Test: Fiat Doblò Natural Power (Erdgasantrieb)

Handwerker und Großfamilien dürfen sich besonders angesprochen fühlen, wenn es um den Doblò geht, den Fiat hübsch als „Hochdachkombi“ bezeichnet, während das gemeine Publikum von einem Kastenwagen spricht. Die kantige Kiste wurde vor zwei Jahren grundlegend renoviert, sie will nun mehr Auto als Transporter sein. Wir erprobten den Doblò in der Erdgasvariante, die bei Fiat günstig ist. Der italienische Familien-Van mit dem Etikett „Natural Power“ steht für 22 550 Euro in der Preisliste, bringt aber gleich die hochwertige Sonderausstattung Emotion inklusive Klimaanlage und Bluetooth-Freisprecher mit.

Der Erdgas-Benziner ist nur unwesentlich teurer als ein Doblò mit Dieseltriebwerk und vergleichbaren Fahrleistungen (Fotos Hersteller)

Der Erdgas-Benziner bietet eine Leistung von 88 kW (120 PS) und ein maximales Drehmoment von 206 Newtonmeter bei 2000/min. Er ist also nur unwesentlich teurer als ein Doblò mit Dieseltriebwerk und vergleichbaren Fahrleistungen. Zugegeben: Der 1,4-Liter Benziner ist noch günstiger (von 16 750 Euro an in der Active-Ausstattung). Er fährt aber mit seinem schwachen Motor in einer ganz anderen Liga. Kurzum: Während man bei anderen Erdgasfahrzeugen wegen üppiger Preisaufschläge erst nach 40 000 Kilometer und mehr von dem geringer besteuerten Treibstoff profitiert, kann man hier mit dem Sparen gleich loslegen.

Reserverad fehlt

Ein Kilogramm Erdgas, das den Energiegehalt von 1,5 Liter Superbenzin hat, kostete im Testzeitraum 1,09 Euro. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,8 Kilogramm reisen also vier bis fünf Personen für 7,40 Euro auf 100 Kilometer – günstiger als jede Bahnfahrt und vermutlich auch ökologischer. Von der Umrüstung sieht man auf den ersten Blick nicht viel. Das „Natural Power“-Logo auf der Rückseite ist ein dezenter Hinweis und der zweite Erdgas-Stutzen hinter der Tankklappe ein weiterer. Ferner fehlt das Reserverad, denn die Erdgastanks mit einem Fassungsvermögen von rund 20 Kilogramm beanspruchen Platz. Sie sind unterflur eingebaut, die Kofferraumgröße von 790 Liter bleibt erhalten.

Wer zu zweit auf Tour geht, kann sogar auf ein Ladevolumen von bis zu 3200 Liter zurückgreifen. Auch im Innern zeigt sich das gewohnte Bild: Farblich abgesetzte Applikationen auf den Armaturen und bunte Sitzbezüge treten gegen das Transporter-Image an. Ablagen gibt es reichlich, und das hintere Gestühl lässt sich demontieren. Mit einer Taste neben der Handbremse schaltet man zwischen Benzin- und Erdgasbetrieb um, die zuletzt gewählte Einstellung ist automatisch gespeichert.

Der Tanknadel beim Wandern zusehen

Fiat spricht von einem bivalenten Antrieb, der also die uneingeschränkte Nutzung beider Kraftstoffe erlauben soll. Das hat insofern seine Berechtigung, als der Benzintank deutlich größer ist als die meist sehr kleine (14 Liter) Benzinreserve der monovalenten Erdgasfahrzeuge. Aber auch die 22 Liter Benzinvorrat des Doblò sind wenig. Bei einem Verbrauch von etwas mehr als 10 Liter kann man der Tanknadel beim Wandern nach unten zusehen. Im Erdgasbetrieb kommt man auf rund 280 Kilometer Reichweite, dann meldet sich warnend der Bordmonitor. Der gibt ansonsten übrigens weder Hinweise auf den aktuellen Verbrauch noch zur geschätzten Reichweite. Allein eine Balkengrafik informiert mit vier Segmenten über den Füllstand der Erdgasanlage.

Nur 280 Kilometer Reichweite im Erdgasbetrieb

Innen ein Kessel Buntes

Wir waren jeden zweiten Tag an der Erdgastankstelle, und man sollte wissen, dass nur 900 der 15000 Tankstellen in Deutschland CNG „Compressed Natural Gas“ anbieten. Das erfordert gegebenenfalls lange Umwege. Im täglichen Betrieb kann man mit den Leistungen des Motors zufrieden sein. Man schwimmt gut im Verkehr mit, der Standardspurt von 0 auf 100 km/h ist in 12,5 Sekunden absolviert. Auf der Autobahn ist die Richtgeschwindigkeit flink erreicht, aber danach quält sich der Doblò unüberhörbar bis zur Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Ja, 1615 Kilogramm sind ein Päckchen, mit dem Benzinmotor sind es 200 Kilogramm weniger. Aber im Großen und Ganzen ist der Erdgas-Doblò eine vernünftige Alternative zum Diesel, wenn man sich mit den Tücken des lückenhaften Erdgasnetzes abfinden kann.

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