Test: Navigation und Infotainment im Range Rover 2011

Das feine Fahren: Der Range Rover (Fotos Hersteller)

Es sind gleich mehrere Extras, die im großen Range Rover hervorstechen. Der Inbegriff des luxuriösen Geländewagens ist hinsichtlich Navigation und Unterhaltung wunderbar ausgestattet, er duftet nach altem Geld und feiner Elektronik. Das erste schöne Detail zeigt sich schon beim Betreten des Fahrzeugs mit einem Blick auf die Armaturenlandschaft. Wo sich normalerweise die Analoginstrumente befinden, sieht man zunächst nichts. Nach wenigen Sekunden erscheint ein prachtvolles Hintergrundbild, bevor schließlich die virtuellen Instrumente und Anzeigen zum Leben erwecken. Während der Fahrt weiteres Staunen: Dank der Digitaltechnik hat man wichtige Informationen schneller im Blick. Ein „Spotlight“ hebt die aktuelle Geschwindigkeit und Drehzahl mit kräftiger Beleuchtung hervor, bei 120 km/h rückt beispielsweise das Band von 100 bis 140 km/h sofort in den Blick. Schade nur, dass die große Fläche zwischen Tachometer und Drehzahlmesser den größten Teil der Zeit schwarz bleibt. Weitere Zusatzinformationen, etwa zur Fahrzeugkonfiguration, lassen sich nur temporär einblenden, und die Anzeige des Bordcomputers versteckt sich während der Fahrt in einer kleinen Fußzeile.

Das tolle Display wird ergänzt um eine zweite Anzeige in der Mittelkonsole, deren Raffinesse sich nicht unmittelbar erschließt. Es handelt sich nämlich um ein Dual-View-Display, das zwei Anzeigen gleichzeitig liefert. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt und eine zweite für den Beifahrer, der eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Die Technik basiert auf einer Parallaxenbarriere über dem Display. Es handelt sich dabei um eine Flüssigkristallschicht, die sich je nach Bedarf lichtdurchlässig oder nicht-durchlässig schalten lässt und so die Sichtwinkel der beiden Bilder elektronisch steuert. Die jeweiligen Bildinhalte werden im Takt der Parallaxenbarriere umgeschaltet. In dem einem Moment wird die Darstellung zum Fahrer hin freigegeben, im nächsten die zum Beifahrer. Das alles geschieht unmerklich und hinreichend schnell. Die gleiche Technik kommt übrigens auch bei der Erzeugung dreidimensionaler Effekte in manchen Fernsehgeräten oder bei der Spielekonsole Nintendo 3DS zum Einsatz.

Dual View: Nur im Stand zeigt sich das TV-Bild für Fahrer und Beifahrer (Foto Spehr)

Im Range Rover muss man sich indes um nichts kümmern, ein Tastendruck auf die Dual-View-Taste aktiviert das System und man wählt für den Beifahrer den entsprechenden Zuspieler (DVD, DVB-T oder das iPod-Menü) aus. Ein kleiner Nachteil der Technik sei allerdings nicht verschwiegen: Weil das Display auf der Hochachse links und rechts zwei verschiedene Bilder generieren muss, reduziert sich die physikalische Auflösung für jedes Bild. So scharf und satt wie die Anzeige der virtuellen Instrumente ist das Hauptdisplay also nicht. Alles in allem kann Dual View durchaus begeistern. Auf dem Beifahrersitz war das TV-Programm in toller Qualität zu genießen, und der Fahrer sieht an seiner Position nichts Ablenkendes. Erst wenn er sich auf den Nebensitz herüberbeugt, kommt das zweite Bild in den Blick.

