Test: Lenovo Ultrabook X1 Carbon

Eigentlich sollte 2012 das Jahr der Ultrabooks werden. Auf der großen Consumer Electronics Show in Las Vegas sahen wir einen Flachrechner neben dem nächsten, „das wird ein großes Ding“, versprach Intel dem staunenden Publikum. Viel hat sich bislang nicht getan. Bei den meisten Neuerscheinungen hapert es an den Details. Mal sind die Kandidaten nicht „sexy“, mal stimmt die Verarbeitungsqualität nicht, dann ist die Akkulaufzeit zu kurz, der Lüfter zu laut oder die Bildschirmauflösung von 1366 × 768 Pixel auf einer Diagonale von 13 oder 14 Zoll (33 bis 35 Zentimeter) nicht mehr zeitgemäß.

Doch jetzt haben wir ein Ultrabook entdeckt, das wir empfehlen können. Das neue Thinkpad X1 Carbon von Lenovo ist eines der kleinsten und leichtesten Modelle mit nicht-spiegelndem 14-Zoll-Display und einer üppigen Auflösung von 1600 × 900 Pixel für anspruchsvolle Büroarbeiten in mehreren Fenstern. Hier stimmt jetzt fast alles.

Das X1 Carbon von Lenovo im kompakten Gehäuse überzeugt mit seiner üppigen Bildschirmauflösung (Foto Hersteller)

Beginnen wir beim Gehäuse: Es besteht teils aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (vulgo Carbon), teils aus Magnesium, es ist also kein Unibody-Gehäuse, wirkt aber robust und verwindungssteif. Die matte Einfassung lässt die Oberfläche edel erscheinen, ein kleiner Minuspunkt ist der fehlende Schutz des Bildschirms durch Gorilla Glas, das bei früheren X1-Modellen zum Einsatz kam.

Das X1 Carbon wiegt nur 1,3 Kilogramm und misst nur 1,9 × 33 × 22,6 Zentimeter, ist also etwas größer als ein DIN-A4-Blatt und damit einfach im Reisegepäck zu verstauen. Die Tastatur mit dem typischen roten Lenovo-Trackpoint (Mausersatz) wird ergänzt um ein großzügig dimensioniertes Touchpad, das nun 10 × 6,3 Zentimeter misst. Scrollen und Multitouch-Gesten gelingen ordentlich, man hat ferner die Wahl, ob man lieber auf dem Touchpad klickt oder die drei Maustasten darüber nimmt.

Tastatur und Gehäuselayer sind nun miteinander verschmolzen, die Pfeiltasten unten rechts im Vergleich mit dem Vorgängermodell größer geworden. Die Tastatur mit präzisem satten Anschlag ist für den Schnellschreiber eine Wucht. Sie lässt sich zudem in zwei Stufen hintergrundbeleuchten, was die „zweite Schicht“ am Abend auf dem Sofa ungemein erleichtert.

Das Display erreicht mit rund 300 cd/m2 nicht ganz die Helligkeit des Vorgängermodells X1 und gefällt vor allem mit seiner matten Oberfläche ohne lästige Spiegelungen. Das Kontrastverhältnis von 700:1 und die gegenüber dem X1 erweiterte Farbskala sind überzeugend. Die Anzeige lässt sich im Unterschied zu vielen anderen Ultrabooks komplett um 180 Grad in die Horizontale bewegen, was bei Präsentationen ein Vorteil sein kann.

Geht es um Anschlüsse und Peripherie, ist das X1 Carbon wie jedes andere Ultrabook eher bescheiden ausgestattet. Die USB-Schnittstelle links lässt sich zum Laden von Smartphones nutzen, selbst wenn sich der PC im Energiesparmodus befindet, und ein zweiter USB-Port rechts unterstützt das flinke Protokoll 3.0. Auf dieser Seite findet man ferner ein SD-Kartenlaufwerk sowie einen Mini-Displayport zum Anschluss eines externen Monitors mit einer Auflösung von maximal 2560 × 1600 Pixel. An der Oberseite befindet sich nur ein einziger Anschluss, nämlich für die Sim-Karte der Mobilfunkeinheit, die in unserem Modell nicht eingebaut war.

