Test: HTC One X

Viele Jahre galt der taiwanesische Hersteller HTC als Spezialist für hochwertige Smartphones in den Geschmacksrichtungen Windows und Android. In den vergangenen Monaten sind jedoch Umsatz und Gewinn drastisch eingebrochen. Samsung und Apple dominieren, wenn es um gehobene Anspruche geht, und bei den günstigen Geräten drängen neue Aufsteiger wie ZTE und Huawei aus China in den Markt. HTC hat sich jedoch auch selbst in die Krise manövriert, Stichwort „Sense“. Diese Erweiterung des Betriebssystems war in den Anfangszeiten von Android ein Pluspunkt, wurde dann jedoch zunehmend ein Ballast, den mancher gern über Bord geworfen hätte.

Feines Gehäuse, gute Verarbeitung: das neue HTC One X (Foto Hersteller)

Nun startet HTC mit seiner One-Serie einen neuen Anlauf: V, S und X heißen die jungen Hoffnungsträger mit Android4, die allesamt eine besonders flinke Digitalkamera mitbringen. Der HTC „Image Chip“ soll in 0,7 Sekunden für eine Aufnahme bereitstehen, und der Autofokus benötigt nach Angaben des Herstellers nur weitere 0,2 Sekunden für Serienbilder. Alle Fotos landen bei Bedarf automatisch in der Cloud: Wer ein One V, S oder X kauft, erhält für zwei Jahre einen üppigen Speicherplatz von 25 Gigabyte bei Dropbox. Die drei Talente unterscheiden sich hinsichtlich Prozessor, Display- und Kameraauflösung, wir haben das Spitzenmodell One X mit superschnellem Vierkernprozessor einige Zeit ausprobiert.

Display geht nahtlos in den Rahmen über

Bei der ersten Kontaktaufnahme freut sich das Auge: Das One X kommt in einem Unibody-Gehäuse aus robust wirkendem Polycarbonat, das sehr stabil und gleichzeitig angenehm leicht ist (130 Gramm). Das Display geht nahtlos in den Rahmen über, aber die wunderbar homogene Einfassung fordert natürlich ihren Tribut: Der Akku ist fest eingebaut und lässt sich vom Anwender nicht wechseln, es fehlt ein Steckplatz für Speichererweiterungen, und wie beim iPhone4 und 4S benötigt man eine Micro-Sim-Karte. Im Vergleich mit den Apple-Geräten ist das One X deutlich höher und breiter (13,5×7 Zentimeter), aber ebenso dünn (0,9 Zentimeter). Zur großen Bildschirmfläche passt die Auflösung des Super-LC-Displays: sage und schreibe 1280×720 Pixel werden hier auf einer Diagonale von fast zwölf Zentimeter geboten, und die Pixeldichte von 312 dpi ist so spektakulär wie beim iPhone. Einzelne Pünktchen lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden.

Der Vorteil der hohen Auflösung zeigt sich nicht nur bei der Videowiedergabe, sondern vor allem beim Web-Surfen: Man sieht ganze Seiten im Überblick, wie auf einem Netbook, aber natürlich ist die Schrift winzig. Bei der E-Mail und in anderen Abteilungen hält sich der Nutzwert indes in Grenzen: Mit einem Exchange-Postfach sahen wir gerade mal ein halbes Dutzend neuer Nachrichten untereinander, und in Hootsuite ebenso viele Twitter-Meldungen. Aber trotzdem: Das Display gefällt, und im Unterschied zu den meisten Amoled-Anzeigen kann man es auch draußen bei hellem Sonnenschein halbwegs ordentlich ablesen.

Bei den technischen Daten spielt das One X ebenfalls in der Oberliga. Es ist eines der ersten Geräte mit Vierkernprozessor, zum Einsatz kommt der mit 1,5 Gigahertz getaktete Tegra 3 von Nvidia. Genauer betrachtet ist es sogar ein Fünfkernprozessor, denn ein zusätzlicher „Companion-Kern“ mit kleiner Taktung springt bei geringer Systemauslastung ein und soll auf diese Weise den Stromverbrauch reduzieren. Von der immensen Rechenleistung profitieren vor allem die Spiele. Wer sein Smartphone als Arbeitsinstrument verwendet, benötigt keine Mehrkern-CPU. Für die flotten Nvidia-Prozessoren gibt es indes in der „Tegra Zone“ geeignetes „Spielmaterial“. Dumm nur: Gerade diese ausgewählten Demos liefen anfangs nur ruckelnd und ließen das Smartphone unangenehm heiß werden. Erst ein Firmware-Update brachte Abhilfe.

Also werfen wir einen Blick auf die Kamera, die mit 8 Megapixel auflöst, in der Tat ausgesprochen schnell zur Sache geht und selbst bei schlechten Lichtverhältnissen dank Blende F2.0 in Innenräumen ordentliche Aufnahmen liefert. Ein LED-Blitz springt ergänzend ein, und das spektakulärste Detail sind die Serienbildaufnahmen durch langes Drücken der Auslöse-Schaltfläche auf dem Display: Nun werden acht bis zehn Schnappschüsse in Folge erstellt. Die Software bietet an, nach dem Speichern die beste Aufnahme zu ermitteln und alle anderen zu löschen. Die Ergebnisse des Algorithmus sind überzeugend. Wer sich nicht auf die Automatik verlassen will, löst die Schnappschuss-Gruppe auf und begutachtet die Einzelaufnahmen. Auch das funktioniert prima. Bei Bedarf werden alle Fotos automatisch in die Dropbox hochgeladen. Im Videomodus zeichnet der Kamkorder mit Full-HD und 1920×1080 Pixel bei 30 Bildern je Sekunde auf, getrennte Foto- und Kamkorder-Auslöser sorgen nicht nur dafür, dass man schnell zwischen beiden Aufnahmearten wechseln, sondern auch während der Videoaufzeichnung fotografieren kann.

Ein weiterer Pluspunkt ist die eingebaute Fotosoftware. Filter, Effekte, und Einstellungen gibt es en masse, selbst anspruchsvolle Dinge wie HDR-Aufnahmen, Panorama- und (Gruppen-)Porträtfotos gelingen ohne zusätzliche Apps, Belichtung, Kontrast, Sättigung und Schärfe lassen sich zudem manuell einstellen. In dieser Hinsicht ist das HTC One X dem iPhone klar überlegen, bei der Bildqualität hält es annähernd mit. Keine Frage: Kamera und Fotosoftware sind die Stärken des HTC One X.

Das neue Sense über Android 4.0.3 will einiges besser machen. HTC hat sich bemüht und manches über Bord geworfen.

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