie etwas gesprächiger ist, hört man auch: „Das ist einfach: Es ist eine philosophische Frage über den Zweck und die Bedeutung des Lebens oder der Existenz im Allgemeinen.“ Diese Anekdoten über die Sprachbedienung des neuen iPhone 4S machen derzeit die Runde. Siri gilt als Revolution, als tolle Erfindung aus dem Hause Apple. Aber was steckt wirklich dahinter?

Wenn es um die Erkennung von Sprache geht, darf man zunächst festhalten, dass die Technik nicht neu ist. Spracherkennung am PC gibt es seit mehr als zehn Jahren, für Smartphones seit mindestens fünf. Sie führte allerdings nur eine Nischenexistenz. Ärzte und Anwälte diktieren, weil es schneller geht als die manuelle Texteingabe. Zeit und Geld sind die wichtigste Motivation, sich mit einer Technik auseinanderzusetzen, die als sperrig gilt. Denn so locker und lässig wie mit Siri funktioniert das Ganze am PC nicht.

Es sind also bestimmte „Zutaten“, mit denen Apple nun auftrumpft. Das sind an erster Stelle die kleinen Sperenzchen, wie etwa die Möglichkeit, nach der Wettervorhersage für eine bestimmte Stadt fragen zu können. Was nach Spielerei aussieht, hat jedoch Sinn. Es ist nicht nur der Kunstgriff des Anthropomorphismus, der Siri menschliche Eigenschaften zusprechen soll. Apple macht vor allem den Einstieg in eine Technik einfach, die für die meisten Nutzer fremd ist. Wie wichtig dieser saloppe Anfang ist, weiß man spätestens bei der Inbetriebnahme einer professionellen Software wie Dragon Naturally Speaking. Hier ist eine Hürde zu nehmen, nämlich das Erstellen eines persönlichen Benutzerprofils durch ein längeres Probediktat. Erst danach stellen sich Erfolgserlebnisse ein. Bei Siri ist es genau umgekehrt: Zunächst spielt man, dann entsteht der Wunsch nach „mehr“.

Nach der Suchmaschine: Siri gibt Antworten (Foto Spehr)

Der zweite Vorzug der Apple-Lösung ist die semantische Analyse, die in der Tat als Alleinstellungsmerkmal gelten darf. Diktiert man einem neuen Windows-Smartphone „Neuer Termin übermorgen um 10 Uhr mit Max Muster“, wird es unter guten Bedingungen das Gesagte fehlerfrei transkribieren und auf dem Display anzeigen. Aber es kann mit dem Inhalt nichts anfangen – und startet hilflos eine Internetsuche nach dem Text in Anführungszeichen. Kein besonders pfiffiges Verfahren. Siri hingegen erstellt einen Terminvorschlag mit dem Teilnehmer Max Muster und setzt das „übermorgen“ automatisch in ein Kalenderdatum um. Siri funktioniert zwar nur in gewissen Grenzen. Aber die inhaltliche Auswertung des Gesagten zeigt überdeutlich in eine Richtung, die traditionelle Spracherkenner bisher nur in Ansätzen genommen haben: Das Zulassen von Variabilität bei Eingaben und Kommandos. Damit wird der Vorhang aufgerissen für ganz neue Möglichkeiten der Spracherkennung. Herkömmliche Systeme fokussieren sich auf die Identifizierung des Gesagten, die möglichst hohe Erkennungsleistung steht im Vordergrund. Mit diesem Ansatz erzielt man wunderbare Ergebnisse bei der Erfassung von längeren Texten. Aber es gelingen einfachste Dinge nicht – oder nur auf Umwegen. Das Erstellen eines Outlook-Kalendereintrags in der übernächsten Woche am Mittwoch wird selbst der geübte Dragon-Experte an seinem PC nicht ohne Blick auf den Papierkalender absolvieren können. Denn der Drachen kann „übernächste Woche Mittwoch“ nicht in ein Datumsformat umsetzen. Mit Siri wird die Übung dank semantischer Analyse zu einem Kinderspiel.

Nun fragt man sich natürlich, warum andere Entwickler nicht früher auf solche Ideen gekommen sind. Es ist jedoch nicht Apples Klugheit, sondern die Geschlossenheit seines Ökosystems, die einen Geniestreich wie Siri ermöglichte. Eine PC-Software wie Dragon muss sich nicht nur auf drei verschiedenen Windows-Plattformen behaupten, sondern arbeitet auch mit nahezu jedem Kalender-System zusammen, mit einem älteren oder neueren Outlook, aber auch mit ungezählten anderen Programmen und sogar einem Kalender, der allein im Web-Browser läuft.

