Test: Macbook Pro mit Retina-Display

Nein, der Neid schlägt einem nicht unmittelbar entgegen. Am Montag vergangener Woche wurde das neue „Macbook Pro mit Retina Display“ von Apple angekündigt, am Donnerstag stand er bei uns auf dem Schreibtisch. Erste Auspack-Fotos im Internet führten zwar zu einem gewissen Raunen, aber die Reaktion im Kollegenkreis blieb verhalten: „Der ist ja groß.“ Und dann die Apple-Hasser auf Google Plus: Die Speicherbausteine des Macbook seien verlötet, der Akku nicht mit Schrauben befestigt, sondern geklebt, und das SSD-Laufwerk habe eine proprietäre Schnittstelle, sei also nicht ohne Weiteres austauschbar. Das alles hatten die Weltmeister im Auseinanderbauen von Ifixit.com herausgefunden und dem Gerät attestiert, dass es nur sehr schwer zu reparieren sei. Wer Apple nicht mag, findet wie immer seine Vorurteile bestätigt und kann sich jetzt zufrieden an sein Windows- oder Linux-Notebook zurückziehen.

Objekt der Begierde? Das erste Macbook mit Retina-Display (Foto Hersteller)

Aber so einfach machen wir es uns nicht. Denn das von Apple so genannte Retina-Display mit einer Auflösung von 2880×1800 Pixel auf einer Diagonale von 40 Zentimetern (15,4 Zoll) ist eine Sensation, kein anderes Notebook kann hier mithalten. Man erhält die vierfache Pixelzahl, die Punktdichte beträgt 220 dpi, und wie beim iPhone 4/4S oder iPad 3 kann das Auge im typischen Betrachtungsabstand keine Pixel unterscheiden. Dazu kommen die scharfe, klare Darstellung von Schrift von Bild, die brillante Farbwiedergabe und der weite Betrachtungwinkel von fast 180 Grad: Eine einzige Diashow auf diesem Macbook kann süchtig machen. Wer mit Fotos oder Videos arbeitet, will dieses Gerät haben, und zwar um jeden Preis.

Zwei Minuspunkte jedoch: Das Display ist nicht matt, sondern spiegelt, und bei allen Mac-Programmen, die noch nicht an das Retina-Display angepasst sind, erscheinen die automatisch hochskalierten Buchstaben deutlich ausgefranst. Auf einem gewöhnlichen Monitor scheint der Unterschied nicht groß zu sein, aber auf dem Macbook ist er sofort und störend sichtbar. Wie beim Retina-Display des iPad 3 muss man also auf Updates warten, bis sich jede Software im schicken neuen Kleid zeigt.

Das iPhone 4/4S und das iPad 3 mit Retina-Display zeigen die Schrift in gewohnter Größe, aber schärfer. Die auf den Kleingeräten fehlende Skalierung ist jedoch beim Macbook vorgesehen. In der Standardeinstellung entspricht die Darstellung von Inhalten, Menüs und Schriften ungefähr einer konventionellen Auflösung von 1400×900 Pixel. Nur schärfer. Mit wenigen Mausklicks lassen sich ohne Rechner-Neustart vier weitere Modi aktivieren, die von 1024×640 bis 1920×1200 Pixel reichen. In dieser letzten Stufe ist die Schrift natürlich arg klein, aber man hat einen guten Überblick bei opulenten Tabellen.

Dass das neue Macbook der neue Star unter den Business-Geräten wird, dagegen spricht einiges. Die dem Design geschuldete Knausrigkeit bei den Schnittstellen bleibt typisch für Apple: Zweimal Thunderbolt und zweimal USB 3.0 (erstmals bei Apple) sowie ein SD-Kartenschacht und ein HDMI-Ausgang sind schon alles. Ein Ethernet-Anschluss fürs Lan-Kabel, ein Akku-Indikator und ein optisches Laufwerk sind in dieser Pro-Reihe nicht mehr eingebaut. Der Magnetstecker für das Ladegerät ist neu gestaltet, er heißt nun Mag Safe 2 und ist nicht mehr kompatibel zu älteren Versionen. Mit seinen 36×25 Zentimeter in Breite und Höhe ist das neue Macbook geringfügig kleiner als die älteren Modelle mit 40-Zentimeter-Anzeige. Allerdings ist es nur noch 1,8 Zentimeter dick, wirkt damit schlanker denn je und ist zudem leichter geworden (zwei Kilogramm). Wer viel unterwegs ist, im Internetcafé arbeitet und zwischendurch im Flugzeug schreiben will, wird aber vermutlich auf einen kompakteren 13-Zöller mit Retina-Display warten, den Apple nach ersten Gerüchten noch in diesem Jahr auf den Markt bringen könnte.

Auch die Ausstattung mit einem superschnellen Intel-Core-i7-Prozessor (2,3 bis 2,7 Gigahertz plus Turbo-Boost) in Verbindung mit einer Nvidia-Grafikkarte Geforce GT 650M aus der Kepler-Serie, die zudem von der Chipsatzgrafik Intel HD Graphics 4000 unterstützt wird, deutet auf den Profi-Einsatz durch Fotografen und Videofilmer hin. Acht Gigabyte Arbeitsspeicher lassen sich bis 16 Gigabyte aufrüsten, allerdings nur ab Werk, denn die Module sind, wie gesagt, verlötet. Für das Macbook Pro mit Retina-Display sind nur SSD-Laufwerke mit Kapazitäten von 256 bis 768 Gigabyte erhältlich. In der Gesamtschau ergibt sich ein ordentliches Arbeitstempo, vor allem beim Videoschnitt. In der kleinsten Variante kostet das Objekt der Begierde allerdings schon 2280 Euro, und wer das schnellste Modell mit Vollausstattung und maximalem Speicher wählt, landet bei 3850 Euro.

Außer dem schicken Design und dem flotten Tempo überzeugt manches Detail. Die beiden Lautsprecher links und rechts der Tastatur bieten einen exzellenten Klang, und die Audio-Klinkenbuchse ist zugleich ein digitaler S/PDIF-Ausgang. Über der Anzeige findet sich eine Webcam mit 720p-HD-Auflösung, etwa für Videotelefonate. Die Laufzeit des aus sechs Elementen bestehenden 95-Wattstunden-Akkus betrug bei unseren ersten Versuchen zwischen fünfeinhalb und sieben Stunden. Die älteren Pro-Modelle laufen länger. Zwei Lüfter im Innern drücken die heiße Luft durch enge seitliche Schlitze aus dem Gehäuse heraus. Im Normalbetrieb sind die Lüfter kaum zu hören. Bei mehr Last ist ein Rauschen zu vernehmen, und im Spielebetrieb unter Volllast wird das neue Macbook richtig laut. Und zudem heiß: Wir maßen an der Unterseite Temperaturen von mehr als 40 Grad. Noch sind einige Treiber nicht optimiert, eine Episode bei wenig Last und trotzdem lauter Lüfteraktivität sowie rasch sinkendem Akkustand werten wir als Softwareproblem.

In der Gesamtschau ist das Retina-Display das spektakulärste Merkmal des jüngsten Macbook. Damit treibt Apple …

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