Test: WeMo von Belkin

Zur Überwachung von Haus und Hof hatten wir unlängst sogenannte IP-Kameras vorgestellt . Sie haben durchaus ihre Berechtigung, sind aber von Netzwerkexperten für Netzwerkexperten konzipiert, kompliziert in Betrieb zu nehmen und von begrenztem Wert, wenn es um das Zusammenspiel mit Smartphones und Apps geht. Nun deutet sich eine kleine Revolution in dieser Hinsicht an, nämlich die WeMo-Serie von Belkin. Sie macht alles ganz anders, vor allem einfacher, denn die Schaltzentrale ist nunmehr das iPhone oder das iPad.

App-gesteuert: Auf den Apple-Geräten eigene Regeln programmieren (Fotos Hersteller)
App-gesteuert: Auf den Apple-Geräten eigene Regeln programmieren (Fotos Hersteller)

WeMo besteht derzeit aus zwei Komponenten, weitere sind angekündigt: „Home Automation Switch“ für 50 Euro und „Motion Sensor“, der im Paket mit Ersterem für 100 Euro verkauft wird. Der Switch ist nichts anderes als eine Fernschalteinheit mit Wireless-Lan für Elektrogeräte aller Art (bis maximal 3680 Watt), die sich zeit- oder ereignisgesteuert ein- und ausschalten lassen. Wahlweise lokal (mit einem Taster auf dem Gehäuse), über Ereignisse – oder aus der Ferne mit einem Apple-iOS-Gerät.

Der Motion Sensor wiederum ist ein Bewegungssensor mit Wireless-Lan. Die Zentraleinheit landet ebenfalls in der Steckdose, der Sensor in der Größe eines Hühnereis lässt sich dank eines 1,8-Meter-Kabels frei im Raum aufstellen. Der Clou ist zum einen die raffinierte Inbetriebnahme und Steuerung mit iOS-Geräten, zum anderen die Option, beliebig viele Sensoren und Schalter zu einem Heimnetz zu verknüpfen, und schließlich die IFTTT-Integration.

Regeln programmieren

Der Reihe nach und ausführlich: Die einzelnen Komponenten verbinden sich auf eine geradezu geniale Weise miteinander. Man lade auf seinem iOS-Gerät die gratis bereitgestellte WeMo-App von Belkin und suche anschließend aus dem iPhone oder iPad nach den Wireless-Lan-Netzen, die von der Belkin-Peripherie aufgebaut werden. Das ist im Grunde genommen schon alles. In der WeMo-App wird nun die Verknüpfung zum häuslichen Wireless-Lan noch einmal bestätigt, und schon sind in der App alle Schalter und Sensoren fein säuberlich aufgeführt, und man kann sie individuell benennen, etwa „Schalter für die Lampe“ oder „Schalter für die Jalousie“. Ein weiterer Menüeintrag verknüpft nun die Belkin-Produkte, man kann nämlich Regeln programmieren. Zum Beispiel: Jalousie wochentags um 18 Uhr herunterlassen. Oder: Wenn der Bewegungssensor in der Stufe höchster Empfindlichkeit anschlägt, die Lampe für 15 Minuten einschalten.

Bewegungsmelder: WeMo mit Sensor (rechts) und (amerikanische) WeMo-Steckdose
Bewegungsmelder: WeMo mit Sensor (rechts) und (amerikanische) WeMo-Steckdose

Das alles ist im Zusammenspiel fein justierbar und geht weit über die eingangs erwähnten IP-Kameras mit ihrer Software hinaus. Das System ist beliebig skalierbar, man kann also mehrere Schalter und Sensoren für eine differenzierte Heimvernetzung miteinander verknüpfen.

