Leistungsschutzrecht für Twitter

Viele Verlage fordern ein Leistungsschutzrecht für ihre gedruckten und im Internet erschienenen Publikationen. Der sperrige Begriff bezeichnet jene Leistungen, die nicht von den Urhebern, sondern von den „Nachschaffenden“ erbracht werden. Hat die Meldung der Nachrichtenagentur dpa einen Urheber, nämlich den Autor, ist der Nachschaffende zum Beispiel ein Redakteur, der sie aus der Vielzahl der Meldungen auswählt und – vielleicht mit einer prägnanteren Überschrift versehen – auf seine Internetseite stellt. Das Leistungsschutzrecht soll den zweiten Schritt belohnen. Bezahlen wiederum sollen Nachrichtenaggregatoren, die maschinell die Früchte dieser Handarbeit ernten, auf ihren eigenen Seiten veröffentlichen, damit „Traffic“ generieren und an diesem durch zugeschaltete Werbung verdienen. Das hört sich zunächst sehr konsequent an, hat aber etliche Tücken im Detail. Denn zum Beispiel Google mit seiner News-Seite verlinkt nur. Wer sich von einem Beitrag angesprochen fühlt und auf die Überschrift klickt, landet auf der Seite des Nachschaffenden. Den Online-Portalen der Verlage werden also neue Besucher zugeführt, von denen auch sie unmittelbar profitieren.

Ferner ist die Frage aufgeworfen, wie das Leistungsschutzrecht auf die sozialen Netzwerke anzuwenden ist. Denn die „Elite“ bei Twitter, Facebook oder Google+ besteht aus Nachschaffenden, die unentgeltlich arbeiten. Diese Kuratoren „scannen“ fortwährend die spannendsten Themen des Tages, sie verlinken auf die nach ihrer Meinung besten Artikel, und ob der Begrenzungen von Twitter und Co. ist manche Überschrift in 140 Zeichen ein kleines Kunstwerk. Die Leistung dieser Nachschaffenden ist klar und präzise ermittelbar. Nämlich über die Statistiken der „Linkverkürzer“ wie bit.ly und die „Retweets“ durch andere. Zum Funktionsprinzip der sozialen Netzwerke gehört, dass sich Interessantes auch dann in Windeseile verbreitet, wenn es nicht prominent plaziert wurde. Es kommt auf den Inhalt an, nicht auf die Form oder das Medium, manche Nachrichten brechen sich wie eine Flutwelle ihren Weg. Wenn es bei einem Leistungsschutzrecht nicht um Polemik oder eine symbolische Auseinandersetzung gehen sollte und man sich an den nackten Tatsachen der Klickzahlen orientiert, sind die Gewinner eines solchen Schutzrechtes also dort zu suchen, wo man sie nicht auf den ersten Blick vermutet. (F.A.S. vom 4.12.11)

3 Antworten auf „Leistungsschutzrecht für Twitter“

  1. Aber natürlich sind auch die Nachrichtenaggregatoren Nachschaffende, da sie tatsächlich nicht nur verlinken, sondern vorher ausgeklügelte Algorithmen schaffen, die Nachrichtenmeldungen auffinden, kategorisieren, inhaltlich sortieren (also Artikel zum gleichen Thema einander zuordnen), und das ganze so für den Leser handhabbar machen. Sie müssten für ihre Arbeit konsequenterweise auch entlohnt werden.

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