Wenn der Beifahrer den Spielfilm in der Windschutzscheibe sieht: Kommunikationstechnik auf der Auto Show in Detroit

Keine Neuvorstellung ohne Kommunikationstechnik: An jeder Ecke der Autoshow in Detroit zeigten die führenden Hersteller ihre neuen Navi-Systeme, ihre Multimedia-Anlagen, das vernetzte Fahrzeug der Zukunft und immer größere Farbdisplays in der Mittelkonsole. Die Smartphone-App zum Auto wird selbstverständlich: als ausgelagertes Bedienelement für Zusatzfunktionen und Mittel der Personalisierung. Oder, wie bei der App „Car Together“ von Mercedes-Benz, zum Finden von Mitfahrern, die ähnliche Interessen und Hobbys haben. Auch das Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser soll bei der Individualisierung des eigenen Wagens hilfreich sein: Selbst in der Kompaktklasse sieht man künftig hochauflösende Zweitanzeigen mit frei wählbaren Farben für Navi-Hinweise und Musik-Wiedergabelisten.

Der neue Trend bei den Cockpitanzeigen sind „Themes“, wie man sie in der Smartphone-Welt schon lange kennt: Diese Ensembles fassen Farben, Symbole, Inhalte und Einstellungen unter einem Dach zusammen und lassen sich mit wenig Aufwand wechseln. Ford zeigte abermals sein beliebtes „Sync„-System, das Navigation, Musik und Telefonie vereint. Die übergreifende Spracherkennung hat Sync in Amerika populär gemacht. Nun gibt es weitere neue Apps rund um Sync, und noch in diesem Jahr wird die Anlage in die europäischen Ford-Modelle einziehen.

Audi zeigte in Detroit und auf der CES in Las Vegas zwei neue Technikbausteine, die nahezu serienreif sind und auf der Messe in Nevada bereits ausgiebig erprobt werden konnten. Zum einen das verbesserte MMI-System, das bei Audi für Kommunikationstechnik und Unterhaltung zuständig ist. Das kommende MMI startet nicht etwa im Flaggschiff Audi A8, sondern im neuen Audi A3, der für 2013 angekündigt ist. Sofort augenfällig ist die modernisierte Bedienlandschaft: Das Touchpad befindet sich künftig auf dem nunmehr größeren Controller. Wie gehabt, kann man auf der berührungsempfindlichen Fläche mit dem Finger einzelne Buchstaben oder Ziffern malen, eine Schrifterkennung übernimmt die Umsetzung.

Per Fingertipp: Neue MMI für den Audi A3 (Fotos Audi)

Aus den bisherigen Menütasten werden nun Kipphebel, die man nach oben oder unten schiebt. Musste man bislang bei MMI stets den Blick von der Straße nach unten wenden, ist die Anlage nun erfühlbar und damit „blind“ zu bedienen. Ein von uns jahrelang beklagter Missstand ist damit abgestellt.

Auch in den einzelnen Abteilungen tut sich viel. In dem Karussellmenü gibt es künftig eine kleine Vorschau, welche die einzelnen Menüpunkte visualisiert. Die neuen optischen Elemente sind jedoch nicht nur eine Freude für das Auge. Vielmehr werden jetzt alle Funktionen – zu denen auch die Assistenzsysteme gehören – mit einem dreidimensionalen Modell auf dem Bildschirm erläutert. Will man beispielsweise die Lichtverteilung der Innenraumbeleuchtung ändern, sieht man die Auswirkungen vorab im Modell. Wer nicht genau weiß, welche Technik sich hinter einer Funktion verbirgt, dem wird auf diese Weise geholfen. Das Fahrzeugmodell wird nicht statisch wiedergegeben, sondern auf der Basis der gesetzten Einstellungen aktuell berechnet. Diese schöne Herausforderung gelingt dank der neuen Grafikeinheit Tegra T30 von Nvidia. Zudem ist von 2013 an das MMX-Board für die Multimedia-Erweiterungen austauschbar. So lassen sich also künftig neue Funktionen nachrüsten.

3D-Animation: Vorschaufunktion des neuen MMI (Foto Audi)

Vielleicht zieht dann auch Facebook in den Audi ein. In Las Vegas war ein entsprechender Menüpunkt bereits zu sehen. Nach der Anmeldung wird die Facebook-Pinwand gezeigt, einzelne Beiträge kann man sich vorlesen lassen. Wie bei Facebook im Command-System von Mercedes-Benz werden auch die „Orte“ unterstützt. Man sieht, wo sich seine Facebook-Freunde gerade aufhalten, und mit einem Tastendruck navigiert man zu der entsprechenden Location. Das alles lenkt deutlich weniger ab als die Suche nach einem Club oder Restaurant in der Navigationsabteilung. Eigene Statusmeldungen kann man, wie bei BMW und Mercedes-Benz, nur in der Form von Textbausteinen veröffentlichen. Auch hier wird also eine mögliche Ablenkung des Fahrers unterbunden.

Der zweite Baustein sind neue Headup-Displays, die als Konzeptstudie vorliegen. Bieten diese Anzeigen bislang nur sehr grobschlächtige Informationen, etwa Pfeildarstellungen für die Navigation, bringt Audi eine bislang nicht gesehene Detailtiefe in das Sichtfeld vor dem Fahrzeug. Verschiedene Techniken wurden vorgeführt: Was Audi „Mitteldisplay“ nennt, ist vor allem eine immense Erweiterung des Betrachtungswinkels. Auch der Beifahrer kann nun in der Windschutzscheibe jene Informationen sehen, die bei der alten Technik allein dem Fahrer vorbehalten waren. Eigene Headup-Displays für den Beifahrer wiederum ermöglichen es, dass dieser während der Fahrt einen Film von DVD sehen kann.

Am spektakulärsten erschien uns hingegen das „kontextanaloge“ Head-up-Display. Dabei werden Informationen, Warnmeldungen oder Navi-Hinweise so dicht mit der Realität verknüpft, dass beispielsweise der Navi-Abbiegehinweis in Pfeilform direkt auf dem entsprechenden Kreuzungspunkt zu liegen scheint. Der optische Eindruck ist überwältigend. Diese hochauflösenden Headup-Displays basieren auf der DLP-Projektionstechnik, wie man sie von Beamern im Heimkino kennt. Die Abkürzung steht für Digital Light Processing, Audi verwendet Auflösungen von derzeit 800 × 600 Pixel. Das Bild wird mit einer Lichtstärke von 10 000 Candela erzeugt und über eine Mattscheibe und mehrere Spiegel in die Windschutzscheibe eingespielt.

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