Gleiches gilt für Wettervorhersage, E-Mail, Notizen und anderes: Was auf dem PC zerfasert und in ganz unterschiedlichen Varianten vorliegt, ist auf dem iPhone in einer fest definierten Systemarchitektur implementiert. Und von dieser oft kritisierten Monokultur profitiert die Sprachbedienung ungemein. Sie kann Erkanntes einzelnen Modulen zuordnen und verheddert sich nicht in der Vielfalt unterschiedlicher und in den Details inkompatibler Verwaltungssysteme. Selbst wenn Dragon Naturally Speaking von seinem Hersteller um ein Semantikmodul ergänzt werden würde, wüsste es noch nicht, ob bei „sage Klaus, ich bin gleich da“ eine Chat-Meldung, eine Facebook-Nachricht oder eine E-Mail gemeint ist.

Der dritte Pluspunkt von Siri ist die aktive Recherche. Wir sind es gewohnt, dass ein Computer nach einer Eingabe mit einer definierten Ausgabe reagiert. Die Google-Suchmaschine gibt beispielsweise eine Handvoll Links aus – mehr nicht. Nun muss der Nutzer sortieren, einordnen und auswählen, welche Ergebnisse zur Beantwortung seiner Anfrage relevant oder sinnvoll sind. Siri hingegen gibt Antworten. Nicht durchgängig, aber zumindest tendenziell, und vor allem in der amerikanischen Version weitaus öfter als in der deutschen. Der dritte Präsident der Vereinigten Staaten war Thomas Jefferson, und das weiß das amerikanische Siri dank einer Abfrage der Datenbanken von Wolfram Alpha. Die gleichlautende Google-Suche bringt an erster Stelle nur eine Liste der Präsidenten der Vereinigten Staaten hervor, auf dass man selbst klicke und nachsehe. Dieser zunächst klein erscheinende Unterschied wird ein großer, je komplexer die Fragen und je besser die Antworten Siris werden. Google sieht plötzlich sehr alt aus, zumal Siri auch gelegentlich Rückfragen stellt, um den Gegenstand weiter einzukreisen. Das alles wird die Technik des Suchens nicht nur auf Mobilgeräten grundlegend ändern. Das Hilfsmittel „Suchmaschine“ hat sich überlebt.

Siri führt einem breiten Publikum vor Augen, dass die Spracherkennung den Erwartungshorizont der um sie rankenden Utopien schon lange erreicht hat. Im täglichen Einsatz mit dem iPhone 4S ändert sich einiges: Man ist mit dem Diktieren fast immer schneller und besser bedient als mit fingerfertigen Übungen auf dem Display. Die Frage ist nicht mehr, ob und wie gut die Technik funktioniert, sondern ob man gewillt ist, in aller Öffentlichkeit oder zumindest im Büro mit seinem iPhone zu sprechen. Es geht allein um die soziale Akzeptanz. Wer die Idee für abstrus hält, denke zurück an eine Bürowelt ohne Telefone im 19. Jahrhundert.

Auch am PC wird sich die Spracherkennung ändern. Dragon-Hersteller Nuance ist schon jetzt dabei, sein schweres Flaggschiff leichter bedienbar zu machen, ein „Dragon Express“ für den Mac wurde unlängst in den Vereinigten Staaten vorgestellt. Am Ende benötigt ein sprachbedienter Computer jedoch unabdingbar ein neues Betriebssystem, das sich stärker auf die Inhalte fokussieren und den lästigen Verwaltungsunterbau, der unsere heutigen PCs aus historischen Gründen prägt, weitgehend ausblenden wird. Darin wird in der Rückschau der Erfolg von Siri liegen.

Leistungsschutzrecht für Twitter

Viele Verlage fordern ein Leistungsschutzrecht für ihre gedruckten und im Internet erschienenen Publikationen. Der sperrige Begriff bezeichnet jene Leistungen, die nicht von den Urhebern, sondern von den „Nachschaffenden“ erbracht werden. Hat die Meldung der Nachrichtenagentur dpa einen Urheber, nämlich den Autor, ist der Nachschaffende zum Beispiel ein Redakteur, der sie aus der Vielzahl der Meldungen auswählt und – vielleicht mit einer prägnanteren Überschrift versehen – auf seine Internetseite stellt. Das Leistungsschutzrecht soll den zweiten Schritt belohnen. Bezahlen wiederum sollen Nachrichtenaggregatoren, die maschinell die Früchte dieser Handarbeit ernten, auf ihren eigenen Seiten veröffentlichen, damit „Traffic“ generieren und an diesem durch zugeschaltete Werbung verdienen. Das hört sich zunächst sehr konsequent an, hat aber etliche Tücken im Detail. Denn zum Beispiel Google mit seiner News-Seite verlinkt nur. Wer sich von einem Beitrag angesprochen fühlt und auf die Überschrift klickt, landet auf der Seite des Nachschaffenden. Den Online-Portalen der Verlage werden also neue Besucher zugeführt, von denen auch sie unmittelbar profitieren.