Dazu kommen noch zwei Extras. Zum einen: die Option, sämtliche Funktionalität sogar jenseits des eigenen Heims in der Ferne über die Mobilfunknetze zu steuern. Man kann also über die App den Status von Schaltern und Sensoren ablesen sowie Regeln erstellen oder ändern. Der Bewegungssensor arbeitete bei uns im praktischen Einsatz äußerst zuverlässig. Über Wochen hinweg gab es nicht einen Fehlalarm, selbst bei Dunkelheit wurden Personen im Raum zuverlässig erkannt. Es bleibt nur ein Wunsch offen: nämlich eine Überwachungskamera. Die gibt es schon in den Vereinigten Staaten, und diese „Netcam“ soll im Frühjahr den Weg nach Europa finden. Ferner wird die WeMo-Serie demnächst um einen Baby-Monitor ergänzt, dessen Software das schreiende Kind besonders gut detektieren soll. Mit der Baby-App lässt sich sogar aufzeichnen, ob und wie oft das Kind nachts weinend aufwacht.

Der zweite große Pluspunkt ist die IFTTT-Integration. Das Kürzel steht für „if this then that“ und bezeichnet einen Internetdienst, der regelbasierte Aktionen in bestimmten Kanälen auslöst. Mit IFTTT kann man ohne Programmierkenntnisse veranlassen, dass zum Beispiel ein neues Instagram-Foto automatisch in der eigenen Dropbox landet. Dazu autorisiert man IFTTT mit seinen Kontodaten und wählt aus den entsprechenden Kanälen aus. IFTTT hat derzeit fast 60 Kanäle und Zehntausende von „Rezepten“, also kleinen Programmieranweisungen. Der Service ist unentgeltlich nutzbar und empfehlenswert.

Die beiden WeMo-Kanäle erlauben es nun, die Belkin-Produkte zu integrieren. Man kann Sinnvolles damit anstellen („schicke eine E-Mail, wenn der Bewegungsmelder anschlägt“) oder Spaßiges: „Schalte die Festbeleuchtung ein, wenn die Facebook-Aktie über 30 Dollar klettert.“ Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn etwa der Bewegungsmelder jedwede Annäherung an die Süßigkeitenschublade mit einem neuen „Ich habe genascht“-Statuseintrag bei Facebook quittiert. Wir nutzten in der Adventszeit mit Apples Sprachassistentin Siri das Kommando „sende Santa Claus eine Nachricht, dass er den Weihnachtsbaum einschalten soll“. Es funktioniert. Ferner haben wir den Sensor mit der App „Pushover“ für iOS und Android probiert. Auf jede erkannte Bewegung hin wurde eine Push-Nachricht aufs Smartphone gesendet, und auch das lief einwandfrei.

Mit W-Lan: der Steckdosenschalter
Mit W-Lan: der Steckdosenschalter

Als kleiner Wermutstropfen bleibt die Tatsache, dass die Software anfangs zickte. Bis alles lief und wie gewünscht arbeitete, vergingen mehrere Tage. Zunächst funktionierte der Zugriff auf Schalter und Sensoren nicht über die Mobilfunknetze. Auch bei der IFTTT-Anmeldung benötigt man Geduld, denn die Freischaltung erfolgt nicht sofort. Aber insgesamt zeigt Belkins WeMo exemplarisch die Zukunft der Heimvernetzung: Mit der Anbindung von Internet und App-Welt entstehen ganz neue Szenarien und Einsatzgebiete für das App-gesteuerte Zuhause, man spricht vom „Internet der Dinge“.

Test: Renault Kangoo TomTom Edition

Das Familienraumschiff Renault Kangoo mit Schiebetüren sowie Platz in Hülle und Fülle ist nun in einer Tom-Tom-Edition zu Preisen von 15 000 Euro an zu haben. Das Sonderangebot gibt es nur bei ausgewählten Renault-Händlern, in der offiziellen Preisliste rollt der günstigste Tom Tom mit dem 1,6-Liter Benziner und 78 kW (106 PS) für 17 190 Euro vor. Wir haben ihn zwei Wochen lang gefahren, und der Name deutet bereits auf das wichtigste Extra hin …

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Test: Garmin-Navigation im Fiat Freemont

