Diktieren macht die Texte schön

„How Dictation Software makes us rethink Writing“

Hinter der flapsigen Überschrift steckt ein wichtiger Gedanke: Wie ändert sich unsere Sprache mit der Technik ihrer Erfassung und maschinellen Verarbeitung? Einige Hinweise liefert dieser Wired-Artikel. Wer seine SMS oder E-Mail diktiert, schreibt andere Nachrichten als derjenige, der am PC mit einer Tastatur schreibt. Im besagten Artikel, der sinnigerweise den Begriff „Voice-Writing“ einführt, sind Beispiele aufgezählt.

Nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen sind Diktate in einer einfacheren Sprache gefasst, die auf verschachtelte Satzkonstruktionen verzichtet — und vor allem redundanter ist. Meine diktierten E-Mails sind länger als die getippten, häufig auch höflicher. Am PC gilt das Sparsamkeitsprinzip, man optimiert auf Kürze und Klarheit hin. Diktierend bekommt man das in der Regel nicht hin. Man redet weitschweifiger, denkt häufig erst beim Sprechen zu Ende und kommt oft erst nach vielen Anläufen zu einem Ziel, das man schreibend schneller entdeckt hätte.

Und ein Gedankenexperiment: Wie sähen unsere Texte aus, wenn es die Spracherkennung vor der Textverarbeitung gegeben hätte? Hätte sich die Parsimonie trotzdem durchgesetzt? Oder würden wir wie Goethe, der sämtliche Prosa seinem Schreiber diktierte, noch immer in üppigen Formulierungen und Ornamenten schwelgen?

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