Test: Mykie Küchenroboter fürs Smart Kitchen von Bosch und Siemens

Und wie verbindet sich das System mit anderen Online-Diensten? Diese kurze Frage führte selbst bei bestens geschulten Messehostessen nur zum Kopfschütteln. Auf der Living Kitchen, die in der vergangenen Woche in den Kölner Messehallen Neues nicht allein für Küche und Köche zeigte, war zwar scheinbar jedes nur denkbare Utensil vernetzt und mit App und iPad steuerbar. Aber die Tücke steckt im Detail: Was nützt der ans Internet angebundene Kühlschrank, der seinen Inhalt und die Temperatur dem Besitzer meldet, wenn sich die Konnektivität auf die Produkte eines einzigen Herstellers beschränkt? Vielleicht möchte man im vernetzten Heim der nahen Zukunft mit dem Amazon-Dash-Button seine Lebensmittel nachbestellen oder zumindest eine Schnittstelle zur elektronischen Einkaufsliste haben, die vielleicht mit Todoist, Evernote oder Wunderlist geführt wird?

Küchenhilfe: Mykie. Foto Hersteller

Angesichts fehlender Schnittstellen nach außen kocht jeder auf der Living Kitchen sein eigenes Süppchen. Das kann es ja wohl nicht sein. Doch schon kommt Abhilfe, Mykie ist nicht nur ein kleiner Roboter mit Spracherkennung, sondern dahinter steckt ein Konzept für die vernetzte Küche wie sie Bosch und Siemens sehen. Mykie ist die Abkürzung für My kitchen elf, ein etwa 30 Zentimeter hoher Hausgeist, welcher auf der Arbeitsfläche steht und sich mit angedeutetem Gesicht dem menschlichen Personal zuwendet.

Mykie soll als persönlicher Assistent beim Kochen und Backen helfen, aber er ist auch ein Paradigma für die Home-Connect-Idee der beiden Hersteller. Der Elfe ist also das User-Interface, die Ideen dahinter sind entscheidend. Dem Benutzer widmet sich Mykie wie ein Siri auf dem iPhone oder ein Amazon Echo im Wohnzimmer. Mykie hört zu, er nutzt eine Spracherkennung, er spricht, und seine Mimik mit den angedeuteten Augen passt sich ebenfalls der Situation an. Das kleine Kerlchen erklärt die nächsten Schritte beim Kochen, kann Rezepte und Ideen aus dem Internet abrufen, weiß natürlich, was sich im Kühlschrank befindet und was nachbestellt werden muss.

Mykie hat Zugriff auf alle vernetzten Haushaltsgeräte und regelt demnach die Temperatur des Backofens oder stellt die Dunstabzugshaube ein. Mit einem Monitor lassen sich Videos über Mykie aufrufen, man kann die Freunde oder andere zu einem Live-Chat dazu rufen und auf diese Weise quasi gemeinsam kochen. So sagte es zumindest die Messehostess, die routiniert mit dem Roboter plauderte. Allerdings ist Mykie zunächst eine Studie. „Er lernt noch“, hieß es in Köln. Deutlich weiter ist die dahinter stehende Plattform Home Connect, die seit 2014 ein offenes System für alle nur denkbaren Haushaltsgeräte und deren Vernetzung sein soll. Neben Bosch und Siemens sind eine ganze Reihe weiterer Partner an Bord, darunter Busch-Jaeger mit Schaltern, Sicherheitstechnik und Türkommunikation, aber auch das Nuimo-Bediensystem von Senic, der Küchenhersteller Tielsa sowie nicht zuletzt Amazon, IFTTT und Google.

Home Connect arbeitet mit W-Lan und Apps für Android und iOS; es erlaubt einen Zugriff auf die angeschlossenen Hausgeräte aus der Ferne. Die Entwickler wollen das Internet der Dinge ins Haus bringen. Vom Kaffeevollautomat über die Waschmaschine bis zum Kühlschrank werden bislang ein halbes Dutzend unterschiedlicher Gerätegattungen unterstützt. Wichtiger ist jedoch die Einbindung der Regelsysteme, wie sie etwa Amazons Alexa oder IFTTT bieten. Auf diese Weise lassen sich Befehlsketten mit der vorhandenen Hardware erstellen. If this than that, dafür steht das zweite Kürzel, erlaubt es zum Beispiel, dass das Licht mit Philips-Technik eingeschaltet wird, wenn der Bewegungsmelder von D-Link eine Person entdeckt hat. Das alles kann man nun für die Küche weiterdenken: Alexa von Amazon nimmt Befehle für den Backofen entgegen, und wenn die Milch alle ist, meldet das der Kühlschrank via IFTTT an die Einkaufsliste von Todoist, die wiederum automatisch mit allen Smartphones des vernetzten Haushalts synchronisiert wird.

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