Test: Audi A3 Modelljahr 2012 und das neue MMI

Jetzt sickert der Fortschritt nicht von oben nach unten, sondern geht die umgekehrte Richtung: Audi präsentierte zur CES sein gründlich überarbeitetes MMI-Kommunikationssystem, und es kommt zuerst nicht etwa im Audi A8, sondern im neuen A3. „MMI Navigation plus mit MMI Touch“ heißt das Spitzenprodukt aus dem „modularen Infotainmentbaukasten“, und damit ist gleich das erste Stichwort genannt: Angesichts des rasanten Innovationstempos in der Unterhaltungselektronik besteht der Zentralrechner im Handschuhfach aus zwei Einheiten: Neben dem Radiomodul mit Basisfunktionen ist ein austauschbares MMX-Board als Multimedia-Extension verbaut, das sich flink aktualisieren lässt.

Neues MMI: Audi A3 Modelljahr 2012 (Fotos Hersteller)

Als Recheneinheit kommt ein Dualcore ARM-Prozessor aus der Tegra-2-Serie von Nvidia zum Einsatz, der mit 1,2 Gigahertz getaktet ist und von einer zusätzlichen Grafikkarte unterstützt wird. Mit dieser geballten Rechenleistung ist es möglich, dreidimensionale Animationen in Echtzeit anzuzeigen. Es werden also keine fertigen Grafiken geladen, sondern Animationen aus dem hinterlegten Datenmaterial live berechnet.

Ran an die Antenne: Handy-Kopplung

Die ganze Pracht zeigt sich auf dem ebenfalls neuen TFT-Monitor, der auf einer Diagonale von 17,8 Zentimeter mit 800 × 480 Pixel auflöst. Das Display fährt motorbetrieben aus der Instrumententafel heraus – und versteckt sich dezent im geparkten Fahrzeug. Die sehr dünne Anzeige sieht nicht nur edel aus, sondern hat auch eine brillante Darstellung mit knackigen Farben, sie ist selbst bei hellem Sonnenschein gut ablesbar.

Neu ist ferner die Bedieneinheit, die Audi MMI Terminal nennt. Hier verschmelzen nun der gewohnte Controller und das aus der Oberklasse bereits bekannte Touchpad inklusive Handschrifterkennung zu einer Einheit. Die Oberseite des Drehstellers ist zugleich die berührungsempfindliche Fläche, auf welcher der Finger Buchstaben oder Zahlen malt.

Das System hatten wir schon im A8 gelobt, es erlaubt nämlich Texteingaben, ohne dass der Fahrer den Blick von der Fahrbahn abwenden muss, jedes erkannte Zeichen wird leise vorgelesen. Wer die ebenfalls vorhandene Sprachbedienung nicht mag, bekommt hier eine sinnvolle Alternative.

Man darf sich über Finesse freuen

Das MMI Terminal hat nun statt der gewohnten Menütasten zwei Kipphebel über dem Drehsteller, die einen schnellen Zugriff auf die Bereiche Telefon, Navigation, Medien und Radio erlauben. Sie lassen sich ohne ablenkenden Blick gut ertasten. Nur die vier Softkeys und die zwei Menütasten unter dem Controller verlangen dann doch wieder den Blick nach unten, hier ist die Fahrerablenkung höher.

Blick nach unten: Controller mit Handschrifterkennung

Geht man etwas tiefer in die Menüs, darf man sich über die feinere Zeichnung der einzelnen Einträge und manche Finesse freuen. Wer das ältere MMI kennt, kommt auch mit dem neuen sofort zurecht. Die schönen Details sind überwiegend optischer Natur. Dazu gehört etwa die Vorschaufunktion, sie blendet im Hauptmenü die Bildschirme der Untermenüs in stark verkleinerter Darstellung ein. Musik lässt sich nun im üppigen 64 Gigabyte großen internen Speicher ablegen, und wenn die Alben in der Gracenote-Datenbank gespeichert sind, sieht man Coverbilder sogar dann, wenn der MP3-Zuspieler drahtlos mit dem Musikprotokoll A2DP angebunden ist.

Die Navigationsabteilung greift jetzt problemlos auf das Kontaktverzeichnis eines angedockten Smartphones zu und übernimmt ohne manuelle Nachbesserung Ort, Straße und Hausnummer als Navigationsziel. Und schließlich die Einstellung der Fahrzeugparameter: Dank der neuen 3D-Grafik sieht man hier sofort mit toller Visualisierung, was welcher Schalter bewirkt. Das alles sind nette Argumente für den Verkaufsraum. In der Gesamtschau spielt „MMI Navigation plus mit MMI Touch“ auf allerhöchstem Niveau, die Weiterentwicklung mitsamt Handschrifterkennung ist ein Schritt nach vorn.

Aber Audi bleibt dabei nicht stehen, auch die Internetdienste ziehen demnächst unter dem Oberbegriff „Audi Connect“ in die Kompaktklasse ein. In unserem Testwagen waren sie noch nicht implementiert, angekündigt sind indes: der W-Lan-Hotspot, den es bereits in der Audi-Mittel- und Oberklasse gibt, Routenplanung am PC mitsamt Übertragung der Daten ins Fahrzeug, Navigationskarten mit Google-Earth-Anzeige sowie die Premium-Verkehrsinformationen.

Neu sind ferner eine Spracherkennung bei der Sonderzielsuche sowie die iPhone-App „Music Stream“, die bis zu 3000 Internet-Radiosender ins Fahrzeug holt. Auch kann man demnächst mit weiteren Apps auf RSS-Nachrichten zugreifen und sich diese während der Fahrt von einer synthetischen Stimme vorlesen lassen. Facebook und Twitter sind ebenfalls angekündigt.

Das alles werden wir demnächst ausprobieren, aber ein Highlight des neuen A3 haben wir schon jetzt schätzen gelernt: Die „Phone Box“ ist eine geräumige Ablageschale für das Mobiltelefon in der Mittelarmlehne. Ein Handy lässt sich hier ablegen oder mit den entsprechenden Adapterkabeln ans MMI andocken. Der Pfiff ist die Planar-Antenne im Boden der Schale. Liegt das Mobilgerät darauf auf, werden die Funksignale per Nahfeld-Kopplung und einem Verstärker als Mittelglied an die Fahrzeugantenne weitergeleitet. Es geht also um bessere Sende- und Empfangseigenschaften und nicht um das (angekündigte) kontaktlose Laden des Akkus. Wir waren anfangs sehr skeptisch, aber schon bei den ersten Fahrten zeigte sich: Das ist ein Knüller.

Die Phone Box ist ein Muss

Auf unserer Probestrecke durch den Taunus wurde an drei von fünf Stellen mit kritischer Funkversorgung das laufende Telefonat gehalten. Mit dem auf dem Beifahrersitz liegenden Handy brachen die Gespräche ab. Aber nicht jede Schwachstelle der Netze ist damit vom Tisch – Weiterlesen auf FAZnet

 

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