Lesen und Arbeiten mit dem iPad (2)

Dass das Lesen von digitalen Büchern mit einem Tablet PC sehr ordentlich funktioniert, hatten wir unlängst beschrieben. Für das iPad gibt es unterschiedliche Apps, die nicht nur den Zugriff auf das Buchangebot von Apple erlauben, sondern auch den weitaus größeren Bestand von Amazon auf den Flachrechner holen. Es bleiben die Nachteile eines Tablet PC: Er ist schwerer als ein E-Book-Reader, er verwendet nicht die fürs Auge angenehme „elektronische Tinte“, und seine Akkulaufzeit ist kürzer.

Hier geht es nun um das Lesen von aktuellen Nachrichten mit dem Tablet PC. Die richtigen Apps sind entscheidend, und man muss einige Umwege gehen. Denn das Lesen mit dem Internetbrowser des iPad kann schnell anstrengend werden. Viele Seiten werden auf dem kleinen Display nicht ordentlich dargestellt, Werbung und Navigationsleisten stören mehr als am PC-Monitor, und zum Speichern oder Drucken gibt es nur rudimentäre Lösungen.

Wer oft von einer Seite zur anderen springt, also unterschiedliche Nachrichtenquellen von faz.net über Heise.de bis hin zu einzelnen Blogs im Blick haben will, greift doch wieder zum Notebook. Oder entwickelt einen besseren „Workflow“ mit RSS-Feeds. RSS heißt „Really Simple Syndication“ und ist ein seit vielen Jahren bestehendes Internetprotokoll. Man kann es sich wie eine besonders schlanke Variante der gewohnten www-Seiten vorstellen: kein Ballast, kaum Grafiken, wenig Werbung.

Ausgangspunkt: Google Reader sammelt RSS-Feeds (Fotos Spehr)

Alle wichtigen Internetseiten sind auch in einer RSS-Variante abrufbar, und man nutzt dazu ein besonderes Leseprogramm, einen RSS-Reader. Diese Software zeigt dann neue Artikel – beispielsweise auf den großen Nachrichten-Portalen – wie eine E-Mail-Liste. Untereinander sind ordentlich die aktuellen Themen mit ihren Schlagzeilen aufgeführt. Man muss nicht lange surfen, sondern sieht in diesem „Feed“ sofort die Neuheiten wie die Betreffzeilen der E-Mail. Interessiert das Thema, klickt man auf die Zeile, und schon erscheint entweder ein Artikel-Vorspann oder das Original aus dem Netz. RSS stellt also quasi die Überschriften und Anreißer von Nachrichtenseiten parat, und wer sich fortwährend durch das Dickicht Hunderter von www-Seiten schlägt, kommt damit schneller voran.

Um RSS auf dem iPad zu nutzen, muss man den Umweg über den Google Reader am PC gehen, der wiederum zu einem Google-Mail-Konto gehört und, einmal eingerichtet, unabhängig von Gerät und Standort überall funktioniert. Um beispielsweise den RSS-Feed von faz.net zu abonnieren, gibt man im Reader am PC unter „Abonnieren“ die Zeile „faz.net“ ein, und schon sieht man alle aktuellen Artikel.

Der zweite Schritt: Fürs iPad kaufe man die App „Reeder“ von Silvio Rizzi, die 2,39 Euro kostet und auch auf dem iPhone läuft. Hier gibt man in den Einstellungen das betreffende Googlemail-Konto an, das ist schon alles. Der Reeder greift auf die RSS-Daten zu und erlaubt mit wenigen Fingerbewegungen ein flüssiges Navigieren durch einzelne Nachrichtenkanäle.

Für jeden Nachrichtenstrom gibt es eine eigene Kachel im Hauptbildschirm

Konventionell ist der Reeder bestenfalls in der Anordnung von Nachrichtenübersicht links und den Inhalten rechts auf dem Bildschirm. Alle wichtigen Funktionen lassen sich schnell aufrufen, man kann einzelne Beiträge markieren, weiterleiten oder mit anderen teilen (etwa über Twitter). Optisch hält sich diese App dezent im Hintergrund, man sieht viel von den Inhalten, und insgesamt ergibt sich damit ein ganz neues Leseerlebnis. Schon nach kurzer Zeit stellt man fest: Mit dieser App arbeitet man auf dem iPad schneller als am PC. Und da alles stets in der Cloud synchronisiert ist, kann man unterwegs in der Bahn auf dem iPhone weiterlesen – oder am PC im Fenster des Google Readers. Der Datenabgleich erfolgt fortwährend und automatisch.

Übersicht: Schlagzeilen links, Inhalte rechts

Geht es um das Weiterbearbeiten oder Archivieren von Artikeln, können wir eine zweite App uneingeschränkt empfehlen. Sie speist ihr Funktionsprinzip aus der Erfahrung, dass man tagsüber im Netz zwar viel Interessantes sieht, aber nicht immer die Zeit und Muße für die Lektüre hat. Hier setzt Instapaper von Marco Arment an: Man markiert wichtige Artikel zum Späterlesen, und sie werden gebündelt im eigenen Instapaper-Account zusammengefasst. In mehrfacher Hinsicht ist Instapaper genial: Man kann sowohl am PC im Internetbrowser wie auch in ungezählten Apps fürs iPhone oder iPad eine solche Lesemarkierung setzen. Nicht nur im oben erwähnten Reeder, sondern auch in Nachrichten-Apps wie Flipboard, Zite, Pulse oder in Twitter-Software wie Hootsuite und Seesmic. Und in der Instapaper-App (die 3,99 Euro kostet) werden die eigenen Lieblingsartikel besonders lesefreundlich aufbereitet, nämlich von sämtlichem Ballast wie Werbung, Kopfzeilen und Navigationsleisten befreit.

Instapaper, die Sammelstelle zum Späterlesen

Übrig bleibt der reine Text, und damit bietet sich dann eine weitere Verknüpfung geradezu an: Die gesammelten Inhalte lassen sich an einen E-Book-Reader wie den Kindle von Amazon schicken. Synchronisiert wird einmal am Tag drahtlos mit Amazons „Whispernet“, das mit Wireless-Lan oder Mobilfunk funktioniert. Am PC wiederum kann man den Lesestoff in Ordner verteilen oder archivieren, beispielsweise als HTML-Datei. Die App „Read it later“ arbeitet übrigens ganz ähnlich.

Alles in allem entsteht aus der Kombination von Google Reader, der Reeder-App und Instapaper ein sehr effektiver Arbeitsablauf beim Manövrieren durch unterschiedliche Nachrichtenseiten. Der Unterbau von Google sammelt die Inhalte, Reeder ist die Kommandobrücke für den Lesewütigen. Schließlich bündelt und archiviert Instapaper, was man behalten möchte.

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