Wer das X1 geschäftlich einsetzen möchte, vermisst also neben HDMI und einem Ethernet-Anschluss auch die Option für eine Docking-Station. Zwei kleine Leuchtdioden auf dem Displaydeckel informieren über den Akkustand und den Schlafmodus des Notebook, und rechts neben dem Touchpad ist sehr dezent der biometrische Fingerabdruckscanner eingelassen, der im Testbetrieb ordentlich und zuverlässig funktionierte. Für den Netzanschluss hat Lenovo übrigens einen neuen Stecker entworfen, der an einen USB-Adapter erinnert.

Das Thinkpad X1 Carbon ist in vier Varianten mit Core-i5- und Core-i7-Prozessoren der aktuellen Ivy-Bridge-Architektur erhältlich. In der kleinsten Ausbaustufe bekommt man den i5 3317U mit 1,7 bis 2,6 Gigahertz, das Topgerät hat den i7 3667U, der mit 2 bis 3,1 Gigahertz ein ordentliches Tempo vorlegt. Die übrige Ausstattung ist stets identisch: 4 oder 8 Gigabyte Arbeitsspeicher (gelötet), ein 128-Gigabyte-SSD-Laufwerk (gegen Aufpreis auch 256 Gigabyte), Mobilfunk, W-Lan, Bluetooth 4, Dolby Sound-System, eine Webcam und Windows 7 in der 64-Bit-Version. Stets kommt die Chipsatzgrafik HD 4000 von Intel zum Einsatz, so dass man weniger anspruchsvolle Spiele ausführen kann.

Der Akku mit einer Leistung von 45 Wattstunden ist fest eingebaut, also vom Anwender nicht zu wechseln. Lenovo gibt Laufzeiten bis 6,5 Stunden an, und wie mit anderen Modellen des chinesischen Herstellers füllt die Schnellladetechnik in nur 35 Minuten den Kraftspender auf 80 Prozent seiner Kapazität. Wir kamen typischerweise auf eine Laufzeit von vier bis fünf Stunden, das ist kein Weltrekord, aber ein ordentlicher Wert. Das Lenovo ist eines der leisesten Notebooks, die wir je erprobt haben. Arbeitet man allein mit Text, Tabellen und Internet, springt der Lüfter nie an. Bei rechenintensiven Anwendungen bleibt sein Säuseln so dezent im Hintergrund, dass es selbst in absolut ruhiger Umgebung kaum stört.

Was man bei einem Business-Gerät nicht erwartet, ist Crapware, also vorab aufgespielte Demo-Software, die mit nervigen Hinweisen zum Kauf der Vollversion auffordert. Lenovo bekleckert sich hier nicht mit Ruhm, und man ist doch länger als eine Stunde mit dem Löschen dieser überflüssigen Dreingaben beschäftigt. Die hauseigene Lenovo-Software bietet manches Extra, einige Anwendungen benötigen leider Adobes „Air“, das man ja nicht unbedingt auf seinem Rechner haben will.

Ziemlich sinnfrei ist eine neue „Simple Tap“-Oberfläche, die sich auf Tastendruck in der Form einzelner Kacheln aufbaut. Sie erinnert ein wenig an den Metro-Stil von Windows 8 oder das „Launchpad“ von Mac OS X Lion und Mountain Lion und soll den Schnellzugriff auf Programme und Funktionen erleichtern.

Das X1 Carbon ist auf der Lenovo-Produktseite mit Preisen von 1900 bis 2200 Euro gelistet. Zum Marktstart gibt es jedoch Web-Preise für den Online-Kauf, die darunterliegen. In der kleinsten Variante ist es schon von 1400 Euro an zu haben. Dieser Preis ist, gemessen an Verarbeitungsqualität und Ausstattung, attraktiv. Was uns besonders gefallen hat …

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