Das große Display weckt sofort alle Aufmerksamkeit. So lange sich die hilfreiche Kopilotin im Fiat Freemont zurückhält. Das tut sie nur selten. Und wenn sie loslegt, schüttelt man den Kopf: Autobahnausfahrten bezeichnet sie grundsätzlich als Einfahrten. Geradezu ständig plappert sie in einem nervtötenden Tonfall, und mit der Betonung hat sie ebenfalls Probleme. „Wiesbaden“ spricht sie mit italo-amerikanischem Dialekt. Das passt sogar zum Auto, denn in den Vereinigten Staaten kennt man es als Dodge Journey. Auf der Reise von Bad Homburg ins Ostwestfälische ist die Kopilotin geradezu zickig. Bis weit hinter Grünberg will sie uns immer wieder von der Autobahn A5 in Richtung A45 lotsen. An jeder Ausfahrt. Diese Route wäre jedoch mindestens eine halbe Stunde länger, und es gibt nicht die kleinste Verkehrsstörung voraus, die einen solchen Umweg rechtfertigen würde.

Nein, mit der Navigation von Garmin hat Fiat keinen guten Griff getan, wenngleich einige Extras durchaus überzeugen.

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Privaten Fotostream mit iOS 6 Geräten erstellen

Auch wenn man den allgemeinen Fotostream von iOS, der alle Schnappschüsse in die Cloud hochlädt, nicht nutzt, kann man mit iOS 6 einen individuellen Fotostream für Freunde und Familie erstellen, der ausgewählte Fotos in die iCloud hochlädt. Diese Fotos lassen sich auch dann ansehen, wenn die Empfänger nicht über ein iOS-Gerät oder einen Mac verfügen. Im Unterschied zum Standard-Fotostream werden allerdings diese Aufnahmen auch über Mobilfunk hochgeladen, Vorsicht beim Datenkontingent.

Privater Fotostream für Freunde und Familie

So geht’s:

1. In den „Einstellungen“ und „iCloud“ den Eintrag „Fotostream“ aktivieren.

2. Den zweiten Menüeintrag „Fotostreams“ aktivieren

3. Zurück gehen und „Fotos“ aufrufen.

4. Mit dem Plus-Symbol einen neuen Fotostream erstellen, ggf. eine E-Mail-Adresse des Empfängers angeben und „Öffentliche Webseite“ aktivieren. Es gibt einen Link zu der öffentlichen Webseite, er lässt sich mit „Link freigeben“ schnell kopieren (oder auf Facebook und Twitter posten).

5. In den „Alben“ auf „Bearbeiten“ gehen, einzelne Fotos markieren und mit „Senden“ an den „Fotostream“ senden.

6. Der Fotostream ist jetzt unter „Fotostream“ mitsamt Angabe der darin befindlichen Bilder sichtbar. Mit dem unter 4. erwähnten Link können andere die Fotos betrachten, etwa im Web-Browser am PC. Bildzeilen erscheinen nur dann, wenn man das Bild in der Einzelansicht aufruft. Die Darstellung im Web-Browser ist etwas mickrig. Immerhin gibt es eine „Diashow“. Sie ist am unteren Bildschirmrand wählbar, wenn man auf ein einzelnes Foto klickt.

7. Dieser private Fotostream lässt sich auch in iPhoto am Mac einrichten. Wenn der Fotostream ausgewählt ist, muss man in der Leiste unten „Info“ aktivieren und findet dann in der Seitenleiste rechts die entsprechende Option.

Dank an Michael Wolf vom FAZ-Lesermarkt für den Hinweis.

 

Test: Nokia Lumia 920, HTC 8X

Jetzt hängt alles am seidenen Faden: Die beiden Smartphone-Hersteller Nokia und HTC sind wirtschaftlich angeschlagen, und die Hoffnung speist sich aus neuen, attraktiven Geräten. Das Stichwort lautet Windows Phone 8, es ist die aktuelle Version des Microsoft-Betriebssystems, das in seiner modernen Ausprägung seit gut zwei Jahren gegen die übermächtige Konkurrenz aus den Häusern Apple und Google kämpft. Ein Erfolg ist Windows Phone nicht, aber es wird immer besser. Mit der neuen Kennziffer 8 gehen etliche Neuerungen einher – jedoch nicht für ältere Modelle, die bereits auf dem Markt sind.