Kein Controller: Der Wählschalter für das Automatikgetriebe auf der Mittelkonsole

Als dritten Pluspunkt zählen wir die umfassende Serienausstattung. Zwar kostet der Dual-View-Monitor einen Aufpreis von 800 Euro. Aber alles andere bringt der Range Rover, der in der kleinsten Modellvariante mit 90 000 Euro zu Buche schlägt, serienmäßig mit: CD-Wechsler, Navigationssystem, TV-Empfänger, Sprachbedienung und Bluetooth-Freisprecher. Die HiFi-Anlage stammt von Harman-Kardon und kommt mit mindestens 11 Lautsprechern sowie Anschlüssen für alle nur denkbaren Zuspieler. Man muss schon lange in der Preisliste blättern, um noch weitere kostenpflichtige Extras zu entdecken. Etwa ein Premium-HiFi-System mit 13 Lautsprechern und einer Verstärkerleistung von 720 Watt (1540 Euro, serienmäßig im „Vogue“ aufwärts) oder ein System mit 19 Lautsprechern, 1200-Watt-Verstärker und Subwoofer für 1700 Euro. Ferner gibt es ein Multimedia-System für die Fondspassagiere mit Bildschirmen in den Kopfstützen (3900 Euro).

Wir haben die Anlage im „Vogue“ ausprobiert, und waren von der Akustik sehr angetan. Die Musik kam bei uns von CD und vom iPhone, das sich kabelgebunden problemlos anbinden lässt. Der Zugriff auf Alben, Titel und Wiedergabelisten erfolgt dann ganz bequem am Monitor. Wer ein anderes Smartphone einsetzt, wird allerdings Bluetooth A2DP zur drahtlosen Musikübertragung vermissen. Und in der Telefonabteilung wäre das Sim-Access-Profil für den Blauzahn ebenfalls hilfreich, wenn es um störungsfreien Empfang in widriger Umgebung geht.

Am Arbeitsplatz: Das feine Extra ist die Lenkradheizung

Alle anderen Komponenten spielen auf hohem Niveau, keine Frage. Vergleicht man jedoch mit den Top-Produkten der Konkurrenz, etwa Audis MMI-System in der Oberklasse oder dem iDrive von BMW, sind einige Minuspunkte durchaus zu sehen. Das Bediensystem ist eher schlicht gehalten, es fehlt die Steuerung mit einem Controller und vor allem die durchgängige Logik bis ins kleinste Detail. Ausgehend vom Hauptmenü ist die Anlage im Range Rover mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen Display zu steuern. Mancher Weg in die Menüs ist deutlich zu lang, andere Funktionen findet man nicht auf Anhieb, aber das gilt ja auch für MMI und iDrive. Der Staugeplagte sucht im Range Rover vergeblich bessere Verkehrsinformationen als die eingesetzten Gratisnachrichten von TMC. Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit fehlen.  Auch die Spracherkennung hat ihre Tücken. Kontakte aus dem Telefonbuch lassen sich nur nach vorherigem Anlernen wählen, und bei der Eingabe des Navigationsziels steht der praktische Helfer nicht parat.

Überzeugend wiederum die Gelände-Navigation für den Einsatz jenseits der Straße. Ist sie aktiv, sieht man einen Kompass mit Fahrtrichtung. Es lassen sich Spurmarkierungen in Intervallen setzen, und Routen im Gelände können aus bis zu 35 Etappenzielen bestehen, wobei letztere über geographische Koordinaten oder die Entfernung und Peilung der aktuellen Fahrzeugposition erfasst werden. Im Geländeeinsatz mag sich auch die sogenannte Venture-Cam bewähren: Das sind Videokameras (bis zu 16), die sich im Fahrzeug oder am Anhänger anbringen lassen, und ihre Bilder drahtlos an den Monitor übertragen. Sie sollen das Rückwärtsfahren mit einem Anhänger erleichtern, können aber auch schwierige Fahrmanöver aus einer zweiten Perspektive auf den Monitor bringen.

Alles in allem sind die HiFi-Abteilung, der Dual-View-Monitor und die Geländenavigation die Pluspunkte der Elektronik im Range Rover. Bei der  Straßennavigation geht man Kompromisse ein, aber angesichts der reichhaltigen Serienausstattung ist das eine Nörgelei auf hohem Niveau.

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