Ferner ist die Frage aufgeworfen, wie das Leistungsschutzrecht auf die sozialen Netzwerke anzuwenden ist. Denn die „Elite“ bei Twitter, Facebook oder Google+ besteht aus Nachschaffenden, die unentgeltlich arbeiten. Diese Kuratoren „scannen“ fortwährend die spannendsten Themen des Tages, sie verlinken auf die nach ihrer Meinung besten Artikel, und ob der Begrenzungen von Twitter und Co. ist manche Überschrift in 140 Zeichen ein kleines Kunstwerk. Die Leistung dieser Nachschaffenden ist klar und präzise ermittelbar. Nämlich über die Statistiken der „Linkverkürzer“ wie bit.ly und die „Retweets“ durch andere. Zum Funktionsprinzip der sozialen Netzwerke gehört, dass sich Interessantes auch dann in Windeseile verbreitet, wenn es nicht prominent plaziert wurde. Es kommt auf den Inhalt an, nicht auf die Form oder das Medium, manche Nachrichten brechen sich wie eine Flutwelle ihren Weg. Wenn es bei einem Leistungsschutzrecht nicht um Polemik oder eine symbolische Auseinandersetzung gehen sollte und man sich an den nackten Tatsachen der Klickzahlen orientiert, sind die Gewinner eines solchen Schutzrechtes also dort zu suchen, wo man sie nicht auf den ersten Blick vermutet. (F.A.S. vom 4.12.11)

Test: Navigation und Infotainment im Range Rover 2011

Das feine Fahren: Der Range Rover (Fotos Hersteller)

Es sind gleich mehrere Extras, die im großen Range Rover hervorstechen. Der Inbegriff des luxuriösen Geländewagens ist hinsichtlich Navigation und Unterhaltung wunderbar ausgestattet, er duftet nach altem Geld und feiner Elektronik. Das erste schöne Detail zeigt sich schon beim Betreten des Fahrzeugs mit einem Blick auf die Armaturenlandschaft. Wo sich normalerweise die Analoginstrumente befinden, sieht man zunächst nichts. Nach wenigen Sekunden erscheint ein prachtvolles Hintergrundbild, bevor schließlich die virtuellen Instrumente und Anzeigen zum Leben erwecken. Während der Fahrt weiteres Staunen: Dank der Digitaltechnik hat man wichtige Informationen schneller im Blick. Ein „Spotlight“ hebt die aktuelle Geschwindigkeit und Drehzahl mit kräftiger Beleuchtung hervor, bei 120 km/h rückt beispielsweise das Band von 100 bis 140 km/h sofort in den Blick. Schade nur, dass die große Fläche zwischen Tachometer und Drehzahlmesser den größten Teil der Zeit schwarz bleibt. Weitere Zusatzinformationen, etwa zur Fahrzeugkonfiguration, lassen sich nur temporär einblenden, und die Anzeige des Bordcomputers versteckt sich während der Fahrt in einer kleinen Fußzeile.

Das tolle Display wird ergänzt um eine zweite Anzeige in der Mittelkonsole, deren Raffinesse sich nicht unmittelbar erschließt. Es handelt sich nämlich um ein Dual-View-Display, das zwei Anzeigen gleichzeitig liefert. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt und eine zweite für den Beifahrer, der eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Die Technik basiert auf einer Parallaxenbarriere über dem Display. Es handelt sich dabei um eine Flüssigkristallschicht, die sich je nach Bedarf lichtdurchlässig oder nicht-durchlässig schalten lässt und so die Sichtwinkel der beiden Bilder elektronisch steuert. Die jeweiligen Bildinhalte werden im Takt der Parallaxenbarriere umgeschaltet. In dem einem Moment wird die Darstellung zum Fahrer hin freigegeben, im nächsten die zum Beifahrer. Das alles geschieht unmerklich und hinreichend schnell. Die gleiche Technik kommt übrigens auch bei der Erzeugung dreidimensionaler Effekte in manchen Fernsehgeräten oder bei der Spielekonsole Nintendo 3DS zum Einsatz.

Dual View: Nur im Stand zeigt sich das TV-Bild für Fahrer und Beifahrer (Foto Spehr)

Im Range Rover muss man sich indes um nichts kümmern, ein Tastendruck auf die Dual-View-Taste aktiviert das System und man wählt für den Beifahrer den entsprechenden Zuspieler (DVD, DVB-T oder das iPod-Menü) aus. Ein kleiner Nachteil der Technik sei allerdings nicht verschwiegen: Weil das Display auf der Hochachse links und rechts zwei verschiedene Bilder generieren muss, reduziert sich die physikalische Auflösung für jedes Bild. So scharf und satt wie die Anzeige der virtuellen Instrumente ist das Hauptdisplay also nicht. Alles in allem kann Dual View durchaus begeistern. Auf dem Beifahrersitz war das TV-Programm in toller Qualität zu genießen, und der Fahrer sieht an seiner Position nichts Ablenkendes. Erst wenn er sich auf den Nebensitz herüberbeugt, kommt das zweite Bild in den Blick.