Windows Phone 8 unterstützt höhere Bildschirmauflösungen jenseits der bisherigen 800×480 Pixel, es erlaubt den Einsatz von Micro-SD-Speicherkarten, Mehrkernprozessoren und NFC, es bringt den Internet Explorer in der Version 10 mit und bietet „echtes“ Multitasking. Wer das ältere Windows Phone 7 einsetzt, bekommt bald ein „kleines“ Update auf die Version 7.8, die auch den neuen Startbildschirm mit in der Größe änderbaren Kacheln enthält. Wir haben jetzt zwei der ersten Windows-Phone-8-Geräte ausprobiert, das HTC 8X und das Nokia Lumia 920, die jeweiligen Flaggschiffe für 500 und 600 Euro.

Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X
Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X

Wer aus der Android- oder Apple-Welt kommt, muss keine Entzugserscheinungen fürchten. Vieles ist anders, aber keineswegs schlechter, das ist die erste Erfahrung. Microsoft hat die Idee des geräteübergreifenden Ökosystems von Google und Apple kopiert, und was bei Android der Gmail-Account ist, erledigt man hier mit Hotmail oder dem sehr schicken Outlook.com. Statt der Dropbox gibt es das Skydrive von Microsoft, sieben Gigabyte Speicherplatz in der Cloud-Wolke werden unentgeltlich bereitgestellt. Gegen das schnörkellose Design von Windows Phone mit üppigen Weißräumen und dezenten Linien wirkt die Konkurrenz sogar ziemlich alt, und was ein Smartphone von heute können muss, beherrscht Windows Phone allemal.

Geht es um E-Mail und Internet, Facebook und Twitter, kann man getrost zugreifen, die Facebook-Integration ist sogar besser als bei der Konkurrenz. Dass der Durchbruch in den breiten Massenmarkt nur zögerlich anläuft, ist auch nicht der Hardware geschuldet. Nokia und HTC bieten eine weitaus bessere Verarbeitungsqualität und Anmutung als die meisten Androiden. Lumia 920 und 8X haben vieles gemeinsam, vor allem die opulenten Maße. Das Nokia provoziert. Es ist ein Riese unter den Smartphones, mit dem man am Samstagabend sofort jedwede Aufmerksamkeit weckt: Sage und schreibe 185 Gramm wiegt es, in einer breiten Männerhand gehalten, sucht man unversehens nach dem nächsten Nagel, den man mit ihm einschlagen könnte.

Fast ebenso groß, aber deutlich leichter (130 Gramm) präsentiert sich das HTC, beide überragen ein iPhone 5, gehören also zu den derzeit besonders populären Smartphones in Übergröße. Beide Kandidaten bringen ein Unibody-Gehäuse aus einem Guss mit, da hält etwa ein Samsung Galaxy S3 mit seiner hauchdünnen Rückseitenabdeckung nicht mit. Während HTC auf einen matten Kunststoff mit gummierter Oberfläche setzt, besteht das Nokia aus glattem Polycarbonat in kräftigen Farben, Fingerfett ist auf der Rückseite schnell sichtbar. Beide bieten einen nahezu glatten Übergang von der Displayabdeckung zum Gehäuse und sehr fein gefräste Öffnungen für den Lautsprecher.

Nur die unabdingbaren Anschlüsse durchbrechen die klaren Linien: Micro-USB zum Laden und zur PC-Anbindung unten, Headsetausgang oben und ein Einschub für die Micro-Sim-Karte. Ein Kartenschacht für Speicherkarten und ein wechselbarer Akku fehlen also. Das Nokia bringt 32 Gigabyte internen Speicher mit, das HTC muss mit der Hälfe auskommen.

Die jungen Modelle bieten eine Bildschirmauflösung von 1280×720 Pixel (8X) und 1280 x 768 Pixel (Lumia 920), sind also damit in der Oberklasse angesiedelt. Nokia und HTC verwenden LC-Displays, die bei hellem Sonnenschein besser ablesbar sind als eine Amoled-Anzeige.

Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera (Fotos Hersteller)
Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera (Fotos Hersteller)

Auch hier gibt es nichts zu meckern, und beide Kandidaten sind dank Zweikernprozessor Snapdragon S4 mit 1,5 Gigahertz superschnell. Das HTC mit seinem schlankeren Gehäuse wird bei aufwendigen Spielen warm, beim Nokia funktioniert die Wärmeableitung besser. Wer die technischen Daten im Detail betrachtet, findet beim Nokia das ältere Bluetooth-Protokoll 3, während HTC schon bei der aktuellen Variante 4 angekommen ist. Das Lumia 920 wiederum trumpft mit dem Datenturbo LTE auf, der im Unterschied zum iPhone 5 auf sage und schreibe neun Frequenzbändern arbeitet. Man beachte, dass im Telekom-Netz ein anderer APN einzustellen ist, nämlich „internet.telekom“.

Das 8X ist dank DC-HSDPA bei der Datenübertragung alles andere als langsam, bis zu 43 MBit/s verspricht der Hersteller. Dass sich der Akku des Nokia wiederum kabellos durch Auflegen auf eine Induktionsladestation befüllen lässt, ist nur ein Gimmick, zumal der Ladevorgang auf diese Weise deutlich länger dauert. Bis hier herrscht also nahezu Gleichstand ungeachtet der Unterschiede der Bauform. Aber zurück zur Software: Nokia hat mehrere Pfeile im Köcher: Die Straßennavigation Drive+, die mit lokal gespeicherten Karten arbeitet und eine flexibel einstellbare Tempolimit-Warnung mitbringt, ist eine Wucht.

Mit klaren Ansagen und übersichtlicher Darstellung auf dem Bildschirm wird man präzise geführt, und es lassen sich unentgeltlich die Landkarten vieler Länder dieser Welt aufs Gerät laden. So gelingt im Unterschied zur Apple- und Android-Gratisnavigation eine Routenführung ohne Datengebühren – und im Ausland ohne Roamingkosten. Der zweite Knüller ist die 8,7-Megapixel-Kamera mit der hauseigenen Pureview-Technik. Sie hat einen echten mechanischen Bildstabilisator, der bei schlechten Lichtverhältnissen längere Öffnungszeiten der Blende erlaubt, und die Aufnahmen im Dunklen sind erstklassig.

Da kann kein anderes Smartphone mithalten. Schließlich eine Reihe weiterer Nokia-Apps, etwa die Anzeige von Sonderzielen in der Umgebung mit dem „City Compass“ und „virtual reality“ sowie Nokia-Musik, mitsamt des „Mix Radio“, das es erlaubt, aktuelle Titel als „Mixe“ unentgeltlich aufs Gerät zu streamen. Das HTC 8X tritt bescheidener auf, es beschränkt sich auf die Standardausstattung von Windows Phone 8, bietet aber immerhin aufs Gerät ladbare Karten zur Orientierung in fremder Umgebung, eine ebenfalls sehr ordentlich arbeitende Kamera sowie eine HTC-App zur Fotoverbesserung und -verfremdung.

Lumia 920 mit Straßennavigation
Lumia 920 mit Straßennavigation

Die Vorteile des HTC sind seine kompaktere, unauffälligere Bauform und die gute Akustik der HiFi-Abteilung. Wenn man die Verbesserungen von Windows Phone 8 genauer in den Blick nimmt, fallen kleinere Unstimmigkeiten auf. Multitasking gibt es nur für neue Apps, die eigens für das aktuelle Betriebssystem entwickelt sein müssen. Auch fehlt ein plattformübergreifendes Notification-Center, das alle Neuheiten auf einen Blick anzeigen müsste. Es wird nachgeliefert.

Wer ein eingefleischter Apple- oder Android-Fan ist, wird weitergehende Optionen zum Verknüpfen und Teilen von Inhalten vermissen, und nicht zuletzt sucht man viele hochwertige Apps im „Store“ vergeblich. Das alles sind Kleinigkeiten. Mit dem neuen Windows Phone 8 lässt es sich hervorragend leben, wenn man ganz unvoreingenommen ein gutes Smartphone sucht. Beide Geräte verdienen eine klare Kaufempfehlung.