Kein Controller: Der Wählschalter für das Automatikgetriebe auf der Mittelkonsole

Als dritten Pluspunkt zählen wir die umfassende Serienausstattung. Zwar kostet der Dual-View-Monitor einen Aufpreis von 800 Euro. Aber alles andere bringt der Range Rover, der in der kleinsten Modellvariante mit 90 000 Euro zu Buche schlägt, serienmäßig mit: CD-Wechsler, Navigationssystem, TV-Empfänger, Sprachbedienung und Bluetooth-Freisprecher. Die HiFi-Anlage stammt von Harman-Kardon und kommt mit mindestens 11 Lautsprechern sowie Anschlüssen für alle nur denkbaren Zuspieler. Man muss schon lange in der Preisliste blättern, um noch weitere kostenpflichtige Extras zu entdecken. Etwa ein Premium-HiFi-System mit 13 Lautsprechern und einer Verstärkerleistung von 720 Watt (1540 Euro, serienmäßig im „Vogue“ aufwärts) oder ein System mit 19 Lautsprechern, 1200-Watt-Verstärker und Subwoofer für 1700 Euro. Ferner gibt es ein Multimedia-System für die Fondspassagiere mit Bildschirmen in den Kopfstützen (3900 Euro).

Wir haben die Anlage im „Vogue“ ausprobiert, und waren von der Akustik sehr angetan. Die Musik kam bei uns von CD und vom iPhone, das sich kabelgebunden problemlos anbinden lässt. Der Zugriff auf Alben, Titel und Wiedergabelisten erfolgt dann ganz bequem am Monitor. Wer ein anderes Smartphone einsetzt, wird allerdings Bluetooth A2DP zur drahtlosen Musikübertragung vermissen. Und in der Telefonabteilung wäre das Sim-Access-Profil für den Blauzahn ebenfalls hilfreich, wenn es um störungsfreien Empfang in widriger Umgebung geht.

Am Arbeitsplatz: Das feine Extra ist die Lenkradheizung

Alle anderen Komponenten spielen auf hohem Niveau, keine Frage. Vergleicht man jedoch mit den Top-Produkten der Konkurrenz, etwa Audis MMI-System in der Oberklasse oder dem iDrive von BMW, sind einige Minuspunkte durchaus zu sehen. Das Bediensystem ist eher schlicht gehalten, es fehlt die Steuerung mit einem Controller und vor allem die durchgängige Logik bis ins kleinste Detail. Ausgehend vom Hauptmenü ist die Anlage im Range Rover mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen Display zu steuern. Mancher Weg in die Menüs ist deutlich zu lang, andere Funktionen findet man nicht auf Anhieb, aber das gilt ja auch für MMI und iDrive. Der Staugeplagte sucht im Range Rover vergeblich bessere Verkehrsinformationen als die eingesetzten Gratisnachrichten von TMC. Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit fehlen.  Auch die Spracherkennung hat ihre Tücken. Kontakte aus dem Telefonbuch lassen sich nur nach vorherigem Anlernen wählen, und bei der Eingabe des Navigationsziels steht der praktische Helfer nicht parat.

Überzeugend wiederum die Gelände-Navigation für den Einsatz jenseits der Straße. Ist sie aktiv, sieht man einen Kompass mit Fahrtrichtung. Es lassen sich Spurmarkierungen in Intervallen setzen, und Routen im Gelände können aus bis zu 35 Etappenzielen bestehen, wobei letztere über geographische Koordinaten oder die Entfernung und Peilung der aktuellen Fahrzeugposition erfasst werden. Im Geländeeinsatz mag sich auch die sogenannte Venture-Cam bewähren: Das sind Videokameras (bis zu 16), die sich im Fahrzeug oder am Anhänger anbringen lassen, und ihre Bilder drahtlos an den Monitor übertragen. Sie sollen das Rückwärtsfahren mit einem Anhänger erleichtern, können aber auch schwierige Fahrmanöver aus einer zweiten Perspektive auf den Monitor bringen.

Alles in allem sind die HiFi-Abteilung, der Dual-View-Monitor und die Geländenavigation die Pluspunkte der Elektronik im Range Rover. Bei der  Straßennavigation geht man Kompromisse ein, aber angesichts der reichhaltigen Serienausstattung ist das eine Nörgelei auf hohem Niveau.