Test: Drive Kit Plus in der A-Klasse von Mercedes-Benz

Jetzt wird es richtig kompliziert. Wer zielgruppenspezifisch zur jungen Internetgeneration gehört und mit der neuen A-Klasse von Mercedes-Benz liebäugelt, hat die Qual der Wahl, wenn es um Kommunikation und Netze geht. Noch nie war die A-Klasse so jung, und erstmals hat Mercedes-Benz eine iPhone-Integration im Angebot. Aber die Wege zum vollkommenen Glück der fahrenden Konnektivität sind verschlungen. Um ein wenig Ordnung ins Wirrwarr der Optionen und Möglichkeiten zu bringen: Das bekannte Comand Online steht mit 3150 Euro in der Preisliste und bietet den bewährten Komfort der Oberklasse auf einem üppigen 18-Zentimeter-Bildschirm mitsamt Navigation, HiFi, Telefonie und Musikspeicher auf Festplatte. Aber die Online-Funktionalität erschließt sich nur mit einem Smartphone, das via Bluetooth und dem Dun-Protokoll angebunden wird.

Navi auf Umwegen: Kommt vom iPhone, landet auf dem Audio-20-Schirm (Fotos Hersteller, Spehr)
Navi auf Umwegen: Kommt vom iPhone, landet auf dem Audio-20-Schirm (Fotos Hersteller, Spehr)

 

Neu ist das Drive Kit Plus für 690 Euro, das aber wiederum nur mit dem iPhone 4 und 4S zusammenarbeitet und Audio 20 (420 Euro) mit seinem 15-Zentimeter-Monitor benötigt. Audio 20 besteht aus Radio, CD-Spieler und Bluetooth-Telefonie, bringt also keine Navigation mit. Das Drive Kit Plus ergänzt mit Routenführung, Musikwiedergabe vom iPhone und den neuen Social-Media-Kanälen, namentlich Twitter, Facebook, Social Playlist sowie Glympse. Erforderlich ist die „Digital Drive Style App“, die es gratis in Apples App Store gibt und die auf dem kabelangebundenen iPhone läuft. Der Bordmonitor übernimmt die Anzeige, es gibt also keine Fummelei am Smartphone. Denn das Zwischenglied ist die neuerdings vieldiskutierte Videoausgabe der Apple-Smartphones. Sie funktioniert leider mit dem aktuellen iPhone 5 und seinem neuen Lightning-Port nicht, Mercedes-Benz hofft auf eine Lösung bis Mitte kommenden Jahres. Bis dahin ist Drive Kit Plus nur mit den beiden älteren Modellen nutzbar.

Spielt die Hauptrolle: Die iPhone-App
Spielt die Hauptrolle: Die iPhone-App

Wir haben Drive Kit Plus mit dem Comand-System ausprobiert, und die erste Erfahrung ist, dass man gleichzeitig in zwei verschiedenen Welten jongliert. In der Comand-Ebene bleibt alles, wie es ist. Schaltet man auf den Aux-Eingang der Anlage und startet manuell die Mercedes-App auf dem iPhone, erwacht die junge Welt zum Leben. Wie bei Comand kommt der Controller mit seinen umgebenden Tasten als zentrales Bedienelement zum Einsatz – und man stellt schnell fest, dass man doch immer wieder zu Comand zurück muss, etwa für die Telefonie, die im Drive Kit Plus nicht implementiert ist. Kurzum: Der Anfang ist kompliziert. Hat man das Prinzip verstanden und sich (einmalig) auf dem iPhone bei Facebook und Twitter angemeldet, kann man im Drive-Kit-Plus-Modus mit dem Controller butterweich zwischen den einzelnen Abteilungen wechseln, die auf einem horizontalen Laufband angeordnet sind. Dazu gehören derzeit Facebook, Twitter, das Teilen von eigenen Nachrichten, die Navigation, Web-Radio und der Internetdienst Glympse, der anderen temporär Zugang zu den eigenen Standortdaten gibt. Wer den Fokus auf Facebook und Twitter legt, findet sich schnell zurecht. Über die Mobilfunkabteilung des iPhone werden die vorigen Statuseinträge auf dem Bildschirm angezeigt, und zwar mit dem hinterlegten Porträtfoto des Autors, die Inhalte liest eine synthetische Stimme vor. WWW-Links lässt die Sprachausgabe außen vor, so hört sich das Ganze durchaus respektabel an. Eigene Nachrichten kann man allein in der Form von Textbausteinen absetzen, hier lassen sich allerdings persönliche Inhalte wie das Navigationsziel oder die gerade gehörte Musik automatisch einfügen.

Zugegeben: Bei Twitter mit kurzen Texten plus Link hält sich der Nutzwert in Grenzen. Aber längere Facebook-Artikel lassen sich mit Gewinn hören. Mit einem weiteren Controller-Klick wird der gesamte Eintrag auf dem Monitor angezeigt, hier ist die Ablenkung für den Fahrer deutlich höher. In Grenzen lässt sich mit den Einträgen jonglieren, man kann in Facebook den „Gefällt mir“-Button auslösen, in Twitter „retweeten“, Facebook-Kommentare lesen oder, sehr sinnvoll, bei einem „Check in“ die Adresse der Lokation gleich in die Routenführung übernehmen. Ähnliches gilt auch für die Veranstaltungs-Einladungen von Facebook, die sich nahtlos in die Routenführung übernehmen lassen.

Diese wiederum ist der größte Pluspunkt im Zusammenspiel mit Audio 20, das sonst ohne Routenführung auskommen muss. Der Kopilot arbeitet ordentlich, und als Extra gibt es sogar eine Online-Google-Suche nach Sonderzielen. Leider muss man auf eine Spracheingabe des Navigationsziels verzichten, aber schon kündigt Mercedes-Benz eine Siri-Erweiterung für die nächsten Wochen an. Die Karten liegen übrigens auf dem iPhone, und die Software kommt von Garmin.

Facebook, Twitter und Glympse auf dem Monitor
Facebook, Twitter und Glympse auf dem Monitor

Innovativ tritt ferner die „Social Playlist“ auf. In dieser Wiedergabeliste wird plattformübergreifend jeder Audio- und Videolink gesammelt, den die Freunde veröffentlicht haben – und man kann die Musiktitel der Netzbekannten während der Fahrt im Streaming-Verfahren hören. Videos lassen sich nur im stehenden Fahrzeug sehen, hier gibt es auch häufig Kompatibilitätsprobleme. Internetradio-Sender sind bereits programmiert, sie gelangen via Mobilfunk ins Auto. Man achte auf das Datenvolumen und die Gebühren. Ein Probeabonnement des Musikanbieters Aupeo gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Bessere Dienste wie Spotify sind nur über Bluetooth-Audio und die entsprechende iPhone-App nutzbar.

Glympse weiß, wann du ankommst
Glympse weiß, wann du ankommst

Drive Kit Plus ist zunächst ein erfolgversprechender Anfang. Besonders sinnvoll ist das Vorlesenlassen von Facebook-Einträgen und das Abrufen von Veranstaltungs- und anderen Ortsinformationen. Die Fahrerablenkung bleibt in diesen Funktionsbereichen minimal, und da das iPhone fest in der Mittelarmlehne verstaut ist, kommt der Social-Media-Junkie gar nicht auf den Gedanken, es während der Fahrt in die Hand zu nehmen. Bei Twitter bleiben viele Wünsche offen. An erster Stelle der Zugriff auf Twitter-Listen, um beispielsweise gezielt Eilmeldungen abrufen zu können. In Verbindung mit Siri lassen sich viele neue Szenarien entwerfen, und unverständlich ist, warum eine E-Mail-Integration gänzlich fehlt. Im Zusammenspiel mit dem Comand-System ist vor allem bei intensiver Nutzung des Telefons der Umschaltvorgang zwischen beiden Welten ärgerlich. So gesehen lohnt sich Drive Kit Plus vor allem und an erster Stelle in Kombination mit Audio 20. Hier bekommt man dann eine ordentliche Navigation auf den Bordmonitor – und freut sich über Facebook und Twitter als Extras.